Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Es ist eine Tatsache: Fast alle Obdachlosen sind männlich.

verfasst von Tigresa(R), Berlin, 07.01.2009, 18:43

Dazu fällt mir ein Zitat meines Empirik - Professors ein:

Ein Wissenschaftler gibt einem Probanden ein Glas mit Wasser mit Whiskey, dem zweiten ein Glas Wasser mit Wodka und dem dritten ein Glas Wasser mit Korn. Nach einer Weile torkeln alle drei Probanden durchs Labor. Der Wissenschaftler schreibt in sein Notizbuch: "Wasser macht betrunkten".

Was ich damit sagen will:
Im Falle von Obdachlosigkeit von Männern ist es schwierig, auf den ersten Blick Ursache und Wirkung zu erkennen. Man könnte tatsächlich davon ausgehen, daß es an einer Unfähigkeit der Männer liegt, aber das ist weit zu einfach gedacht.
Z.B. verlieren Frauen nach einer Trennung den Mann, aber Männer ihre ganze Familie, was weit traumatischer sein dürfte. Jede Frau solle sich bitte mal vorstellen, was es für sie bedeuten würde, von ihren Kindern getrennt zu werden.
Da Männer in vielen Fällen während der Ehe Alleinversorger waren, hatten sie weniger Möglichkeiten soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen, die einen gerade in der schwierigen Trennungsphase auch mal auffangen können.
Auch ist das Therapieangebot sehr einseitig gestaltet. Männer tendieren eher zum "Einsamen Wolf"-Verhalten und tun sich schwerer damit, Hilfe anzunehmen. Die Obdachlosenhilfe funktioniert aber in großem Maße nur auf Nachfrage.

Ich fahre jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an der "Lichtenberger Obdachlosenhilfe" vorbei. Diese hat zwei Eingänge, vor der sich früh um sieben schon lange Schlangen bilden. Vor der kostenlosen Essensversorgung stehen Frauen wie Männer an, vor den Beratungsräumen fast ausschließlich Frauen.
Nun könnte man sagen: "Tja, da muß mann halt über seinen Schatten springen, sonst ist er selbst Schuld."
Aber es wäre besser und für ein fortschrittliches Land wie Deutschland angemessener, auch den Bedürfnissen der anderen Hälfte unserer Gesellschaft gerecht zu werden, anstatt fast ausschließlich darauf zu schielen, wie Frauen geholfen werden kann und dann den Männern in einem Nebensatz zu verklickern, daß sie sich ja bei den Frauenhilfsangeboten melden könnten.

Ich weiß nicht, wie diese männergerechten Therapien und Hilfen genau aussehen könnten, vielleicht wären konkrete Angebote schon während der Scheidung eine Möglichkeit. Auf jeden Fall wären wesentlich mehr Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für spezielle Hilfen für obdachlose Männer/Väter angebracht!

Gruß
Tigresa

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