Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ist der Begriff "Femifaschismus" angemessen?

Beelzebub, Wednesday, 24.05.2006, 19:58 (vor 5930 Tagen)
bearbeitet von Beelzebub, Wednesday, 24.05.2006, 20:07

Tach Leute,

um die Antwort in aller Kürze erst mal wiederzugeben: ich finde ja, dieses Wort ist kein Unwort.

Ich gebe allerdings den Gegnern der Verwendung dieses Begriffs insoweit recht, als dass es einem schnell leid werden kann, wenn an jeder Ecke die Faschismus-Keule geschwungen wird. Auch bin ich der Ansicht, dass das in vielen Fällen unangebracht ist. So zeugt es m.E. von einer gewissen Paranoia, jeden Rechtsaußen der CSU, der nach 10 Maß Bier dumme Reden schwingt, gleich als "Faschisten" zu bezeichnen.

Aber wir sollten auch nicht der Gefahr erliegen, aus dem Begriff "Faschismus" eine Art negativer Ikone zu machen, die in irgendwelchen unerreichbaren Höhen schwebt und die um Himmels willen niemals in profanen Diskussionen verwendet werden darf - Stichwort "Verharmlosung" bzw. "Verhöhnung der Opfer".

Der Faschismus kennt mehrere Spielarten, der Nationalsozialismus mit seinen Millionen Morden (deren Durchführung in der Tat etwas nahezu unvergleichliches ist) ist nur eine davon.

Wollte man deswegen das, will mal sagen "Vergleichsverbot" auf die Spitze treiben, dann wäre es schon eine "Verharmlosung" bzw. "Verhöhnung der Opfer", wenn man Mussolini, Franco, Salazar oder Pinochet als Faschisten bezeichnet. Aber das waren nun mal Faschisten, auch wenn sie keinen millionenfachen Mord auf dem Kerbholz haben.

Was nun den Begriff "Femifaschismus" betrifft, so halte ich ihn für kaum übertrieben, und zwar nicht nur dann, wenn es um Valerie Solanas geht, deren perverse Massenmordphantasien einst in der "Emma" als "brillante Satire" bezeichnet wurden "als hätte Oscar Wilde beschlossen, Terrorist zu werden." [Nein, diesen Dreck verlinke ich nicht, wen's interessiert, soll sich die entsprechende Stelle auf der "Emma" Website selber suchen]

Faschismus unterscheidet sich für mich von anderen Formen des Totalitarismus (wie etwa dem Stalinismus) dadurch, dass im Faschismus Menschen nicht mehr nur für das verfolgt und drangsaliert werden, was sie gesagt oder getan haben, sondern für das, was sie von Geburt an sind, ohne es ändern zu können. So hatte im Stalinismus, so mörderisch der auch war, immerhin jeder die Chance, sich durch äußerliche Anpassung retten zu können. Juden im 3. Reich hatten diese Chance nicht. Ähnlich geht's im Weltbild der Femifaschistinnen mit Männern, und zwar allen Männern. Für die US-amerikanische Femifaschistin Mary Daly etwa sind Männer grundsätzlich niedere Lebewesen, selbst dann noch, wenn sie sich per GU in Frauen umoperieren lassen. Transsexuelle sind für vorgenannte Person "Frankensteins Monster".

Ein weiteres Merkmal des Faschismus ist die kollektive Schuldzuweisung. So diente etwa ein von einem Juden begangenes Attentat auf einen deutschen Diplomaten in Paris dem nationalsozialistischen Terrorregime zum Vorwand, alle Juden kollektiv zur Verantwortung zu ziehen und ein als "Reichskristallnacht" verharmlostes Pogrom gegen alle deutschen Juden zu veranstalten.

Für mich drängt sich die Parallelle zur von Radabfems geforderten "Männersteuer" auf. Die wird damit begründet, dass Männer als Verursacher von Männergewalt die dadurch entstehenden Kosten (etwa für Knäste) zu zahlen hätten. Wohlgemerkt, alle Männer, egal, ob sie selber gewalttätig waren oder nicht, d.h. hier werden alle Männer für die Fehler einiger weniger Männer verantwortlich gemacht - nur weil es Männer sind.

Zwischen der Pogromnacht und der Forderung nach Männersteuer besteht für mich lediglich ein quantitativer Unterschied, aber kein qualitativer.

Eine weitere Parallelle zwischen Faschismus und Feminismus, ist die absolute Menschenverachtung, mit der Menschenleben der Ideologie geopfert werden. Als Beispiel mag dazu der (hier im Forum auch schon diskutierte) Fall David Reimer dienen. Für mich gehören Figuren wie John Money und Gunter Schmidt in ganz genau die gleiche Kategorie, wie SS-Ärzte, die einst an KZ-Häftlingen (meist tödlich ausgehende) Menschenversuche durchgeführt haben.

Und es gibt der Parallellen noch viel mehr. So wurde z.B. vor nicht allzu langer Zeit in einer Grünanlage nicht weit von meiner Wohnung mit viel Tamtam und Trara ein Ballspielplatz eröffnet. Wäre kaum erwähnenswert, hinge da nicht ein Schild, das diesen Spielplatz als einen für Jungen verbotenen Mädchen-Ballspielplatz kennzeichnet.

In derselben Grünanlage standen einst Bänke, auf denen "Nur für Arier" zu lesen stand. Und auf den vorhersehbaren Vorwurf, ich würde hier maßlos übertreiben, möchte ich schon jetzt antworten: Ich vergleiche nicht zwischen einen Verbotsschild und dem Holocaust. Ich vergleiche lediglich zwei widerwärtige Verbotsschilder miteinander. Auch die "Endlösung der Judenfrage" kam damals nicht gleich als erstes. Als erstes kamen die vergleichsweise harmlosen Schilder "Juden unerwünscht". Wären die nicht so widerspruchslos hingenommen worden, dann hätte es den Massenmord womöglich gar nicht gegeben.

Noch mehr Parallellen? Ihr könnt sie massenhaft finden. Ersetzt einfach in diversen feministischen Pamphleten, Buchtiteln oder Liedertexten das Wort "Mann", soweit es vorkommt durch "Jude".

Was glaubt Ihr, ob es wohl ein deutscher Autor oder Verleger wagen würde, ein Buch mit dem Titel "Nur ein toter Jude ist ein guter Jude" zu veröffentlichen? Oder würde sich eine drittklassige Schlagerkombo trauen, ein Stück herauszubringen "Juden sind Schweine"?

Und schließlich, Alice Schwarzers widerliche Hetztirade, in deren Zusammenhang ich den eingangs genannten Begriff hier verwendet habe: Deren unverhohlene Lobeshymne auf die feige Messerattacke einer Frau auf einen schlafenden Mann - "da muss ja Frauenfreude aufkommen" klingt für mich verdammt ähnlich wie das Geplärre der SA "wenn Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's noch mal so gut."

Nochmals: den Begriff "Femifaschismus" habe ich mir gut überlegt und ich halte ihn für kaum übertrieben.

Und für all diejenigen, die möglicherweise sagen: "der Kerl hat ja keine Ahnung, hat den Naziterror nicht erlebt!" will ich hier noch einen Leserbrief von jemandem wiedergeben, der das 3. Reich er- und überlebt hat. Dieser Brief erschien vor nunmehr einem Vierteljahrhundert in der ?taz? (heute nachzulesen in einem Buch mit dem Titel ?Macker! Schlampe! Heuchlerbande! ? die Leserbriefschlachten in der taz?, rororo TB 1999, ISBN 3-499-60786-7)

Der Brief bezieht sich auf einen Bericht der ?taz? vom 30.4.1981 über einen Forderungskatalog, der auf dem feministischen Kongress ?Hamburger Frauenwoche? verabschiedet worden war. Dort wurde u.a.folgendes verlangt.

- die Hälfte der öffentlichen Verkehrsmittel in Hamburg nur für Frauen
- Ausgehverbot für Männer ab 20 Uhr

Der Leserbrief dazu lautete:

"(...) Fast fünf Tage habt Ihr diskutiert? Dabei hättet ihr doch nur ins Stadtarchiv zu gehen brauchen. Euch wäre viel Gerede erspart geblieben, denn Eure Forderungen sind alte Hüte. Als Kind war es mir verboten, im Weberpark zu spielen. Später, ich glaube bei Gott nebbich dem gerachten im Jahr 1938, durften wir uns abends nicht mehr auf die Straße wagen. Nur waren damals die Verordnungen etwas klüger als Eure Forderungen ??man? hatte die Winterzeit miteinbezogen, denn im Winter mussten wir schon um 18 Uhr von der Straße verschwinden. Ich meine dieser Punkt, die Zeit, wäre für Euch Frauen von besonderer Wichtigkeit. Im Winter wird es früher dunkel und Untermenschen lieben die Dunkelheit. Nur im Schutze der Dunkelheit können sie ihr geiles Unwesen treiben.

Auch die Forderung nach seperaten Verkehrsmitteln ist so neu nicht. Jeder Hamburger Jidd kann?s Euch bestätigen, denn außer den Jidden haben?s alle vergessen, ab 1938 durften wir nur bestimmte Straßenbahnen benutzen und als wir dann einen gelben Stern am Kleid, Rock, Mantel tragen mussten durften wir gar keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. (...)
Ansonsten halte ich Euren Katalog für eher bescheiden und erlaube mir deshalb, Euch einige Vorschläge für Eure nächste Diskussion zu unterbreiten.

- alle Männer im ganzen Reich sollen deutlich für alle Frauen sichtbar ein Zeichen tragen, damit sich kein geiler Bock hinter ?Frauenkleidern? verstecken kann.

(...)

- um die Einhaltung der Ausgangssperre zu gewährleisten, sollten die Frauen fliegende Kommandos aufstellen. Also mit Streifen, mit Funk ausgerüstet, die, falls sie einen Mann nach 20 Uhr auf der Straße antreffen, ein Operationsauto rufen, das alle Geräte an Bord hat, um eine sofortige Kastration durchführen zu können.

- Wenn alle Macht in Frauenhänden liegt, kann frau dazu übergehen, Arbeitslager einzurichten. Die Männer werden vor Einweisung selektiert und nach Richtlinien, die Ihr auch noch diskutieren müsst, entweder kastriert oder finden Verwendung in einer Samenbank.

Wir sehen einer glücklichen Zukunft entgegen, vielleicht ein ?1000jähriges Reich?! Irgendwie muß es doch zu erreichen sein.

P.S. Ich habe diesen Leserbrief wirklich noch vor 20 Uhr zum Kasten getragen."

Greets

Beelzebub

--
"Ihre Meinung ist widerlich. Aber ich werde, wenn es sein muß, bis zum letzten Atemzug dafür kämpfen, dass Sie sie frei und offen sagen dürfen." (Voltaire)

Ich denke, also bin ich kein Christ. (K. Deschner)


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