Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Feminismus ist nicht gleich Femifaschismus

Beelzebub, Wednesday, 24.05.2006, 22:01 (vor 5929 Tagen) @ Magnus

Abgesehen von deinem linksorientierten, schulpädagogischem Geschichtsbild

Gute Güte, was soll denn das sein? Und wie kommst Du da drauf?

kein direktes Antonym gibt. Verwendet man hingegen den Begriff
"Rechtsextremismus", so ist klar, dass es auch "Linksextremismus" geben
muss. Mit dem Wort "Faschismus" aus diesem Lager hat man sich diesem
Problem der möglichen Kritik entledigt und es dann dementsprechen
inflationär eingesetzt,

Das haut so nicht ganz hin. Es gibt sehr wohl den Begriff "Linksfaschismus". Schon Kurt Schumacher sprach von Kommunisten als von "rotlackierten Faschisten".

zur pauschalen Verteufelung und Diffamierung
ganzer Gruppen oder Personen (und genau deswegen verstehen viele den
Begriff "Faschist" nicht mehr als Bezeichnung für eine bestimmte
(undemokratische) Weltanschauung, sondern nur noch als pauschales, eben
inflationär verwendetes, Schimpfwort aus linker Ecke).

Deswegen ja auch die Vorsilbe "Femi"

Und genau dieser Beigeschmack bleibt bestehen bei der Verwendung des
Begriffs "Femifaschismus". Ich halte ihn daher nicht für glücklich
gewählt, da dieser neben der besagten Intention auch schon seine
politische Nische der Verwendung gefunden hat (die übrigens meist da zu
finden ist, wo Feminismus seine größten Umtriebe feiert), mit der sich nun
mal nicht alle identifizieren können.

Ein Begriff, mit dem sich alle identifizieren können, ist, so weit so was überhaupt möglich ist, bestenfalls unscharf, meistens aber so ungenau, das genau das geschieht, was du vermeiden willst: dass er nämlich universal für und gegen alles und jedes verwendet werden kann - und wird. Nimm z.B. den Begriff "Gerechtigkeit". Da es keine Weltanschauung gibt, die von sich selbst behauptet, ungerecht zu sein, hängt sich das Etikett "gerecht" jeder an - mit der Folge, dass man, will man dieses Wort überhaupt noch benutzen, in Kauf nehmen muss, dass alle möglichen Leute darunter alles mögliche verstehen.

Schließlich ist die Feminismuskritik
eine "überparteiliche" Gesellschaftskritik und das ist auch gut so und
sollte so bleiben. Daher wäre ich gegen diesen Begriff.

Das läuft, wie ich gerade sagte, Gefahr, zu pauschal zu werden - wegen Begriffsungenauigkeit. Vor allem aber geht es mir nicht darum, den Feminismus in toto anzugreifen, sondern seine Auswüchse in Gestalt des - Femifaschismus. Mir fällt einfach nix passenderes prägnantes ein.

Bedeutung nach Neu-Sprech-Methode umzudeuten. Wer hätte denn z.B. mal
ernsthaft geglaubt, dass Diskriminierung auch "positiv" sein kann? Oder
dass ein bisschen Schubsen schon Gewalt ist, oder die Infragestellung von
Geschlechterquoten "frauenfeindlich"? Oder der unbekannte Mann im Parkhaus
oft als mutmaßlicher Vergewaltiger verstanden wird?

Den Feminismus insgesamt eine neue Bedeutung zu geben, ist ein Brocken, an dem sich sogar Atlas verheben dürfte. Und selbst wenn es gelingen sollte, würde damit das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Es ist ja nicht so, dass der Feminismus (zumindest der früherer Zeiten) ganz und gar zu verurteilen war oder ist. Die Frauen, die z.B. gleichen Lohn für gleiche Arbeit gefordert haben oder das Recht, auch ohne Erlaubnis ihres Ehemannes Arbeits- und sonstige Verträge abschließen zu dürfen, die waren ja durchaus im Recht. Ebenso z.B. die hier lebenden Türkinnen, wenn sie das Recht einfordern, ihre Ehemänner oder Sexualpartner selbst auszusuchen. Es geht mir darum, aufzuzeigen, dass der einst berechtigte und heute noch zumindest partiell berechtigte Feminismus (doch, so was gibt's auch) inzwischen in weiten Teilen zu etwas anderem degeneriert ist - zum Femifaschismus nämlich.

Wir müssen uns eines klar machen: der linguistische Kampf wird nicht in
erster Linie darin bestritten, dass neue Begriffe kreiert werden, die
meist nur eine für die Mehrheit nichtverstandene Provokation darstellen,
sondern dass alte Begriffe und Bilder in neue Bedeutungen gepresst werden.
Wer da diesen Kampf gewinnt, hat Zeitgeist etabliert...

D'accord. Dann aber liegt es an uns, den Begriff 'Femifaschismus' von der Bedeutung einer nichtverstandenen Provokation wegzuholen. Das dürfte wesentlich leichter zu bewerkstelligen sein, als den Begriff 'Feminismus' mit einer neuen (und zudem zumindest teilweise unberechtigten) Bedeutung zu versehen.

Greets

Beelzebub

--
"Ihre Meinung ist widerlich. Aber ich werde, wenn es sein muß, bis zum letzten Atemzug dafür kämpfen, dass Sie sie frei und offen sagen dürfen." (Voltaire)

Ich denke, also bin ich kein Christ. (K. Deschner)


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