Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Der "focus" zur Abwahl von Monika Ebeling in Goslar

Heiliger Geist, Mittwoch, 25.05.2011, 12:48 (vor 3438 Tagen)

Guter Artikel aus dem aktuellem focus, online nicht verfügbar,
ich stelle ihn deshalb mal komplett hier ein:

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Die Gleichstellungsbeauftragte von Goslar wollte auch Männer gleichstellen und verlor ihren Job - ein letzter Triumph verbitterter Traditionsfeministinnen?

Das lila Imperium

Von Alexander Wendt

Es gibt sie noch, die Siege des nicht mehr so guten alten Feminismus. Zum Beispiel in der vergangenen Woche in Goslar: Dort ist es einer Ratskoalition von Linkspartei und FDP gelungen, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt aus dem Amt zu jagen.

Vorher hatten die Vertreterinnen von Frauenverbänden ein umfangreiches Sündenregister der Dissidentin zusammengestellt. Sie habe eine Ausstellung über Gewalt, in der Männer nur als Täter und Frauen nur als Opfer vorkommen, als einseitig kritisiert. Sie habe sich als Gleichstellungsbeauftragte auch für Männer eingesetzt. Sie habe ihre Webseite beispielsweise mit der Seite eines Scheidungsväter-Blogs verlinkt. Sie seien nicht "teamfähig". Mit dem Rauswurf der Frau fand ein altes Mao-Prinzip auch hierzulande seine praktische Anwendung: "Bestrafe eine, erziehe hundert" - in diesem Fall 800 andere kommunale Gleichstellungsbeauftragte, die sonst auf dumme Ideen kommen könnten.

Zu Triumphen dieser Güteklasse kann sich das lila Imperium des Traditionsfeminismus durchaus noch aufraffen. Unter Benachteiligungsklägerinnen zählt in der Tat weniger das Argument als vielmehr die Teamfähigkeit, die Fähigkeit also, sich wechselseitig und solidarisch vernetzt das eigene Mantra zu bestätigen. Frauen, so lautet ihr erster Merksatz, sind stets Opfer, während für den Mann das Diktum der feministischen Klassikerin Andrea Dworkin gilt: "Terror ist sein Lebenszweck." Zweitens: Frauen werden noch immer ausgebeutet; sie bekommen 23 % weniger Geld für die gleiche Arbeit. Drittens: Benachteiligungen können Männer gar nicht treffen, egal, auf welchem Gebiet.

In einer Studie zu Gewalt in Paarbeziehungen im Auftrag der evangelischen Kirche kam der Sozialwissenschaftler Peter Döge 2010 zu dem Ergebnis, dass sich bei leichter Gewalt beide Geschlechter die Waage halten. Nur bei der - sehr viel selteneren - schweren Gewalt seien Männer etwas stärker vertreten. Damit bestätigte er nur die Ergebnisse früherer Untersuchungen. Ebenfalls Ende 2010 demontierte das Institut der deutschen Wirtschaft den 23-Prozent-Gehaltsmythos. Steigen Frauen nach der Babypause sofort wieder in den Beruf ein, so die Studie, dann schnurrt der Unterschied bei tatsächlich gleicher Qualifikation und Arbeitszeit auf dünne 4 % zusammen.

Eine Menge jüngerer Frauen bräuchten diese Studien noch nicht einmal für ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sie fühlen sich nicht als Opfer. Sie fühlen sich nicht ausgebeutet. Und sie wissen durchaus, dass auch Männer benachteiligt sein können - zum Beispiel beim Streit um Scheidungskinder. Gerade das verbittert die Feministinnen alter Schule am meisten: Nicht nur, dass ihnen ihre faktische Deutungshoheit zerbröselt - es geht ihnen auch noch die junge Generation von der Fahne. Selbst auf die Linientreue einer Gleichstellungsbeauftragten ist nicht mehr unbedingt Verlass. Emanzipation, so klagte die Feministin Silvia Bovenschen kürzlich, sei für junge, gut ausgebildete Frauen heute ein "Schmuddelwort". Dabei findet niemand den Uraltfeminismus schmuddelig. Nur museal.

Die alten Feministinnen bringen sich auch noch um ihre unbestreitbaren Erfolge der Vergangenheit, indem sie ihre Behauptung über die unverminderte Frauendiskriminierung auf Endlosschleife stellen. In der Gegenwart haben sie außer giftigen Kommentaren über die angeblich ignorante und undankbare Töchtergeneration nichts anzubieten. Für das feministische Thesengebäude muss man mit Schiller feststellen: In öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen. Da hilft auch keine Sanierung mehr.

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