Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Indische Frau für den Mord an ihrem Ehemann mit Preis geehrt

Matej, Sonntag, 18.04.2010, 02:18 (vor 3875 Tagen)

Hallo, im Chat haben wir eben ein spannendes Thema besprochen. Der Youtube-User "manwomanmyth", der auf seinem Kanal englischsprachige Videos zum Thema Anti-Feminismus und Maskulismus hochlädt, behandelt in einem seiner Videos eine indische Frau, die wegen häuslicher Gewalt ihres Ehemannes gelernt hatte Napalm herzustellen, mit dem sie ihn 1989 überschüttet und angezündet hatte. Ursprünglich wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt, aber weil sie sich des Totschlags für schuldig bekannte wurde sie bereits 1992 wieder entlassen. Eine Frauenorganisation half ihr dabei, sie als Ikone gegen häusliche Gewalt zu stilisieren. Die Frau des Premierministers Blair überreichte ihr 2001 einen Preis bei der ersten Preisverleihung für asiatische Frauen.

Hier ist der Artikel: http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/1651234.stm
und das Video: http://www.youtube.com/watch?v=rxsV1vhOENA (so ab 1:50)
[beides englisch]

Übersetzung des Artikels:
Eine asiatische Frau, die man zu lebenslanger Haft für das Verbrennen ihres Mannes verurteilte, wurde bei der Preisverleihung für den Tabubruch häuslicher Gewalt geehrt.

Obwohl sie 10 Jahre unter seiner Brutalität gelitten hatte, wurde Kiranjit Ahluwalia aus Southall, Westlondon, für schuldig befunden, ihren Mann 1989 getötet zu haben.

Ahluwalia, deren lebenslange Haftstrafe 1992 aufgehoben wurde, nachdem man ihr Schuldbekenntnis des Totschlags akzeptierte, wurde bei der ersten Preisverleihung für asiatische Frauen geehrt.

Mit der Hilfe der Southall Black Sisters (SBS) wurde sie zum Symbol des Kampfes asiatischer Frauen gegen häusliche Gewalt, um dabei zu helfen, das soziale Verhalten zu verändern und andere dazu zu ermutigen, nicht länger zu schweigen.

Ahluwalia sagte: "SBS hat asiatischen Frauen den Weg der Unabhängigkeit und des Selbstbewusstseins gezeigt. Was sie für mich getan haben, hätte niemand anderes für mich tun können."

Als Übersetzer tauge ich leider nicht so sehr ;)
Wer möchte, darf gerne den Rest des Textes übersetzen, im Großen und Ganzen ist das aber der Ablauf der Geschichte.

Diese Aktion ist fast unglaublich

Christine ⌂, Sonntag, 18.04.2010, 13:13 (vor 3874 Tagen) @ Matej

Übersetzung des Artikels:
Eine asiatische Frau, die man zu lebenslanger Haft für das Verbrennen
ihres Mannes verurteilte, wurde bei der Preisverleihung für den Tabubruch
häuslicher Gewalt geehrt.

So traurig diese Auswüchse auch sind, sie erinnern auch an Strauss/Gelles/Steinmetz, die nach intensiver Auswertung ihrer Studien zur häuslichen Gewalt festgestellt hatten, das häusliche Gewalt zu ungefähr gleichen Teilen von beiden Geschlechtern ausgeht.
Des weiteren erinnert mich das an Esther Vilar, Karin Jäckel, Katharina Ruschky, neuerdings auch Prof. Gerhard Amendt u.v.m., die es wagten, auch die Gewalt von Frauen zu thematisieren und dafür z.T. mit dem Tode bedroht wurden.

Diese Aktion ist so unglaublich, das mir fast die Worte dafür fehlen, weshalb ich lediglich einen Verweis auf WikiMANNia zum Thema häusliche Gewalt lege.

WikiMANNia: Häusliche Gewalt

Danke fürs einstellen und übersetzen :-)

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Demnächst in unserem Recht: Erschlagen sie ihren unangenehmen Nachbarn.

Rainer ⌂, Sonntag, 18.04.2010, 13:25 (vor 3874 Tagen) @ Matej

Ahluwalia, deren lebenslange Haftstrafe 1992 aufgehoben wurde, nachdem man
ihr Schuldbekenntnis des Totschlags akzeptierte, wurde bei der ersten
Preisverleihung für asiatische Frauen geehrt.

Vielleicht darf man demnächst seinen Nachbarn erschlagen weil der einen 10 Jahre lang das Leben schwer gemacht hat. Bei nur 3 Jahren Haft und anschließender Auszeichnung gäbe es sicher genügend Anwärter für so eine Tat. Zumal es schwieriger ist ein Haus zu verkaufen als sich von einem gewalttätigen Ehepartner zu trennen.

Rainer

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[image]
Kazet heißt nach GULAG jetzt Guantánamo

Indische Frau für den Mord an ihrem Ehemann mit Preis geehrt

Christine ⌂, Sonntag, 18.04.2010, 16:03 (vor 3874 Tagen) @ Matej

Hallo Matej,

ich habe Deinen Artikel im FemokratieBlog eingestellt. Diese Unglaublichkeit gehört verbreitet.

http://femokratieblog.wgvdl.com/fuer-mord-an-ehemann-mit-preis-geehrt/04-2010/

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Indische Frau für den Mord an ihrem Ehemann mit Preis geehrt

der_quixote, Absurdistan, Sonntag, 18.04.2010, 17:32 (vor 3874 Tagen) @ Matej

Interessant wofür frau alles diesen preis bekommt.

..."die anderen gewinnerinnen waren:

# Mradula Kothary aus Wembley, London, deren sohn rajen mit einem loch im herzen geboren wurde und welcher im oktober, im alter von 29 starb.

# Surrender, aus Ealing, London, bei der früher im Jahr HIV festgestellt wurde, nachdem ihr ehemann an einer durch HIV ausgelösten krankheit starb.

# Bhupinder Manz, aus Southall, die vollzeit arbeitet sich aber trotzdem um ihre beiden kinder kümmert welche von der dialyse abhängig sind und auf eine nieentransplantation warten.

# Anna Pandya, 15, aus Leicester, die taub ist und für die gesamte familie,welche unter hörstörungen leidet die kommunikation erledigt.

# Sukhdev Reel, aus West Drayton, west London, die zu beweisen versuchte, das ihr studierender sohn ricky ermordet wurde. nun engagiert sie sich gegen rassistische diskriminierung während sie sich um ihre vier kinder kümmert.

der SBS erhielt auch einen preis für das lebenswerk den anhaltendden einsatz und die unterstützung für asiatische und farbige frauen welche zu hause gewalt und missbrauch ausgesetzt sind.

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Man(n) sollte (s)eine Frau welche schweigt niemals unterbrechen...

Napalm oder Benzin?

Pittiplatsch, Sonntag, 18.04.2010, 19:18 (vor 3874 Tagen) @ Matej

Auf der amerikanischen Wikipedia steht, dass sie Benzin aus der Garage geholt hat. War es jetzt Benzin aus der Garage oder selbst hergestelltes Napalm? Das macht einen ziemlichen Unterschied.

Wenn es Benzin war, kann es eine Kurzschlussreaktion gewesen sein. Wenn es tatsächlich selbst gebautes Napalm war, heißt das, dass sie das ganze über lange Zeit vorbereitet hat. Dann war es schlicht Mord und passt auch nicht zum "Battered Wife Syndrom".

Napalm oder Benzin?

Matej, Sonntag, 18.04.2010, 19:21 (vor 3874 Tagen) @ Pittiplatsch

Auf der
amerikanischen
Wikipedia
steht, dass sie Benzin aus der Garage geholt hat. War es
jetzt Benzin aus der Garage oder selbst hergestelltes Napalm? Das macht
einen ziemlichen Unterschied

Im Video wurde gesagt, dass es Napalm ist, habe dazu aber bisher keine andere Quelle. Im Prinzip ist es aber egal, da sie zumindest solange warten konnte, bis er eingeschlafen ist, meiner Meinung nach ist das nicht die Entsprechung einer Kurzschlusshandlung.

Napalm oder Benzin? Die Verfilmung "Provoked"

Pittiplatsch, Sonntag, 18.04.2010, 19:45 (vor 3874 Tagen) @ Matej

da sie zumindest solange warten konnte, bis er eingeschlafen ist, meiner Meinung nach ist das nicht die
Entsprechung einer Kurzschlusshandlung.

Stimmt auch wieder. Hier habe ich einen kleinen Hinweis gefunden. Es geht um den Film "Provoked",in dem die Geschichte verfilmt wurde

"Provoked tells a heroic, absorbing story, though a few questions remain untouched. During Kuranjit's first trial, the Crown suggests she mixed gasoline with soap or something to make homemade napalm. We don't see that happen, and we don't see that charge refuted, which suggests a little more premeditation to the act than this film allows"

Auf Deutsch:

"Provoked erzählt eine heldenhafte und fesselnde Geschichte, obwohl einige Fragen unberührt bleiben. Während Kuranijits erster Verhandlung wies der Staatsanwalt darauf hin, dass sie Benzin mit Seife mischte um Napalm herzustellen. Wir sehen nicht, wie das passiert, und wir sehen auch nicht wie dieser Anklagepunkt widerlegt wird, welcher etwas mehr Vorsatz nahelegt als uns dieser Film vermittelt."

Natürlich hat man gleich einen heldenhaften Film daraus gemacht. Und natürlich wird dabei alles ausgeblendet, was den Heiligenschein des "Opfers" beschädigen könnte.

Indische Frau für den Mord an ihrem Ehemann mit Preis geehrt

Robert ⌂, München, Montag, 19.04.2010, 12:35 (vor 3873 Tagen) @ Matej

Eine Frau ermordet ihren Ehemann und

Eine Frauenorganisation half ihr
dabei, sie als Ikone gegen häusliche Gewalt zu stilisieren.

Pervers. Noch perverser, daß dieser Widerspruch offenbar schon gar nicht mehr erkannt wird.

Da passt nur noch mein Lieblingsspruch aus dem Roman "Es muss nicht immer Kaviar sein" von Simmel (aus dem Gedächtnis): "Ich weigere mich, zu glauben, daß die ganze Welt ein Irrenhaus ist, 10 Jahre später weigerte er sich nicht mehr. Und heute ist er überzeugt davon, daß das die einzig profunde Wahrheit ist. ..."

Robert

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Wolfgang Gogolin "Diese Hymnen für Frauen erinnern an das Lob, das einem vierjährigen Kind zuteil wird, weil es endlich nicht mehr in die Hose kackt, sondern von allein aufs Töpfchen geht."

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