Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Zoff (oder Zeichen von Realismus?) unter den Linken

JW Leser, Donnerstag, 29.12.2011, 21:48 (vor 3583 Tagen)

Falsche Richtung
Beteiligung von Linke-Politikerinnen an Allparteieninitiative für gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten wird von vielen Genossinnen kritisiert

Das von allen feministischen und linken Positionen entkoppelte Eintreten für eine Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten auf 30 Prozent ist nicht vermittelbar als >Schritt in die richtige Richtung« (…). Vielmehr handelt es sich im Kern um eine interne Auseinandersetzung von neoliberalen und rechten Kräften, nicht zuletzt zwischen dem politischen Lager der Ursula von der Leyen mit dem der Kristina Schröder.

Gewinnerinnen des Bündnisses sind eine kleine Zahl Frauen der Oberschicht und eine Gruppe von Führungspolitikerinnen, die in Zeiten tiefster Krise nicht auf der Seite der betroffenen Menschen, sondern auf der Seite der Verursacherinnen und Profiteure der Krise stehen. Die Berliner Erklärung ist ein Forum, in dem die CDU-Ministerin von der Leyen gemeinsam mit Friede Springer (CDU), Milliardärin und Repräsentantin eines frauenfeindlichen Medienkonzerns, in ein demokratisches Licht gestellt werden.

Hier

Zoff unter den Femis

H.-Norbert ⌂, Nordhessen und an (auf) der Ostsee, Freitag, 30.12.2011, 00:25 (vor 3583 Tagen) @ JW Leser

Schön. So lange die sich untereinander streiten, ist es in Ordnung.

Norbert

--
www.NUlb.de
www.Stiefkindadoption.de

Allgemeiner Richtungsstreit und Prioritäten bei den Linken.

LatexTester, Freitag, 30.12.2011, 06:41 (vor 3583 Tagen) @ H.-Norbert

Schön. So lange die sich untereinander streiten, ist es in Ordnung.
Norbert

Nicht unterschätzen. Die Zeichen mehren sich, siehe auch die weiter unten verlinkten Blogeinträge aus dem Freitag, wenn immer mehr Linke begreifen, dass der Feminismus zwar sozialistisch daherkommt, aber nach altem tittensozialisten Muster nur für die "gleicheren" Schweine arbeitet. Der Magd (Lidlkassiererin, Arzthelferin, Putzfrau) kann es doch egal sein, wenn das Bürgerfrauchen mit dem Bürgermännchen darum rangelt, wer von beiden ganz besonders davon profitiert, das Personal auszubeuten. Dem Knecht geht es da nicht anders.

Nehmen wir oder man das Thema Mindestlohn, welches pünktlich von den Zeitungen zum Jahresende im Silvesterfeuerwerk untergehen soll. Da bekommt ein Bäcker in Bayern anfangs unter sechs Euro die Stunde - während Feministinnen darüber fantasieren, Frauen würden an der Bäckertheke schlechter bezahlt. Nehmen wir aber auch die Friseuse, die in den neuen Bundesländern (aber nicht nur dort) überhaupt nur mit dem Trinkgeld auf einen Armutslohn kommt, etc. Und während all die Mißstände der Bezahlung den Parteien seit Jahren bekannt sind, streiten von der Leyen und Frau Schröder über die Frauenquote im Vorstand, sind seit Monaten immer wieder Artikel darüber in den Zeitungen zu lesen, die insbesondere im Falle des durchschnittlichen Bildlesers, völlig ohne Belang und fern aller beruflichen Erreichbarkeit liegen. Das begreift selbst Bananen-Gabi, die thüringische Friseuse.

Früher nannte man das bei den Linken Onanie und langsam dämmert es den Linken, dass sie beim Establishment mitmasturbieren. Gerade in der Partei Die Linke (angetreten aus der Fusion von WSAG, PDS, ex-SPDlern im Zuge der Hartz-Gesetze), wo Gleichberechtigung und -stellung eine Menschenrechtsfrage ist, in der geschlechterunabhängig Ergebnisse für den eigenen Wähler erzielt werden müssen und wie der Fokus auf feministische Forderungen allgemeine Menschenrechte konterkariert.

Das kann für die Linken ganz schnell zur Existenzfrage werden, denn viele sozialistische, grüne oder sozialdemokratische Themensetzungen versucht Merkel für sich zu instrumentalisieren - und das sicher nicht ohne Erfolg. Wollen die Linken ab 2013 parlamentarisch noch halbwegs präsent bleiben, wäre ein Abheben auf die Geschlechterfrage in Vorständen und Aufsichtsräten dem Stammwähler aus den neuen Bundesländern nur schwer zu vermitteln, da es weder um eine Transformation gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse, um die klassische betriebliche Mitbestimmung, noch um eine Besserstellung der Arbeitnehmerseite geht.

Frauen in der Chefetage arbeiten für Frauen in der Chefetage - so wie in der Vergangenheit Frau Großbürger und Frau Bankdirektor mehr an dem neuesten Korselett im eigenen Schrank als an dem Kotelett auf Mägdleins Tisch interessiert waren. In den Jahren der 68er hatte man das begriffen und sprach vom Nebenwiderspruch, wenn es um die Frauenfrage ging.

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