Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Der Feminismus hat die Linke gekapert" (Politik)

Mus Lim ⌂, Sonntag, 29.04.2012, 01:00 (vor 3070 Tagen)

"Der Feminismus hat die Linke gekapert." (Wolfgang Wenger, Odin)

"Und die Linke hats nicht mitgekriegt, weil es den Feministinnen gelungen ist, ihnen einzureden, dass niedrige Schicht = Frau, Oberschicht = Mann. Und entweder gabs bei der Linken keine Arbeiterkinder mehr, die gesagt hätten: Heh? Moment mal!"

Also ich entstamme der Arbeiterschicht und war 25 Jahre in der Gewerkschaft.

Als ich in die Gewerkschaft eintrat, ging es nicht um Frauenquoten, sondern um die Einführung der 35-Stundenwoche.

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Dafür habe ich gekämpft!

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Diesen Button habe ich getragen.

Mein Großvater war auch in der Gewerkschaft und sozialdemokratisch gesinnt.
Die linke Gesellschaft von heute hat damit nichts mehr zu tun.

Es gab mal eine linke Arbeiterbewegung, die für reale Verbesserungen der Arbeitsbedingung, Kündigungsschutz, Arbeitsschutz, mehr Urlaub, Arbeitszeitverkürzung und höhere Löhne gekämpft haben, nicht aber für irreale Utophien.

Nein, nicht der Feminismus hat die Linke gekapert, sondern die Linke der Arbeiter wurde durch Linksintellektuelle, 68-er-Revolutzer, linken Utophisten und bürgerlichen Gutmenschen gekapert.

Nein, die Feministen wurden von Linksintellektuelle, linken Utophisten und bürgerlichen Gutmenschen huckepack getragen. Und jetzt, och (Runde Selbstmitleid?), kommt der alberne Vorwurf, der Feminismus habe die Linke gekapert. ;-)

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Arbeiterbewegung ist nicht Sozialismus, und Frauenbewegung nicht Feminismus

MannPassAuf, Sonntag, 29.04.2012, 02:42 (vor 3070 Tagen) @ Mus Lim

Mein Großvater war auch in der Gewerkschaft und sozialdemokratisch
gesinnt.
Die linke Gesellschaft von heute hat damit nichts mehr zu tun.

Richtig! Alle - anfangs berechtigten - sozialen Anliegen werden irgendwann instrumentalisiert durch "Befreiungsbewegungen". Anders gesagt: Aus Idealen werden Ideologien. Das ist zumindest die Tendenz.

Es gab anfangs also eine Arbeiterbewegung, welche Arbeitsbedingungen anstrebten, die wir als berechtigt ansehen. Eigentlich hätte es nicht so weit kommen müssen, denn die Arbeitgeber (eigentlich: Arbeit-Nehmer), denen, wie allen Herrschaften, die Fürsorgepflicht obliegt, hatten ihre Fürsorgepflichten vernachlässigt. Das heißt, sie hatten den Boden verloren. Dieser Verlust der Bodenhaftung, das ist aber ein Merkmal der Linke!

Daraus folgt, daß auch Herrschende "links" sein können, allein dadurch, daß sie die Bodenhaftung verlieren. Es waren oft Söhne der Betriebsgründer, die nicht mehr "von der Pieke auf" Karriere machten, sondern den Betrieb nur vererbt bekamen.

Nach dem Aufkommen der (berechtigten) Arbeiterbewegung bildete sich auch in dieser bald eine linke Schicht aus, nämlich die Führer- oder Gewerkschafter-Schicht. Als dann die Arbeiterbewegung längst ihre Ziele (z.B. 35-Stundenwoche, Urlaub etc.) erreicht hatte, da lebte der Sozialismus systembildend weiter. Sozialisten haben die Arbeiter stets nur für ihre eigenen Macht-, d.h. Umsturzpläne instrumentalisiert. Ohne die angeblich ausgebeuteten Arbeiter hätten sie keine soziale Rechtfertigung.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Frauenbewegung und dem Feminismus. Die frühen Kämpferinnen waren zwar oft schon untypisch männlich auch in ihrer Erscheinung, aber doch konservativ in ihrem Weltbild. Sie wollten zunächst nichts weiter als Chancengleichheit (Beispiel: Mathilde Ludendorff).

Nachdem diese Ziele erreicht waren, begann erst der eigentliche Feminismus. Dieser wurde angeführt von intellektuellen, entwurzelten Frauen, die bereits soweit der Realität entfremdet waren, daß sie ernsthaft glaubten und glauben, sie verträten die Interessen der bodenständigen, natürlichen Frauen. Oder glaubten sie doch nicht daran? Jedenfalls brauchten sie diese Frauen, um ihre Interessen vor den Männern zu rechtfertigen. Um die Frauen zu gewinnen, redeten sie diesen ein, daß sie deren Interessen vertreten würden, und lockten sie mit Versprechungen: "Ihr werdet sein wie Männer" - biblisch: "Ihr werdet sein wie Gott."

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Zur Begriffsklärung noch dies: Meiner Ansicht nach lassen sich die Begriffe "rechts", "liberal", "links" sehr gut mit der Zuordnung zu den Lebensaltern begründen.

Rechts ist der Standpunkt der alten, lebens-erfahrenen Menschen. Sie sind Realisten, mißtrauisch gegenüber der Zukunft, vertrauensvoll gegenüber der Tradition.

Links ist der Standpunkt der jungen, idealistischen Menschen. Sie verstehen noch wenig, aber sie wollen viel. Sie glauben an die Zukunft, d.h., daß die Zukunft machbar sei gemäß ihren - naturgemäß unausgegorenen - Ideen. Wenn es dann nicht funktioniert, wird das Können durch Gewalt ersetzt; den Glauben an das Gute in ihnen selbst erschüttert das nicht.

Liberale werden vertreten von Menschen in der Lebensmitte. Diese haben die größte Tatkraft, den größten Selbstbehauptungswillen, aber auch den größten Egoismus.

Da die Jungen nach den Alten kommen, ist klar, daß tendenziell jede anfangs be-recht-igte Bewegung von den linken Idealisten, dann linken Ideologen übernommen wird.

Guy Fawkes: Die Linke wurde meines Erachtens vom Feminismus übernommen

Mus Lim ⌂, Sonntag, 29.04.2012, 03:21 (vor 3069 Tagen) @ MannPassAuf

Guy Fawkes behauptet: "Die Linke wurde meines Erachtens vom Feminismus übernommen."

Sozialisten haben die Arbeiter stets nur für ihre eigenen Macht-, d.h. Umsturzpläne instrumentalisiert. Ohne die angeblich ausgebeuteten Arbeiter hätten sie keine soziale Rechtfertigung.

Ich denke, so wird ein Schuh draus.

Als die Arbeiter für die Umsturzpläne der Sozialisten nicht mehr nützlich waren, haben die Sozialisten mal eben die "Pferde gewechselt" und instrumentalisieren nun eben die Frauen.

Entgegen der Behauptung von Guy Fawkes ist meines Erachtens dies richtig:
"Die Linke hat die Frauenbewegung übernommen."

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Arbeiterbewegung und Chancengleichheit

roser parks, Sonntag, 29.04.2012, 09:44 (vor 3069 Tagen) @ MannPassAuf

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Frauenbewegung und dem
Feminismus. Die frühen Kämpferinnen waren zwar oft schon untypisch
männlich auch in ihrer Erscheinung, aber doch konservativ in ihrem
Weltbild. Sie wollten zunächst nichts weiter als Chancengleichheit
(Beispiel: Mathilde Ludendorff).

So, so Chancengleichheit bei Mathilde nach 1877. Die Pastorentochter und der Arbeitersohn! Chancengleichheit halte ich für eine schlechte Wortwahl die den Sachverhalt nicht erfasst.

Wenn ich mir den Lebenslauf auf Wiki durchlese. Herkunft und Forschungsgebiete gegenüber stelle,...

die Tochter des protestantischen Pfarrers

In ihrer Doktorarbeit ... In der Hexenverfolgung sah sie christliche Grausamkeit an deutschen Frauen. Der Hexenwahn sei orientalisch-jüdischen Ursprungs und von der Kirche zur Zersetzung des Heidentums verbreitet worden – mit dem Ziel, gegen germanische Frauen vorzugehen.

..., komme ich auf Alain Soral's Beschreibung von der Ödipusgeschichte.

Und selbst eine feministische Heldin wie Frau Halimi hat ein spätes Buch geschrieben, indem sie zugibt, dass sie Feministin gewesen ist, um ihren Vater zu ärgern und dass es eigentlich um eine großbürgerliche Ödipusgeschichte geht. Der Feminismus beschränkt sich oft auf eine oedipusartige und großbürgerliche Abrechnung.

Mathilde

MannPassAuf, Sonntag, 29.04.2012, 10:46 (vor 3069 Tagen) @ roser parks

So, so Chancengleichheit bei Mathilde
Chancengleichheit halte ich für eine schlechte Wortwahl die den Sachverhalt nicht erfasst.

Mag sein, ich habe hier etwas schludrig geschrieben. Vgl. meinen einschlägigen Artikel über Mathilde Ludendorff, vom Oktober vorigen Jahres, der sich auf die Lektüre eines ihrer Bücher stützt. Sie sprach von "Gleichstellung".

Natürlich ließe sich noch vieles dazu sagen.

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