Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

Christine ⌂, Donnerstag, 25.12.2008, 12:04 (vor 4683 Tagen)

Gerade im MANNdat-Forum gelesen:

Der Brief der Sozialen Dienste von Hampshire war ebenso kurz wie seltsam: "Bitte rufen Sie mich auf der oben genannten Nummer an", stand da. "Ich habe Informationen, die für Sie von Interesse sein könnten". Das war gelinde gesagt untertrieben, wie Michael Shergold bald herausfand.

Als schweigsamer Vater dreier heute erwachsener Kinder gibt es in seinem Leben selten etwas aufregenderes als die wöchentliche Partie Golf. Als er im Januar 2007 jedoch wie verlangt die Sozialarbeiter anrief, wurde er mit einer Reihe von erstaunlichen Tatsachen konfrontiert.

Sie sagten, er sei der Vater eines weiteren Kindes, eines fünf Jahre alten Sohnes einer früheren Kurzbeziehung. Eine frühere Freundin hatte ihr Kind zur Adoption frei gegeben, weil sie sich unfähig zur Mutterschaft fühlte.

[...]
"Wut und Befremdung lassen sich nicht in Worten ausdrücken", so Michael. "Ich kann einfach nicht glauben, wie grausam Soziale Dienste seien können. Mich ausfindig machen, um mir zu sagen, dass ich einen Sohn habe, mein Leben ins Chaos zu stürzen und mir dann zu sagen, dass ich ihn niemals werde sehen können ist einfach nur schändlich. Zu wissen, dass mein Sohn gegen mein Einverständnis von Fremden anstatt von Blutsverwandten, wo er eine liebende Familie gefunden hätte, adoptiert wurde, war schon schlimm genug. Aber zu wissen, dass wenn ich kein Organ spende mein Sohn nicht lange genug leben wird um mich kennen zu lernen hat mich in die schlimmste denkbare Lage gebracht. Ich bin im Dilemma, weiss nicht, was tun. Ich soll nun eine Entscheidung im Vakuum treffen. Wenn ich meinen Sohn sehen könnte und und mit ihm eine Art von Kontakt haben könnte würde ich überhaupt nicht zögern.

In der Zwischenzeit machen die Sozialen Dienste weiter Druck auf Michael. Aber selbst wenn er sich entscheiden sollte, sein Organ zu spenden, würde dies keinen Unterschied machen. "Ich war perplex. Ich fragte sie, was geschehen würde, wenn ich ihm einen Teil meines Körpers geben würde. Sie sagten, dass ich nicht einmal dann Kontakt zu meinem Sohn haben könne. Andrew würde nicht einmal erfahren, wer das Organ gespendet hat, weil dies 'zu verstörend' sei", erzählt Michael.

"Aber was, wenn er nicht so lange lebt, um mich kennen zu lernen oder man ihm Lügen über mich erzählt - dass sein Vater tot sei oder ihn nicht sehen wolle? Es bricht mir das Herz, wenn daran denke, ihn nie getroffen zu haben."

http://www.mannschafft.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=337&Itemid=118

--
Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Soll doch die "treusorgende Mutter" ihre Organe spenden!

Dampflok, Donnerstag, 25.12.2008, 14:39 (vor 4683 Tagen) @ Christine

Es ist unglaublich, was für Unmenschlichkeiten das Jugendamt - in diesem Fall das Britische - gegen Männer parat hat. Und es ist schwer, auch an Weihnachten, die richtigen Worte zu finden, ohne jetzt pathetisch oder zu böse zu werden.

Diese Geschichte hat genug Stoff um zu einer Verzweiflungstat Seitens des Mannes zu führen, die ich menschlich verstehen könnte. Die Frage ist nur, ob er dann - als Mann - auch mildernde Umstände wegen des psychischen Druckes bekäme, wenn er im Jugendamt mal in Form einer Verzweiflungstat entsprechend aufräumen würde.

Leider hat man den Vater in eine tiefe seelische Krise geworfen, aus der er wohl sein Leben lang nicht mehr herauskommt. Eine pragmatische Lösung, das Problem durch Verdrängung zu mildern, wäre sich zu sagen:

Soll doch die Mutter ihre Organe spenden. Sie hat das Kind schließlich geboren und dann verheimlicht!

Die Schuld am Tod des Kindes wird diesem Vater der keiner sein darf, von Amts wegen moralisch aufgebürdet. Eigentlich sollte diese Barbarei der Jugendämter zu einem öffentlichen Aufruhr gegen diese "Seelen-KZs" führen und zu deren Abschaffung führen müssen.


.

Seelen-KZs

Christine ⌂, Donnerstag, 25.12.2008, 18:32 (vor 4683 Tagen) @ Dampflok

Die Schuld am Tod des Kindes wird diesem Vater der keiner sein darf, von
Amts wegen moralisch aufgebürdet. Eigentlich sollte diese Barbarei der
Jugendämter zu einem öffentlichen Aufruhr gegen diese "Seelen-KZs" führen
und zu deren Abschaffung führen müssen.

"Seelen-KZs" ... "gefällt" mir.
Das ist ein Name, den man immer im Zusammenhang mit Umgangsboykott benutzen sollte. Vielleicht denken dann doch mal ein paar Menschen mehr nach.

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

exVater, Donnerstag, 25.12.2008, 16:29 (vor 4683 Tagen) @ Christine

Wie mitfühlend die Gesellschaft im allgemeinen und die Behörden im speziellen sind werden auch an diesem Beispiel klar.
Das ist die Sauerei, dass bei der Adoption der Vater nicht zustimmen muß (sonst könnte er ja das Kind aufziehen wenn sie es nicht will - und dann kommt man drauf, dass es auch fürsorgliche Väter und ungeeignete Mütter gibt)

Auch wenn es noch so grausam ist rate ich unbedingt zum Spenden des Organes.
Wie soll der Vater es jemals verkraften, dass er sonst irgendwie schuld am Tot seines Kindes hat.
Das Kind kann nichts für die Sauerein der Mutter und auch nichts für die Gesellschaft oder die Behörden.

Vielleicht sucht das Kind wenn es einmal erwachsen ist den leiblichen Vater und erfährt auch von der Situation und es kommt in Folge zu einer ganz besonderen Beziehung.
Väter deren Kinder an PAS leiden haben diese Chance zumeist nicht, weil die Kinder von der Mutter intensiv und gegen den Vater bearbeitet werden - somit kommt es auch meist dann wenn die Kinder erwachsen sind zu keiner Wiederaufnahme einer zerstörten Beziehung.

Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

Nior aon Duine, Freitag, 26.12.2008, 12:35 (vor 4682 Tagen) @ Christine
bearbeitet von Nior aon Duine, Freitag, 26.12.2008, 12:46

Hallo ChrisTine,

die Zusammenfassung ist etwas zu knapp. Eine wichtige Information fehlt:
Das Kind war nicht adoptiert, und der Social Service 'konnte' seinen Vater nicht finden, als es um die Suche nach einer Pflegefamilie ging. Einen Mann, der 11 Jahre im selben Haus wohnte, im Wählerverzeichnis und im Telefonbuch steht und selbst im gleichen öffentlichen Dienst arbeitet.
Anmerkung: im UK (und den USA) gibt es keine Meldepflicht und damit auch kein zentrales Einwohnerregister. Und so muss sich jeder, der wählen will, mit Nachweis seiner Adresse, dazu eintragen lassen. "To be on the electoral roll" ist also ein Synonym für "Ich lebe ein solides Leben und bin am Gemeinwohl interessiert".

Aber entscheidend ist der folgende Passus:
"His (the childs) mother, they learned, had initially agreed to be the donor but changed her mind on the grounds that it would hinder her chances of having another child.
Social workers told Michael that he, and his children, were the 'next choice'."

"Sie (Michael und Alex) erfuhren, dass die Mutter (des Kindes) ursprünglich der Organspende zugestimmt hatte, ihre Meinung aber änderte als sie erfuhr, dass das ihre Chance ein weiteres Kind zu haben, reduzieren würde.
Die Sozialarbeiter teilten Michael mit, dass er und seine Kinder die nächstbeste Wahl seien".

Wow! Das ist Sozialarbeit wie man sie sich vorstellt. Einfühlsam bis zum Abwinken und ganz dem Kindeswohl verpflichtet. Einen 55-Jährigen so zu behandeln ist ja eines, aber zu implizit zu sagen: "Wenn du es nicht machst, dann baggern wir deine Söhne (20 und 17) an" ist ... infam.

Soll ich den Text vollständig übersetzen und hier einstellen? Korrigiert dann jemand meine Interpunktur?
Und wie ist in diesem Fall die Rechtslage?

Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

Christine ⌂, Freitag, 26.12.2008, 13:46 (vor 4682 Tagen) @ Nior aon Duine

Hallo Nior aon Duine,

Soll ich den Text vollständig übersetzen und hier einstellen? Korrigiert
dann jemand meine Interpunktur?

Das finde ich persönlich nicht so wichtig, zumal man Deine Texte gut lesen kann, auch wenn die Interpunktur in dem einen oder anderen Fall nicht 100%ig ist.

Und wie ist in diesem Fall die Rechtslage?

Ich habe Dir diesbezüglich eine Email geschickt.

Gruß - Christine

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

chrima, Freitag, 26.12.2008, 20:38 (vor 4681 Tagen) @ Christine

Hallo Nior aon Duine,

Soll ich den Text vollständig übersetzen und hier einstellen?

Korrigiert

dann jemand meine Interpunktur?


Das finde ich persönlich nicht so wichtig, zumal man Deine Texte gut lesen
kann, auch wenn die Interpunktur in dem einen oder anderen Fall nicht
100%ig ist.

Und wie ist in diesem Fall die Rechtslage?


Ich habe Dir diesbezüglich eine Email geschickt.

Gruß - Christine

Ich hätte nichts dagegen auch den Originaltext (wenn möglich mit Quellenangabe) zu sehen

Vater soll Organ spenden - für einen Sohn, den er nie sehen wird

chrima, Freitag, 26.12.2008, 21:09 (vor 4681 Tagen) @ chrima

Hallo Nior aon Duine,

Soll ich den Text vollständig übersetzen und hier einstellen?

Korrigiert

dann jemand meine Interpunktur?


Das finde ich persönlich nicht so wichtig, zumal man Deine Texte gut

lesen

kann, auch wenn die Interpunktur in dem einen oder anderen Fall nicht
100%ig ist.

Und wie ist in diesem Fall die Rechtslage?


Ich habe Dir diesbezüglich eine Email geschickt.

Gruß - Christine


Ich hätte nichts dagegen auch den Originaltext (wenn möglich mit
Quellenangabe) zu sehen

Sorry, vergiss es. Ich habe eben erst den Link auf Manndat gefunden.

Übersetzung, Teil 1

Der Übersetzer, Freitag, 26.12.2008, 22:47 (vor 4681 Tagen) @ Christine

Original

'Du darfst deinen Sohn nicht sehen - aber kann er eines deiner Organe haben?
Wie Sozialarbeiter einen Mann in ein furchtbares ethisches Dilemma stürzten

Der Brief vom Sozialreferat des Bezirks Hampshire war ebenso kurz wie verwirrend. "Bitte rufen Sie mich unter der oben angegeben Nummer an." stand da "Ich habe Informationen, die Sie interessieren könnten." Das war eine glatte Untertreibung, wie Michael Shergold bald herausfand.

Der wortkarge Vater von drei Kindern dachte bis dahin, dass sein Leben nur selten mehr Abwechselung bietet als ein wöchentliches Golfspiel. Aber als er die Sozialarbeiter anruft, wurde er mit einer Reihe erstaunlicher Tatsachen konfrontiert.

Man teilte ihm mit, dass er der Vater eines weiteren Kindes sei - eines fünf Jahre alten Jungen aus einer früheren kurzen Beziehung. Die einstige Freundin, mit den Anforderungen der Mutterschaft überfordert, hatte den Jungen zur Pflege freigegeben.

Ein Treffen mit seinem Sohn käme nicht in Frage, wurde ihm mitgeteilt, geschweige denn irgendeine Form der Beziehung. Es wurde ihm außerdem mitgeteilt, dass eine gesetzliche Adoption in Bearbeitung sei und die Bezirksverwaltung ihn das nur wissen lassen wollte.

Michaels Schock wandelte sich zu Ärger und Entschlossenheit. Verletzt dadurch, dass er all die Jahre in Unwissenheit gehalten wurde, dachte er doch dass er für das Kind, das wir hier Andrew nennen wollen, verantwortlich sei und begann den juristischen Kampf um die Vormundschaft.

Aber es gab noch größere Überraschungen für Michel und seine Frau Alex. Die Bezirksverwaltung von Hampshire wollte mehr, als das er diese Behandlung hinnahm.

Wie sich herausstellte, litt Andrew unter einem ernsten Problem mit einem seiner Organe. Aus juristischen Gründen ist es uns nicht möglich, genauere Angabe zu machen.

Aber der Junge hat ohne eine Transplantation nur geringe Chance seine Teenager-Zeit zu überleben. Und das Spenderorgan sollte möglichst von einem Blutsverwandten stammen. Und der geeigneteste Spender sei Michael selbst, erklärten die Sozialarbeiter.

Dieser womöglich unerfreulichste Aspekt in einer befremdenden Geschichte brachte Michael zu der belastenden Einsicht, dass das Sozialreferat des Bezirks Hampshire ihn nur deswegen über Andrews Existenz informiert hatte, um dem Kind ein Spenderorgan zu verschaffen.

Michael hatte versucht seinen Sohn zu adoptieren, doch diesen Kampf letztes Jahr verloren. Ihm wurde jedes Besuchsrecht verweigert, weil dass als zu belastend für den Jungen eingestuft wurde.

Wie in den meisten Familiengerichtsfällen, wurden (allerdings) keine Einzelheiten veröffentlicht.

Michael muss sich nun entscheiden, ob er sein eigens Leben bei einer gefährlichen Operation riskieren will - für einen Sohn, den er, so wie Dinge stehen, niemals sehen wird.

"Worte können den Ärger und das Unverständnis, die ich fühle, gar nicht ausdrücken." sagt Michael, "Ich kann einfach nicht glauben das Sozialarbeiter so grausam sein können.

Mich aufzuspüren und mein Leben in ein Chaos zu verwandeln indem man mir mitteilt, dass ich einen Sohn habe von dem ich nichts wusste, und mir kann mitzuteilen, dass mir nie erlaubt sein wird, ihn zu sehen, ist nichts anderes als erbärmlich."

Die "Mail on Sunday" hat die Hampshire Bezirksverwaltung vor zwei Monaten um eine Stellungnahme zur ihrem Umgang mit diesem Fall gebeten.

Die Bezirksverwaltung hat au diese Anfrage reagiert, indem sie eine einstweilige Verfügung beantragte, die uns untersagte, über Michaels Fall zu berichten, weil das seinem Sohn schaden könne.

Überzeugt davon, dass Michael eine Gelegenheit haben sollte, seine Geschichte zu erzählen, haben wir den langwierigen Kampf gegen diese einstweilige Verfügung aufgenommen und letzte Woche gesiegt. Daher kann Michael im heutigen Exklusiv-Interview zum ersten Mal über seinen Leidensgeschichte berichten.

'Zu wissen, dass mein Sohn gegen meinen Willen von Fremden adoptiert wurde, statt bei seinen Blutsverwandten eine liebende Familie zu finden ist eigentlich schlimm genug.' sagte er.

'Aber zu wissen, dass mein Sohn ohne eine Organspende von mir vielleicht nicht lange genug lebt um mich kennenzulernen, hat mich in die schlimmste Situation gebracht, die man sich vorstellen kann. Ich befinde mich in einem absoluten Dilemma. Ich soll eine Entscheidung im luftleeren Raum treffen. Wenn ich meinen Sohn sehen und dauerhaft ein Minimum an Kontakt haben könnte, würde ich nicht einen Moment zögern.'

Michael, 55, sagt das in seinem geräumigen Haus mit drei Schlafzimmern (Vierzimmer-Haus?) in Southampton, der Stadt in der er geboren wurde und sein ganzes Leben verbracht hat. Neben ihm sitzt sein Ehefrau Alex. Ursprünglich aus Los Angeles, zog sie 2002 nach Großbritannien. Im gleichen Jahr heirate das Paar und sie wurde Pfarrerin einer Pfingstgemeinde in Portsmouth.

Dies ist nicht das erste häusliche Drama das Michael, der als Hausverwalter an einer Schule arbeitet, erleben muss. Seine erste Ehe zerbrach 1996 nach 16 Jahren an der Untreue seiner Frau. Er erhielt das Sorgerecht für die Kinder, Peter, heute 17, David 20 und Susanna, 30 und zog sie alleine auf.

Als Alex selbstgemachten Karrottenkuchen serviert und die Kuckucksuhr schlägt, scheinen die Shergolds eine glückliche Familie zu sein. Ihre Haltung zu dem Dilemma in dem sie stecken ist eher stiller Kummer als offene Wut.

"Wir sind eine wunderbare Familie, die zusammenhält." sagt Michael. Peter und David, die noch zuhause leben, lassen sich gelegentlich sehen, während das Paar mit uns spricht. Susanna lebt in der Nähe.

Besondere Ironie bekommt die Geschichte durch die Tatsache, dass Michael selbst seit 35 Jahren für die Bezirksverwaltung arbeitet. Er überwacht die Reinigung und Instandhaltung einer Grundschule und als so muss er sich jedes einer Prüfung seines Strafregisters stellen. Und weder er noch Alex, die ebenfalls überprüft wurde, haben irgendwelche Verurteilungen.

Der Brief der Michaels Leben zertrümmerte kam im Januar 2007, aber seine Wurzeln liegen fünf Jahre früher als er sich auf eine schwierige Beziehung mit einer viel jüngeren Frau einließ.

Ungeachtet des Altersunterschieds lief die Beziehung, nachdem sie einander durch Freunde vorgestellt wurden, anfangs gut. 'Sie war die erste Frau mit der ich mich nach der Trennung von meiner Frau traf' erinnert er sich.

'Anfangs dachte ich nicht daran, mit ihr eine Beziehung einzugehen, weil sie mit 29 um soviel jünger war als ich. Aber sie war fröhlich und lebendig und kam gut mit den Jungen zurecht. Aber nach ein paar Monaten erkannte ich, dass sie keine stabile Persönlichkeit und ein Alkoholproblem hatte. Sie fluchte vor den Jungen und ich beendete die Beziehung.'

Er hatte keine Ahnung, dass sie schwanger ist und dachte, die Angelegenheit sei beendet. Kurz darauf lernte er Alex über eine Bekanntschaft-Web-Seite kennen.

Wie Michael hat sie drei erwachsene Kinder und, wie Michael, hat sie sie jahrelang alleine groß gezogen. Sie hat für einen Nachrichtendienst des US-Militärs gearbeitet und hat Abschlüsse in Psychologie und Theologie.

Michael und Alex heirateten nach ein paar Monaten und haben dann ein häusliches Leben mit Golf, Bowling, Kino und Kirchenbesuchen entwickelt.

All das wurde von dem Schreiben der Hampshire Bezirksverwaltung, das wie eine Bombe einschlug, über den Haufen geworfen. 'Es war ein furchtbarer Schock,' erinnert sich Alex. 'Michael wurde von einem Mitarbeiter des Sozialreferates mitgeteilt, dass sein Kind in eine Pflegefamilie gegeben wurde.'

Mit 53 hatte Alex eigentlich mit Kindern abgeschlossen, aber sie war genau so entschlossen wie ihr Ehemann, Andrew in seiner Familie willkommen zu heißen. 'Er gehört hierher,' sagt sie. 'Nicht zu Fremden, mit denen er nicht verwandt ist.'

Das Paar, dessen Kinder den neuen Bruder ebenso willkommen geheißen hätten, besuchte die Zentrale des Sozialreferates in Winchester, wo sie ein Bild von Andrew gezeigt bekamen.

In der Rüchschau betrachtet war ihr Optimismus naiv. Sofort angetan, suchten sie Spielsachen heraus, planten den Ausbau des Dachgeschosses zu einem vierten Schlafzimmer und erkundigten sich nach Schulen.

'Er sah ganz aus wie sein Vater' sagt Alex 'Wir waren entschlossen, nach seinem schlechten Start ins Leben, alles für ihn zu tun.'

Als dann nach zwei Wochen ein DNS-Test die Michaels Vaterschaft bestätigte beauftragte das Paar einen Anwalt damit, die Adoption zu stoppen und die Vormundschaft für sie zu beantragen. 'I dachte, wenn das Sozialreferat erstmal unsere glückliche Familie sieht und wie gerne wir Andrew als Teil dieser Familie hätten, dann wäre es nur noch eine Frage von Wochen bis er bei uns leben kann.' sagt Michael.

Aber dann kam die atemberaubende Wendung: 'Während unseres zweiten Treffens mit den Sozialreferat teilten die Sozialarbeiter uns mit, dass Andrew eine Organtransplantation benötigt, und das wir doch sicher wüssten, dass das Spenderorgan am besten von einem Blutsverwandten kommt.'

Das Paar wurde nicht im Zweifel darüber gelassen, das Michaels Kooperation notwendig sei, um dem Kind eine gute Überlebenschance zu geben. Sie erfuhren weiter, dass die Mutter ursprünglich der Organspende zugestimmt hatte, ihre Meinung aber änderte als sie erfuhr, dass das ihre Chance ein weiteres Kind zu haben, reduzieren würde.

Die Sozialarbeiter teilten Michael mit, dass er und seine Kinder die nächstbeste Wahl seien". Er gibt zu: "Ich war überrascht, aber natürlich sehr besorgt und wollte meinem Sohn helfen."/

In der Zwischenzeit waren zwei Sozialarbeiter unabhängig voneinander damit beauftragt worden, Micheals und Alex' Fähigkeiten als Eltern für Andrew zu bewerten. Das war nach allen Maßstäben eine strenge Prüfung. 'Ich war überrascht, von einem vollkommen Fremden verhört zu werden,' sagt Michael "aber ich hatte nichts zu verbergen". Allerdings, nach über einem Dutzend Besuche wurden die Fragen zunehmend aufdringlich.

'Die schlimmsten Fragen betrafen unser Sexualleben' sagt er 'Sie fragten mehrfach wie "gesund" es sei - wir haben so getan, als ob wir diese Fragen als Nachfrage, wie oft wir es tun verstehen würden - und ob wir uns mit 'normalem' Sex begnügen.'

Alex, die zugibt nicht besonders freundlich auf diese Aufdringlichkeit reagiert zu haben, fügt hinzu: "Ich hielt diesen Aspekt unseres Ehe für intim und konnte nicht sehen, inwieweit er in dieser Sache relevant sein sollte. Zum Schluß habe ich nur noch geantwortet: 'Das geht Sie nichts an ich werde mich dazu nicht mehr äußern.'. Vielleicht liegt es ja darin das ich Amerikanerin und Christin bin, aber ich fand das Verhalten des Sozialreferates unverständlich.

In der Zwischenzeit kam Andrews wahre Situation Stück für Stück ans Licht. So war es nicht leicht, ein dauerhaftes Zuhause für Andrew zu finden. Die Krankheit des Jungen erforderte eine spezielle Ernährung und regelmäßige Krankenhausaufenthalte.

Nachdem eine Pflegefamilie ihn zurückgewiesen hatte, musste sein Bild auf einer Adoptions-Website veröffentlicht werden bevor sich schließlich 2006 ein Paar meldete, dass ihn adoptieren wollte. 'Ich konnte nicht glauben, das meinem Sohn so etwas zustoßen konnte' sagte Michael 'Ich finde es unfassbar'.

'Das Sozialreferat teilte mir in unserem ersten Telefonat mit, dass Andrews Mutter mich als Vater genannt hatte. Allerdings kann ich keine Bemühungen des Sozialreferat erkennen um mich zu finden. Ich lebe seit 11 Jahre im selben Haus, ich stehe im Wählerverzeichnis und im Telefonbuch'.

Das Sozialreferat sagt, dass es sein bestes getan haben um Michael zu finden. 'Eine Pflegschaft wäre nicht angeordnet worden, wenn das Gericht nicht überzeugt gewesen wäre, das Alles getan worden ist, um Mr Shergold zu finden' sagt der Bezirksleiter Ken Thornber ' Wir haben uns bei Mr Shergold dafür entschuldigt, das wir ihn während des Pflegschaftsverfahrens nicht finden konnten.'

Übersetzung, Teil 2

Der Übersetzer, Samstag, 27.12.2008, 00:32 (vor 4681 Tagen) @ Christine

'Immer wenn ein Kind in Pflege gegeben werden muss, ist ein gewisses Maß an menschlicher Tragik gegeben und das erfordert Fingerspitzengefühl bei den Entscheidungen die getroffen werden müssen. Das Kindeswohl ist das oberste Maß und der zuständige Richter hat beschlossen, dass die Behörde angesichts der schwierigen Situation, das Bestmögliche getan hat, als sie Kontakt zu Mr Shergold aufnahm um festzustellen was er dazu beitragen kann, um das Leben seines Sohnes zu retten."

Michael hingegen glaubt, dass er nur gesucht wurde, weil die Ärzte die Notwendigkeit einer Transplantation feststellten. Inzwischen ist er sogar davon überzeugt, dass selbst sein Versuch Andrew zu adoptieren Teil eine Scharade war. 'Wir begannen zu glauben, dass das Sozialreferat uns nur zum Schein durch den Pflegschaftsprozess geführt hat - das die Adoption arrangiert war, und es nie eine Absicht gab, Andrew zu uns zu geben' sagt er.

Der Pflegschaftsantrag der Shergolds wurde vom Gericht in Portsmouth im letzten November abgelehnt. Der Richter stellte fest das der Hintergrund 'schwierig und einigermaßen unbefriedigend' ist, aber urteilte dennoch dass Andrews Überstellung zu den Shergolds Andrew unnötige 'Schwierigkeiten und Unruhe' verursachen würde.

Nur zwei Jahre später - verdächtig schnell in den Augen der Shergolds - wurde er formell adoptiert, und die Shergolds standen im Regen.

Sogar ihr Antrag auf ein Besuchsrecht für Michael wurde mit der Begründung, dass das Andrew beim Aufbau einer Beziehung zu seiner neuen Familie stören würde, abgelehnt. Andrews Mutter allerdings, die als ungeeignet beurteilt wurde, darf Andrew zweimal im Jahr besuchen.

In der Zwischenzeit drängt das Hampshire Sozialreferat Michael weiter zu einer Organspende. Doch selbst wenn Michael sich dazu entschließt, wird es keinen Unterschied machen. 'Ich war verblüfft' sagt er 'Ich habe sie gefragt, was passiert wenn ich ihm einen Teil meines Körpers gebe. Sie sagten, selbst dann würde ich nicht die Erlaubnis zum Kontakt erhalten. Andrew würde noch nicht einmal erfahren, wer das Organ gespendet habe, da das zu verstörend sei'.

Das Dilemma hat inzwischen negative Auswirkungen auf die Familie Shergold. Michael sagt, seine Kinder litten darunter und das sogar seine Ehe leide.

Die Kritik, die sie während des Adoptionsverfahrens ertragen mussten war nicht hilfreich. 'Das Sozialreferat beschuldigte mich, unkooperativ zu sein' erläutert Alex 'Sie machten klar, dass sie mich nicht mögen. Es schien ein Problem zu sein, dass ich Amerikanerin bin und auch, so vermute ich, meine Hautfarbe'. Alex ist ein Mischling.

Ein amtlicher Bericht über das Paar drückte seine Besorgnis darüber aus, das Andrew in einer gemischt-ethnischen Familie aufwachsen müsse. 'Sie haben sich darauf versteift, das ich eine Fremde bin, die keine Ahnung von Kindern hat.' sagt sie 'Ich habe aber drei Kinder aufgezogen und wenn man davon absieht, dass sie in den USA leben sind wir uns unvorstellbar nahe. Und ich denke von Michaels Sohn wie von meinem eigenen.'

'Ich begann zu denken, dass, wenn es mich nicht gäbe, Michael die Vormundschaft bekommen hätte. Eines Abends schlug ich Michael und den Jungen vor, dass ich gehe. Dankenswerter Weise wollten sie nichts davon hören. Aber der Stress war unerträglich. Michael und ich hätten uns getrennt, wenn unsere Beziehung nicht so stark gewesen wäre.

Und Michael fügt hinzu: "Das Sozialreferat hat mir niemals einen konkreten Grund genannt, warum meine Frau und ich unpassend sein sollen. Weil es einen solchen Grund nicht gibt.'

Das Paar erfüllt nicht die Bedingungen für Prozesskostenhilfe und hat daher die Anwaltskosten von £4000 selbst tragen müssen. Und nun wurde ihnen mitgeteilt, dass sie nichts mehr tun können.

Überschattet wir die Situation weiterhin von der Entscheidung ein Organ zu spenden oder nicht. 'Wenn ich nicht spende, lebt Andrew vielleicht nicht lange genug um mich kennenzulernen und die Schuld wäre wahrscheinlich zu groß, als das ich mit ihr leben könnte. Spende ich, wird es sein, als ob ich für jemanden spende, von dem ich nicht wirklich weiß, dass es ihn gibt' sagt er.

'Wie können Sozialarbeiter nachts schlafen, wenn sie doch wissen, dass sie einen Jungen von seinem wirklichen Vater getrennt haben, einem guten Vater der bereits drei Kinder erfolgreich großgezogen hat? Sie leiten ja noch nicht mal Geburtstagskarten weiter.'

'Sie sind hereingestürmt und wir müssen nur die Scherben aufsammeln. I kann nicht glauben, dass man in diesem Land jemanden verbieten kann sein eigenes Kind zu sehen, wenn dieser jemand nichts Falsches gemacht hat.'

'Unsere Familie fühlt sich unvollständig an. Wenn ich einen Jungen auf der Straße sehe, frage ich mich, ob er es ist. Ich träume davon, dass er seine Brüder und seine Schwester trifft und das er bei unseren großen Geburtstagfeiern dabei ist. Meine Hoffnung ist, dass er sich entscheiden kann, mich zu suchen, wenn er 18 ist.'

'Aber was ist, wenn er nicht lange genug lebt oder Lügen über mich erzählt bekommt, dass sein Vater tot ist oder ihn nicht wollte. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich ihn niemals treffen könnte.'

Übersetzung, Teil 2

Christine ⌂, Samstag, 27.12.2008, 20:44 (vor 4680 Tagen) @ Der Übersetzer

Danke an den Übersetzer :-)
Die beiden Teile wurden auf unserer Homepage unter Feminismuskritiken/Forenbeiträge eingestellt http://www.wgvdl.com/_Feminismuskritiken.htm#T_Forenbeitraege

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