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Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie (Feminismus)

Mus Lim ⌂ @, Mittwoch, 10.07.2013, 02:02 (vor 2113 Tagen)

Schriften des Gunda-Werner-Instituts
Band 9
Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie
Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse

Von Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen und Sebastian Scheele
herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung (PDF herunterladen)


Gerade habe ich den Gender-Prüfungsfragebogen gelesen, den Hadmut Danisch zerlegt hat.
Auch wenn nicht mit absoluter Sicherheit geklärt werden kann, ob die Prüfungsfragen authentisch sind, so wird aus Danischs Erläuterungen doch schön deutlich, warum Gender Studies keine Wissenschaft ist.
* Katastrophal schlechte Prüfungsfragen aus Gender-Studies-Prüfung geleakt, Ansichten eines Informatikers am 9. Juni 2013
Auch sehr lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch
* Anatomie und Genese eines Feindbildes, Ansichten eines Informatikers am 22. April 2013
denn um Feindbilder geht es auch in der neuen Schrift aus dem Gunda-Werner-Institut.


Ich habe mir danach diese oben genannte Schrift angesehen, weil mir zugetragen wurde, dass darin auch etwas zu WikiMANNia stehen soll. Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber nun lachen oder weinen soll.

Vorwort
Geschlechterthemen haben gesamtgesellschaftlich Konjunktur.
Bereits der erste Satz im Vorwort ist eine faustdicke Lüge. Geschenkt, dass gesellschaftspolitische Themen in Mode (oder außer Mode) sind und der Begriff Konjunktur aus dem Bereich der Wirtschaft stammt. Der gesamtgesellschaftlichen Wirklichkeit näher ist die Einschätzung, dass die Diskussion von Gender-Themen sich auf eine sehr kleine Gruppe der Funktionäre des Staatsfeminismus des Genderismus beschränkt. Der weit überwiegende Teil der Gesellschaft nimmt davon keine Notiz und geschätzte 99,8% der Bevölkerung weiß nicht einmal, was mit Gender eigentlich gemeint sein soll. In diesem Stil geht es gleich weiter:

Ob Sexismus-Debatte, Quotenregelungen für Aufsichtsräte oder rechtliche Gleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften - gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse werden intensiv und kontrovers diskutiert.
Hier scheint eine Wahrnehmungsstörung vorzuliegen. Der Großteil der Bevölkerung ist von Sexismus-Debatten einfach nur genervt und auch die Aufschrei-Kampagne hat dies nur noch bestätigt. Nur das eifrige Hochschreiben von Mietgriffeln der Meinungswirtschaft hat dazu geführt, dass der Sturm im Wasserglas überhaupt bemerkt wurde. Quotenregelungen für Aufsichtsräte bewegen nur Großaktionäre, die um ihre Dividenden fürchten und wenige Goldröcke, die von solchen Regelungen persönlich profitieren. Eingetragene Lebenspartnerschaften sind eine Minderheit einer Minderheit (in der Gesellschaft gibt es geschätzt rund 3% gleichgeschlechtlich orientierte Paare, davon wiederum sind etwa 1% eine eingetragene Lebenspartnerschaft). Davon wiederum ist nur eine verschwindend kleine Gruppe an Adoption von Kindern interessiert, sodass die "rechtliche Gleichbehandlung eingetragener Lebenspartnerschaften" nur die Minderheit einer Minderheit einer Minderheit interessiert. Würden diese Themen nicht immer wieder von der politischen Klasse und mit ihr verbundenen Lobbygruppen aggressiv in die Öffentlichkeit getragen, würde außerhalb kleiner Zirkel niemand davon Notiz nehmen. Die "intensive gesellschaftliche Diskussion" wird in diesem Vorwort ähnlich herbeigeschrieben, wie der Regenmacher den Regen herbei tanzt.

In der Wissenschaft haben sich Geschlechterforschung und - seit Ende der 1990er Jahre - Gender Studies etabliert und institutionalisiert.
Richtig ist, dass es Gender und Gender Studies gar nicht gäbe, wenn der Staat nicht künstlich ein Biotop anlegen würde, mit zehntausenden staatlich alimentierten Gleichstellungsbeauftragten, Gender-Referenten und hunderten von Gender-Lehrstühlen. Gender Studies ist in Deutschland etwa so etabliert und institutionalisiert, wie tropische Zierfische in der Antarktis, die dort in einem wohltemperierten Aquarium herumschwimmen.

Ich bin - wohlgemerkt - erst am dritten Satz (!) des Vorwortes (!!!) angelangt.


Menschen, die mit dem Begriff "Gender" arbeiten, werden zunehmend mit dem Vorwurf einer prinzipiellen Unwissenschaftlichkeit konfrontiert.
Hoppla, diejenigen, die keinen Widerspruch dulden (das "In-die-rechtsextreme-Ecke-stellen" von Andersdenkenden war bisher die vorherrschende Methode) müssen sich jetzt schon mal rechtfertigen. Darauf waren die überhaupt nicht vorbereitet.

Anfang 2012 hat das Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung die Expertise Die antifeministische Männerrechtsbewegung - Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung von Hinrich Rosenbrock herausgegeben. Dort wurde die antifeministische Szene samt ihrer Denkweisen und Argumentationsmuster näher untersucht. Auch dieser Expertise wurde Unwissenschaftlichkeit unterstellt mit dem deutlichen Versuch, den Autor im Wissenschaftskontext zu diskreditieren.
Anstelle eines Kommentars übersetze ich das mal in Normal-Deutsch:
Mit der als Expertise verkauften Magisterarbeit des Hinrich Rosenbrock haben wir, wie bislang üblich, Andersmeinende in die rechtsextreme Ecke gestellt. Das hat sich leider als Schuss ins Knie herausgestellt, deswegen sehen wir uns gezwungen, noch Mal nachzulegen.

Wie in der Magisterarbeit des Hinrich Rosenbrock ergibt sich auch hier das Wesentliche bereits aus dem Vorwort.


Doch pauschale Abwertungen ohne qualifizierte Auseinandersetzung mit inhaltlichen Ergebnissen und Kernaussagen stellen sich selbst ins Abseits. Dass wir uns dennoch damit befassen, ist der Erkenntnis geschuldet, dass sie Wirkung entfalten und zum Teil von politisch und pädagogisch engagierten Menschen unhinterfragt aufgegriffen werden, auch von Akteur_innen in wissenschaftlichen Organisationen und Bildungseinrichtungen. (Hervorhebungen von mir)
Man sieht es förmlich zwischen den Zeilen hervortriefen, wie angefressen die sind, dass sie sich damit "befassen" müssen (Bürokratensprech). Da haben sie jahrelang in ihren Elfenbeintürmen ungestört ihre Pirouetten gedreht und die Silberlinge aus der Hand ihrer politischen Auftraggeber empfangen und dann das: Konfrontiert mit des Volkes Meinung. Ungeheuerlich! Unvorstellbar, und das in einer Demokratie! ;-)

Jetzt will man die Menschen schön bei der Hand nehmen, wie im Kindergarten, weil es ja nicht angehen kann, dass Menschen sich ihre eigenen Meinung bilden, die dann auch noch - potzblitz - von der Leitung des Gunda-Werner-Instituts abweicht.

So zeigen die von uns beauftragten Autor_innen, dass ein sehr enges Verständnis von Wissenschaftlichkeit an Studien aus dem Bereich der Genderforschung angelegt wird und die Kritik auf dieser Verengung des Begriffs basiert. Diese selbst gezogenen engen Maßstäbe für Wissenschaftlichkeit werden jedoch nicht an Texte von maskulinistischen bzw. antifeministischen Autor_innen angelegt. Mit dieser Art von doppelten Standards wird die ideologische Orientierung und diskriminierende Intention der Anti-Feminist_innen deutlich und ihre Behauptung, die eigene Position sei "neutral" bzw. frei von Ideologie, ad absurdum geführt. Ihre Prämissen und Annahmen bleiben unreflektiert.

Nicht-Wissen und ideologische Produktion zeigen einige Antifeministen auch dadurch, dass sie Gender Studies, feministische Bewegung und staatliche Gleichstellungspolitik als einen homogenen Block darstellen und alle Texte an ihrem fragwürdigen Wissenschaftsbegriff messen. Doch selbstverständlich existieren im wissenschaftlichen wie im politischen Raum sehr unterschiedliche Arten von Texten, die jeweils vor dem Hintergrund verschiedener Interessen und Zielstellungen verfasst werden. Auch dies macht diese Broschüre deutlich: Die Standortgebundenheit von Texten lässt sich anhand maskulinistischer, angeblich objektiver Texte beispielhaft illustrieren und damit das Verhältnis von Wissenschaft und Bewegung näher beleuchten.
Wer findet den Schlüsselbegriff? Richtig: Texte!
Das war ja auch einfach, habe ich den Begriff ja selbst markiert. ;-)

Die Genderisten sehen den Balken im eigenen Auge tatsächlich nicht. Sie werfen Andersmeinenden ein falsches oder verengtes Verständnis von Wissenschaftlichkeit vor, und bemerken nicht, dass sich ihre Wahrnehmung von Wirklichkeit auf "Texte" beschränkt. Und da sie ja in ihrem staatlich finanzierten Gender-Biotop alle von einander abschreiben, kommen andere Meinungen in ihren Texten - somit in der von ihnen wahrgenommenen Wirklichkeit - tatsächlich nicht vor.

Aber diese Wahrnehmungsstörung wurde ja schon sofort in den ersten drei Sätzen des Vorwortes deutlich. Und diese Leute wollen nun anderen Menschen "Argumente an die Hand geben".


Genderkritik aus Norwegen
Die im Vorwort bezeichnete Wirkung, welche die Bewohner des Gender-Biotop nun quasi nötigt, sich mit Sichtweisen außerhalb ihres Biotops zu befassen, rührt nicht unwesentlich von einer Dokumentation des Norwegers Harald Eia her. Gender-Funktionäre haben ihm ungezwungen und direkt in die Kamera gesagt:
"Wissenschaftliche Grundlagen? Haben wir nicht! Uns reichen Theorien ..."
Deutlicher geht es nun wirklich nicht. Da hilft dann auch kein Rückzugsgefecht mehr, von wegen Genderismuskritiker hätten ein "verengtes Verständnis von Wissenschaftlichkeit". Wer selbst offen zugibt, dass ihm wissenschaftliche Grundlagen egal sind, kann nicht glaubwürdig mit dem Finger auf andere zeigen. Dass die Gender-Funktionäre des Gunda-Werner-Instituts es trotzdem tun, ist der begründeten Hoffnung geschuldet, dass man darauf baut, dass die Dokumentation Eias (wie alles rund um das Thema Gender) in weiten Teilen der Bevölkerung noch unbekannt ist. Also fischt man weiter im Trüben.


Die Argumente der Handreichung sind auch größtenteils ad hominem; das sind Argumente, mit denen die Position oder These eines Streitgegners durch einen Angriff auf persönliche Umstände oder Eigenschaften seiner Person angefochten wird. Dies geschieht meistens in der Absicht, die Position und ihren Vertreter bei einem Publikum oder in der öffentlichen Meinung in Misskredit zu bringen.
Es wäre das Mindeste (für einen Anfang), die Gender-Begriffe erst einmal zu definieren. Das ist der Mindesteinsatz, den man erbringen muss, wenn man am Tisch der Wissenschaft mitspielen will. Wer aber den Mindesteinsatz nicht erbringen kann, darf sich nicht wundern, nicht erstgenommen zu werden. Auch beim 2007 mit großem Tamtam im Dunstkreis der Gender-Universität zu Berlin gestarteten GenderWiki war man nicht in der Lage -trotz langer Unterstützerliste- die grundlegendsten Begriffe der Gender Studies zu hinterlegen.


Artikel zu den Begriffen Gender, Gender Budgeting, Gender Mainstreaming, Gender Studies, Geschlechterdemokratie, Geschlechtergerechtigkeit, Geschlechterstereotyp, Gleichstellung, Queer Studies fehlen bis heute.
Mit der jetzt vorliegenden Schrift des Gunda-Werner-Instituts ist man keinen Schritt weiter gekommen. Es ist die Bringschuld der Genderisten, ihre Begriffe a) zu definieren und b) zur Diskussion zu stellen. Man tut aber weder das eine noch das andere. Erst diffamiert man Andersdenkende als Rechtsextreme (in Hinrich Rosenbrocks Schrift) und nun bietet man ein Autorenkollektiv auf, um trotzig behaupten, Andersdenkende würden Gender falsch oder nicht richtig verstehen.


Gender-Theorie lehnt wissenschaftliche Grundlagen als "männliche Normen" ab
Man beschäftigt sich selbstverliebt mit der Gender-Theorie und lehnt wissenschaftliche Grundlagen ab, weil das als "männliche Normen" und als nicht ins Gender-Weltbild passend verstanden wird. Hadmut Danisch (Informatiker und Hochschulkritiker) beschreibt das so:
[Aus dieser Sicht ist] die gesamte Wissenschaft, die wissenschaftliche Qualität, jegliches Leistungskriterium, sogar alle Gesetze, die Menschen gleichartig behandeln, Sprache, die Informatik, Computer, Physik, Mathematik, einfach alles an diesem Norm-Mann ausgerichtet und deshalb immanent feindlich und ausgrenzend gegen alles andere: Frauen, Schwule, Ausländer, Religiöse, Behinderte, Farbige, Arme, Unterschichten. (Anatomie und Genese eines Feindbildes)
Die Wissenschaftsfeindlichkeit ergibt sich auch aus den Schriften und Taten der Susanne Baer, langjährige Frauen-Lobbyistin und Gender-Beraterin bei der Bundesregierung und jetzt Richterin am Bundesverfassungsgericht.


Es ist müßig, die gesamte Schrift durchzugehen. Es geht immer nach dem Muster: Die anderen verstehen alles falsch und wir sind die Richtigen.
Personen, die den Begriff "Genderismus" im Mund führen, beklagen, dass im einschlägigen Feld die Schlüsselbegriffe nicht klar definiert würden und die entsprechenden Fachleute nicht um Erklärungen bemüht seien. Vielmehr sei die hierdurch entstehende Begriffsverwirrung Teil eines Täuschungsmanövers, um von den eigentlichen (auf diese Weise vertuschten) Zielen - beispielsweise einer "Umerziehung" von Menschen zu geschlechtslosen Wesen - abzulenken. (S. 16)
Das anti-feministische Portal WikiMANNia [...] erläutert: "In WikiMANNia steht Genderismus für die Ideologie (wie etwa Feminismus oder Kommunismus), Gender Mainstreaming für die politische und Gender Studies für die (schein)wissenschaftliche Etablierung der Gender-Ideologie in der Gesellschaft." (S. 17)
In WikiMANNia definiere ich zumindest die verwendeten Begriffe. Ob die Definitionen nun richtig sind oder nicht, spielt erstmal keine Rolle, weil es ja jedem frei steht, seine eigene Definition dagegen zu stellen und dann könnte eine Debatte darüber entstehen. Und ich würde genau an dieser Stelle nun die Begriffsdefinitionen des Gunda-Werner-Instituts erwarten, aber da kommt nichts. Es wird weiterhin darüber palavert, wie andere die Begriffe falsch verstehen.


Das John-Money-Experiment und ein halber Rückzug
Immerhin sehen sich die Autoren gezwungen, zu dem unseligen Gender-Experiment des John Money Stellung zu beziehen. Ein Schelm, der nun erwartet, die Autoren würden sich dafür entschuldigen, dass man Experiment des John Money als "Beweis" für die Richtigkeit der Gender-Theorien gefeiert hat. Vielmehr redet man sich darauf hinaus, dass es vielmehr "vehemente Kritik" gegeben hätte. Alice Schwarzer wird explizit in Schutz genommen:
Alice Schwarzer hat vieles popularisiert - aber nicht den Begriff Gender. (S. 19)
Zynisch schreibt man in der Fußnote dazu:
Zastrow hingegen findet Schwarzers Arbeit offensichtlich so wesentlich für die Herausbildung von Gender, dass er mit seinem Beitragstitel sogar auf ihre Veröffentlichung von 1975 "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" anspielt.
Dieser Zynismus und das Herunterspielen der Begeisterung Schwarzers für ein schreckliches Menschenexperiment erfordert ein Originalzitat. Mit folgenden Worten feiert Alice Schwarzer den Wissenschaftler (sic!) John Money, der dem "aufklärenden Auftrag der Forschung (sic!) gerecht" wird:
Zu den wenigen Ausnahmen, die nicht manipulieren, sondern dem aufklärenden Auftrag der Forschung gerecht werden, gehören Wissenschaftler wie der Psychologe Prof. John Money und die Psychiaterin Anke A. Ehrhardt, die sich in Forschung und klinischer Beobachtung intensiv mit der Frage der Geschlechtsidentität befassen. Ihre These: Die Geschlechtsidentität, Weiblichkeit und Männlichkeit, ist nicht eine biologische Identität, sondern eine psychische. Um es mit Simone de Beauvoir zu sagen: "Man kommt nicht als Frau auf die Welt, man wird dazu gemacht." Die Amerikaner zitieren in ihrer umfassenden wissenschaftlichen Analyse "Männlich Weiblich" unter anderem folgenden frappierenden Fall:
[Beginn eines Textkastens]
Im siebten Monat wurde einem Teil eines eineiigen männlichen Zwillingspaares bei der in den USA üblichen Beschneidung der Vorhaut versehentlich der Penis ganz weggebrannt. Die Eltern, ein junges Paar vom Land, sind verzweifelt und folgen zehn Monate später dem Rat eines Chirurgen, den Jungen ohne Penis einfach als Mädchen zu erziehen (wohl in der realistischen Einschätzung, daß in unserer Gesellschaft ein Mann ohne Penis eben kein Mann ist ...).

Die Mutter beginnt, das Kind anders zu kleiden, zu frisieren und zu behandeln als seinen Zwillingsbruder. Sie erstatten den Ärzten regelmäßig Bericht über die Entwicklung und ihre Erziehungsmaßnahmen. Die Mutter ermutigt systematisch die Eitelkeit des Kindes, schenkt ihm Schmuck und Schleifen, erzieht es verstärkt zu Sauberkeit und Ordnung.

"Mit viereinhalb", berichtet sie, "war sie bereits viel ordentlicher als ihr Bruder. Sie ist auch mehr darauf bedacht, daß ich sie wasche. Ich habe noch nie ein so ordentliches und eitles kleines Mädchen gesehen." Eines Tages macht das zum Mädchen erklärte Kind im Stehen Pipi - so wie es viele kleine Mädchen mal tun. Prompt wird es gerügt, wird ihm beigebracht, daß es sich zu setzen hat: "So etwas tut ein kleines Mädchen nicht!" - Gleichzeitig werden bei dem Bruder ähnliche Verhaltensweisen ermutigt. Als er einmal im Vorgarten im Stehen auf die Blumen pinkelt, muß seine Mutter "über den Streich lachen".

Zunehmend imitiert der Junge den Vater, das Mädchen die Mutter. Der Bruder klatscht der Schwester auf den Po (so wie er es bei Vater und Mutter sieht), will später mal Feuerwehrmann oder Polizist werden und wünscht sich zu Weihnachten eine Garage mit Autos. Die Schwester wünscht sich eine Puppe. Die Mutter möchte, daß später beide studieren, "der Junge aber auf jeden Fall, denn er ist ja ein Mann und da ist das doch besonders wichtig, weil er ein Leben lang verdienen muß."

Das "Mädchen" wird einer kontinuierlichen Hormonbehandlung unterzogen, und nach der Pubertät wird man ihm eine künstliche Scheide einsetzen. Sie wird dann eine "normale" Frau sein - nur gebären kann sie nicht. Und die Gebärfähigkeit ist auch der einzige Unterschied, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt, ist eine Frage der geformten seelischen Identität. Ein Beweis dafür, daß die seelische Geschlechtsidentität ausschlaggebend ist und nicht die biologische, ist auch das Problem des Transsexualismus. Transsexuelle sind biologisch weibliche Menschen, die sich als Männer fühlen und umgekehrt. Bei ihrem Geschlechtsrollendrill ist eine Weiche "falsch" gestellt worden und dadurch wohnt nun sozusagen eine Männer- oder Frauen-Seele in einem falschen Körper. Die Psychoanalyse hat die Erfahrung machen müssen, daß es in einem solchen Falle unmöglich ist, das Bewußtsein dem Körper anzupassen. Die einzige Lösung ist, den Körper dem Bewußtsein anzupassen. Die Psyche ist also entscheidender als die Anatomie.[Kasten-Ende] (S. 192-193, Hervorhebungen von mir)
Nun, was kümmert es einen Genderisten die Wirklichkeit, der hat ja seine Theorie. Und so bleibt David Reimer der Selbstmord und Alice Schwarzer für ihre Jubelarie das Bundesverdienstkreuz. Und die Autorin des Gunda-Werner-Instituts befindet:
Alice Schwarzer hat vieles popularisiert - aber nicht den Begriff Gender.
Nun, was sie popularisiert hat, das steht ja nun hier in wörtlichem Zitat und der mündige Bürger möge sein eigenes Urteil bilden.


So argumentiert auch Scientology
Ich habe bereits erwähnt, wenn Gender Studies für sich Wissenschaftlichkeit beansprucht, dass es da eine Bringschuld gibt. Diese wird mit der Schrift des Gunda-Werner-Instituts nicht erfüllt.
Es wird nur mantra-artig wiederholt, die Kritik der Gegner ist falsch, das Wissenschaftsverständnis der Gegner ist falsch, die Gegner haben entweder alles falsch verstanden oder haben die falschen Motive.
Exemplarisch ist folgender Abschnitt, auf den Seiten 31-32:
Auch dieses Muster trifft analog auf die Kritik der Gender-Gegner_innen zu:
Die Gegnerschaft begnügt sich nicht mit einer kritischen Einstellung gegenüber bestimmten "Anwendungen", also beispielsweise einzelnen gleichstellungspolitischen Maßnahmen oder der gleichstellungspolitischen Strategie Gender Mainstreaming, sondern umfasst undifferenziert - und unbelastet vom tatsächlich komplizierten Verhältnis von Gender Mainstreaming und Gender Studies - direkt einen gesamten Wissenschaftsbereich. Damit wird deutlich, dass die Gender-Gegner_innen in einer Tradition einer bestimmten Kritik an Sozialwissenschaften (sowie Geisteswissenschaften) stehen, die eher als Ressentiment denn als Kritik oder wissenschaftliche Position zu bezeichnen ist. Viele Elemente der Gender-Gegnerschaft sind offensichtlich altbekannte Vorwürfe. Wo sie herkommen, und warum diese Kritik auf bestimmte Disziplinen gerichtet wird, könnte man weiter untersuchen (ein wenig mehr dazu unten). An dieser Stelle genügt es aber, auf diese Tradition zu verweisen - denn das bedeutet, dass die Vorwürfe teils gar nicht so spezifisch sind und dass sie benannt werden können als Ressentiments gegen gesamte Disziplinen. Ganzen Disziplinen die Wissenschaftlichkeit und die Legitimität abzusprechen spricht jedoch der Behauptung Hohn, an wissenschaftlicher Wahrheitsfindung interessiert zu sein.

Mit anderen Worten: Man ist eine Wissenschaft, weil man sich selbst zu einer Wissenschaft erklärt hat. Und wer das bestreitet, kann gar nicht "an wissenschaftlicher Wahrheitsfindung interessiert" sein. Schöner hätte das Scientology auch nicht sagen können. ;-)


Hadmut Danisch geht tatsächlich so weit, und stellt Gender und Scientology auf eine Stufe:

Gender und Scientology behaupten gleichermaßen, dass der Mensch als freies, neutrales Wesen geboren und dann von finsteren Mächten geknechtet, verformt, verbogen, unterdrückt wird, und dass die jeweilige Ideologie durch Analyse und Rückbau den Menschen davon wieder befreien könnte.

Scientology ist frei erfundener Unfug eines abgetakelten Science-Fiction-Schreiberlings, der eine Masche gefunden hat, genügend Dumme zu finden und auszunehmen. Da gibt's nicht zu studieren, weil da keine Substanz ist. Frei erfundener Humbug. Auch das ist eine Parallele zwischen Genderismus und Scientology.

Eine weitere Parallele zwischen Gender und Scientology besteht darin, dass von vornherein pauschal davon ausgegangen wird, dass es keine legitime Kritik geben kann und jede Form von Kritik sofort als Übernahme finsterer Mächte hingestellt wird, die nur Desinformation zur Bekämpfung verbreiten will.

Auch der Umgang mit Kritikern ist ähnlich:
Wenn die Türen geschlossen sind, reden die bei Scientology tatsächlich immer noch [...] in einem Gemisch aus Therapie-Gesäusel und kalt klirrenden Anglizismen, das alle Zweifler und Kritiker zu "Suppressive Persons" erklärt. (Scientology-Debatte bei Plasberg, Spiegel am 1. April 2010)
Nur dass Genderisten das Wort "Suppressive Persons" nicht verwenden und ihre Zweifler und Kritiker stattdessen zu "Rechtsextremen" und Nazis erklären.


"Der Unwissenschaftlichkeitsvorwurf - Zum Alleinvertretungsanspruch eines speziellen Wissenschaftsverständnisses",
so ist Kapitel 4 überschrieben. Das ist als Vorwurf an Genderismuskritiker gerichtet. Auf den folgenden Seiten wird nun versucht, den Unwissenschaftlichkeitsvorwurf gegen Gender Studies zu entkräften und im Gegenzug den Genderismuskritikern einen "Alleinvertretungsanspruch eines speziellen Wissenschaftsverständnisses" zu unterstellen.

Es offenbart sich hier wieder die Orientierungslosigkeit der Autoren des Gunda-Werner-Instituts. Es wird wieder und wieder behauptet, der Unwissenschaftlichkeitsvorwurf gegenüber Gender Studies könne ja gar nicht stimmen, weil die Kritiker selbst nicht wissenschaftlich argumentieren. Das Problem ist nur: Wer den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, muss ihn auch glaubhaft belegen können. Ich als Kritiker hingegen kann mich darauf beschränken zu behaupten: "Der Kaiser ist nackt!" Das ist der Unterschied, den die Autoren des Gunda-Werner-Instituts offenbar nicht verstanden haben.


Das Niveau
Hier ein Beispiel, wie der Unwissenschaftlichkeitsvorwurf entkräftet werden soll:
Da die Gender-Gegner_innen selten eine eindeutige wissenschaftstheoretische Position beziehen, werden hier drei Beispiele analysiert, die sich konkreter als die bloße Forderung nach Objektivität und den Unwissenschaftlichkeitsvorwurf an die Gender Studies festlegen.
Der äußerst polemische Text über Feministische Wissenschaft auf der Seite von "Antifeminismus Weltweit - Sektion Deutschland" (Antifeminismus Weltweit 2012) bezieht sich positiv auf zwei verschiedene Wissenschaftskonzeptionen: den Szientisten Descartes (1596-1650) und auf den "kritischen Rationalismus". Dabei scheint "Antifeminismus Weltweit" zwischen beiden Positionen keinen Unterschied zu erkennen. In eine ähnliche Richtung geht der Eintrag "Wissenschaft" auf WikiMANNia. Hier steht, der gute Ruf der Wissenschaft sei auf "den Erfolgen der Naturwissenschaften seit Isaac Newton" gegründet (ebd.). Doch seit dieser Zeit - Newton lebte von 1642 bis 1727 - befinde sich die Wissenschaft im Verfall:
"Wissenschaft ist, heute zu sagen, Cola sei schädlich, und morgen, sie sei gesund." (WikiMANNia ohne Jahr).
Bei den beiden oben genannten Quellen aus dem antifeministischen Spektrum handelt es sich weniger um wissenschaftlich begründete Vorstellungen von Wissenschaft ...

Nocheinmal: Wer einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, den kann man auch an seinem eigenen Anspruch messen.
Nur, weder "Antifeminismus Weltweit" noch WikiMANNia erheben einen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. "Antifeminismus Weltweit" ist eine kleine Seite, ein absoluter Außenseiter und WikiMANNia, etwas größer zwar, erhebt zwar den Anspruch feminismus- und genderismuskritisch zu sein, ist aber weder Verein noch Partei oder gar wissenschaftliches Institut.

Mal abgesehen davon, was daran falsch sein soll, Isaac Newton als Begründer der Naturwissenschaften zu benennen, ist bemerkenswert, wen sich die Autoren des Gunda-Werner-Instituts als Gegner für die Verteidigung ihres Wissenschaftlichkeitsanspruchs ausgesucht haben: In der Dokumentation des Harald Eia haben sich namhafte Wissenschaftler mit fundierten Forschungsergebnissen zu Wort gemeldet. Mit echten Wissenschaftlern setzen sich die Genderisten aber nicht auseinander, sondern mit einer kleinen Agitationsplattform gegen Feminismus und mit einem Wiki-Lexikon, in dem ich zwar auch genderismuskritische Beiträge und Stellungnahmen sammele, aber dabei gar keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebe.

Das ist in etwa so, als wenn die Weltmeisterinnen im Frauenfußball gegen den Kindergarten des VfB Stuttgart antreten oder die Weltmeisterin im Frauenboxen den Moderator Stefan Raab durch den Ring prügelt.

Muss ich mehr sagen?!??


Mein persönliches Fazit:
1) Die Genderisten haben sich wieder einmal tüchtig blamiert: Ein intellektueller Offenbarungseid.
2) Es war wieder Werbung für WikiMANNia.

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