Wenn der Mensch zur MenschIn wird - oder:

Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

How much »equality« the country can stand?

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Liste Lila Pudel 201-210 (Projekte)

Oberkellner @, Samstag, 12.01.2013, 22:51 (vor 2379 Tagen)

LP 201 Rochus Wolff – geboren am 16.03.1973 – Studium der Mathematik, Informatik, Humanmedizin, Germanistik und Psychologie - Administrator und Autor des Genderblogs (siehe Dossier Rochus Wolff) – Anschrift: Rochus Wolff, Wrangelstraße 3, 10997 Berlin – http://rochuswolff.de - mail@rochuswolff.de - http://kuechenradio.org/foto/rochus.jpg

Mir reicht’s. (Wieder mal.) Ich hab die Nase voll von diesem Geseiere, diesen jammernden Selbstbeweihräucherungen, diesem verlogenen Weltreduzierungspathos. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht für meine Geschlechtsgenossen schäme, und ich tue es aus freier Entscheidung, mit Hingabe und intellektueller Ernsthaftigkeit.

Und steigender Wut. Diese extremistischen Männerhorden, seien sie rechtsradikal, jüdisch-orthodox oder islamistisch oder was sonst noch: sie erzeugen durch die Bank Brechreiz in mir, wie jede nach Uniformität und Gleichschaltung strebende Ansammlung hirntoter Floskeln von Ruhm, Ehre und Bereitschaft, in den Tod zu gehen. All diese Idioten mit ihrer lebensverachtenden Negierung von allem, was gut, schön und lebens- wie liebenswert ist. Ach, wie viel ich kotzen könnte, passt ja doch auf kein Frühstücksbuffet.

Und jetzt ist also wieder der Feminismus, sind die bösen Weiblichkeiten daran schuld, dass in Amerika zwanzig kleine Kinder ihr Leben lassen mussten. Das schreibt Walter Hollstein, und der Berliner Tagesspiegel entblödet sich nicht, solchem Gedankenreduktionismus auch noch Platz zu bieten. Weil Schulen Tatorte von Amoklaufen waren und die Täter allesamt Männer, schließt Hollstein daraus messerstumpf: „Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“

Man muss nur kurz darüber nachdenken, dass Morde und Amokläufe auch anderswo stattfinden, um zu erkennen, dass dieser Satz keinerlei kausalen Boden unter den Gänsefüßchen hat. Aurora: „Kinos sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Ein Einkaufszentrum, auch erst ein paar Tage her: „Shopping Malls sind für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden.“ Das ist doch gefährlicher geistiger Dünnpfiff, dafür hat er wohl auch noch Honorar bekommen?

Aber weil Hollstein anscheinend nur ein Thema kennt, wird halt passend gemacht, was ihm so einfällt: Das muss natürlich sein, dieses Zusammentreffen von Schule und Gewalt aus der Hand eines jungen Mannes, weil in den Schulen die Frauen das Sagen haben, denn: „Jungen wachsen heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen auf.“ (Dass in den Einkaufszentren und Kinos Frauen das Sagen hätten, will das auch jemand behaupten?)

Ohne einen Gedanken darauf zu verschwenden (ach, von Gedanken kann hier ja im eigentlichen Sinne eh nicht die Rede sein), warum da eigentlich keine Männer in dieser Kinderwelt auftauchen – sind die alle weggesperrt? Werden junge Männer beim Versuch, sich erziehend betätigen zu wollen, ohne Vorwarnung erschossen? Hat der Weltfeminismus ganz generell die Beteiligung von Vätern am Leben ihrer Kinder verboten? Und warum weiß ich dann davon noch nichts? – faselt Hollstein dann ein bisschen selektiv vor sich hin, dass vage vermutete weibliche Werte in Schule und Erziehungssystem irgendwie dafür sorgen, dass die Jungen von heute nicht mehr richtige Jungen sein können und deshalb unglücklich sind, ADHS kriegen und irgendwann mit Waffengewalt auf Mütter, Kinder und Marsmännchen losgehen. Okay, die Marsmännchen habe ich mir ausgedacht, aber Hollstein sich den Rest ja auch.

Wie ahistorisch ist dieser Blick eigentlich? Bis vor hundert Jahren waren Schulen nahezu ausschließlich männlich geprägt – Lehrer, Erzieher, Psychologen, all das waren seinerzeit Männer, und sind deshalb die wenigen Mädchen, die zur Schule gehen durften, mordende Psychopathinnen geworden? Und ist es nicht auch so, dass schon seit geraumer Zeit – nennen wir es mal: seit Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Thema, also geschätzt seit dem Beginn der Geschichtsschreibung – es immer Männer waren, die weltweit den Großteil der physischen Gewalttaten verübt haben? Also auch schon lange bevor der Feminismus zu jener alles umfassenden Krake geworden sein könnte, die Hollstein und seine Glaubensgenossen sich da zusammenphantasieren?

http://genderblog.de/


LP 202 Dr. Heribert Prantl geboren am 30.07.1953 in Nittenau (Bayern) – Jurist, Journalist und Autor – leitet das Ressort Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung - http://img.mittelbayerische.de/bdb/1626500/1626583/300x.jpg

Braucht man(n) die Quote?
Diskussion um die Frauenquote
Frauen-Bashing ist derzeit en vogue. Egal ob sie Karriere macht oder zu hause die Kinder erzieht, egal ob sie Teilzeit arbeitet oder die Kinder in Ganztagschulen schickt – irgendetwas macht Frau immer falsch. Fakt ist aber, in unserer patriarchalischen Gesellschaft kann nur die Quote den Frauen helfen vermehrt Führungspositionen einzunehmen, sagt Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Die Selbstverpflichtung der Industrie funktioniere nicht. Deshalb müsse der Gesetzgeber das Grundrecht auf Gleichberechtigung durchsetzen. Die Bremer Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter will die gesetzliche Frauenquote durch den Bundesrat auf den Weg bringen. Kanzlerin Angela Merkel hingegen lehnt eine Quote strikt ab.

Und was sagen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung, jetzt und hier in unser Gästebuch:

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/quotenmaus100.html?seite=3

Nur Gesetze schaffen Gleichberechtigung

Leistungsprinzip - gegen die Frauenquote wird vieles angeführt. Das neue Gleichberechtigungs-Gesetz, das Hamburg diese Woche im Bundesrat einbringt, dürften die Gegner als Exzess auffassen. Auch viele Frauen lehnen die Quote ab, denn sie wollen wegen ihrer Fähigkeiten angestellt werden. Das ist verständlich, aber falsch.
Prof. Dr. Heribert Prantl lehrt als Honorarprofessor für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld. Er hat Recht, Geschichte und Philosophie studiert, parallel dazu eine journalistische Ausbildung gemacht und im Urheberrecht promoviert. Bevor er 1988 als rechtspolitischer Redakteur zur SZ ging, war er Staatsanwalt und Richter in Bayern - und hat dort alles verhandelt, was es in der Juristerei so gibt, Ehesachen ausgenommen. Er liebt die Musik seines oberpfälzischen Landsmanns Christoph Willibald Gluck. Wenn er die hört, legt er Romane, Geschichtsbücher, die "Reine Rechtslehre" und sogar die Süddeutsche Zeitung beiseite.
Gleichberechtigung ist ja ganz schön, aber man soll es damit nicht übertreiben. Im Grundgesetz steht das zwar ganz anders und in der Weimarer Verfassung stand das auch anders. Aber so lautete das heimliche Jahrhundertmotto der Politik: Alles mit Maß, und das Maß ist männlich. So war und ist das, seitdem im Jahr 1918 das Frauenwahlrecht einge-führt wurde.
Bitte nicht übertreiben? Das neue Gleichberechtigungs-Gesetz, das die Hansestadt Hamburg in dieser Woche im Bun-desrat einbringt, wird von seinen Gegnern als Gleichberechtigungs-Exzess kritisiert werden: Dieser Gesetzentwurf schreibt Geschlechterquoten vor, das heißt realiter Frauenquoten, für die Besetzung der Aufsichtsräte in großen Unter-nehmen. Ein weiterer einschlägiger Gesetzentwurf der SPD-Bundestagsfraktion will die Quoten auch für Vorstände einführen.
Zu den Gegnern solcher gesetzlich vorgeschriebener Spitzenquoten zählen die jüngeren Frauen in der CDU, Familien-ministerin Kristina Schröder an der Spitze: Sie will nur die Flexi-Quote, also die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen. Man versteht aber nicht, warum es nicht beides geben soll: die gesetzlich vorgeschriebenen Quoten für Aufsichtsrat und Vorstand - und die freiwilligen Flexi-Quoten für sonstige Führungspositionen.
Frauen wollen nicht wegen der Quote, sondern wegen ihrer Fähigkeiten ausgewählt werden. Das ist ein Grund für ihre partielle Abneigung gegen gesetzliche Quoten; das ist verständlich, aber falsch: Die gesamte Emanzipationsgeschichte lehrt, dass es ohne konkrete und offensive gesetzliche Hilfe keine Emanzipationsfortschritte gibt. Quotengesetze sind notwendige und probate Hilfsmittel. Nur auf diese Weise ist die Männerquote zu durchbrechen, die in den Vorständen und Aufsichtsräten in Deutschland bei fast hundert Prozent liegt. Selbstverpflichtungserklärungen der Wirtschaft haben hier nicht viel gebracht. Die Karriereleitern für Frauen haben weiter oben keine Sprossen mehr.
Gleichberechtigung ist kein Gedöns, sondern verfassungsrechtliches Gebot. Das Gebot braucht aber gesetzliche Kon-kretion, weil es sonst als Gedöns abgetan wird. Nur Gesetze schaffen Gleichberechtigung, nicht Absichtserklärungen. Das war in Ehe und Familie so; erst die Scheidungsreform 1977 und das neue Unterhaltsrecht haben hier Gleichberech-tigung gebracht. Das ist in der Politik so; erst die flexiblen Quotenregelungen in den Parteien haben die Parlamente weiblicher gemacht.
Das wird bei der Gleichstellung der Frauen in der Wirtschaft nicht anders sein: Es reicht nicht, wenn Frauen theoretisch alles werden dürfen; sie müssen es praktisch werden können. Eine bloß formale rechtliche Gleichbehandlung führt nicht zur Gleichberechtigung, wenn diese formale Gleichbehandlung auf ungleiche Lebenssituationen von Männern und Frauen trifft. Also müssen Frauenfördergesetze einschließlich Quoten aufgelegt werden.
Die Warnung vor angeblichen Übertreibungen hatte und hat verschiedenen Zungenschlag, aber das gleiche Ziel. Einmal wurde die Bibel beschworen, wonach die Frau dem Mann untertan sein solle. Ein andermal musste die Natur herhalten, wobei man die natürliche Bestimmung der Frau aus ihrer Gebärfähigkeit herleitete. Wenn so den Frauen der Weg in den Beruf erschwert und der Aufstieg versperrt wurde, dann geschah das angeblich zu ihrem Schutz. Der erste bundesdeut-sche Familienminister Franz-Josef Wuermeling warnte 1953 vor einer "totalen Gleichberechtigung", die bei Zwangsar-beit für Frauen in Bergwerken enden könnte; davor müsse man Frauen schützen. Eine restaurative Politik betrachtete Frauen als bessere Haustiere.
Die einschlägige Rede ist alt, das einschlägige Denken nicht. Gegen die Quote wird heute angeführt: Das sei Planwirt-schaft, Eingriff in die unternehmerische Freiheit, Verstoß gegen das Leistungsprinzip, Diskriminierung von Männern. Im Grundgesetz heißt es freilich: "Der Staat wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Ein Quoten-Gesetz realisiert dieses Gebot auf kluge Weise. Für Spitzenpositionen sucht man ja Bewerber nicht per Ausschreibung. Vor-stand bei VW, Daimler und der Deutschen Bank wird man auf andere Weise. Gesucht werden geeignete Persönlichkei-ten. Man findet sie gewiss auch unter den Frauen, wenn man sie finden muss.
Das wird nicht nur die Spitzengremien verändern, sondern die gesamte Personalpolitik der Wirtschaft - weil Frauen darauf achten, dass Frauen gefördert werden. Ist das schlimm? Nein, es ist geboten - erstens von der Verfassung, zwei-tens von der Klugheit. Frauen werden Unternehmenskulturen positiv verändern. Das lehrt die Erfahrung in anderen Ländern, zum Beispiel in Norwegen, das 2008 eine Quote für Aufsichtsräte eingeführt hat.
Vor gut zehn Jahren hat die damalige SPD-Regierung einen ersten Gesetzentwurf zur Gleichstellung der Geschlechter in der Wirtschaft vom Tisch gewischt. SPD-Generalsekretär war Olaf Scholz. Wenn er nun als Hamburger Bürgermeister ein Quoten-Gesetz vorlegt, ist das ein Akt der Wiedergutmachung. Die SPD besinnt sich auf ihre Wurzeln. Dazu gehört August Bebels großes Emanzipations-Epos "Die Frau und der Sozialismus".

http://www.sueddeutsche.de/politik/diskussion-ueber-frauenquote-nur-gesetze-schaffen-gleichberechtigung-1.1378939


LP 203 Simon Kowalewski geboren am 12.04.1981 in Schwerte (NRW) – Studium der Informationstech-nik in Stuttgart – Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt an der Oder – politisch war Kowa-lewski bereits aktiv für die PDS, die Violetten und die Antifa-Bewegung – des weiteren Engagement im DRK und im Chaos Computer Club (CCC) – 2011 ins Abgeordnetenhaus von Berlin für die Piratenpartei gewählt – http://simon-kowalewski.de - simon.kowalewski@berlin.piratenpartei.de - http://cdn3.spiegel.de/images/image-262402-galleryV9-uggx.jpg

Ich kandidiere für die Landesliste zur Abgeordnetenhauswahl 2011, als Direktkandidat in Schöne-berg, Wahlkreis 2, und für die Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof-Schöneberg.
Ich bin 30 Jahre alt, stamme aus dem Ruhrgebiet und verbrachte mein Leben in Oberbayern, Nie-dersachsen, Stuttgart, Mittelengland, der Schweiz und den Niederlanden, bis ich vor 4 Jahren nach Berlin kam und seitdem die Stadt möglichst selten verlassen habe.
Ich bin Dipl.-Ing. (BA) der Informationstechnik, Betreiber des bio-veganen Coworking-Space Yorck52 in Schöneberg, freiberuflicher Hardwareentwickler und IT-Administrator.
Politisch bin ich, seit ich denken kann, und habe mich bereits bei verschiedenen Parteien (PDS, die Violetten, …) und Organisationen (DRK, Antifa, CCC, Poly-Netz, Studierendenvertretungen, …) eingebracht.
Die Gründung der Piratenpartei bekam ich eher am Rande mit, Anfang 2009 wurde mir aber be-wusst, dass mit ihr die politische Kraft entsteht, die die wichtigen Probleme unserer Gesellschaft nicht nur aufzeigt, sondern auch die Struktur und die Menschen versammelt, um sie zu lösen. Seit-dem bin ich mit Freude, Überzeugung und Engagement dabei.
Warum kandidiere ich?
Politische Ideen und Vorschläge zu haben ist einfach, die eigentliche Arbeit besteht darin, damit den Wettbewerb innerhalb der Partei und um die Wählerstimmen zu gewinnen. Ich bewundere Menschen, die nicht nur kritisieren und sagen, wie man es besser machen könnte, sondern sich selbst mit ihrer Person, ihrem Charakter und ihrer Zeit einbringen. Und das möchte ich bei diesen Wahlen tun und hoffe auf die Unterstützung der Berliner Bürger.
Was tue ich?
Ich setze mich für ein gutes Lebensumfeld für alle ein. Als Mitglied im Vergabebeirat des Quartier-fonds Schöneberger Norden helfe ich, nachbarschaftliche Projekte zu finanzieren. Mein Coworking-Space bietet Menschen vor allem aus dem ökologisch-sozialen Bereich die Möglichkeit, zielgerichtet zu arbeiten und sich zu vernetzen. Ich bin Veganer, besitze kein Kfz und beziehe Ökostrom, schade also unserem Planeten so wenig wie möglich. Als Radikalfeminist ist es mein Ziel, Sexismen im Alltag aufzuzeigen und abzubauen. Ich unterstütze Orte, an denen Menschen abseits der gängigen kapitalistischen Ordnung selbstverwaltet leben.
Simon Kowalewski
Fragen: abgeordnetenwatch.de
E-Mail: simon.kowalewski@berlin.piratenpartei.de

http://berlin.piratenpartei.de/2011/08/13/simon-kowalewski/

LP 204 Uwe Schlütter – gelernter Werkzeugmacher - Stadtrat in Zella-Mehlis (Thüringen) für die SPD - www.uwe-schluetter.de - http://spdnet.sozi.info/thueringen/schmalkalden-meiningen/zellamehlis/images/user_pages/264-schluetter.jpg

Frauen sind in Deutschland und Thüringen noch weit von echter Gleichberechtigung entfernt / Gesetzlicher Min-destlohn ist

„Nicht nur anlässlich des Weltfrauentages müssen wir uns wieder bewusst machen, dass Frauen in Deutschland noch immer nicht gleichberechtigt sind“, erklärt Uwe Schlütter, Bürgermeisterkandidat der SPD Zella-Mehlis.
Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Studie der OECD, die zeige, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland überdurchschnittlich hoch seien. „In Deutschland verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im Schnitt 21,6 Prozent weniger als Männer. Das muss endlich ein Ende ha-ben“, fordert der SPD-Politiker.
Das Lohngefälle sei unter anderem deshalb so hoch, da Frauen die Mehrheit der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stellten. „Wir brauchen auch daher einen ge-setzlichen Mindestlohn, damit Reinigungskräfte, Friseurinnen oder Kassiererinnen endlich ein höheres Einkommen erhalten und die Lohnunterschiede zwischen Män-nern und Frauen abgemildert werden“, so Schlütter. Außerdem arbeiteten Frauen häufiger als Männer in sozialen, zumeist schlechter bezahlten, Beschäftigungen.
Schlütter verweist zudem auf die Notwendigkeit einer Modernisierung des Thüringer Gleichstellungsgesetzes. „Ein entsprechender Entwurf liegt in Thüringen mittlerweile vor und ich hoffe, dass das Gesetz schnell beschlossen wird. Damit würden in den Verwal-tungseinrichtungen des Landes und der Kommunen Frauen bessere Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten erhalten“, ist sich der Sozialdemokrat sicher. Es ist für die Gleichberechtigung ungemein wichtig, dass noch mehr Frauen und Mädchen Führungs-positionen in allen gesellschaftlichen Bereichen einnehmen, so Schlütter.
Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März besuchte der Bürgermeisterkandidat am heutigen Nachmittag die Zella-Mehliser Arbeitwohlfahrt (AWO). Mit einem kleinen Präsent gratulierte er den zahlreich erschienen Frauen zu ihrem Ehrentag und danke für das Engagement der Frauen und Mädchen für das Gemeinwohl in der Stadt Zella-Mehlis.

http://www.spd-zella-mehlis.de/index.php?nr=12114&menu=1

LP 205 Dr. Ralf Kleindiek geboren 1965 in Hameln (Niedersachsen) – Studium der Rechts-wissenschaften in Gießen - Politiker der SPD – seit 2001 Staatsrat der Hamburger Justizbehörde - Kleindiek lebt in Brandenburg - http://0.image.hamburg.de/image/2884680/Kleindiek.jpg?width=152&height=114
„Alle sind sich einig, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen brauchen. Wenn dieses Ziel auf freiwilliger Basis so krass verfehlt wird, ist es Aufgabe des Staates, dagegen zu steuern. Es ist eine Frage von gesellschaftlicher Gerechtigkeit, dass Frauen in allen Bereichen unseres Lebens teilhaben können. Ich bin zusätzlich davon überzeugt, dass die Arbeit in gleichmäßig von Frauen und Män-nern besetzten Gremien besser funktioniert. Eine verbindliche Quote ist die beste Lösung.“

http://financialexperts-association.de/2012/10/17/podiumsdiskussion-zum-thema-%E2%80%9Efrauenquote-fur-vorstand-und-aufsichtsrat/

LP 206 Maurice Thiriet CH – geboren 1980 – Inlandredaktor des „Tagesanzeiger“ - betreut nicht-institutionelle Themenkreise - http://files.newsnetz.ch/tag/1/1332/portrait.jpg

Chauvis für die Frauenquote
Ein Killer-Argument gegen eine Frauenquote in Schweizer Unternehmen ist chauvinistischer Natur: Frauen wollten keine Karriere machen, sondern Kinder. Und wenn sie die mal haben, dann ist ihnen alles andere egal.
Nun tut es die Europäische Union den Vorreiterländern wie Dänemark, Spanien oder den Niederlanden gleich und führt eine Frauenquote ein. Bis 2020 sollen 40 Prozent der Verwaltungsräte mit Frauen besetzt sein.
Firmen mit Frauen im Verwaltungsrat sind deutlich niedriger verschuldet.

Wird den Frauen der Zugang zur Chefetage verwehrt, werden sie sich aus der Schweiz verabschieden: Eine Frau im Flughafen Zürich. (Foto: Flickr/Benjamin Stäudinger)
Ob es gescheit und praktikabel ist, für alle Zeiten und für alle Unternehmen und Branchen gesetzlich fixe Frauenquoten festzulegen, ist fraglich. Es müsste aber eigentlich gescheit sein, Frauen den Weg an die Unternehmensspitzen zu erleichtern, weil
a) Frauen etwa die Hälfte aller Menschen auf der Welt sind und deshalb auch etwa Hälfte aller Kun-dinnen aller Unternehmen auf der Welt und
b) als solche in über einem Drittel aller Haushalte über das Budget entscheiden.
c) sogar im Politbüro von China eine Frau sitzt.
d) in Gremien, in denen schon nur eine Frau sitzt, sich die Männer mehr anstrengen und mehr Präsenz markieren.
e) Unternehmen mit schon nur einer Frau im Verwaltungsrat eine bessere Aktienkurs-Performance aufweisen.
f) Frauen in Verwaltungsräten für deutlich sozialere und nachhaltigere Betriebskulturen in ih-ren Firmen sorgen.
g) Firmen mit Frauen im Verwaltungsrat deutlich niedriger verschuldet sind.
h) Frauen über die Hälfte aller für die Gesellschaft teuren Hochschulabschlüsse machen, und
i) diese Bildung nur zu 11 Prozent in Verwaltungsräten, zu 5 Prozent in Geschäftsleitungen und 3 Prozent in CEO-Posten genutzt wird, was eine Verschwendung an Talenten sondergleichen ist.
Wenn nun die EU eine Frauenquote von 40 Prozent einführt und in der Schweiz weiterhin nur 3 Prozent der CEO-Posten an Frauen vergeben werden, dann wird das einen beispiellosen Frauenabfluss von Schweizer Teilzeitpulten in europäische Aufsichtsräte zur Folge haben.
Nebst all den obgenannten rationalen Argumenten aus Studien verschiedener des Feminisimus un-verdächtiger Player wie der Credit-Suisse und Morgan Stanley Capital gibt es nun dank der EU auch ein chauvinistisches Killer-Argument FÜR die Frauenquote in den Schweizer Führungsetagen: Wir brauchen irgendeine Art von Frauenquote, sonst laufen uns die guten Frauen in die EU davon.
Maurice Thiriet ist Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger».
Alle Beiträge ansehen von Maurice Thiriet

http://politblog.derbund.ch/blog/index.php/14397/das-chauvi-argument-f-r-die-frauenquote/?lang=de


LP 207 Andreas Schieder AUT – geboren am 16.04.1969 in Wien – Studium der Volkswirtschaft in Wien - österreichischer Politiker für die SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreich) – von 1997 bis 2006 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat – seit 2006 Abgeordneter zum Nationalrat – seit 2008 Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen – verheiratet mit Sonja Wehsely (SPÖ) - andreas.schieder@bmf.gv.at – andreas.schieder@spoe.at - http://www.bmf.gv.at/Finanzministerium/Staatssekretr/Schieder_kl.jpg

Schieder: Erhöhung des Anteils von Frauen in Aufsichtsräten dringend notwendig

Finanzstaatssekretär Andreas Schieder nahm gestern, Donnerstag, an der Podiumsdiskussion "Frauen sind die besseren Aufsichtsräte" teil. In der vom "Frauennetzwerk Medien" veranstalteten Diskussionsrunde wurde der Frage nachgegangen, warum die Chefetagen noch immer vorwiegend männlich besetzt sind. "Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, wurden in Unternehmen, wo der Staat beteiligt ist, die Quotenregelung eingeführt. Hier den ersten Schritt zu tätigen, war wichtig und richtig, denn damit wurde ein erstes klares Zeichen der Frauenministerin gesetzt", so Schieder. ****
"Daran gilt es weiterzuarbeiten. Denn der Funke muss auch auf die privaten Unternehmen über-springen. Sollte die Freiwilligkeit zu keinem sichtbaren Erfolg führen, ist mittelfristig über die Ein-führung gesetzlich festgesetzter Quoten - und zwar für alle börsennotierten Unternehmen -nachzudenken", so der Finanzstaatssekretär. "In den Top 200 Unternehmen sind derzeit nur rund zehn Prozent der Aufsichtsräte Frauen. Von 1.404 Aufsichtsrätinnen und Aufsichtsräten sind 145 Frauen. 73 davon sind vom Betriebsrat beschickt. Und das, obwohl laut Arbeitsverfassungsgesetz der Betriebsrat nur ein Drittel der Mandate stellen darf. Damit negiert man viele wissenschaftliche Studien, die beweisen, dass Diversity Management - das so viel bedeutet wie die Verschiedenartig-keit der Belegschaft - im positiven Sinn viel bewirken und verändern kann."
Das Frauennetzwerk Medien, das heuer seinen zehnten Gründungstag feiert, will mit Hilfe dieser öffentlichen Diskussionsrunden die Bevölkerung auf das Thema - mehr Frauen in Spitzenpositionen -sensibilisieren. "In unserer Gesellschaft fehlt immer noch das Selbstverständnis, dass Frauen genau das gleiche leisten können wie Männer, aber die politischen Institutionen haben begonnen, diese Denkweise zu verändern, so Schieder. (Schluss) mis/ah
Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien Tel.: 01/53427-275 http://www.spoe.at/impressum
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/195/aom
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER IN-HALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT

http://derstandard.at/1317018944660/Schieder-Erhoehung-des-Anteils-von-Frauen-in-Aufsichtsraeten-dringendnotwendig

LP 208 Dr. Ernst Vitek AUT - wird gesondert behandelt


LP 209 Christophe Darbellay CH – geboren am 07.03.1971 in Martigny (Schweiz) – Studium der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich – begann seine politische Karriere bei der Christlich-Sozialen Partei (CSP) in der Sektion Unterwallis – 2003 wechselte er zur CVP und wurde sofort in den Nationalrat gewählt – von 2004 bis 2008 war er Geschäftsführer der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte – seit 2006 Präsident der CVP Schweiz - seit 2012 Präsident des Schweizer Casino Verbandes (SCV) - wohnt mit seiner Familie in Martigny-Combe – www.darbellay.ch – christophe.darbellay@parl.ch

http://www.workzeitung.ch/tiki-read_article.php?articleId=1138

«Ich bin einer der letzten Feministen»
8. März: Frauentag im Bundeshaus. Der Nationalrat wird dann einen Strauss von Vorstössen zur Gleichstellung beraten. work fühlte CVP-Chef Darbellay schon jetzt auf den Gleichstellungszahn. Interview: Marie-Josée Kuhn (Foto: RDB/BLICK/Ueli Hiltbold) - 22.02.2007

work: Wie war die Rollenverteilung in der Familie, in der Sie aufgewachsen sind?
Christophe Darbellay: Es war eine sehr klassische Rollenverteilung. Mein Vater hat gearbeitet, und meine Mutter war vor allem zu Hause beschäftigt mit mir und meinen vier jüngeren Brüdern. Meine Mutter ist Hebamme von Beruf. Zuerst war sie lange Zeit in Teilzeit erwerbstätig, doch beim vierten Kind gab sie ihre Berufstätigkeit auf. Erst als wir Kinder gross waren, stieg sie wieder ins Er-werbsleben ein.

Wenn Sie die Generation Ihrer Eltern mit Ihrer eigenen Generation vergleichen, was hat sich punkto Gleichstellung getan?
Die Zeiten sind total anders geworden. Meine Brüder und ich zum Beispiel machen heute all die Arbeiten selber, die einst unsere Mutter für uns gemacht hat. Ich bügle sogar selbst! Gut, im Mo-ment habe ich eine Haushalthilfe, denn ich bin vom Job her sehr ausgelastet. Doch bis vor kurzem habe ich die ganzen Hausarbeiten selber gemacht.

Dann ist die Gleichstellung heute voll verwirklicht?
Beim Lohn sicher noch nicht. Und auch bei den Karrierechancen nicht. Ich habe sehr viele Kolle-ginnen, die um die dreissig sind, noch kinderlos, und die einfach keine Arbeit finden, die ihrem Ausbildungsniveau entspricht. Einzig darum, weil sie Frauen sind. Das kann ich nicht akzeptieren.

Wenn die Gleichstellung also noch nicht erreicht ist, warum haben Sie dann eine CVP-Motion mitunterzeichnet, die die Umwandlung des eidgenössischen Gleichstellungsbüros in ein Integ-rationsbüro für ausländische Frauen fordert?
Weil es höchste Zeit ist, dass man das Thema «Gleichstellung ausländischer Frauen» ernst nimmt. Wir wissen, dass es muslimische Frauen gibt in der Schweiz, die von ihren Männern zu Hause ein-gesperrt werden. Ich übertreibe nicht, sie haben absolut keine Chance, sich unsere Sprache und Kul-tur anzueignen. Da muss man dringend etwas tun, eine typische Gleichstellungsfrage.

Sogar der Bundesrat lehnt die Motion ab: Um die Integration ausländischer Frauen kümmer-ten sich genügend andere Institutionen. Und: Noch hätte das Gleichstellungsbüro genügend Arbeit, vor allem in Sachen Gleichstellung im Erwerbsleben.
Ich will das Gleichstellungsbüro ja nicht streichen. Mit der Motion soll nur erreicht werden, dass Prioritäten gesetzt werden: Die Integration von Frauen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen, ist sehr wichtig.

Geht die Gleichstellung beim Lohn im gleichen Schneckentempo weiter wie bisher, wird sie erst 2076 erreicht sein. Sie werden dann 105 Jahre alt sein. Wollen Sie so lange warten?
Nein! Ich arbeite als Geschäftsführer für eine Gesellschaft, wo die weiblichen Angestellten neunzig Prozent aller Angestellten ausmachen. Und ich arbeite, wenn ich ehrlich bin, viel lieber mit Frauen als mit Männern. Denn Frauen sind sehr engagiert, sehr loyal, nicht aggressiv, und sie arbeiten sehr gewissenhaft. Auch deshalb will ich nicht, dass es noch so lange geht bis zur Lohngleichheit. Andererseits: Mit Vergleichen und Statistiken muss man bekanntlich aufpassen. Ein berühmter Po-litiker hat mal gesagt: Er glaube nur an jene Statistiken, die er selber gefälscht habe... (lacht)

Laut Bundesamt für Statistik verdienen die Frauen in der Schweiz für gleiche oder gleichwer-tige Arbeit im Schnitt immer noch 20 Prozent weniger als die Männer.
Wenn sich diese 20 Prozent Lohndifferenz wirklich nur auf gleiche oder gleichwertige Arbeit be-ziehen, ist das nicht akzeptabel.

Was tun?
Wir haben das Gleichstellungsgesetz, und wir haben in allen Kantonen eine Stelle, an die man sich wenden kann, wenn man Lohndiskriminierung feststellt. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Lohn-klage einzureichen. Das Problem ist, dass sehr wenige Fälle von Lohndiskriminierung gemeldet werden. Das ist verständlich, man hat Angst um den Arbeitsplatz. Das ist sicher ein Problem. Man müsste da vielleicht schauen, dass Lohndiskriminierungen anonym gemeldet werden könnten.

Das Gleichstellungsgesetz ist ein spezielles Gesetz, man kann es ungestraft übertreten. Raser werden gebüsst, Arbeitgeber, die ihre Angestellten beim Lohn diskriminieren, nicht.
Das ist richtig. Das Gesetz basiert auf Freiwilligkeit und ist deshalb nicht sehr griffig. Sollten wir dereinst feststellen, dass es mit der Gleichstellung zu langsam vorangeht, müssten wir dieses Gesetz griffiger machen. Mit der Einführung von Sanktionsmöglichkeiten für wirkliche Lohndiskriminie-rung bei gleichen Jobs und gleichen Qualifikationen hätte ich persönlich keine Mühe.

Dann könnten Sie der Schaffung von Lohngleichheitsinspektoren, die den Arbeitsämtern an-geschlossen wären, wie sie die SPNationalrätin Leutenegger Oberholzer fordert, also zustim-men?
Nein, denn zuerst müssen wir sicher wissen, ob und wo es überhaupt Lohnungleichheit gibt. Es braucht zuerst eine seriöse Evaluation, zum Beispiel mit diesem Lohnüberprüfungssystem Logib. Auf Lohninspektoren zu setzen, hiesse, einen bürokratischen Monsterapparat aufzubauen. Nein, diese Forderung zum jetzigen Zeitpunkt, das ist reine Stimmungsmacherei!

Stimmungsmacherei?
Der 8. März steht vor der Tür, da versuchen gewisse Kreise mit gezielten politischen Interventionen auf sich aufmerksam zu machen.

Sie haben das Lohnüberprüfungssystem Logib erwähnt. Am 8. März können Sie für eine flä-chendeckende Einführung solcher Lohngleichheitstests in der Privatwirtschaft stimmen.
Zuerst müsste man evaluieren, wie Logib angewendet wird.

Was halten Sie von einer eidgenössischen Lohngleichheitskonferenz analog zur Lehrstellen-konferenz?
Eine solche Konferenz wird nicht zum Ziel führen. Wir haben bereits genügend Instrumente zur Verfügung, um die Gleichstellung voranzubringen.

Wie lange wollen Sie in Sachen Lohngleichheit eigentlich noch evaluieren? Zehn Jahre oder zwanzig Jahre?
Das Gesetz ist klar. Wer dagegen verstösst, missachtet seine unternehmerische Verantwortung.

Stichwort Vereinbarkeit von Beruf und Familie: 2005 arbeitete laut Bundesamt für Statistik nur einer von hundert Männern Teilzeit, um sich neben seinem Beruf auch noch der Famili-enarbeit widmen zu können.
Junge Väter haben heute verschiedene Bedürfnisse. Wenn sie eine Reduktion des Arbeitspensums wünschen, sollte der Arbeitgeber zugunsten der Familie und der Gesellschaft darauf eingehen. Auch die Männer müssen halt die Möglichkeit haben, Teilzeit zu arbeiten. Und das ist gar nicht so einfach.

Eben, auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit geht es nur schleppend voran.
Wir brauchen dringend mehr Kinderkrippen. Es geht nicht, dass man den Krippenplatz schon reser-vieren muss, bevor man die Ehepartnerin überhaupt kennengelernt hat. Es geht aber auch nicht, dass die Krippengebühren einkommensabhängig ausgestaltet sind. Wenn ich schaue, wie viel mittlere bis höhere Einkommen für einen Krippenplatz bezahlen müssen, so finde ich das absolut unverhältnis-mässig. Von diesem einkommensabhängigen System müssen wir wegkommen, wenn wir noch Kinder wollen in diesem Land! Für den Mittelstand ist es eine Katastrophe.

Das ist aber nicht gerade christlich, wenn der kleine Mann, die kleine Frau gleich viel bezahlen soll wie der Krösus.
Dass die unteren Schichten bei den Krippenplätzen subventioniert werden, ist völlig in Ordnung. Aber dass die Menschen, die etwas leisten und daher auch mehr verdienen, dafür bestraft werden, ist nicht richtig. Schliesslich zahlen sie auch viele Steuern, mit denen auch die öffentlichen Krippen finanziert werden.

Das hat doch mit Bestrafung nichts zu tun, sondern mit ausgleichender Gerechtigkeit.
Immer wenn einer ein bisschen besser verdient als der Durchschnitt, soll er dafür bestraft werden. Das geht nicht, niemand soll bestraft werden, wenn er ein Kind auf die Welt stellt.

Wären Sie denn zu haben für staatliche Gratiskinderkrippen, finanziert durch Steuern?
Nein, denn das wäre jenen Frauen gegenüber unkorrekt, die ihre Kinder nicht in die Krippe schicken möchten. Auch sie sollen nicht bestraft werden. Es braucht Subventionen für die kleinen Ein-kommen. Alle anderen sollen gleich hohe Gebühren zahlen müssen. So sollten die Krippen zahlbar sein, ohne dass der Staat alles steuert und subventioniert.

Im Parteiprogramm der CVP ist der Staat nicht eben hoch im Kurs: Man ist zwar für die Gleichstellung, aber nur auf freiwilliger Basis. Der Staat soll ja nichts vorschreiben. Wieso ist Ihre Partei so staatsfeindlich?
Wir sind nicht staatsfeindlich, wir sind liberal und sozial. Einkommen entstehen nicht durch staatli-che Entscheide, Einkommen werden durch Arbeitnehmende und Arbeitgeber sozialpartnerschaftlich generiert. Durch Investitionen und Mehrwert. Deshalb setzt die CVP auf Eigenverantwortung und Freiwilligkeit. Gesellschaftliche Veränderungen muss man nicht mit Druck erzwingen. Da braucht es nicht immer den Staat. Sie sind hoffentlich auch nicht der Meinung, dass man in der Schweiz alles verstaatlichen sollte, oder?

Absolut keinen Druck machen will Ihre Partei vor allem bei der Wirtschaft. Das Prinzip «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» etwa will die CVP laut Parteiprogramm zwar umsetzen, doch die Verantwortung dafür schiebt sie auf die Sozialpartner ab.
Wir schieben überhaupt nichts ab. Doch was haben wir davon, wenn wir den Unternehmen derart viele Auflagen machen, dass sie in der Schweiz nicht mehr rentabel produzieren können und deshalb ihren Standort nach Asien verlegen? Rein gar nichts! Wir können doch nicht einfach zu den Unternehmen gehen und sagen, so und so müsst ihr das machen. Ich setze auf Verantwortung der Schweizer Unternehmen! Sie schaffen Arbeitsplätze und sind sich ihrer Rolle bewusst. Wir setzen auf Sozialpartnerschaft. Das macht auch CVP-Bundesrätin Leuthard. Das von ihr kürzlich lancierte Paket zur Personalpolitik in ihrem Departement, das auch einen Vaterschaftsurlaub vorsieht, basiert nur auf Freiwilligkeit. Und es wird von allen Seiten als modern und musterhaft gelobt.

Gerade den Vaterschaftsurlaub kann Frau Leuthard jetzt ja nicht umsetzen...
…wegen ein paar Bremsklötzen im Bundesrat. Aber keine Angst, der Vaterschaftsurlaub kommt. Viele grosse Schweizer Unternehmen haben ihn eingeführt… Der kommt, da brauchen wir kein neues Gesetz.

Die Mehrheit der CVP hat kürzlich einen Vorstoss der grünen Nationalrätin Teuscher bachab geschickt, der die Einführung einer Frauenquote an der Spitze börsenkotierter Firmen fordert. Braucht es auch da kein neues Gesetz?
Ich war da, wenn ich mich richtig entsinne, bei der Minderheit in meiner Partei, die Ja gestimmt hat. Wissen Sie, parteiintern sage ich immer: «Ich bin einer der letzten Feministen »... (lacht)
http://www.workzeitung.ch/tiki-read_article.php?articleId=462


LP 210 Klaus Werle geboren 1973 - Studium der Geschichte, Anglistik, Germanistik in Heidelberg und Exeter – war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes - Produktmanager bei Procter&Gamble in Genf – hat für Spiegel, Stern, faz, Facts, Merian, Berliner Zeitung gearbeitet - seit 2004 Redakteur beim Manager Magazin und arbeitet für die Ressorts Trends und Karriere – Buchveröffentlichungen: Deutschland-Puzzle von ADAC bis Vollkornbrot (Herder, 2006); „Kein, Kommentar! Notizen zur Sprache der Mächtigen“ (Herder, 2008); „Die Perfektionierer“ (Campus, 2010) - klaus_werle@manger-magazin.de – werle@plan17.de – klaus.werle@web.de - http://plan17.de/uploads/images/werle/werle_01.jpg

FRAUEN AUF GESCHÄFTSREISE
Nur allein fliegen ist schöner
Von Klaus Werle

Eva Hillreiner für manager magazin
Ruhe, Komfort, Sauberkeit, Arbeiten, Sport und Entspannung: So wünschen Frauen sich ihre Geschäftsreisen
Was Frauen auf Geschäftsreisen wollen, zeigt eine Studie: Gesundes Essen, mehr Steckdosen und keine Männer neben sich. Wenn weibliche Business Traveller unterwegs sind, wollen sie arbeiten - und nicht nur so tun als ob. Der Markt ist reif für eine rosa Revolte.
Hamburg - Eine Menge Arbeit kommt auf die Frauen zu. Mehr führen, eine zweite Finanzkrise verhindern und jetzt noch den deutschen Markt für Geschäftsreisen auf Vorderfrau bringen.
Dem geht es schlecht. 2009 war er mit einem Volumen von 41 Milliarden Euro auf einem Tiefpunkt; frühestens 2015 wird er das Vorkrisenniveau von 47 Milliarden erreichen, prophezeien die Berater von A. T. Kearney. Doch es gibt Hoffnung: Weibliche Business Traveller verursachen hierzulande nicht mal jeden fünften Umsatz-Euro - aber bis 2020 soll ihr Anteil auf rund 38 Prozent wachsen. Die Frauen müssen es wuppen.
Dafür allerdings müsste das Business-Travel-Universum für Damen attraktiver werden. Nur wie? Was wollen die Frauen? Es gibt einen Film, in dem Mel Gibson mit dem Föhn erst ins Wasser, dann in Ohnmacht fällt und anschließend hört, was Frauen denken. Weil die Berater von A. T. Kearney nicht über diese magische Gabe verfügen, haben sie nun 800 geschäftsreisende Frauen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen gefragt.
Das Ergebnis ist die Studie "How Women Travel" - und so manche Antwort hat das Potenzial für eine rosa Revolte, insbesondere im Flugverkehr. Mit der Mischung aus Meilenjagd, fettigen Snacks, Hollywood-Filmen und Hochprozentigem gleichen Business-Trips im Flieger bislang ja eher einem Vatertagsausflug über den Wolken. Damit könnte bald Schluss sein.
Das Männer-WG-Feeling schreckt viele Frauen ab
Denn Frauen bevorzugen gesünderes Essen, mehr Steckdosen und Internet für ihre Notebooks und bessere Sitzplatzwahl - dafür würden sie sogar zahlen. Sie wollen arbeiten im Flieger und nicht nur so tun als ob. Wenn sie entspannen, dann mit Niveau. Unterstützung beim Gepäcktransport fänden sie gut, besseren Kinderservice, mehr Ablageplatz für Taschen und Mäntel oder Zugang zum Wellness- und Sportbereich statt zur Lounge.
Überhaupt, die Lounge. Schlechte Luft, ungesundes Essen und überall lautstarke Dauertelefonierer - das Männer-WG-Feeling schreckt viele Frauen ab; fast jede zweite nutzt die Lounges trotz Berechtigung selten oder nie. Auch die Bonusprogramme sind keine Frauenversteher. Die Damen, schreibt A. T. Kearney nüchtern, scheinen "weniger statusbedacht und stärker am konkreten Nutzen interessiert". Größere, ruhigere Lounges oder eine Regelung, die den erreichten Meilenstatus über eine Elternzeit rettet, könnten die Attraktivität steigern.
Ruhe, Komfort, Sauberkeit, Arbeiten, Sport und Entspannung - was Frauen wollen, klingt sehr vernünftig. Es würde Geschäftsreisen besser machen, auch für die Herren der Schöpfung. Das Problem ist: Mit am meisten wünschen sich Frauen, im Flieger nicht neben fremden Männern sitzen zu müssen. Zu breit, zu schnarchig, riechen irgendwann nicht mehr gut.
Die naheliegende Lösung: getrennte Flugzeuge. Im einen sitzen Frauen, naschen Salat und fettfreien Joghurt, bevor sie Mails oder ein Work-out machen. Im anderen döst eine Horde Männer. Die Steaks sind verputzt, Schweiß und Alkoholdünste wabern. Es erinnert an die letzte Busbank auf Klassenfahrten.
Nicht schwer zu erraten, wer am Zielort den besseren Job macht.
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,871584,00.html

Mein freundlicher und kluger Kollege Klaus Werle (Bild) hat ein Buch geschrieben. Es heisst Die Perfektionierer und argumentiert wortgewaltig und mit vielen Beispielen gegen den aktuellen Op-timierungswahn, alles immer besser können zu wollen. Es ist auf den ersten Blick also der genaue Gegenentwurf zu Meconomy, in dem ich ja erkläre, “warum wir uns jetzt neu erfinden müssen” sowie für lebenslanges Lernen, Lifehacking und Self-Branding plädiere.
In Wahrheit sind Klaus und ich uns aber auch in vielem einig: Dass ein krummer Lebenslauf manchmal der bessere ist, zum Beispiel. Dass man sich nicht immer fragen sollte, was andere von einem erwarten, sondern was man selber wirklich gerne tut. Oder dass man auch mal einfach: gar nichts tun kann. Kurz – mir gefällt das Buch sehr, gerade weil wir von fast entgegengesetzten Aus-gangspunkten zu ähnlichen Schlüssen kommen. Darum folgt nun ein Auszug und in ein paar Tagen dann noch einer. Viel Spaß beim Reinlesen!
“Um gleich mit einer Enttäuschung zu beginnen: Dieses Buch ist kein Ratgeber. Im Gegenteil. Ers-tens gibt es davon schon mehr als genug. Angefangen von Klassikern wie Sorge dich nicht, lebe oder Simplify your life über Schwangerschafts-, Vermieter-, Diät-, Beziehungs-, Handwerker- und Sexratgeber bis hin zu zahlreichen aktuellen Titeln wie Warum bin ich eigentlich nicht glücklich? oder Lebe das Leben, von dem du träumst, schwillt die Flut der Lebenshilfeliteratur seit Jahren ge-waltig an. Verständnisvoll lächelnde Menschen bieten Hilfesuchenden kleine Antworten auf ganz große Fragen. Sie befriedigen ein Bedürfnis, das ganz sicher. Aber sie halten, zweitens, dieses Be-dürfnis auch künstlich am Leben mit ihrem Mantra, das sich stets in einem Satz zusammenfassen lässt: „Du bist ein toller Mensch, aber du könntest noch toller sein, wenn du dich ein bisschen an-strengst.“ Kräftig basteln sie mit an der Vorstellung, an jeglichem Aspekt des Lebens lasse sich irgendwie herumschrauben, bis alles perfekt ist. Als Profiteure unseres schlechten Gewissens schmieren sie ordentlich Öl in die Optimierungsmaschine.
Das tun sie natürlich nicht umsonst. Von den rund 10 Milliarden Euro, die der Buchmarkt im Jahr umsetzt, entfällt ein Fünftel auf Sachbücher, von denen wiederum ein Großteil Ratgeber sind. Es ist die zweitwichtigste Buchgruppe nach der Belletristik. Ziemlich oft landen die Lebensführungsbre-viere ganz oben auf den Bestsellerlisten, und das weltweit. Das Buch Happier von Tal Ben-Shahar, dem Harvard-Professor und Superstar der Glücksindustrie, wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.
Das Gefährliche daran ist: Die meisten Ratgeber setzen für alles ein Ideal. Das zügigste Studium, die ideale Karriere, die liebendste Mutter, der perfekte Garten. Das verzweifelte Bemühen des Op-timierers, dem Ideal zu entsprechen, am besten auf möglichst vielen Feldern, lässt ihn sich verzet-teln, und er kann seine wahren Stärken nicht ausspielen. Sollte er das Ideal erreichen, ist das schön für ihn, aber es macht ihn, wie wir gesehen haben, austauschbar. Er ist schließlich nicht der Einzige, der die einschlägigen Ratgeber gelesen hat.
Ein kleiner Ausflug in die Niederungen der deutschen TV-Shows – versprochen: es ist der letzte – illustriert das Problem: Als Sieger aus der Staffel des Jahres 2009 von Deutschland sucht den Su-perstar gingen, welch Überraschung, Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher hervor. Von Anfang an klare Favoriten, sangen sie sich brav durch sämtliche Shows, wobei sie es peinlich vermieden, einen Hauch von Charakter oder auch nur Unterhaltungswert zu entwickeln. Selbst der Daniel von der Redaktion verordnete Ausflug ins Menschelnde konnte daran nichts ändern. Im Kindergarten be-wegte sich Daniel („Was hast du denn Schönes gemalt?“) mit der Natürlichkeit einer Angela Merkel beim Kitesurfen. Dass er und die kreuzbrave Sarah Kreuz schließlich gemeinsam zu Siegern ausgerufen wurden, machte die Sache nicht besser. Zweimal öde ist immer noch öde.
Die Drittplatzierte Annemarie Eilfeld fiel zwar durch einen bemerkenswerten Mangel an Gesangs-talent auf, konnte diesen aber durch recht freizügige Bühnenoutfits sowie durch eine nicht minder bemerkenswerte Zickigkeit wettmachen. Sie zeigte nicht nur Kurven, sondern Ecken und Kanten – und bekam am Ende auch ihren Plattenvertrag. Dem ausstrahlenden Sender RTL und der ausdau-ernd berichtenden Bild hat sie mit ihren Eskapaden Quoten und Auflage gerettet. Uns zeigt sie: Daniel und Sarah waren perfekt, aber austauschbar. Annemarie hatte ein Profil.
Die Widersprüche, die sich aus dem Optimierungsstreben für den Einzelnen ergeben und denen auch Sarah und Daniel zum Opfer fielen, begleiten uns schon durch das gesamte Buch. Letztlich sind es die des bekannten Gefangenendilemmas. Dabei werden zwei Gefangene verdächtigt, ge-meinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Höchststrafe: fünf Jahre. Wenn beide schweigen, können sie aufgrund von Indizien nur zu zwei Jahren verurteilt werden. Gestehen sie die Tat, krie-gen sie vier Jahre. Nun wird beiden ein Handel angeboten: Auspacken gegen Straferlass. Wer seinen Kumpel verrät, ist frei – der Kompagnon aber wird zu den vollen fünf Jahren verknackt. Der Aufbau des Experiments provoziert also den Verrat. Verfolgen aber beide Gefangene diese Strate-gie, gehen sie für vier Jahre in den Bau – statt für zwei, wenn sie geschwiegen hätten. Wer sich auf den Deal einlässt – oder aufspringt aufs Optimierungskarussell – verbessert vermeintlich seine Posi-tion. Weil das aber alle tun, verschlechtert er sie in Wahrheit, und zwar sowohl absolut als auch in Relation zu den Konkurrenten. Wie Sarah und Daniel, die möglichst glatt und perfekt wirken woll-ten. Annemarie wählte eine Strategie, die in der Versuchsanordnung des Dilemmas nicht vorgesehen ist: Sie bürstete bewusst gegen den Perfektionsstrich und spielte ihr eigenes Spiel. Wir wollen einmal testen, ob sich diese Strategie auch als Ausweg aus der Perfektionierungsfalle eignet. Und wenn auch keine Ratschläge, so sollen am Schluss doch drei Denkanstöße stehen.
Als erstes müssen wir uns von einem langjährigen, treuen Begleiter verabschieden: dem schlechten Gewissen. Dieser Begleiter wirft gern mit Sätzen um sich wie „Keine halben Sachen machen“ oder „Das gehört sich so“. Er fabuliert vom Traumjob, von der perfekten Beziehung, von braven und aufgeweckten Kindern, von Potenzialen, die es zu „heben“ gilt und von Talenten, die „verschüt-tet“ sind. Ständig zitiert er das Baumarktmotto „Es gibt immer was zu tun“ oder den Nike-Spruch „You don’t win silver. You lose gold“. Was wir tun, ist immer ungenügend. Eine ziemlich frustrie-rende Einstellung, die um sich greift, wie der Absatz von Antidepressiva zeigt. Weltweit gaben die Menschen dafür im Jahr 2000 13 Milliarden US-Dollar aus, 2007 schon 18 Milliarden, und 2010 sollen es 26 Milliarden werden. Dass die Gemütsaufheller als hippe Lifestyledrogen vermarktet werden, zeigt nur, dass der Frust gesellschaftsfähig geworden ist.
Schlimmer ist aber, dass das ewige Nörgeln sogar den Erfolg verhindert. Wenn ich, nur mal so als Beispiel, zu Olympia fahre, um Gold im Speerwerfen zu gewinnen, aber nur Silber schaffe, dann ist das frustrierend. Bin ich froh, überhaupt mitmachen zu dürfen („Dabei sein“ ist bekanntlich alles), jubele ich auch über Bronze. Das schlechte Gewissen und der Vergleich mit anderen treiben immer weiter in die Optimierung – und gleichzeitig entziehen sie den Mut, wirklich Außergewöhnliches zu leisten, weil sie die Latte immer höher hängen. Die Forschung hat das bestätigt, etwa mit Untersu-chungen bei Golfturnieren. Dabei fiel auf, dass allein die Anwesenheit von Tiger Woods andere Teilnehmer deutlich schlechter spielen liess als üblich. Der Vergleich mit dem Superstar schickte ihr Selbstbewusstsein auf Abwege wie ein schlechter Putt den Ball in den Bunker.
Die meisten Menschen neigen dazu, vor allem ihre Makel zu sehen und die Ursachen für ein Schei-tern bei sich zu suchen. Ganz so, wie es das beschriebene Leitbild vom aktiven Selbstunternehmer fordert, der für sein Leben allein verantwortlich ist. Dagegen weiß die Psychologie längst, dass Er-folg viel mit Selbstwahrnehmung zu tun hat: Erfolgreiche schreiben positive Ergebnisse ihrem Können zu, Niederlagen halten sie für Pech. Eine ziemlich schlichte Strategie nach dem Motto: „Al-le doof außer ich“. Und doch überaus effektiv. So zeigte ein Experiment mit Versicherungsvertre-tern: Diejenigen, denen Psychologen vorher eingebläut hatten, eigene Fehler auszublenden und Po-sitives in den Blick zu nehmen („Ich habe getan, was ich konnte. Der Kunde hatte einfach andere Bedürfnisse.“), waren nachweisbar erfolgreicher.
Deshalb: Einfach mal entspannen, auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen, lockerlassen. Es müssen ja nicht gleich die Schafsfarm auf Neuseeland und selbstgestrickte Wollsocken sein. Etwas mehr Gelassenheit, ein klein wenig niedrigere Ansprüche machen auch in Berlin-Mitte entspannter – und letztlich sogar erfolgreicher.
Der zweite Schritt folgt daraus zwingend: Verabschieden wir uns von der Maximierermaxime. Es ist schlicht unmöglich, immer und überall das Beste herauszuholen. Und wie wir gesehen haben, ist der Versuch auch noch häufig kontraproduktiv. Der Glaube, je mehr Aufwand wir betreiben, desto besser wird das Ergebnis, ist schlicht falsch. Der Unternehmer, Weltenbummler und Halter eines Weltrekords im Tangotanzen, Timothy Ferriss, hat das vor einigen Jahren in einem aufsehenerre-genden Selbstexperiment gezeigt. Müde vom aufreibenden Alltag und nach einem Nervenzusam-menbruch, rief Ferriss für sich selbst die „4-Stunden-Woche“ aus. Lästigen Routinekram ließ er fortan von kleinen Helferlein am anderen Ende der Welt erledigen, seine Tätigkeit als Firmenlenker beschränkte er vornehmlich aufs Delegieren, Mails las er nur noch jeden Montag, und dann nicht länger als eine Stunde. Das erwartbare Resultat von Ferriss-macht-blau: Er fühlte sich besser, genoss seine neue Freiheit in vollen Zügen. Das unerwartete Resultat: Seine Firma florierte; seit er sich quasi selbst aus dem Unternehmen entfernt hatte, stiegen die Profite um 40 Prozent. Den „Master of Business Administration“ (MBA), der hier schon mehrfach als Beispiel für besonders ausgeprägten Optimierungsdrang beschrieben wurde, definierte Ferriss kurzerhand um in „Management by Absence“.
Die 4-Stunden-Woche ist natürlich eine radikale Lösung, für die der durchschnittliche deutsche Arbeitgeber bestenfalls ein höhnisches Lachen übrig hätte. Aber der Selbstversuch demonstrierte eindrucksvoll, dass eine Entscheidung gegen mehr Aufwand, also mehr Optimierung, nicht gleich-zeitig eine Entscheidung für ein schlichteres, anspruchsloseres Dasein ist. Ausdrücklich verspricht der Untertitel von Ferriss’ Buch nicht nur „mehr Zeit“, sondern auch „mehr Geld“.
Weniger ist mehr, weniger bringt mehr. Erinnern wir uns an Gerd Gigerenzer, den Entscheidungs-forscher mit dem Loblied auf das Bauchgefühl: Maximierer, die vor Entscheidungen mühsam und aufreibend die beste Option suchen, sind nicht nur unglücklicher als die Satisficer, die sich mit der ersten guten Lösung zufrieden geben. Sie treffen auch oft die schlechtere Wahl. Etwas mehr Satis-ficer täte uns deshalb gut, weil die Suche nach dem Perfekten, das Sammeln möglichst vieler In-formationen, das Betreiben maximalen Aufwands gute Entscheidungen eher behindert als befördert. Gigerenzers „Heuristiken“, also die Abkürzungen von Entscheidungsprozessen durch simple Regeln, die die Intuition imitieren, können helfen, das Leben einfacher und sogar besser zu machen. Gut ist manchmal besser als perfekt. Der Satisficer trägt seinen Namen schließlich nicht von ungefähr.”
Soweit der erste Auszug aus Klaus Werles Buch “Die Perfektionierer” (Campus). In ein paar Tagen folgt der zweite und letzte.

http://www.meconomy.me/blog/klaus-werle-abschied-vom-schlechten-gewissen-%E2%80%93-einfach-mal-lockerlassen/

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