Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Liste Lila Pudel 151-160 (Projekte)

verfasst von Oberkellner(R), 24.06.2012, 20:34

LP 151 Helmuth Karasek, geboren 1934 in Brünn (CZ), Journalist, Buchautor, Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft - http://celebslists.com/images/hellmuth-karasek-01.jpg

"Die Tragödie wird wegen ihrer Wucht laut als ausweglos beklagt. Dabei ließe sie sich leicht vermeiden und ein paar Nummern kleiner abwickeln. Er, der mit seinen Wetter- und Wetterstation-Eskapaden eine erfolgreiche Firma aufgebaut hat, könnte, allerdings ohne Fernsehplatz, still und zurückgezogen, seinen Geschäften und Gelüsten nachgehen. Sie könnten durch einen außergerichtlichen Vergleich und ein Schuldig-Bekenntnis abgesichert und befriedigt werden. Man würde sich auf ein Mindeststrafmaß einigen. Und auf Schmerzensgeld (also Kranzgeld). Dass viele mit einem solchen Schaden fertigwerden müssen, zeigt jeder Scheidungsprozess."

http://www.abendblatt.de/hamburg/article1555807/Wetter-bleibt-Wetter.html

Das Sujet mag jetzt auf den ersten Blick thematisch nicht so recht passen, aber Karasek wäre nicht Karasek, wenn ihn das von seinem Versuch einer allegorische Metamorphose des Sardanapal hin zum Herrn der Schöpfung an sich abhalten könnte, zumal wenn das Objekt der Begierde "Der Tod des Sardanapal" von Eugene Delacroix auch noch veritable 395 x 495 cm misst. Da fühlt sich auch ein Herr Karasek angemessen präsentiert. Und dann legt er los:

Seit einigen Jahren sind wir Männer nur noch die Herren der Erschöpfung. Und sehr verunsichert.

Eine Bezeichnung wie „meine Frau“ hatte eine ganz andere Bedeutung als die Formel „mein Mann“, jedenfalls solange, und das war bis vor Kurzem, Männer ihren Ehefrauen eine Erlaubnis erteilen mussten, wenn sie einer Arbeit nachgehen wollten. Und da es egal ist, wie der Besitzer aussieht, sein Eigentum aber sehr wohl taxierend angeschaut und mit dem bewundernden Ausruf „Donnerwetter!“ kommentiert werden darf, wird es immer wieder Männer mit Macht, Geld, Reichtum geben, die sich Frauen leisten können, die dreißig, vierzig Jahre jünger sind. Solange sie sich die Frauen leisten können! Frauen haben es da schwerer, da hilft keine Gleichberechtigung.

Sich Frau leisten können! Besonders durch die Faszination, die Macht ausübt. Als besonders brutales Beispiel, ja, als Symbol dieses exekutierten Machtanspruchs, galt mir das Bild „Der Tod des Sardanapal“ von Delacroix. Es zeigt, beherrschend, aber doch im Hintergrund, auf einem Lotterbett, einem blutroten Diwan mit fließender Decke liegend einen Herrscher mit Krone, den Kopf mit vollem orientalischem Bart in den hochgewinkelten rechten Arm gestützt. Er beobachtet. Und der Bildbetrachter sieht den Herrscher mit einem gewissen neidisch wollüstigen Schauder. Er muss ihn aus diesem Blickwinkel wahrnehmen, denn so ist das Bild inszeniert.

Da sind Sklaven, genauer: Eunuchen mit muskulösem Körper dabei, mit Dolchen, die sie gezückt haben, wunderschöne, nackte junge Frauen mit weißrosiger Haut und blühenden Leibern abzustechen, ebenso wie edle Pferde und edle Hunde, die mit Geschmeiden geschmückt und aufgeputzt sind wie die geopferten Frauen, die Armreifen und erlesene Fußfesseln tragen. Die Eunuchen haben den Befehl, erst das lebende Inventar des Herrschers – also Hunde, Pferde, Frauen – und dann ihn selbst zu töten. (...)

Vielleicht aber zeigt sich in den Wiedererweckungsbemühungen alter, schrecklicher Männermythen wie der von Sardanapal in Wahrheit etwas ganz anderes. Der Aufbruch der Gleichberechtigung, ihr langer Marsch durch die männlich beherrschte Gesellschaft und ihre Institutionen, ist längst weiter fortgeschritten, als es sich die männliche Fantasie eingestehen wollte.
Die darauf mit sadistisch-reaktionärer Wut reagierte. In der Ehe und vor den Familiengerichten ist die Frau längst gleichgestellt, unsere Kinder werden inzwischen fast ausschließlich in Kindergärten und Schulen von Frauen betreut, ob sie nun Buben oder Mädchen sind, sie werden im Geist der emanzipierten Frauen erzogen. In Schulleistungen überflügeln Mädchen längst die ihre Orientierung verlierenden männlichen Heranwachsenden, im Beruf sind viele Frauen so erfolgreich, dass es nur eine Frage kurzer Zeit sein kann, dass sie auch gleich bezahlt werden.

Die Ideologie, dass Frauen die besseren Menschen sind, wirkt, selbst wenn man darüber nur den Kopf schüttelt (es gibt keine „besseren“ Menschen, es gibt nur Menschen), wie eine notwendige Reaktion auf das jahrtausendealte Vorurteil, dass Männer die Besseren, die Größeren, die Schlaueren sind und dass ihnen daher das Sagen zukommt. Männer geben nicht mehr (allein) den Ton an, auch wenn sie noch so tun, sich so aufspielen, sich so inszenieren, als täten sie's.

Frauen können besser allein leben als Männer, sie leben länger, was schon deshalb gut ist, weil sie, allein gelassen durch den Tod des Partners, ohne Frage, mit dem Single-Leben besser fertig werden, besser zurande kommen.
Da wir, zumindest im Mitteleuropa der vergangenen fünfzig Jahre, Konflikte nicht mehr kriegerisch ausfechten, bedarf es des Ideals des Kriegers im Grund überhaupt nicht mehr. Jedenfalls spielt es im Bewusstsein keine Rolle mehr. Da Schwerstarbeit, in der Industrie wie in der Landwirtschaft, im Handel wie im Transport, durch Maschinen ausgeführt und durch Computer weitestgehend gesteuert wird, spielt auch der bisher scheinbar ewige Vorteil der größeren Muskelkraft des Mannes keine entscheidende Rolle mehr – außer beim Boxsport und beim Fußball (auf Letzterem beharrt er, obwohl nur die deutschen Frauen es zuletzt zur Weltmeisterschaft gebracht haben).

Er kennt keine Familie mehr, jedenfalls nicht in den bürgerlichen Kreisen, in denen er sich zu Hause fühlt, die die Geburt eines „Stammhalters“, also eines Jungen, höher schätzen würde als die einer Tochter, die längst auch einen Stamm führen kann, wenn's drauf ankommt: Der einzig wirklich wahre König Europas, der von England, ist eine Königin. Frauen treffen, obwohl das Männer nicht zugeben möchten, die Partnerwahl, Frauen im Bürgertum sind die Herren der Familienplanung. Es ist keine (öffentliche) Frage mehr, wer oben oder unten liegt, ob man das nun wörtlich oder bildlich verstehen will.

Die Männer, wir Männer, sind verunsichert, kein Wunder, wenn sich tausend Jahre alte Sitten, Gebräuche, Regeln und Gesetze, Gewohnheiten und Rollen so gründlich verändern. Und das, so scheint es, irreversibel, sollte sich die Idee des Islam nicht durchsetzen oder nicht, wie hoffentlich bald im Iran, den Bedingungen aufgeklärter Gesellschaften anpassen.

Seit einigen Jahren sind wir die Herren der Erschöpfung. Wir erleben eine Gleichheit der Geschlechter als work in progress, bei der man sich Rückschläge, aber keinen Rückschritt, vorstellen kann und will.

http://www.welt.de/vermischtes/partnerschaft/article4908716/Wir-Maenner-die-Herren-der-Erschoepfung.html

LP 152 Matthias Lindner, Jahrgang 1969, Studium der Rechtswissenschaften, Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Kiel - stellv. Vorstandsvorsitzender des BUNDESFORUM MÄNNER - Interessenverband für Jungen, Männer und Väter – seit 2006 Bereichsleiter für Genderpolitik bei der ver.di Bundesverwaltung - matthias.lindner@verdi.de

Die Quote wird in der aktuellen öffentlichen Diskussion als Instrument zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit verhandelt. Von engagierten Frauen wird eine rechtlich verbindliche Regelung eingefordert. Dabei geht es in der Regel aber nicht um eine allgemeine Quotierung sämtlicher Erwerbsbereiche in denen Männer bislang zahlenmäßig dominieren. Vielmehr konzentriert sich die öffentliche Quotendiskussion auf die geschlechtliche Quotierung von wirtschaftlichen und politischen Spitzenpositionen.

Vor dem Hintergrund einer Arbeitswelt, in der Chancen und Ressourcen geschlechterspezifisch sehr ungleich verteilt sind, erscheint dies auch legitim und gerecht.

An dieser Legitimität ändert auch die Tatsache nichts, dass eine Frauenquote auf der individuellen Ebene zutiefst ungerechte Auswirkungen haben kann – einzelne Männer sogar eindeutig diskriminiert.

Diese Männer sind Kollateralopfer des Versuchs, geringere Chancen von Frauen auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene zu kompensieren. Aus gesellschaftlicher Sicht wäre wünschenswert, wenn nicht nur die Bereiche in die Quotendiskussion aufgenommen würden in denen es etwas für Frauen zu gewinnen gibt, sondern auch jene, in denen Männer unterrepräsentiert sind. Insbesondere im Bereich der Pflege und Kinderbetreuung besteht hier umgekehrter Handlungsbedarf. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass diese Arbeitsbereiche eine ökonomische Aufwertung erfahren. Nur dann besteht Anlass zur Hoffnung, dass sich auch in den Wirtschaftsbereichen in denen Frauen überrepräsentiert sind, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herstellen lässt.

Führung um jeden Preis?
Es erscheint an dieser Stelle allerdings wenig sinnvoll, in Erbsenzählerei zu verfallen. Vielmehr müssen an die Einführung von Frauenquoten klare Erwartungen formuliert werden. Es darf nicht darum gehen solche Frauen in Führungspostionen zu bringen, die von Ihrem Verhalten, Führungsstil und Duktus lediglich zum Erhalt von patriarchalen, hierarchischen Strukturen und Kulturen bei-tragen. Gleichzeitig muss aber auch Sorge dafür getragen werden, dass mit einer höheren Repräsen-tanz von Frauen in entsprechenden Funktionen nicht eine schleichende Abwertung dieser Bereiche erfolgt, wie dies in vielen Berufsfeldern bereits geschehen ist. Dies würde das Erreichte schnell entwerten und die gleichstellungspolitischen Ziele die mit der Einführung der Frauenquote verbun-den sind konterkarieren. Wünschenswert wäre, dass durch eine höhere Repräsentanz von Frauen in den Führungsgremien auch ein Wandel hin zu einer partizipativen und kommunikativeren Lei-tungskultur vollziehen würde. Es wäre allerdings vermessen, dies als Erwartung zu formulieren, da der Zugang zu Führung für Frauen entsprechend der gängigen Qualifikationsmaßstäbe erfolgen muss. Sichtbar würde ein verändertes Verständnis von Führung am Umgang mit Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, Führungsstil und Kommunikations-kultur.

Männer mitnehmen!
Will man Männer aktiv für Gleichstellungspolitik gewinnen, so darf man sie nicht ausschließlich zu „Leittragenden“ von notwendigen Korrekturen gesellschaftlicher Fehlentwicklungen machen. Es sollte nicht vergessen werden, dass viele Männer nie in privilegierte Führungsposition kommen, auch sie meist „Opfer“ einer hegemonialen Männlichkeit sind, die Ihre individuellen Bedürfnisse weitgehend ignoriert und nur einen ganz bestimmten Typus Mann in die Lage versetzt in den Ge-nuss der begehrten gesellschaftlichen Machtpostionen zu gelangen. Könnte es nicht sein, dass vor diesem Hintergrund, die in der Theorie definierte patriarchale Dividende für Männer, die zwar nicht in den Genuss dieser Machpositionen kommen, dennoch von einer Geschlechterkultur zuguns-ten von Männern profitieren, in der heutigen geschlechterpolitischen Gesamtrechnung eher be-scheiden ausfällt?
Gerade moderne Männer die sich heute offen zu ihrem Wunsch einen aktiven Beitrag zur tägliche Betreuung und Pflege zu leisten bekennen, brauchen für ihre, von der „Norm“ abweichenden Le-bensentwürfe, Unterstützung, da ein solches Bekenntnis meist ebenso mit einem Karriereaus ver-bunden ist, wie für Frauen. Während diese Orientierung von Frauen traditionell erwartet und akzep-tiert wird, haben moderne Männer zusätzlich mit Unverständnis Seitens relevanter Teile der Beleg-schaften und Führungskräfte zu kämpfen. Ihnen hilft der Verweis auf eine allgemeine Privilegierung von Männern wenig. Eröffnet man diesen Männern jedoch eine Perspektive die es ihnen ermöglicht, einen aktiven und gestaltenden Beitrag zur Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse zu leisten können sie zu wertvollen Bundesgenossen für Frauen werden.
Daher stellt sich gar nicht so sehr die Frage welche Quote erfüllt sein muss, um auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichstellung voranzukommen, sondern vielmehr die, welchen Führungsstil, welche Arbeits- und Unternehmenskultur, welche sozialen- wirtschaftlichen- und rechtlichen Rahmenbe-dingen gegeben sein müssen, um es Frauen wie Männern gleichermaßen zu ermöglichen ihre indi-viduellen Lebensziele gleichberechtigt zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund wäre es geboten, Männer, die ebenso wie viele Frauen Interesse an ganz-heitlicheren Lebensentwürfen und einer Aufwertung unbezahlter Haushalts – und Care-Arbeit ha-ben als Verbündete im Kampf um echte Gleichstellung zu gewinnen. Es müsste vielmehr darüber nachgedacht werden, welche legitimen Gleichstellungsbedürfnisse es von Seiten der Männer gibt, wie diesen gerecht geworden werden kann und welche Instrumente zur konkreten Umsetzung dieser Bedürfnisse es gibt.

Von Kennzahlen und Vereinbarkeit
Folgt man der Prämisse, dass ein Mentalitäts- und Kulturwandel bei den betrieblichen und politi-schen Eliten hinreichende Bedingung für eine insgesamt chancengerechtere Gesellschaft ist, gilt es also Indikatoren zu definieren, anhand derer dieser Wandel messbar und sichtbar gemacht werden kann. Neben der Quote könnte dies auch durch die Einführung von Kennzahlen über die Nutzung von Elternzeiten erreicht werden. Eine solche Kennzahl würde Aufschluss darüber geben, wie viele Väter über welchen Zeitraum Elternzeit genommen haben. Eine hohe Elternzeitkennzahl von Vätern könnte als Indiz für eine egalitäre Betriebskultur gewertet werden, die sich von der Orientierung auf tradierte Rollenbilder verabschiedet hat. Als Benchmark könnte sie zudem Aufschluss über die Attraktivität eines Arbeitgebers für vereinbarkeitsorientierte Beschäftigte geben. Dies wäre auch deshalb bedeutsam, weil heute nicht mal mehr die Hälfte aller berufstätigen Männer auch Väter sind. Eine Elternzeit Kennzahl in Verbindung mit der Anerkennung von Familienarbeit könnte hier Wettbewerbsnachteile von vereinbarkeitsorientierten Vätern gegenüber kinderlosen Männern kom-pensieren und damit insgesamt zu einer Unternehmenskultur beitragen von der Frauen und Männer gleichermaßen profitieren.
Das Plädoyer für eine solche Elternzeit-Kennzahl soll allerdings nicht von der Notwendigkeit einer nachholenden Frauenförderung ablenken. Es soll vielmehr den Blick darauf lenken, dass es auch von Seiten der Männer Gleichstellungsbedürfnisse gibt, die bislang nicht in die öffentliche Diskus-sion eingeflossen sind. Zudem leidet das Instrument der Quote unter dem Manko, bestehende Ungerechtigkeit mit umgekehrter Ungerechtigkeit beseitigen zu wollen. Das macht sie aus Männersicht schwer anschlussfähig. Solange Männer Gleichstellungspolitik als eine Strategie erleben, welche nur an Frauen adressiert ist und das Ziel verfolgt, Frauen einseitig zu fördern, stellen sie zu Recht die Frage, warum sie diese unterstützen sollen. Hinzu kommt, dass es ihnen so vorkommen kann, also ob die ehemals abgeschottete „Männerwelt“ mit ihren diskriminierenden Strukturen unangetastet bleiben soll und lediglich für Frauen geöffnet werden soll. Wenn ihre eigenen Gleichstellungs- und Veränderungsbedürfnisse allerdings erst genommen werden und bei ihnen der Eindruck entsteht, diese auch „auf Augenhöhe“ – d.h. ohne den Ballast historischer Schuld – gemeinsam mit Frauen in die Diskussion um tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit einbringen zu können, werden sie zu wertvollen Bündnispartnern von Frauen für ein gemeinsames Ziel.

http://www.bundesforum-maenner.de/index.php?option=com_content&view=article&id=249:quote-oder-gleichstellung-&catid=34:aktuelles&Itemid=1

Unter dem Titel „Aus der Rolle gefallen! Geschlechterklischees in Deutschland und Russland“ fand Mitte Mai in den Räumen der Organisation „Memorial International“ das zweite „Moskauer Ge-spräch“ dieses Jahres statt. Die Soziologin Irina Tartakowskaja und Matthias Lindner vom Bun-desforum Männer diskutierten mit jungen Russen und Deutschen den Status quo der jeweiligen Geschlechterbilder.

Lindner, der auch als Gendertrainer tätig ist, erklärte zu Beginn der Veranstaltung, dass Jungen in Deutschland heutzutage weniger und niedrigere Schulabschlüsse erzielten. „Wir müssen umdenken. Deutschland kann es sich nicht leisten, auf die Ressource Kinder zu verzichten.“ Irina Tartakowska-ja ist Sozialwissenschaftlerin und leitet Seminare zum Thema Soziale Geschlechterrollen. Als Wis-senschaftlerin sieht sie keinen Widerspruch zwischen dem biologischen und dem sozialen Ge-schlecht, Gender und Geschlecht seien Synonyme. In einem Rückblick stellte sie die sozialen Rol-lenbilder der Sowjetzeit dar: Für die Bolschewiken sei die Emanzipation ein pragmatischer Glücks-griff gewesen. Nach dem Bürgerkrieg fielen viele männliche Arbeitskräfte aus, daher gab der Staat kurzerhand den Frauen die Arbeiterrolle ab, sie waren dann Arbeiterinnen und Mütter zugleich. Der Sowjetapparat setzte auf seine Frauen und führte nach einer rückläufigen Geburtenrate sogar ein Frauengesetz ein, das Abtreibungen verbot. Aber auch die Männer bekamen den Druck der Macht zu spüren: Spezielle Komitees leiteten Sanktionen ein, wenn ein Ehemann seiner Frau untreu war. Die Geschlechterrollen waren vom Staatsapparat definiert.

„Im heutigen Russland erleben wir eine Renaissance der traditionellen Rollenmuster“, sagte Tar-takowskaja. In der Gesprächsrunde wurde die Frage nach einem russischen Feminismus gestellt und diskutiert, warum Wladimir Putins Angelfotos mit nacktem Oberkörper in Deutschland eher negativ auffallen, in Russland jedoch von den meisten als „typisch männlich“ angesehen werden. Lindner erheiterte die Runde, als er eine Statistik zitierte, nach der Mönche im Kloster durchschnittlich bei-nahe genauso alt wie Frauen werden. Wo sie im „freien Leben“ doch deutlich früher sterben: In Deutschland haben Frauen eine etwa fünf Jahre höhere Lebenserwartung, in Russland sterben Männer im Schnitt sogar 13 Jahre vor ihren Frauen. Das sei ein ziemlich hoher Preis, den Männer für ein „männliches Leben“ zahlen, erklärte Lindner. Aber er stellte ein hoffnungsvolles Bild in Aussicht: So könne der Mann der Zukunft als cool gelten, wenn er die Kindererziehung übernehme, sich das Rauchen abgewöhne, weniger trinke und langsamer Auto fahre. Vielleicht würden Männer dann die Frauen in den Lebenserwartungsstatistiken einholen und zwar auch, wenn sie nicht im Kloster leben. „Wir können nicht alle ein Klosterleben führen!“

Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Deutsch-Russischen Forum und der Moskauer Deut-schen Zeitung in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Moderation übernahmen die freie Journalistin Diana Laarz und die Spezialistin für Genderproblematik, Irina Kosterina von der Hein-rich-Böll-Stiftung.
http://www.mdz-moskau.eu/print.php?date=1338743520

Interview mit Matthias Lindner, Bereichsleiter Genderpolitik ver.di Bundesverwaltung
Diversity und Genderpolitik aus gewerkschaftlicher Sicht

1. Was ist Ihr Eindruck: Welchen Stellenwert hat Diversity Management für die Betriebsratsarbeit vor Ort? Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich die Betriebsräte in Diversity Projekten konfrontiert?

Diversity Management setzt sich heute zunehmend in international aufgestellten Unternehmen mit einer großen Anzahl von Beschäftigten durch. In den Betrieben, die in den Organisationsbereich von ver.di fallen sind Diversity Management Projekte bislang eine Seltenheit. Dies liegt vor allem daran, dass im von ver.di betreuten Dienstleistungssektor mehrheitlich kleine und mittelständische Betriebe liegen, die auf den lokalen Märkten agieren. Zudem hat Diversity Management nur begrenzt Zugang in deutsche Betriebs- und Managementkultur gefunden.

Überall dort, wo Betriebsräte in Diversity Management Projekte eingebunden sind, steht der Gedanke der Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen im Vordergrund. Ziel ist es, dieses Anliegen in Personalprozesse und Vereinbarungen einzubringen. Dabei geht es in der Regel darum, nicht nur die Fähigkeiten der jeweiligen Beschäftigtengruppen zu fördern, sondern auch deren Bedürfnisse zu beachten.

2. Welche Themen stehen bei den Betriebsräten im Vordergrund?

Eine Priorisierung der Dimensionen würde unserem Verständnis von Diversity Management zuwider laufen. So vielfältig die Betriebe und deren Belegschaften sind, so unterschiedlich ist auch die Relevanz der einzelnen Diversity Dimensionen für die Weiterentwicklung einer mitarbeiterorientierten Betriebskultur. Festzustellen ist, dass meist erst das Zusammenkommen mehrerer Diversity Dimensionen innerhalb von Belegschaften zu einer Beschäftigung mit diesem Thema führt.

3. Wo liegen aktuell die Schwerpunkte in Ihrem Bereich Genderpolitik bei ver.di?

Die stärkste Resonanz bekommen wir auf das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Hier bieten wir Seminare, Materialien und Beratung an. Die Vielfältigkeit dieses Themenfeldes erlaubt es uns, für die unterschiedlichsten betrieblichen Bedürfnisse passende Konzepte zu entwickeln. Hier stehen Fragen der Arbeitszeitgestaltung an erster Stelle. Aber auch Familienleistungen und die Verankerung von Familienfreundlichkeit innerhalb von Betriebs- und Dienstvereinbarungen stellen einen wesentlichen Teil unserer Arbeit in diesem Themenfeld dar.

Wir bieten auch Trainings und Beratung zu allen Fragen der Implementierung von Gender Mainstreaming in Arbeits- und Planungsprozesse sowohl ver.di intern als auch bei unseren Mitgliedern. Hier gilt es zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Durch eigene Projekte und die Beratung betrieblicher Akteure schaffen wir positive Beispiele, und sorgen so für ein breiteres Verständnis für die Thematik. Dabei ist es unser Ansatz zentrale gewerkschaftspoltische Themen zu „gendern“, d.h. die unterschiedlichen Auswirkungen der jeweiligen Aktivitäten innerhalb dieser Politikfelder auf Frauen und Männer aufzuzeigen. Das fängt bei der diskriminierungsfreien Gestaltung von Tarifverträgen an und geht bis zu der geschlechterspezifischen Analyse der Konjunkturpakete. Ein Thema was uns in den letzten Jahren zunehmend beschäftigt, ist die Frage der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Hier konnten wir durch ein Pilotprojekt unterschiedliche Belastungsmuster bei Männer und Frauen aufzeigen und entsprechende Beratungsansätze entwickeln.

4. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Selbstverständnis von Männern in der heutigen Zeit. Was bewegt die Köpfe und Herzen der Männer?

Die Erwartungen von Männern und an Männer haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Viele Männer empfinden die berufliche Karriere nicht mehr als das allein glücklich machende. Sie haben verstärkt das Bedürfnis Familie bzw. private Interessen und Beruf gleichwertig unter einen Hut zu bekommen. Befragt man junge Männer heute, was ihnen im Rahmen ihrer Arbeit wichtiger ist: Geld oder Vereinbarkeit? – dann wählt die Hälfte die Vereinbarkeit. Damit einher geht ein ausgeprägtes Gefühl für die eigene Gesundheit. Besonders bewegt sind Männer, wenn es um das Verhältnis zu ihren Kindern geht. Sie übernehmen heute eine aktive Rolle in der Betreuung der Kinder. Die Männer erwarten deshalb eine rechtliche Gleichstellung im Rahmen der anstehenden Überarbeitung des Sorgerechts.

5. In Ihrem Artikel „Männer im Spannungsfeld“ sagen Sie mit einem Hinweis auf geschlechtersensible Sprache, dass Männer gezielt und mitunter auch anders angesprochen sein wollen als Frauen. Haben Sie Beispiele, wie das in der Praxis aussehen könnte?

Viele Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bieten familienfreundliche Leistungen an. Im Rahmen eines unserer Praxisprojekte stellte sich dann aber heraus, dass diese Angebote bei Männern deutlich weniger bekannt waren als bei Frauen. Bei der Überprüfung dieser Angebote stellte sich heraus, dass Männer bzw. Väter weder sprachlich noch bildlich auftauchten. Deshalb fühlten sich viele weder inhaltlich noch emotional angesprochen. Eine Krankenkasse stellte vor einigen Jahren fest, dass ihre Herz-Kreislauf-Schulungen fast ausschließlich von Frauen besucht wurden, obwohl gerade ältere Männer zur Risikogruppe gehörten. Im Rahmen einer Genderanalyse wurde festgestellt, dass auf den Werbeflyern für diese Schulungen nur Frauen abgebildet waren. Zudem wurden Männer sprachlich nicht dort abgeholt, wo sie standen. Wer Männer gezielt ansprechen will, muss eben ihre Sprache sprechen, ganz nach dem Motto: Der Wurm muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken.

6. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden auf dem Weg zu mehr Ausgewogenheit von Männern und Frauen in den Führungsetagen? Wie lassen sich diese bewältigen?

Neben vielen „kleineren“ Hürden identifizierten wir die in vielen Unternehmen vorherrschende Arbeitskultur als größten Hemmschuh. Diese orientiert sich immer noch an dem „Ideal“ des rund um die Uhr verfügbaren männlichen Arbeitnehmers, als Norm. Alle, die dieser Norm nicht entsprechen, haben Wettbewerbsnachteile. Statistisch entsteht die Chancen- und Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern im Alter zwischen 25 und 34 Jahren und wird zumeist durch die Unterbrechung der Berufstätigkeit aufgrund von Kinderbetreuung ausgelöst. In dieser Zeit werden auch wichtige Karriereweichen gestellt. Die tradierte Einstellung ist, dass bis zum Alter von 40 Jahren mindestens 2-3 Karriereschritte vollzogen sein müssen. Das benachteiligt alle diejenigen, die in dieser Zeit beruflich kürzer treten müssen und führt dazu, dass sie diese auch später nicht mehr aufholen können.

Zudem sind die Anforderungen, die in vielen Unternehmen an Führungskräfte gestellt werden, nicht attraktiv, und schon gar nicht erfüllbar für Menschen mit Familienverantwortung. Da dies mehrheitlich Frauen sind, kommen solche Positionen für sie aus eigenem Interesse gar nicht in Frage. Solange Führung in Teilzeit, Jobsharing oder flexible Arbeits- und Anwesenheitszeiten nicht auch für Führungskräfte gelten, ist nur ein kleiner Teil der Frauen bereit diese auszuüben. Darüber hinaus darf nicht übersehen werden, dass wir in vielen Unternehmen immer noch eine „gläserne Decke“ haben, an der Frauen auf ihrem Weg nach oben anstoßen. Aufrecht erhalten wird dieses Karrierehemmnis für Frauen auch dadurch, dass männliche Führungskräfte oft „Ihresgleichen“ für die Nachbesetzung frei werdender Führungspositionen wählen, da sie ihnen ähnlich sind und über einen ähnlichen Erfahrungshorizont und über eine ähnliche Sozialisation verfügen.

7. Eine Ihrer Aufgabe ist mit der Politik in engem Kontakt zu stehen. Welche Themen stehen im Fokus der Ministerien?

Kristina Schröder hat in vor zwei Wochen ein starkes Zeichen in Richtung „familienfreundliche Arbeitszeiten“ gesetzt. Hier dürfen wir auch in den kommenden Monaten einiges erwarten. Die Sozialpartner (Unternehmen und Gewerkschaften) sind dazu aufgerufen, durch tarifliche und betriebliche Regelungen dazu beizutragen, dass Menschen nicht mehr so oft vor der Frag Beruf oder Familie stehen. Damit einher geht der Ausbau der Tagesbetreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahre.

Ein Thema, das in den nächsten Jahren eine sehr große Bedeutung gewinnen wird und für welches die Ministerin schon einen ersten Aufschlag gemacht hat, ist die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Schon heute werden Zweidrittel der Pflegebedürftigen zu Hause von ihren Angehörigen betreut. Der demografische Wandel wird den Trend noch verstärken, dass immer mehr Berufstätige Pflegeleistungen erbringen müssen. Diese Menschen brauchen strukturelle und finanzielle Unterstützung.

Über Matthias Lindner
Jahrgang 1969, verheirateter Vater von zwei Kindern (6 + 11), Magister der Politikwissenschaft, Philosophie und Soziologie, Ausgebildeter Gendertrainer und Coach, Bereichsleiter für Genderpolitik in der Bundesverwaltung von ver.di, Mitglied des Steuerungskreises des Bundesforums Familie, Stellvertretender Vorsitzender des Bundesforums Männer, Väter und Jungen, Fachthemen: Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, Genderpolitik und Familienpolitik

http://www.xing.com/net/erfolgdurchdiversity/news-356774/interview-mit-matthias-lindner-bereichsleiter-genderpolitik-ver-di-bundesverwaltung-35643746

LP 153 Dirk Niebel, FDP, geboren 1963 in Hamburg, ehem. Generalsekretär der FDP, seit 2009 Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Tunis, Samstagmorgen. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) landet mit dem „Challenger“-Jet der Luftwaffe in der tunesischen Hauptstadt. Der Minister will nachsehen, was mit den deutschen Steuergeldern (110 Millionen Euro in diesem Jahr) zur Aufbauhilfe des Landes nach der Jasmin-Revolution geschieht.
Zugleich trägt Niebel eine Botschaft nach Tunis, die für ganz Nordafrika gilt. Der Entwicklungsminister: „Zu den von Deutschland geförderten Hilfsprojekten müssen auch Frauen gleichberechtigten Zugang haben.“
Warum setzt Niebel beim Aufbau moderner Demokratien in Nordafrika besonders auf die Frauen? Der Minister sagt mir: „Frauen sind reformorientierter als Männer. Das ist gerade in der jetzigen Situation in Nordafrika entscheidend. Deshalb unterstützen und nutzen wir die Rolle von Frauen ausdrücklich.“

Deutschland setzt bei seiner Tunesien-Hilfe auf eine Welle kleiner Ich-AGs, auf die Förderung kleiner Selbstständiger mit Kleinkrediten. Der Minister: „Frauen sind die besseren Mikrokreditnehmer. Die Erfahrung zeigt, dass sie nachhaltiger und sorgfältiger mit den ihnen anvertrauten Mitteln umgehen.“ Die Frauenförderung wird zu einem wichtigen Prüfstein für künftige deutsche Projekte in Nordafrika.
Wie wichtig jetzt Frauenförderung in Nordafrika ist, erkenne ich selbst auf den Straßen von Tunis. Seit meinem letzten Besuch im Februar dieses Jahres mit Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Zahl junger Frauen, die ein Kopftuch tragen oder verschleiert gehen, erheblich zugenommen. Das bestätigen auch meine Gesprächspartnerinnen in Tunis mit Sorge. Die Revolution war bislang vor allem eine Bewegung ehrgeiziger junger Männer. Dass es hier noch vor Kurzem heftige Unruhen gab, davon zeugen Schützenpanzer, Soldaten und S-Draht-Absperrungen.
Die Deutschen ruft Niebel von Tunis aus auf, in das Land zu reisen: „Hier kann man einen schönen Urlaub machen.“

http://www.bild.de/politik/kolumnen/martin-lambeck/die-woche-in-berlin-18657804.bild.html

Berlin – Die Frauenförderung wird in Zukunft zu einem wichtigen Prüfstein für die deutsche Entwicklungshilfe in Nordafrika. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) nannte gegenüber “Bild am Sonntag” Gleichberechtigung als Voraussetzung für künftige Hilfen. Niebel: “Zu den von Deutschland geförderten Hilfsprojekten müssen auch Frauen gleichberechtigten Zugang haben.”

http://news.naanoo.com/news/niebel-frauenforderung-wird-zum-prufstein-fur-kunftige-deutsche-hilfsprojekte-in-nordafrika

LP 154 Mikael Gustafsson, SWE (Vänsterpartiet), geboren 1966 in Finnland, Vorsitzender Frauen- und Gleichstellungsausschuss Europäisches Parlament (FEMM), tätig für die Konföderation der Vereinigten Europäischen Linken

"Zugleich versprach der neue Vorsitzende, das Erbe seiner Vorgängerin fortzuführen: Auch in Zukunft stünden auf seiner Agenda eine europaweite Anti-Gewalt-Strategie und eine Politik für die stärkere ökonomische Unabhängigkeit sowie politischen Partizipation von Frauen."

http://www.frauenrat.de/deutsch/infopool/informationen/informationdetail/article/eu-frauenausschuss-sitzt-erstmals-ein-mann-vor.html

Als Vorsitzender des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) heiße ich alle Besucherinnen und Besucher unserer offiziellen Website herzlich willkommen. Die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter sind die Hauptanliegen unseres Aus-schusses. Wir hoffen, dass unsere verbesserte Internetpräsenz den Bürgerinnen und Bürgern der EU und jedem, der an unserer Tätigkeit interessiert ist, ein besseres Bild unserer Arbeit liefert und uns näher zusammen bringt.
Auf diesem Weg wollen wir die Aufgaben und Errungenschaften des Ausschusses durch Information und Transparenz bei unserer Leserschaft propagieren. Obwohl schon viele Erfolge in Bezug auf die Stärkung der Rechte der Frau erzielt wurden, gibt es immer noch zahlreiche Situationen in allen Berei-chen des Lebens (ob im sozialen, kulturellen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich), in denen Frauen ungleich behandelt werden. Daher richtet sich unser Hauptaugenmerk auf das geschlechtsspezifische Lohngefälle, die Frauenarmut, die geringe Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen, den Menschenhandel und die Gewalt gegen Frauen und Kinder. Dies wollen wir ändern und dazu benötigen wir die Hilfe der Zivilgesellschaft und aller Organisationen, die sich im Kampf für Chancengleichheit engagieren.
Diese Website bietet zahlreiche Informationen über unseren Tätigkeitsbereich. Wir haben versucht, sie so benutzerfreundlich wie möglich zu gestalten. Wenn Sie uns Feedback zur Website oder auch zu unserer Arbeit geben wollen, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Schauen Sie einfach regelmäßig auf unserer Website vorbei, hier finden Sie stets Aktuelles und die neuesten Meldungen unseres Ausschusses.
Mikael Gustafsson

http://www.europarl.europa.eu/committees/de/femm/press-releases.html

An der Spitze des Frauen- und Gleichstellungsausschusses (FEMM) im Europäischen Parlament (EP) steht erstmals ein Mann. Der schwedische Linkspolitiker Mikael Gustafsson wurde am 3. Oktober zum Ausschussvorsitzenden gewählt.
Seine Vorgängerin, die schwedische Abgeordnete Eva-Britt Svensson, gab im Sommer aus gesund-heitlichen Gründen ihren Rückzug aus dem Amt bekannt. Sie war seit dem Jahr 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments, saß dem FEMM-Ausschuss seit 2009 vor und galt als leidenschaftliche Verfechterin der Frauenrechte.

Neuer Vorsitzender setzt auf Kontinuität
In einer ersten Stellungnahme erklärte der 45-jährige Gustafsson: "Ich bin überwältigt und geehrt. Der Ausschuss hat sein Vertrauen in mich gesetzt und ich werde mein Möglichstes tun, dieses Ver-trauen nicht zu enttäuschen." Zugleich versprach der neue Vorsitzende, das Erbe seiner Vorgängerin fortzuführen: Auch in Zukunft stünden auf seiner Agenda eine europaweite Anti-Gewalt-Strategie und eine Politik für die stärkere ökonomische Unabhängigkeit sowie politischen Partizipation von Frauen.

Zita Gurmai, Präsidentin der Frauen in der Partei der Europäischen Sozialisten (PES) sagte zur Wahl Gustafssons: "Diese Wahl beweist, dass der Ausschuss es mit der Gleichstellung der Geschlechter ernst meint." Nur wenn Frauen und Männer zusammenarbeiteten, „können wir Gender Mainstreaming in jeder Hinsicht in der europäischen Gesellschaft garantieren“, fügte Gurmai, die auch Mitglied im FEMM-Ausschuss ist, hinzu.

EWL: Gustafsson soll auch Gleichstellung im EP voranbringen
Die Präsidentin der Europäischen Frauenlobby (EWL), Brigitte Triems, begrüßte die Ankündigung Gustafssons, an den Schwerpunktthemen seiner Vorgängerin Svensson weiterzuarbeiten und sieht einer engen Zusammenarbeit optimistisch entgegen. Für die EWL-Generalssekretärin Cécile Gré-boval ist nicht das Geschlecht des/der Vorsitzenden entscheidend, sondern eine starke und fort-schrittliche Führung, die konkrete Verbesserungen für Frauenrechte und die Gleichstellung der Ge-schlechter in Europa auf den Weg bringen werde. Gréboval verspricht sich vom neuen Ausschuss-vorsitzenden auch eine aktive Rolle bei der Geschlechtergleichstellung in Entscheidungspositionen innerhalb des Europäischen Parlaments – eingeschlossen die Zwischenwahlen im Januar 2012 und die Europawahlen im Jahr 2014.
http://www.frauenrat.de/deutsch/infopool/informationen/informationdetail/jahres_archiv/2012/article/eu-frauenausschuss-sitzt-erstmals-ein-mann-vor/EU-Parlament.html

„Frauenorganisationen haben eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen. Es muss gewährleistet sein, dass sie sichere und höhere Mittel für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt bekommen.“

www.guengl.eu/upload//wome-DE-web(5).pdf

“Eine Sportveranstaltung zieht jede Menge Männer an”, so Mikael Gustafsson von den europäi-schen Grünen, “für die Sex-Industrie ist das ein gefundenes Fressen, um ein gutes Geschäft zu ma-chen.”

http://de.euronews.com/2012/05/30/rote-karte-gegen-prostitution-vor-fussball-em/

Men don’t have right to by women’s bodies
Posted on juni 3, 2012 by Micke

I say no to men’s rights to buy women in prostitution. I consider prostitution as a form of violence – against mainly women and girls, but also some boys and men. As such it is incompatible with a society which strives to be based on equality and respect for all. As with all forms of gender-based violence, we must increasingly name and target the perpetrator, the men. There would be no prostitution if men did not buy girls and women for sexual purposes. This is why policies must be addressed at reducing ”male demand” in prostitution markets. Any attempts to legalise or institu-tionalise prostitution activities will only fuel abuse and exploitation. I say no to men’s rights to buy women in prostitution. I say yes to women’s rights to decide freely over their bodies in all matters. Translated into practical public policy terms this means that women in prostitution must be de-criminalised and de-penalised, and that the buyers (men) should be penalised. As in Sweden, we will see very good results if we choose this path. But this path takes a lot of political courage – to challenge the economic interests of the powerful sex industry and to challenge old-fashioned ideas about men’s (and women’s) sexuality.
Any big gathering, such as the Olympic Games, is a golden opportunity for exploiters and pimps. In such a moment it is even more important that we as politicians stand up for women’s rights and equality, for sexual freedom and choice for all women, and send a clear political signal that men should not have the right to buy access to women’s bodies for sex – that this is simply not compati-ble with fair play and equality.
http://mickegustafsson.se

LP 155 Ralf Puchert, Soziologe, tätig bei Dissens e. V. Alle der Kosmonauten 67, 12681 Berlin – verpartnert mit Gabi Moser – ralf.puchert@dissens.de – siehe LP 144

taz: Herr Puchert, wie gefallen Ihnen die Flexiquoten?
Ralf Puchert: Von Quoten halte ich grundsätzlich viel, denn damit kann man Umorientierungen schaffen. Aber eine freiwillige Vereinbarung? Davon hatten wir schon ein paar. Das war nicht erfolgreich. Die Unternehmen werden die Flexiquote so niedrig ansetzen, dass sie sie bequem erreichen können.

taz: Herr Puchert, wie gefallen Ihnen die Flexiquoten?

Ralf Puchert: Von Quoten halte ich grundsätzlich viel, denn damit kann man Umorientierungen schaffen. Aber eine freiwillige Vereinbarung? Davon hatten wir schon ein paar. Das war nicht erfolgreich. Die Unternehmen werden die Flexiquote so niedrig ansetzen, dass sie sie bequem erreichen können.

Also bringt Flexiquote nichts?

Doch, schon die Diskussion ist ein Fortschritt und rückt auch noch mal ins Bewusstsein, wie wenige Frauen insbesondere in Vorständen sitzen.

Die Unternehmen sagen bisher, dass sich für Führungsjobs oft mehrere Männer anbieten, Frauen dagegen würden kaum Schlange stehen. Was müssen die Frauen denn ändern?

Das ergibt sich mit einer Quote automatisch. Der Blick verändert sich. Im Moment reproduzieren sich die Männergruppen in den oberen Etagen, indem sie sich immer "Ähnliche" suchen. Wenn man aber nicht nach "Ähnlichen" sondern nach "Anderen" guckt, findet man die auch.

Damit werden aber Seilschaften unterlaufen. Männer, die sich für Führungsnachwuchs hielten, haben plötzlich eine Frau vor der Nase. Das kann nur nur böses Blut geben, oder?

Ja und nein. Es gibt Männer, die genau diese Art von männlicher Monokultur, die dort oft herrscht, genießen und sie weiterhin wollen. Aber es gibt genauso Männer, die glücklich sind, dass sich diese Kultur verändert, weil sie damit auch eine Chance haben.

Inwiefern?

Es haben ja nicht nur Frauen keine Chance, in solche Vorstände aufzurücken, sondern auch die "anderen" Männer, wie etwa aktive Familienväter, die auch keine Endlosarbeitszeiten haben. Es gibt viele Männer auf der mittleren Ebene, die einen weiteren Aufstieg bewusst ablehnen, weil es nicht ihre Kultur ist.

Aber hilft eine Quote, die Führungskultur zu ändern?

In der Forschung heißt es, dass sich ab einem Anteil von 15 Prozent der "Anderen" etwas verändert. In Norwegen konnte man das gut beobachten.

In einer Studie haben Sie festgestellt, dass Männer in der Regel nicht glauben, dass sie Frauen diskriminieren. Sie denken stattdessen, die Frauen wollten nicht aufsteigen.

Positiv kann man es so ausdrücken: Alle sind für Gleichstellung. Aber scheinbar zufällig kommen Frauen dann auf bestimmten Ebenen nicht mehr vor. Das kann man am einfachsten mit einer Quote ändern.

Aber wird das nicht eine krampfhafte Suche, weil Frauen immer noch mehr Familienpflichten haben und sie daher mit diesen zeitaufwendigen Jobs oft nicht kompatibel sind?

Hier müssen wir das Geschlecht entdramatisieren. Also nicht mehr in "Männer" und "Frauen" aufteilen, sondern zum Beispiel in Menschen mit Sorgepflichten und Menschen ohne. Und wenn Menschen mit Sorgepflichten aufsteigen, dann sieht deren Work-Life-Balance anders aus als bisher in dieser Etage.

Was raten Sie Frau Schröder?

Eine feste Quote einzuführen. Das ist wie bei der Elternzeit: Seit den Siebzigern wurde über neue Väter geredet, aber getan hat sich erst etwas mit neuen Strukturen, den Partnermonaten. Von der Quote würden auch Männer profitieren, und Männer liegen Frau Schröder doch am Herzen

http://www.taz.de/!79983/

Was ich nicht sehe, findet auch nicht statt: Diskriminierung
"Gleichstellungspolitik ist Frauensache." "Gleichstellungspolitik zielt auch heute weitgehend auf eine Gleichstellung von Frauen."
Diese Aussagen sind Vorwurf und Tatsache zugleich, und angesichts noch immer dominierender Geschlechterhierar-chien in der
Arbeitswelt auch durchaus ein gerechtfertigter Ansatz. Um das Ziel der Gleichstellung zu erreichen, ist nicht nur eine
Gleichstellung von Frauen nötig, sondern auch eine Veränderung des Geschlechterverhältnisses. Die Geschlechtersegregation
des Arbeitsmarkts lässt sich nicht nur aufheben, wenn Frauen in Männerberufen gefördert werden, sondern auch umgekehrt.
Das Bild des Mannes als Familienernährer ist nicht nur bei Männern selbst wirkmächtig, sondern ist auch Grundlage vieler
Positionen in der Sozial- und Familienpolitik. So fördert das Ehegattensplitting in der Steuergesetzgebung das
Hauptverdienermodell in Familien. Männer erlangen in Folge dessen zwar häufiger besser dotierte Stellen, sind jedoch auch in
den Anforderungen gefangen, die das Ernährermodell an sie stellt. Zudem profitieren nicht alle Männer im gleichen Maße von
den Geschlechterhierarchien. So haben inzwischen auch viele Männer ein Vereinbarkeitsproblem von Berufs- und Privatleben,
wünschen sich eine gerechtere Verteilung von Berufs- und Familienarbeit innerhalb ihrer Partnerschaften. Dabei werden sie
bisher im Rahmen von Gleichstellungspolitiken und -maßnahmen jedoch weitgehend allein gelassen. Im Rahmen von Gender
Mainstreaming-Prozessen scheint hier etwas in Bewegung zu kommen. Erstmals wird theoretisch der Blick auf die gesamten
Geschlechterverhältnisse gerichtet. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen von einzelnen Männern sind bis jetzt jedoch kaum
davon berührt.
Seit langem geben Männer in Umfragen und Studien an, dass sie für die Gleichstellung der Geschlechter auch im Beruf sind.
Trotzdem existieren weiterhin die Geschlechterhierarchien im Beruf, Männer sind weiterhin nur unterdurchschnittlich mit
Hausarbeit und Kinderbetreuung befasst. Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären oder verstehen? Feministische Theorien
gingen lange davon aus, dass Männer mit ihren Äußerungen nur Ideologie betreiben, aber ansonsten bewusst an dem
Fortbestand ihrer Dominanz bastelten. Die kritische Männerforschung hat jedoch inzwischen gezeigt, dass der Fortbe-stand von
männlicher Dominanz in vielen Bereichen nicht so einfach zu erklären ist.
Geschlechterhierarchie kann als eine kulturelle Hegemonie des männlichen Geschlechts verstanden wer-den, die im
Berufsleben von Männern, aber auch von Frauen fortwährend reproduziert wird. Gemeinsam wird eine Arbeitskultur geschaffen,
die auf immer neue Weise eine Vorherrschaft von Männern sichert. Diese sind die Hauptgewinner einer solchen Kultur. Den
Preis zahlen vor allem Frauen, in unterschiedlichem Maße aber auch Männer. Die komplexe Stabilität dieser männlich
dominierten Arbeitskultur in Betrieben, Organisationen und Verwaltungen soll hier verdeutlicht werden: Wie nehmen Männer
Geschlechterdifferenzen in ihrer Arbeitskultur, im Team oder im Arbeitsumfeld individuell wahr?.
Bei der Untersuchung von individuellen Reaktio-nen auf Gleichstellung zeigt sich bei allen Männern eine ungeheure Diskrepanz
zwischen egalitärem Bewusstsein und konkretem Verhalten. Trotz durchgängig egalitärer Einstellung verharren Männer in
Untätigkeit. Viele beurteilen Gleichstellungsmaßnahmen skeptisch, manche lehnen jeden Schritt und jede Maßnahme zur
Schaffung von Gleichstellung ab. Den Widerspruch zwischen ihrer positiven Einstellung zur Gleichstellung und ihrer Untätigkeit
bei der Herstellung derselben können Männer dadurch aushalten, dass sie geschlechtsspezifische Diskriminierung und Differenz
nur selektiv wahrnehmen. Die Betrachtung durch die Brille der eigenen Interessen heißt für Männer, die Diskriminierungen von
Frauen zwar grundsätzlich gesamtgesellschaftlich anzuerkennen. In ihrem eigenen Arbeitsumfeld aber überschätzen sie den
bereits erreichten Stand der Gleichstellung erheblich. So weisen Männer allein die Möglichkeit einer Diskriminierung durch
sexuelle Belästigung in ihrem Arbeitsumfeld weit von sich - alles, was sie wahrnehmen, wird nicht als solche gedeutet. Diese
selektive Form der Wahrnehmung soll hier "interessen-geleitete Nichtwahrnehmung" genannt werden.
Gleichheit heißt für viele Männer Gleichbehand-lung. In ihrem direkten Umfeld sind ihrer Meinung nach Männer und Frauen
gleich und werden gleich behandelt. Die Gleichheit der Geschlechter sei demnach schon erreicht, somit könne es also gar keine
Diskriminierung geben. Durch dieses Gleichheitspostulat entsteht für sie keinerlei Handlungsbedarf, im Gegenteil, weitere
Maßnahmen erscheinen überflüssig. Erklären lässt sich mit der interessengeleiteten Nichtwahrnehmung und dem
Gleichheitspostulat vor allem das Selbstverständnis als "Gerechter", das gute Gewissen vieler Männer. Bei ihnen exis-tiert keine
Notwendigkeit, für ihre egalitäre Haltung einzutreten und zu handeln, sie können untätig bleiben angesichts von Diskriminierung.
So wirken die meisten Männer an der Verhinderung der beruflichen Gleichstellung mit, allerdings in den meisten Fällen weder
strategisch noch bewusst. Doch die Wahrnehmungsmuster allein erklären nicht die Männerdominanz im Beruf.
Eine männlich dominierte Arbeitskultur in Organi-sationen und Verwaltungen grenzt ganz nebenher Nicht-konforme aus - Frauen
wie Männer. Es gibt verschiedene typische Arbeitskulturen, die dominante Kultur insbesondere in den Führungsetagen lässt sich
als "männerbündische Arbeitskultur" beschreiben. Sie umfasst folgende we-sentliche Merkmale: In Organisationen gibt es viele
unausgesprochene Spielregeln, die besagen, welches Verhalten in welcher Situation angemessen ist. Nur diejenigen, die sie
kennen und einhalten, werden akzeptiert. Nicht jede/r neue Mitarbeitende wird in die Spielregeln eingeweiht. Immer aufs Neue
muss man seine Hingabe und Loyalität beweisen: Durch Informationen, Engagement, Verfügbarkeit und Belastbarkeit. Um
ausgewählt zu werden und die nötigen Verbindungen zu bekommen, muss man zeigen, dass man "in den Kreis passt". In einer
homogenen Gruppe fühlt man sich schnell wohl, und es arbeitet sich erheblich einfacher. Durch die langen Arbeitszeiten gehen
"unnütze" außerberufliche Kontakte schnell verloren. Die Berufsarbeit wird zum Mittelpunkt der gesamten Existenz und damit
auch der zentrale soziale Lebensraum. Es kommt zur Vermischung von beruflichen und privaten Angelegenheiten - und zur
Ausgrenzung all jener Personen, die ihre Zeit nicht unbegrenzt zur Verfügung stellen können oder wollen.
Gruppen, die sich durch die genannten informellen Mechanismen absondern, halten sich gerne im Hintergrund. Sie bestehen oft
nur aus Männern und haben einen starken Zusammenhalt. Die "Freundschaften" werden durch Rituale gestiftet und erhalten.
Interne Konflikte werden von "alten Hasen" kontrolliert ausgetragen und eskalieren daher selten, die Wahrung des
Gruppenzusammenhalts ist das wichtigste Ziel. Diese männerbündischen Gruppen geben nach außen immer ein geschlossenes
Deutscher Bundestag, German Bundestag, Parlement Allemand http://www.bundestag.de/cgibin/druck.pl?N=parlament
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Bild ab, das sichert ihnen Vorteile gegenüber vereinzelten Akteuren. Sie prägen die Arbeitskultur. So schließt sich der Kreis, und
der Erfolg, den man gerne darstellt, und die etwas geheimnisvolle Macht gibt den Männerbünden Anziehungskraft und Glanz.
Auch wenn sich nicht in überall so starke innerorganisatorische Gruppen formieren, wie im letzen Punkt beschrieben, die
hegemoniale Arbeits- und Organisationskultur vieler Führungsetagen ist deutlich an diesem Muster orientiert - und damit
männerbündisch. Sie befriedigt vielfältige Bedürfnisse der Führungskräfte. Durch die Bündelung der Kräfte kann sie zumindest
vorübergehend für die Organisationen von Nutzen sein.
Die Auswirkungen auf Gleichstellung liegen auf der Hand: Frauen passen nicht in die homogenen Führungskreise, Mütter (und
verantwortungsbewusste Väter) können sich nicht in beliebiger Weise verfügbar halten. Die Veränderung dieser Arbeitskulturen
ist schwierig, obwohl sie zu großen Teilen sinnvoll für die Organisationen wären und den Bedürfnissen eines Teils der Männer
entsprächen. Trotz des Beharrungsvermögens von männlichen Arbeitskulturen und Männlichkeiten lassen sich aktuell
Veränderungen aufzeigen, die ein gleichgestelltes Leben unterstützen. Den ökonomischen Hintergrund dazu bildet die
Tatsache, dass Männer zunehmend weniger die Familien-ernährerposition ausfüllen können. Angesichts von Flexibilisierung
und Abbau von Berufsarbeit hat heute nur noch eine Minderheit der Männer in Deutschland ein "Normalarbeitsverhält-nis", so
dass immer weniger die ökonomische Sicherheit für ihre Familien garantieren können. Männer sind insoweit gezwungen, ihre
Position in Partnerschaften und Familien zu reflektieren. Jedoch trifft dies zumindest bei einem Teil der Männer auf gewandelte
Einstellungen und Interessen. Männer wollen zunehmend mehr sein, als Berufsmenschen und ökonomische Ernährer. Der
Anspruch an das ganze Leben wächst. Von einem sehr niedrigen Level ausgehend, nimmt etwa die Zahl von Männern in
Erziehungszeit und Teilzeit deutlich zu. Neben dieser bisherigen Minderheit strebt die Mehrheit der Män-ner eine
Gleichverteilung von Berufsarbeit in ihrer Partnerschaft an, was sich in einer europäischen Studie eindrücklich bestätigte.
Je nach Lebenslage und Orientierung, je nach Männlichkeit unterscheiden sich die möglichen Gewinne durch Gleichstellung:
Männer, deren Männlichkeit durch das Selbstverständnis als Familienernährer geprägt ist, können mehr Kontakt zu Familie und
Kindern bekommen. Führungskräfte, berufliche Übererfüller, die bis zu 100 Stunden die Woche mit Berufsarbeit verbringen,
können dadurch ihre körperliche und seelische Gesundheit stärken. Zeitpioniere, die schon jetzt der Berufsarbeit nicht die
Priorität einräumen, können gleichzeitig in mehreren Lebensbereichen aktiv sein und wären dennoch keine Ausnahmefälle.
Männer, die versuchen, andere Paararrangements, aktive Vaterschaft und Reduzie-rung des Berufslebens zu leben, finden
bisher kaum Unterstützung. So fühlen sich Gleichstellungsbeauftragte häufig nicht zuständig für die Vereinbarkeitsprobleme von
Männern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Männer in der Gleichstellungspolitik bisher meist nur in dem sozialen Stereotyp
des Ernährers mitbedacht sind, der sich der Gleichstellungspolitik in den Weg stellt. Männer, die bewusst und aktiv Frauen
diskriminieren oder Gleichstellung torpedieren, sind jedoch eine Minderheit. Die Mehrheit wirkt durch ihre Wahrnehmung und
Arbeitskulturen an dem Ausschluss von Frauen aus Führungsetagen mit und hat ansonsten mit der "Frauensache"
Gleichstellung nichts zu tun. Gleichstellungspolitik, die auf die Veränderung des Geschlechterverhältnisses zielt, trifft durchaus
die Interessen von vielen Männern.
Ralf Puchert ist Soziologe bei Dissens e.V. Berlin
http://www.dissens.de/de/dokumente/pubs/puchert_gleichstellung.pdf
http://www.puchert.org/wcg/maenner.pdf

LP 156 Lutz Blumeyer, geboren 1954, Gleichstellungsbeauftragter Landkreis Börde – 39340 Haldensleben – gleichstellung@boerdekreis.delutz.blumeyer@boerdekreis.de

Lutz Blumeyer, 57, kümmert sich auch um Nacktfotos am Arbeitsplatz
"An meinem Beruf mag ich die kleinen Erfolge. Einmal habe ich mich zum Beispiel dafür eingesetzt, dass eine Frau eine Kur bekommt - ich habe sie dafür bis in die Arztpraxis begleitet. Am Ende hat es geklappt, das war ein gutes Gefühl. Als Gleichstellungsbeauftragter bin ich beim Landkreis Börde angestellt, inzwischen seit 16 Jahren. Dort bin ich der Ansprechpartner für Frauenfragen, aber auch für Migranten und für Behinderte. Zusammen ist das ein Vollzeitjob.
Mein Alltag ist abwechslungsreich. Mal kommt jemand zu mir, weil es in einem Betrieb keine Damentoilette gibt; andere sind überschuldet, oder der Partner ist suchtkrank. Einmal hat ein Kollege am Arbeitsplatz allzu freizügige Fotos aufgehängt und es gab Beschwerden. Ich nehme auch so etwas ernst. Viele Gespräche dauern lang, oft vermittle ich die Betroffenen an andere Stellen weiter. Ich kann nicht in jedem Fall selbst etwas tun, aber ich weiß, wer helfen kann.
Wichtig ist mir auch Aufklärungsarbeit und der Austausch mit Anderen. Ich setze mich zum Beispiel mit Vereinsvorsitzenden zusammen und spreche über Probleme. Vielen ist noch nicht bewusst, wie schwer es für Frauen ist, nach der Mutterpause wieder Karriere zu machen. In unserer Verwaltung selbst stimmt der Anteil der weiblichen Beschäftigten, er ist auch in den Führungspositionen relativ hoch. Ein positives Erbe aus DDR-Zeiten.
Mit anderen Gleichstellungsbeauftragten bin ich gut vernetzt, das sind ausnahmslos Frauen - in Sachsen-Anhalt bin ich der einzige Mann. Bei Treffen bin ich leicht zu erkennen, aber das stört mich nicht weiter. Einmal hat mir eine ehemalige Staatssekretärin vorgeworfen, ich hätte als Mann nicht genug soziale Kompetenz für mein Amt. Ich kann mit dem Vorwurf leben, glaube aber nicht, dass er zutrifft. Männliche Anwälte können beispielsweise einen Beziehungsstreit genauso professionell schlichten wie ihre Kolleginnen.
Letztlich hat mich die Kritik motiviert, das Gegenteil zu beweisen. Ich denke, es ist mir gelungen. Aber im Zweifel frage ich auch immer eine Kollegin um Rat."
(non)

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,790122-4,00.html

Häusliche Gewalt noch immer Tabu-Thema
Von Marita Bullmann
Gleichstellungsbeauftragter Lutz Blumeyer besuchte die Ausstellung "Spuren häuslicher Ge-walt" des Frauen- und Kinderschutzhauses in Räumen des Kinderschutzbundes. | Foto: Ma-rita Bullmann
Mit der Ausstellung "Spuren häuslicher Gewalt" wollen der Mitarbeiterinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses im Landkreis auf ein sensibles Thema aufmerksam machen. Unter-stützung finden sie dabei beim Kinderschutzbund.
Haldensleben l Häusliche Gewalt ist immer noch ein Tabu-Thema. Doch mit zahlreichen Ak-tionen bemühen sich jene, die für die Rechte der Gepeinigten eintreten, darum, dieses Thema öffentlich zu machen, zu sensibilisieren für Signale von Betroffenen. Und Hilfsangebote sind immer noch zu wenig bekannt.
Auf dieser Grundlage entstand eine Zusammenarbeit des Frauen- und Kinderschutzhauses im Landkreis Börde und des Börde-Kreisverbands des Kinderschutzbundes in Haldensleben. In der Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes am Waldring gibt es beispielsweise Sprechzeiten der Mobilen Frauenberatung "Escape - Notausgang", die wie das Frauenhaus vom Verein "Rückenwind" getragen wird.
Jetzt, zum 20. Geburtstag des Frauenhauses, war in den Räumen des Kinderschutzbundes auch die Ausstellung "Spuren häuslicher Gewalt" zu sehen. Mitarbeiterinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses in Lauchhammer hatten für diese Ausstellung mit einem Hobbyfo-tografen Szenen nachgestellt. Betroffene Frauen und Kinder hatten mit ihren Gewalterfah-rungen die Grundlage dafür gelegt.
Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses stellen häufig fest, dass Frauen, die Gewalt erleben, isoliert werden und vereinsamen. Kinder, die zu Hause Gewalt erleben, fühlen sich ausge-grenzt. Häufig verhalten sie sich später als Erwachsene genauso, wie sie es als Kind zu Hause kennengelernt haben. Diesen Teufelskreis aufzubrechen und den Frauen und Kindern wirk-lich zu helfen, ist eine ungeheuer große Aufgabe für die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Das erkannte auch Lutz Blumeyer, Gleichstellungsbeauftragter der Kreisverwaltung, in Ge-sprächen in der Ausstellung an. Er sicherte bei dieser Arbeit auch weiterhin Unterstützung zu.
Das Thema Gewalt soll zum Ende dieses Monats erneut in die Öffentlichkeit gerückt werden. Der 25. November wird seit 1999 alljährlich als Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. In vielen Städten der Bundesrepublik werden an diesem Tag Anti-Gewalt-Fahnen gehisst. Eine Fahne "Frei leben ohne Gewalt" könnte doch in diesem Jahr auch am Haupt-verwaltungsgebäude der Kreisverwaltung in Haldensleben wehen. Diese Idee trugen die Mit-arbeiterinnen des Frauenhauses und Ehrenamtlichen des Kinderschutzbundes an Lutz Blu-meyer heran.
Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses richten ihren Dank an alle, die zum Jubiläum gratu-liert haben und die sie fortlaufend in ihrer Arbeit unterstützen.
Das Frauenhaus ist zu erreichen unter (039201) 709765 oder (0175) 2763313
http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/oschersleben/657142_Haeusliche-Gewalt-noch-immer-Tabu-Thema.html

LP 157 Lorenz Caffier, CDU, geboren 1954 in Weixdorf (heute Dresden), seit 2006 Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern – www.lorenz-caffier.de - http://www.lorenz-caffier.de/typo3temp/pics/559cecad24.jpg

Mecklenburg-Vorpommern: SPD und CDU planen Frauenquote

SCHWERIN. In Mecklenburg-Vorpommern sollen Frauen im öffentlichen Dienst künftig bevorzugt eingestellt und befördert werden. Darauf haben sich CDU und SPD während ihrer Koalitionsverhandlungen am Dienstag geeinigt. So sollen drei derzeit unbesetzte Abtei-lungsleiterstellen in Ministerien ausnahmslos mit Frauen besetzt werden, berichtet die Nach-richtenagentur dapd.
Zwar müsse die Landesregierung aktuell mehr als 2.000 Stellen in der Verwaltung streichen, wie ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, dennoch gebe es genügend Möglichkeiten für eine „zielgerichtete Personalentwicklung“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Lorenz Caffier. Dieser hatte bereits im Wahlkampf einen „Paukenschlag“ in der Gleichstellungspoli-tik gefordert.
Linkspartei geht Vorschlag nicht weit genug
Die beiden Parteien kündigten zudem an, in den kommenden Jahren alle Aufsichtsratsposten in landeseigenen Unternehmen und Führungspositionen im öffentlichen Dienst zur Hälfte mit Frauen zu besetzen.
Kritik kam von der Linkspartei, der die Pläne nicht weit genug gehen. Der Fraktionsvorsit-zende Helmut Holter warf den Regierungsparteien vor, in dieser Frage bereits „kläglich ver-sagt“ zu haben. Dies zeige sich besonders in der Zusammensetzung der Fraktionen: „Bei der SPD liegt der Frauenanteil bei rund 26, bei der CDU gerade mal bei elf Prozent“, monierte der Linken-Politiker. (ho)

http://www.junge-freiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M53117793936.0.html

LP 158 Jörg Kronauer, Sozialwissenschaftler in Köln, freier Journalist u.a. Jungle World, Konkret usw. – Mitglied beim VVN (Vereinigung der Verfolgten des Na-ziregimes) - Antifaszene - Seine Arbeitsschwerpunkte
sind Rechtsextremismus in Deutschland, deutsche Außenpolitik sowie
die Geschichte und Politik der Vertriebenenverbände. Er ist Redaktionsmitglied
der Informationen zur deutschen Außenpolitik (www.german-foreign-policy.com)
http://www.schneider-breitenbrunn.de/files/2009/07/kronauer_joerg_09-300x225.jpg

Viele Männer sind es nicht, die sich gegen Männergewalt einsetzen. Die Täterberatung der Initiative »Männer gegen Männergewalt« bildet eine Ausnahme.
von Jörg Kronauer
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Die Täter sind überall. Sie sind unauffällig, unscheinbar, überangepasst. Und sie sind viele, vielleicht fünf Millionen. Jeder fünfte deutsche Mann, der in einer heterosexuellen Beziehung lebt, verübt körperliche Gewalt an Frauen, schätzt der Hamburger Gewaltberater Joachim Lempert: »In jedem Bus, in jeder Kinovorstellung ist man von Gewalttätern umgeben.« Obendrein begegnen viele Opfer ihrem Peiniger täglich – in der eigenen Wohnung.
Weltweit protestieren Frauenorganisationen am 25. November gegen die ungebrochene Männergewalt. Das Datum geht zurück auf den 25. November 1960. Damals wurden drei Schwestern, die gegen die brutale Militärdiktatur in der Dominikanischen Republik gekämpft hatten, vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter grausam ermordet. Lateinamerikanische und karibische Feministinnen erklärten im Jahr 1981 ihren Todestag zum Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen, weiteten die Proteste gegen den schrecklichen Mord auf die unerträgliche männliche Alltagsgewalt aus. Sie lenkten damit den Blick auch auf die Gewaltverhältnisse im Innern der reichen westlichen Welt.
Auf deutsche Männer etwa, von denen rund 20 Prozent vorübergehend oder dauerhaft eine Frau misshandeln. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte die Bundesregierung eine Studie, die zwar nichts grundlegend Neues enthält, aber das hohe Gewaltniveau in Deutschland regierungsamtlich bestätigt (Jungle World, 46/04). Zwei von fünf Frauen haben danach »körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides seit dem 16. Lebensjahr erlebt«. Rund ein Viertel aller Frauen in Deutschland, gut zehn Millionen also, werden oder wurden von ihrem aktuellen oder früheren Lebenspartner misshandelt.
»Gewalt gegen Frauen und Mädchen gehört zu den schweren Menschenrechtsverletzungen«, heißt es in der Publikation. Würden die Untersuchungsergebnisse aus einer übel beleumundeten Diktatur gemeldet, verfiele Deutschland am 25. November wohl in einen Sturm der Empörung.
Die Täter sind meist mit dem Opfer gut bekannt. Weniger als 20 Prozent der misshandelten Frauen nannten einen Fremden als Aggressor, sieben von zehn Frauen erlitten die Gewalt in der eigenen Wohnung. Die Täter sind in aller Regel »bemerkenswert unauffällig«, schreibt Gewaltberater Lempert, der die Hamburger Beratungsstelle »Männer gegen Männergewalt« leitet. Männergewalt, das bestätigt er, ist überdies »unabhängig von Bildung und Einkommen, über alle Bevölkerungsgruppen gleich verteilt«.
Wie aber kann es gelingen, den Gewalttätern Einhalt zu gebieten? Frauennotrufe, Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser unterstützen seit Jahrzehnten die Opfer, schaffen für Frauen Möglichkeiten zum Ausbruch aus einem Gewaltverhältnis. Einen Beitrag von Männern zur Beendigung der unhaltbaren Verhältnisse würde man sich eigentlich wünschen. Seit einigen Jahren sind Tätertherapien verstärkt im Gespräch, darunter auch Zwangstherapien: Täter werden von Gerichten verpflichtet, sich einer Behandlung zu unterziehen.
Eine Zwangstherapie kann gar nicht gelingen, meint Frank Arlandt von der Kölner Beratungsstelle »Männer gegen Männergewalt«: »Ich kann keinen zwingen, sein Verhalten zu verändern, es muss sich eine Eigenmotivation entwickeln.« Die entsteht – wenn überhaupt – durch den Druck des sozialen Umfelds, oft durch die Trennungspläne der misshandelten Frau. Hier setzt Arlandt an: Per Telefon-Hotline können reuige Täter Kontakt zu »Männer gegen Männergewalt« aufnehmen. Bescheinigungen, die etwa vor Gericht entlastend verwandt werden könnten, gibt es für die Beratung nic

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

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