Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Oberkellner(R)

05.02.2011, 17:30
 

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Edith Dietrich und Katja Krebbers (WDR)

Preispolitik: Warum es teurer ist, Frau zu sein

Im Durchschnitt verdienen Frauen in Deutschland immer noch 30 Prozent weniger als Männer. Dabei sind sie diejenigen, die am meisten ausgeben. Und das liegt nicht immer an einer größeren Kauflust, sondern daran, dass Frauen oft mehr zahlen müssen als Männer. markt hat einige Preise verglichen.

Von Edith Dietrich und Katja Krebbers

Einige Ergebnisse unserer Stichprobe: 200 Milliliter Duschgel von Hugo Boss kosten für den Mann 18 Euro. Die gleiche Menge für die Frau kostet 25 Euro. Noch eklatanter ist der Unterschied bei der Haarentfernung. Rasierer und Klingen für Frauen kosten 50 Prozent mehr als für Männer. Während er die komplette Rasurausrüstung von Markenherstellern für 16 Euro bekommt, muss sie dafür 24 Euro hinblättern. Außerdem fanden wir Socken - gleicher Hersteller, gleiches Material - , die für den Mann wesentlich preiswerter waren.

Der Marketingexperte Andreas Wagner erklärt die Preisunterschiede mit dem unterschiedlichen Kaufverhalten von Männern und Frauen. Die Hersteller wüssten, dass Frauen mehr Wert auf Qualität legen als Männer und daher auch bereit seien, mehr auszugeben. Dieser Umstand werde gerne ausgenutzt, und der Preis für Frauenprodukte entsprechend erhöht. Die Hersteller selbst begründen die Preisunterschiede dagegen gerne mit teureren Inhaltsstoffen, mehr Forschung oder höheren Werbekosten. Wie dem auch sei: Marketingexperte Wagner rät Frauen, die Preise nicht nur in der Frauenabteilung zu vergleichen, sondern auch in der Männerabteilung nachzuschauen. Gerade bei Socken, T-Shirts und Pflegeprodukten gebe es mittlerweile viel Unisex-Ware.

Besonders drastisch fiel das Ergebnis bei der Bekleidungsmarke Esprit aus: Die günstigste Jeansjacke für Frauen gab es für 89,95 Euro. Das ist viel Geld! So viel wurde von den Männern allerdings nicht verlangt: Für sie kostete die Jeansjacke vom gleichen Hersteller nur 65,95 Euro. Ähnlich deutliche Preisunterschiede fanden wir auch bei anderen Modemarken. Wird also Männermode von Frauen subventioniert? Marketingexperte Wagner erklärt die Unterschiede so: „Die Hersteller versuchen, ein neues Klientel anzulocken: Männer. Durch die hohen Preise für Frauenklamotten versucht man, den Umsatz zu stärken, und so kann man dann für Männer günstigere Preise anbieten.“

Doch nicht nur für Pflegeprodukte und Mode zahlen Frauen mehr, sondern auch für Dienstleistungen. Wer weiß schon, dass in der Bahnhofstoilette des Kölner Hauptbahnhofs Frauen für ihren Gang 1,10 Euro hinlegen müssen, Männer aber nur 60 Cent? Dass Frauen - auch mit kurzem Haar - beim Frisör häufig mehr zahlen als Männer, scheint dagegen völlig normal. Aber ist das fair?

Im Herbst soll das neue Gleichbehandlungsgesetz in Kraft treten. Darin wird für die Geschlechter der „diskriminierungsfreie Zugang zu Waren und Produkten“ festgeschrieben. Auf Deutsch: gleiche Leistung zu gleichem Preis. Dass dann aber die Preise für bestimmte Produkte und Dienstleistungen auf „Männerniveau“ gesenkt werden, darf bezweifelt werden.

http://www.wdr.de/tv/markt/20060724/b_6.phtml

Bam Björling (SWE)

"Schweden hat zweifellos eine Vorreiterrolle im europäischen Raum, was die Gleichstellung der Geschlechter angeht. FeministInnen erfreuen sich sogar so großer Anerkennung, dass es ihnen möglich ist, nicht nur eine politische Partei zu gründen,"
"In dieser TV Show mit dem reißerischen Titel Kampf der Geschlechter verkündete von Wachenfeldt "Männer sind Tiere" und "wandelnde Dildos", was verständlicher Weise zu massiven Protesten führte. Von Wachenfeldt erhob allerdings ebenfalls und berechtigt Einspruch. Die ausgestrahlten Aussagen waren sehr gezielt aus dem Zusammenhang gerissen, "
"In diesem Zusammenhang wurden auch viele Aussagen der Soziologie Professorin und Theologin Eva Lundgren, die die Linie von ROKS entscheidend mitgestaltet, angeführt, unter anderem jene, dass Schweden von einem breiten Netz satanistischer Kindermörder unterwandert wird und nichtgewalttätige Männer eine Minderheit seien. (Erstere Behauptung werden gerade von der Universität Uppsala, an der Lundgren eine Professur inne hat, überprüft.)"
"Die Reaktionen der Öffentlichkeit zur feministischen Praxis in Schweden zeigen, dass Feminismus nicht eine Umkehrung der vorherrschenden Unterdrückungs- und Diskriminierungspraxis bedeuten darf und kann. Buben- und Männerarbeit sollte auch ein wichtiges Anliegen von FeministInnen sein, da diese Gruppen einen großen Teil der Gesellschaft darstellen und ein Umdenken in Richtung Frauenförderung und Gleichbehandlung gerade unter ihnen notwendig ist, um langfristige Erfolge zu erzielen."
Gleichzeitig wird aber deutlich, dass es anscheinend auch in Schweden ein Interesse von Medien und Politik gibt, FeministInnen und ihre wichtigen Anliegen als lächerlich und abstrus darzustellen. So diskutabel die Aussagen bestimmter ROKS-Frauen auch sind, darf nicht übersehen werden, wie Presse und Fernsehen das Bild dieser FeministInnen durch ihre fragwürdige Vorgehensweise miterzeugten."

http://anonym.to/?http://www.ceiberweiber.at/2004/schweden.htm

Regula Frey Nakonz (CH), Beauftragte für Chancengleichheit beim EDA

«Frauen sind sicher mindestens so gut
Bundesrätin Calmy-Rey hat sechs Männer wegen deren Geschlecht nicht eingestellt. Die EDA-Beauftragte für Chancengleichheit, Regula Frey Nakonz, sieht darin einen Beitrag zur Gleichstellung.

Mit Regula Frey Nakonz sprach Iwan Städler

Frau Frey, Sie sind beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) für die Chancengleichheit der Geschlechter zuständig. Ist diese nach der jüngsten Personalauswahl von Bundesrätin Micheline Calmy- Rey noch gewährleistet?

Sie ist noch nicht gewährleistet. Deshalb braucht es ja weiterhin eine Beauftragte für Chancengleichheit.

Inwiefern ist sie nicht gewährleistet?

Wir haben immer noch weniger Frauen in Kaderpositionen als Männer. Chancengleichheit heisst für Sie also: gleich viele Frauen wie Männer - egal mit welcher Qualifikation?

Natürlich nicht. Aber rund 50 Prozent der Bevölkerung sind Frauen. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie weniger qualifiziert wären als die Männer. Folglich entspricht eine gleich starke Vertretung der Geschlechter auch im Kader dem Postulat nach Chancengleichheit.

In der Praxis geht diese Milchbüchlein-Rechnung aber nicht auf: Bei der jüngsten Diplomatenrekrutierung bestanden zehn Männer und vier Frauen die Aufnahmeprüfung. Für die Frauen reichte dies zur Anstellung, während die Männer eine weitere Selektion durch Bundesrätin Calmy-Rey über sich ergehen lassen mussten - bis am Schluss gleich viele Männer wie Frauen übrig blieben (TA vom Montag). Da kann man doch nicht mehr von Chancengleichheit sprechen.

Doch, denn es wurden ja die vier besten Frauen und die vier besten Männer ausgewählt.

Und was ist mit den übrigen sechs Männern?

Sie können sich beim kommenden Concours im Herbst dieses Jahres wieder bewerben, ohne die Prüfung machen zu müssen. Sie kriegen also nochmals eine Chance.

Verstösst das EDA mit dieser Praxis nicht gegen das Diskriminierungsverbot im Gleichstellungsgesetz?

Das Gleichstellungsgesetz zielt auf die Gleichstellung von Männern und Frauen vor dem Hintergrund, dass in der Regel die Frauen diskriminiert sind. Die Praxis des EDA hilft also der Erfüllung des Gleichstellungsgesetzes.

Warum leistet sich denn das EDA ein teures Auswahlverfahren mit Vorselektion, Assessment, mündlicher und schriftlicher Prüfung sowie einem Gespräch mit einem Psychologen, wenn am Schluss doch das Geschlecht das wichtigste Kriterium ist?

Das Geschlecht ist weder das wichtigste noch das einzige Kriterium.

Die sechs Männer wären aber wohl aufgenommen worden, wenn sie weibliche Geschlechtsorgane hätten.

Das ist eine Unterstellung.

Können die Männer nun Rekurs einlegen oder sonst wie klagen?

Der Entscheid der Departementsvorsteherin ist nicht rekursfähig. Bundesrätin Calmy-Rey hat das Recht zu sagen, wer aufgenommen wird. Die Zulassungskommission kann nur Vorschläge machen.

Müsste man nicht - unabhängig vom Geschlecht - möglichst gute Diplomatinnen und Diplomaten rekrutieren?

Selbstverständlich ist dies das Ziel. Und wir haben es auch erreicht.

Es ist aber gut möglich, dass eine der vier aufgenommenen Frauen schlechter ist als einer der sechs abgewiesenen Männer.

(lacht) Ich fürchte, es ist eher umgekehrt.

Sind denn Frauen die besseren Botschafter?

Frauen sind sicher mindestens so gut. Man sagt zum Beispiel, sie hätten eine bessere Sozialkompetenz. Das kommt einem in diesem Beruf sicher zugute.

Warum hat Micheline Calmy-Rey denn der Zulassungskommission nicht von Beginn weg gesagt, dass sie gleich viele Frauen wie Männer vorschlagen soll?

Es gab eine solche Zielvorgabe. Sie wurde aber von der Kommission nicht eingehalten. So nahm man eben die vier besten Frauen und die vier besten Männer.

Warum wendet das EDA solche Quoten an?

Wir sprechen von Zielgrössen. Auch der Uno-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau ermunterte die Schweiz, auf eine ausgewogene Vertretung der Geschlechter hinzuarbeiten. Er hat dabei den diplomatischen Dienst explizit erwähnt. Im Übrigen hat sich das EDA an die Weisungen des Bundesrats über die Chancengleichheit zu halten.

FDP-Ständerat Dick Marty und zwei Professoren sind aus Protest aus der Zulassungskommission ausgetreten. Können Sie dies nachvollziehen?

Es ist sicher schwierig, wenn man eine Empfehlung abgibt und diese dann nicht befolgt wird. Aber es ist eben nur eine Empfehlung.

Dick Marty spricht von einer «krassen Ungerechtigkeit».

Davon kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Ich bin glücklich, dass sich die Chancengleichheit langsam durchsetzt und gleich viele Frauen wie Männer eingestellt wurden.

http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/schweiz/590443.html

Prof. Claudia von Werlhof (Universität Innsbruck)

Erinnert sich noch jemand an Claudia von Werlhof? Das ist die Professorin von der Universität Innsbruck, die vor einigen Monaten meinte, das Erdbeben in Haiti wäre durch einen "HAARP-Angriff" der USA entstanden. Als dann einige Leute anmerkten, dass das vielleicht doch ein wenig unsinng wäre, beharrte sie auf ihrer Meinung, erklärte die Kritik zu Angriffen auf die patriarchatskritische Ideologie und weil ihre Kritiker immer noch nicht still sein wollten fühlte sie gar schon den Faschismus nahen. Nun ja... Man sollte zwar eigentlich davon ausgehen können, dass Universitätsprofessorinnen sich an die Grundlagen der Wissenschaft halten (auch solche die Frauenforschung betreiben) - aber schwarze Schafe gibt es halt immer. Aber was treibt die Frau von Werlhof denn nun mittlerweile eigentlich so? Anscheinend ist sie gerade dabei, ihre eigene Sekte zu gründen...

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/die-planetare-bewegung-fur-mutter-erde.php

Marianne Rademacher

Dazu erklärt Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: “Die junge Frau sollte so schnell wie möglich freigelassen werden. Ihre Verhaftung ist nach Einschätzung der uns bisher vorliegenden Informationen eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz. Wir fordern die Medien auf, sachlich über den Fall zu berichten und nicht vorzuverurteilen. Die Verantwortung für den angeblich ungeschützten Sexualverkehr wird allein der jungen Frau zugeschoben, ohne nach der Mitverantwortung ihrer Sexualpartner zu fragen.

http://www.ondamaris.de/?p=9373

Christine Weinbörner (Gleichstellungsbeauftragte Krefeld)

Krefeld (RPO) An festgelegten Tagen sollten Krefelder Schwimmbäder nur für Frauen geöffnet werden, fordert die SPD. Heftiger Widerspruch kam von der FDP, die den Vorschlag als diskriminierend bezeichnete. Im Interview erklärt Christine Weinbörner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld, warum sie die Idee für sinnvoll hält.
"Die Diskussion ist seltsam: Gibt es denn ein Recht für Männer auf den sexistischen Blick auf Frauen?", fragt Christine Weinbörner, Frauenbeauftragte der Stadt Krefeld. Foto: RP
Frau Weinbörner, warum sollte es Badetage nur für Frauen geben?
Weinbörner Es ist eine gute Idee, weil dadurch Frauen angesprochen werden, die sonst selten Schwimmbäder besuchen, beispielsweise übergewichtige und brustamputierte Frauen. Ob das Angebot tatsächlich angenommen wird, bleibt abzuwarten: Das entscheidet der Markt.
Ist das ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung oder führt der Vorschlag nicht zu einer Sonderbehandlung von Frauen?
Weinbörner Warum gilt es immer als Verstoß gegen die Gleichberechtigung, wenn Frauen für sich Rechte einfordern? Wenn irgendwo Personengruppen unterrepräsentiert sind, sollen sie den Finger heben.
Männer könnten auf die Idee kommen, eigene Badetage zu fordern.
Weinbörner Dann sollen sie es doch tun. Das ist aber dann nicht mehr mein Revier.
Der Vorschlag soll verhindern, dass sich Frauen von Männern beobachtet fühlen. Haben Sie selbst auch schon solche Erfahrungen gemacht?
Weinbörner Ja, das ist mir schon oft passiert. Ich würde auch niemals in eine gemischte Sauna gehen. Die Diskussion ist seltsam: Gibt es denn ein Recht für Männer auf den sexistischen Blick auf Frauen?
Es gab in Krefeld früher getrennte Becken im Schwimmbad. Eine Lösung?
Weinbörner Getrennte Männer- und Frauenbecken gab es bis in die 90er Jahre. Ich halte das für eine gute Idee ¬ allerdings momentan finanziell nicht realisierbar.
Sven Durgunlar führte das Gespräch.
http://www.rp-online.de/niederrheinsued/krefeld/nachrichten/Interview-Frauenbadetag-waere-sinnvoll_aid_818308.html

Maria Jepsen (Bischöfin Evangelische Kirche Deutschland)

Dornröschen erwacht von allein. Reckt sich und streckt sich, krempelt die Ärmel hoch und greift zur Heckenschere. Wir haben ziemlich viel weggeschnitten, was einengte und erdrückte, vor allem bei uns in der evangelischen Kirche. Die ist durchlässig für Frauen in allen Bereichen. Allerdings: Das patriarchalische Dornengestrüpp wächst immer wieder nach. Auch im 21. Jahrhundert noch.Wir leben ja nicht im Paradies. Darum: Nur nicht zu früh müde werden, sondern wach bleiben. Und der Auftrag bleibt, sich vor allem für die Frauen, Männer und Kinder einzusetzen, denen eine solche Heckenschere einfach zu schwer ist oder die nicht wissen, wie sie an sie herankommen.
Im Neuen Testament gibt es Jesu berühmtes Gleichnis von den anvertrauten Pfunden, das sich sehr kritisch gegenüber Männern äußert, die ihre Talente nicht ausnutzen, sondern stattdessen lieber ein schwarzes Loch in die Erde graben und sich dorthinein verstecken wollen. Die wollte Jesus aufwecken aus ihrer Ängstlichkeit. Niemand soll sich verkriechen müssen. Auch keine Frau. Wir sind aufgewacht. Wir wuchern mit unseren Pfunden. Wir schämen uns ihrer nicht länger.

http://www.ksta.de/html/artikel/1250675173411.shtml

Karin Rosenlechner (Leiterin von Wiens einzigem gendersesiblen Kinderarten)

Keine Puppen- oder Bastelecken, dafür Buben- und Mädchenarbeit. Der Kindergarten"onkel" gehört genauso dazu wie sein weibliches Pendant. Und an der Spitze steht eine Frau - so ist das im fun&care-Kindergarten, der nächstes Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert. 1999 als Projekt unter der damaligen Frauenstadträtin Renate Brauner gestartet, gibt es mittlerweile zwei Zweigstellen, in der Brunhildengasse und Gablenzgasse in Wien, sowie zwei ähnliche Einrichtungen in Graz und Linz.
Birgit Tombor traf sich für dieStandard.at mit der Chefin Karin Rosenlechner, die eine starke Aufwertung des feminisierten Berufsfeldes für notwendig hält, aber nicht, indem man Männer mit besseren Gehältern an Bord zu holen versucht. Als problematisch schätzt sie auch das am 2. Juni startende Fördermodell 1 + 1 ein, dass das Können 4-Jähriger durch ein Entwicklungsraster presst. Außerdem wünscht sie sich die Angleichung des Ausbildungsstandards der KindergartenpädagogInnen, denn mit Malta ist Österreich EU-weit das einzige Land, das noch keine Universitätsausbildung anbietet.
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dieStandard.at: Wie sieht geschlechtssensible Pädagogik in der Praxis aus?
Rosenlechner: Wir haben ein nicht ganz übliches Raumkonzept. Es gibt bei uns keine Buben- oder Bauecke, wie Sie es wahrscheinlich noch aus Ihrer Kindergartenzeit kennen - also keine klar vorgefertigten Bereiche. Bei uns werden die Materialien flexibel gelagert, die Kinder schnappen sich einen Rollcontainer und ziehen dann dorthin, wo sie damit spielen wollen. Ziel ist es, Determinierungen im Sinne von "Bubenspielzeug" und "Mädchenspielzeug" entgegenzuarbeiten und keine klassischen "Buben- und Mädchenbereiche" zu kreieren.
Wir sehen in anderen Kindergärten noch immer, dass durch die Zentrierung bzw. Aufteilung der Spielmaterialien auch eine eindeutige Zugehörigkeit im Geschlechter-Bezug stattfindet.
dieStandard.at: Ist bei fun&care tatsächlich zu beobachten, dass hier Geschlechterrollen aufbrechen?
Rosenlechner: Ja. Aber das Raumkonzept allein kann hier gar nichts bewirken. Das gesamte Konzept des Kindergartens steht auf vier Säulen, da gibt es auch ein Personalkonzept, das Männer und Frauen in unterschiedlichen hierarchischen Ebenen vorsieht, aber im Alltag integriert, als tägliches Vorbild. Damit die Kinder sehen, dass auch Männer Fürsorgearbeit leisten können, dass auch Frauen in höheren Positionen sitzen können.
dieStandard.at: Es ist auch ein Statement, dass mit ihnen eine Frau die Leitung über hat.
Rosenlechner: Ja. Und auch die Planung und Reflexion ist eine Säule. In die Bildungskonzepte muss die gendersensible Herangehensweise miteinfließen. Außerdem gibt es noch die Elternarbeit - ein ganz wichtiger Austausch, der hier stattfindet. Wenn diese vier Säulen gut zusammenarbeiten, kann die einzelne gut wirken.
dieStandard.at: Im Rahmen der Elternarbeit werden Sie sicher versuchen, verstärkt Väter miteinzubeziehen - wie funktioniert das in der Praxis, angesichts der Geschlechter-Gräben in der Arbeitswelt da draußen?
Rosenlechner: Wenn ich die Elternabende hernehme, muss ich sagen, dass der Schnitt der Väter relativ hoch ist. Ich kann schon sagen, dass die Väter sehr engagiert sind, die des Schwerpunkts wegen hier her kommen. Die haben eine sehr reflektierte Haltung. Aber dennoch höre ich oft: "Bei uns gibt es eh' keinen Unterschied zwischen Tochter und Sohn. Und wenn ich dann frage: "Hat ihr Sohn eigentlich eine Puppe?", kommt: "Das braucht er nicht".
Generell versuchen wir, Mütter und Väter im Kindergartenalltag so weit es möglich ist zu integieren. Zum Beispiel über Aktionen wie einem Männerbacktag zu Weihnachten oder einem Frauenwerktag. Oder beim Familientag, wo die etwaig veränderten familiären Bezüge mit den Kindern aufgearbeitet werden: Gibt es eine Mama, gibt es einen Papa, gibt es eine gemeinsame Wohnung - wo geschaut wird, was erlebt das Kind eigentlich wie. Wir versuchen, Impulse zu setzen. Und dann laden wir einzelne Mütter und Väter bewusst ein.
dieStandard.at: Wie ist es bei Eltern, die ihre Kinder hier her schicken, einfach weil der Kindergarten in der Nähe ist und nicht des Geschlechterschwerpunkts wegen?
Rosenlechner: Wir haben sowieso ein buntes Publikum. Über die Eigentümerin von fun&care "Zeitraum", ein Verein für soziokulturelle Projekte, integrieren wir Flüchtlingskinder. Dann gibt es den Faktor der lokalen Nähe. Dann gibt es die Eltern - wie vorhin schon angeprochen - die sich wegen dem Schwerpunkt dafür entscheiden, ihre Kinder hier her zu schicken, oder weil sie hören, da gibt es super BetreuerInnen. Ganz verschiedene Zugänge.
Vor zwei Wochen haben wir einen Referenten eingeladen, der sich mit dem Geschlechterthema auseinandersetzt. Es war klar ausgeschrieben: Es geht um Bubenarbeit im Rahmen der geschlechtersensiblen Pädagogik. Und da ist es dann ganz klar, wer kommt. Genau die Eltern, die ihre Wahl wegen des Schwerpunkts getroffen haben. Wo andere vielleicht sagen: Wieso jetzt Bubenarbeit? Und vielleicht eher weniger damit anfangen können.
dieStandard.at: Der Frage schließe ich mich gleich an: Wieso denn jetzt geschlechtergetrennte Bubenarbeit bzw. Mädchenarbeit?
Rosenlechner: Der Hintergrund dabei ist, Schutzräume zu gestalten, weil wir die Beobachtung machen, dass Kinder in Schutzräumen andere Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.
Es gibt unterschiedliche Formen, wie wir das ausleben. Einerseits haben wir einmal in der Woche einen Buben- und Mädchentag, an dem wir geschlechtshomogene Gruppen bilden, die ihren jeweils eigenen Raum bekommen. Die Mädchen werden von Frauen betreut, die Buben von Männern.
So werden Reflexionsebenen eingezogen. Die Geschlechtshomogenität erlaubt ihnen, auch gewisse Bereiche anzugreifen, sich in gewissen Ebenen zu bewegen, die in geschlechtsgemischten Gruppen nicht da sind. Wenn es nämlich darum geht, das eigene Geschlecht zu entdecken, ist es oft notwendig, sich vom anderen zu distanzieren: "Wenn ich ein Bub bin, bin ich auf keinen Fall ein Mädchen". Im geschlechtshomogenen Bereich ist das nicht notwendig.
Bei den Buben wirkt da auch die Vorbildwirkung des männlichen Pädagogen, des Helfers sehr gut. Da arbeiten wir mit Massagebällen, intensivieren das Puppenspiel, wir schauen, wo die Kinder eigentlich stehen, was brauchen sie noch, um dann im geschlechtsgemischten Bereich gut zusammenarbeiten zu können. Wenn wir davon ausgehen, dass das "Bubenspielzeug" nur einen Teil des Entwicklungsbereiches abdecken kann, muss ich eruieren, was sie noch brauchen, um den Rest des Kuchens erleben zu können. Genau das gilt auch für die Mädchen.
Mädchen - und Bubenarbeit passiert aber auch ganz einfach auch bei Situationen im Alltag. Das fängt bei Wickelsituationen in der Krippe an, wo es für die Kinder ganz wichtig ist, Männer und Frauen dabei zu erleben, die mit den Kindern gut arbeiten, dass sie lernen, sich abzugrenzen, eigene Regeln aufzustellen. Oder Projekte im Projekt: Wenn es darum geht, sexuellem Missbrauch präventiv zu begegnen. Wir laden ReferentInnen zu diesem Thema ein. Es wird versucht, das Selbstbewusstsein von Mädchen und Buben in dem Bereich sehr gut aufzubauen.
Mannsein als Qualitätsmerkmal?
dieStandard.at: Im Personalkonzept ist, wie schon von Ihnen erwähnt, vorgesehen, dass die Gruppen mit einer weiblichen Betreuerin und einem männlichen Betreuer besetzt sind. Gelingt das überhaupt angesichts der wenigen männlichen Kindergartenpädagogen?
Rosenlechner: Vier Prozent der österreichischen KindergärtnerInnen sind männlich und fast alle arbeiten hier bei uns [lacht]. Es gibt hier fünf Gruppen, davon zwei Kinderkrippen, vier sind männlich und weiblich besetzt, eine doppelt weiblich. Eine ganz gute Aufteilung, weil wir relativ offen arbeiten, männliche und weibliche Einflüsse sich in den Gruppen gut durchmischen, weil es auch Sammelzeiten gibt, wo die Kinder aus verschiedenen Gruppen zusammenkommen.
dieStandard.at: Ich kenne auch etliche ausgebildete Kindergärtnerinnen, und keine ist im Beruf geblieben. Männliche Betreuer sind mir aber noch keine begegnet.
Rosenlechner: Das ist typisch. Letztens habe ich einen Artikel gelesen, wo die Problematik der "Pädagogen" ausschließlich männlich formuliert war. Wenn es also darum geht, wie schwer der Beruf eigentlich ist, gibt es plötzlich einen männlichen Bezug. Auch im Gespräch mit Berufsfremden passiert das häufig. Da bekommt man zu hören, dass man den Männern mehr zahlen müsste. Wie kommt man auf die Idee, nur den Männern mehr zu bezahlen? Da sind wir wieder dort: Bei gleicher Leistung mehr Bezahlung. Aber darin sehen viele einen Lösungsansatz: Dann hätten wir auch mehr Männer in dem Berufsfeld.
dieStandard.at: Die Kindererziehung wird nach wie vor zur weiblichen Sphäre gerechnet. Die Bezeichnung Kindergartentante - eine Tante hat man eben, was braucht man ihr mehr als ein Körberlgeld geben.
Rosenlechner: Ja, nach dem Motto: Die ist glücklich damit, dass sie das überhaupt machen kann. Ich mache auch in der Praxis interessante Erfahrungen, dass ein Pädagoge ein Phänomen ist. Viele sagen, ich will in die Gruppe mit dem männlichen Betreuer - wenn er etwas macht, finden das alle toll. Meine Aufgabe ist es oft, das anzugleichen. Der "Männlichkeitsbonus" alleine kann es doch nicht sein, dass man eine gleichzeitige Qualitätssteigerung in der der Betreuung annimmt.
Im Gegenteil: Ich sehe bei den Frauen noch viel stärkeren Perfektionismus, in Planung und Ausführung, wie sie etwas repräsentieren wollen. Da gibt es auch in einem geschlechtssensiblen Team ganz viel zu tun. Es ist eine permanente Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle von Nöten.
dieStandard.at: Wählen Sie ihre PädagogInnen nach deren Reflexionskompetenz in diesem Bereich?
Rosenlechner: Ja und Nein. Wir sind irgendwo ein Kindergarten wie jeder andere auch. Mit den selben Problematiken. Kindergärten in Wien steuern auf ein großes Problem zu: Es gibt keine KindergartenpädagogInnen. Es müssen Gruppen zugesperrt werden, weil es an Personal fehlt. Aus den Schulen kommen ganz wenige, die die Ausbildung fertig gemacht haben, viele gehen lieber studieren. Und die, die es probieren, sagen oft nach kurzer Zeit schon: Das ist mir zu viel. Es ist die Lobby sehr schlecht, das Gehalt noch viel schlechter - dieser Problematik stehen wir genauso gegenüber wie jeder andere Kindergarten. Auch wenn der Anreiz, sich an einem Projekt wie diesem zu beteiligen, vielleicht doch stärker ist.
dieStandard.at: Einen finanziellen Extra-Bonus für Schwerpunkt-Arbeit hier gibt es also nicht. Weiterbildungen in Sachen Genderthematik sind doch aber sicher nötig? Wie das finanzieren?
Rosenlechner: Schulungen mache ich als Leiterin teils selber. Personalschulungen. Teils laden wir ReferentInnen ein, was sehr wohl finanziert wird. Das hat aber nichts mit dem geschlechtersensiblen Schwerpunkt zu tun, Schulungen sind überall nötig. Es gibt bei uns vielleicht einen Unterschied, nämlich, dass wir als ganzes Team auftreten, auch die HelferInnen machen bei den Schulungen mit, damit sie thematisch und inhaltlich immer mit einbezogen bleiben, weil wir denken, dass sie genauso wichtig sind, wenn es um die Vermittlung von Lehrinhalten geht. Die sind nicht auszuklammern.
dieStandard.at: Aus dem Frauenförderungs-Topf bekommen Sie nichts ab?
Rosenlechner: Nein, nicht mehr. Das gab's am Anfang im Projektstatus. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Evaluierung sind wir ein Kindergarten mit Gruppenförderung wie bei allen anderen privaten Einrichtungen auch.
Von "Kinder-Screening" und nötiger Aufwertung
dieStandard.at: Wenn aber die Basis einbricht sprich Personal fehlt, müssen doch finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Was also stünde auf Ihrem Wunschzettel an die politisch Verantwortlichen?
Rosenlechner: Der wär relativ lang, der Zettel. Ich würde mir eine Angleichung des Ausbildungsstandards der KindergartenpädagogInnen wünschen, denn mit Malta ist Österreich EU-weit das einzige Land, das noch keine Universitätsausbildung dafür vorsieht.
Ich würde mir wünschen, dass wertgeschätzt wird, dass sich familiäre Strukturen ändern und die KindergartenpädagogInnen das ausgleichen müssen. Die Anforderungen werden immer höher. Dass hier Zusatzqualifikationen und -personal angestellt werden kann, wenn Kompetenzen des Pädagogen/der Pädagogin überschritten werden. Dass hier auch Möglichkeiten zur Verfügung stehen, dass weiterhin professionell gearbeitet werden kann. Man muss sich ja abgrenzen können und sagen: Bis hier hin reichen meine Qualifikationen und nicht weiter.
Und ganz oben auf der Liste würde stehen: Dass bereits geänderte Kindergartengesetze mehr auf die tatsächliche Arbeit eingehen würden, dass eine zufriedenstellende Situation hergestellt werden kann. Das neue Fördermodell 1 + 1, das am 2. Juni in Kraft tritt, sieht ja vor, Kinder zu "screenen". Ein Entwicklungsraster drüber zu legen und Ergebnisse vorzulegen, was das Kind alles noch nicht kann. Vielmehr sollte hervorgehoben werden, was ein Kind in dem Alter schon kann, um darauf aufzubauen. Es darf nicht in ein Leistungssystem übergehen, wo die Kinder schon in diesem Alter eingestuft werden. Das ist irre- und nicht zielführend, wenn es darum gehen soll, die PISA-Ergebnisse langfristig zu verbessern.
Aller Fokus liegt auf dem letzten Kindergartenjahr. Die Eltern erleben da auch einen starken Druck, sie gehen in die Schule, wo sie von den erwarteten Anforderungen an ihr Kind hören und kommen dann zu uns. Sie erwarten natürlich die bestmögliche Vorbereitung für ihr Kind.
dieStandard.at: Das bedeutet wiederum eine Überforderung der KindergartenpädagogInnen.
Rosenlechner: Ich sag' es mal so: Es wurde hier ein Fördermodell entwickelt und letztlich dem Kindergarten umgehängt. Man wird erst einmal abwarten und die Entwicklung sehen.
Letztendlich wünsche ich mir, dass der Kindergarten als Bildungsinstitution anerkannt wird, dass die Bildung unserer Kinder schon dann beginnt, wenn sie in die Krippen kommen, und dass uns dieser Drill zur Schulvorbereitung, der im letzten Kindergartenjahr einsetzt, bitte wieder genommen wird.
Wenn neue Gesetze gemacht werden, sollten sich die EntscheidungsträgerInnnen an die Leute wenden, die in diesem Bereich stehen. Ich glaube - eine Vermutung von mir, die mir möglicherweise nicht zusteht, dennoch - dass Gelder ausgeben werden, die sinnvoller eingesetzt werden könnten, nämlich dann, wenn die Kompetenzen aus Politik und Kindergartenbereich gut zusammenspielen würden. Generell sollte mehr für die Bildungseinrichtungen, und das sind wir Kindergärten nun mal, ausgeben werden. Es sind die Strukturen und Rahmenbedingungen, die die Arbeit so schwierig machen. Wir brauchen eine ganz starke Aufwertung - nicht nur, wenn es um Gelder geht. Der Bereich geht einfach unter.
dieStandard.at: Wo "versickert" denn das Geld genau?
Rosenlechner: In Bemühungen, sowohl den Kindergarten auszubauen, in Bemühungen zu Evaluierungen von Studienergebnissen. Man drückt uns neue Ideen von Seiten der Stadt auf, die grundsätzlich gut sind, aber an der Umsetzung hapern. Es wird sicher sehr viel nachgedacht, auch viel Geld ausgegeben, aber in der Durchführung scheitert man.
Da blutet mir das Herz. Wir sitzen in einem Bereich, wo wir uns nicht viele Fehler erlauben dürfen. Wo es Krisen gibt, wo etwas getan werden muss. Ich würde mir mehr Gelder für den Fortbildungsbereich wünschen, auch wenn es um die Implementierung von geschlechtssensiblen Ansätzen in allen Bildungseinrichtungen geht. Das ist ja letztlich ein langfristiges Ziel, um das es hier geht.
dieStandard.at: Gibt es eigentlich Feedback bzw. Evaluierungen über schulische Werdegänge Ihrer "AbgängerInnen"?
Rosenlechner: Nein. Es gibt leider kein Anschlussprojekt, das würde ich mir wünschen. Eine Schule, die mit uns zusammenarbeitet auf der selben Ebene. Aber ich bekomme Feedback von Eltern, die jetzt schon ihr zweites Kind zu uns bringen. Zum Beispiel höre ich da, dass die fun&care-Kinder sprachlich und vom Selbstbewusstsein anders auftreten. Speziell an den Mädchen dürfte das auffallen. Wenn sie zum Beispiel die Mutter ausbessern, die meint, dass man heute zum Kinderarzt geht und als Antwort bekommt, dass das nicht richtig ist: "Mutti, du weiß ganz genau, das ist eine Kinderärztin". Es fällt ihnen auf. Weil sie von uns auch immer wieder Impulse bekommen. (bto/dieStandard.at, 1.6.2008)

http://diestandard.at/1207285678591

Antje von Dewitz (Vorstand Vaude AG)

In Deutschlands Großkonzernen haben Männer das Sagen - der Frauenanteil in den Vorständen liegt bei zwei Prozent. Anders ist es in Familienunternehmen: 25 Prozent der Betriebe haben eine Chefin. Was ist der Grund dafür? Besuch bei einer Outdoor-Firma in weiblicher Hand.
Ein schneller, kräftiger Händedruck im Vorbeigehen, schon eilt die zierliche Frau mit großen Schritten in ihr Büro. Sie hat noch eine kurze Besprechung. Nach zehn Minuten öffnet sie die Tür wieder: Antje von Dewitz hat jetzt Zeit.
Die 38-Jährige, Mutter von vier Kindern zwischen drei und elf Jahren, ist seit anderthalb Jahren Chefin des Bergsport-Unternehmens Vaude. Dewitz ist so uneitel wie die Produkte ihrer Firma: Sie trägt Jeans, Lederstiefel, dazu ein schlichtes Langarm-Shirt. Statt im Edel-Eckbüro eines Glas- und Stahlturmes sitzt sie im Erdgeschoss eines vierstöckigen Zweckbaus. Der steht in der 800-Seelen-Gemeinde Obereisenbach in der Nähe von Friedrichshafen am Bodensee.
Dewitz ist die mittlere von drei Töchtern, ihr Vater hatte die Firma Vaude 1974 gegründet. Während ihre beiden Schwestern sich eine Zukunft im Unternehmen nicht vorstellen konnten, beerbte sie ihren Vater 2009 im Job - obwohl dies für Dewitz lange nur eine von vielen Optionen war. Zu vielseitig waren ihre Interessen während des Studiums der Kulturwirtschaft - und zu unentschlossen sie selbst. Als Praktikantin war die Studentin unter anderem beim NDR und beim Goethe-Institut. "Das war alles interessant, aber eben auch nicht mehr. Erst als ich in der Firma meines Vaters reingeschnuppert habe, merkte ich: Hier gehöre ich hin", sagt sie.
Und auch danach war es nicht - wie so oft - der Übervater, der die Tochter in die Verantwortung für die weltweit 1500 Mitarbeiter drängte. Es war Dewitz selbst, die ihrem Vater sagte, dass sie sich den Posten zutraue. Der antwortete auf die interne Bewerbung nur: "Ja, dann freue ich mich." So unspektakulär sei das gewesen.
In Dax-Vorständen nur zwei Prozent Frauen
Dabei ist Antje von Dewitz' Aufstieg durchaus spektakulär. Noch immer dominieren Männer die Führungsetagen der meisten Unternehmen. Bei den 30 Dax-Konzernen ist gerade einmal jedes 50. Vorstandsmitglied weiblich.
Wenn sich etwas in Sachen Frauenpower tut, dann vor allem in den Familienunternehmen. Eine Studie der Intes-Akademie ergab, dass in jedem vierten Betrieb in Familienbesitz Frauen an der Spitze der Geschäftsführung stehen. Oft sind es wie bei Vaude die Töchter, die von ihren Vätern die Verantwortung übernehmen. So war es auch bei Warsteiner, bei Underberg oder bei Öger Tours.
Heiner Thorborg, Co-Autor der Intes-Studie, sagt: "Familienunternehmen sind schlauer und schneller als die großen Konzerne - auch beim Thema Frauen: Sie haben viel früher erkannt, dass es hier ein Potential zu nutzen gilt."
Dass mittelständisch geprägte Familienunternehmen öfter Frauen in der Chefetage haben als Großkonzerne, wundert Antje von Dewitz nicht: "Wir haben direkten Kontakt zu unseren Mitarbeitern, sprechen mit ihnen auch über Persönliches. Entsprechend leicht fällt es uns,
gemeinsam mit ihnen individuelle Lösungen zu finden." Bei Vaude arbeiten rund 55 Prozent der Belegschaft in Teilzeit. So auch der Lebensgefährte der Chefin, der sich nachmittags um die gemeinsamen Kinder kümmert.
Mittagessen mit den Kindern im Betrieb
Vormittags ist der Nachwuchs der Geschäftsführerin im Kinderhaus auf dem Werksgelände. Seit 2001 werden hier Dutzende Söhne und Töchter von Mitarbeitern auf Wunsch den ganzen Tag betreut - auch in den Ferien. Und mittags können Eltern und Kinder zusammen essen. "Es ist ein irrer Luxus, die Kinder so nah zu haben. Das nimmt viel Druck von den Eltern", sagt Dewitz.
Die Investitionen in die Kinderbetreuung haben sich gelohnt - in zweierlei Hinsicht. Mehr Vaude-Mitarbeiterinnen als früher bekommen Kinder, wie Dewitz sagt. Die Babyquote, so hat sie errechnet, liegt rund 30 Prozent über dem deutschen Durchschnitt. Außerdem übernehmen immer mehr Frauen Schlüsselpositionen in ihrer Firma. "Viele Mütter arbeiten in der Elternzeit weiter, haben dadurch mehr Erfahrung im Job und machen entsprechend schneller Karriere."
Es geht Dewitz aber nicht allein darum, ihren weiblichen Kollegen den Weg zu bahnen: "Ich bin auf allen Ebenen der Firma ein großer Fan von gemischten Teams." Frauen machten die Zusammenarbeit vielseitiger und brächten neue Perspektiven bei der Lösung von Problemen ein.
So würden sie etwa bei technischen Produkten wie Zelten oder Rucksäcken viel stärker auf ein schönes Design achten als Männer. "Damit sind wir besser aufgestellt als eine männerdominierte Firma", sagt Dewitz. Die Entwicklung der Firma scheint ihr Recht zu geben: Vaude wächst mit seinen Zelten, Fahrradtaschen und Co. um etwa zehn Prozent pro Jahr.
Eine Schwangerschaft kostet bis zu 20.000 Euro
Allerdings hat das Engagement für Frauenförderung und Familienfreundlichkeit seinen Preis. "62 Prozent unserer Mitarbeiter sind weiblich. Und jede Schwangerschaft kostet uns zwischen 10.000 und 20.000 Euro", sagt Dewitz. Denn: Die schwangere Mitarbeiterin fällt ein paar Wochen aus, eine Übergangskraft muss eingestellt und Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld müssen gezahlt werden. So kommt Dewitz zur Schlussfolgerung: "Je familienfreundlicher ein Unternehmen ist, desto mehr kostet es die Firma."
Weil die Vaude-Chefin die Kosten für den gesellschaftlichen Wandel nicht alleine tragen will, ist sie eine Befürworterin der Frauenquote: "Nur mit diesem Instrument lässt sich eine echte Veränderung anstoßen. Dann müssten sich alle Firmen die Frage stellen, wie sie Frauen wirklich fördern können."
Außerdem sei eine Verpflichtung aller Unternehmen gerechter als der Status Quo, weil dann die gesamte Wirtschaft die Kosten tragen müsste. "Immerhin kommen die Kinder auch der Gesellschaft insgesamt zugute", sagt Dewitz.
Der Vater als Konkurrent oder Elder Statesman
Eine Frauenquote würde wohl auch den Führungsstil der Unternehmen revolutionieren. So wie bei Vaude. Während bei Antje von Dewitz' Vater, dem Unternehmensgründer, die meisten Entscheidungen über den Chefschreibtisch liefen, baute sie selbst die zweite Führungsebene aus. Es reden also deutlich mehr Leute mit und die Mitarbeiter müssen eigenständiger entscheiden. Nur so kann die neue Chefin das Unternehmen führen: "Ich bin viel stärker auf die Kompetenzen meiner Mitarbeiter angewiesen als mein Vater. Er hat die Firma aufgebaut und kennt jedes Detail."
Dewitz sieht sich selbst vor allem als Mittlerin. Sie will dafür sorgen, dass alle Meinungen gehört und abgewogen werden. Diesen kommunikativen Führungsstil sieht Helga Breuninger, Beraterin für Familienunternehmen, als eine der größten weiblichen Stärken: "Frauen sind emotionale Führerinnen. Sie können besser zuhören und Leute zusammenbringen als Männer."
Und sie sind unkomplizierter - auch beim Generationswechsel im Betrieb. Söhne sehen ihren Vater meist als Konkurrenten. "Töchter machen ihren Vorgänger dagegen oft zum 'Elder Statesman' und sorgen damit für ein gutes Klima", sagt Breuninger. So auch bei Familie Dewitz. Obwohl die Tochter neue Wege geht, weiß sie die Leistung des Vaters zu schätzen: "Er hat das Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist."
Anerkennung für die Errungenschaften der Väter bedeutet aber noch lange nicht, dass sich die neuen Chefinnen reinreden oder gar einen männlichen Führungsstil aufzwingen lassen. Antje von Dewitz hat ihre eigene Philosophie in Berti Vogts' Worten gefunden: Die Mannschaft ist der Star. "Es ist vielleicht einfach die moderne Variante, ein Unternehmen voranzubringen", sagt sie.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,729411,00.html

Nadine Oberhuber (die ZEIT)

Frauen pokern einfach besser
Anlegerinnen erzielen oft höhere Renditen als Männer. Doch die Finanzbranche tut sich schwer mit ihnen
Gib einer Frau nie deine Kreditkarte in die Hand«, witzeln Männer gern, und Kabarettisten spötteln, dass Frauen selbst mit verbundenen Augen in fremden Städten in der Lage sind, ohne Umwege den Prada-Laden anzusteuern. Das Geldausgeben scheint – glaubt man Männern – eine weibliche Kernkompetenz zu sein. Studien und Statistiken hingegen belegen, dass Frauen sehr wohl mit Geld umgehen können – besser sogar als Männer.
Sie erwirtschaften mit ihrem Geld mehr Gewinne, erleiden weniger Verluste und legen bewusster an als Männer. So verglich die Universität von Kalifornien 35.000 Depots und errechnete, dass Frauen im Schnitt 1,4 Prozent mehr Rendite erzielten, und bei einer Studie der DAB Bank lag das weibliche Geschlecht durchschnittlich sogar fünf Prozent im Plus. Von Frauen gemanagte Depots schnitten im Börsencrashjahr 2001 besser ab als der Deutsche Aktienindex, die von Männern deutlich schlechter. Ein Check des Finanzdienstleisters Union Investment ergab, dass Frauen vorsichtiger anlegen als Männer. Sie haben im Schnitt auch weniger Aktienanteile im Depot und schichten ihre Bestände seltener um.
Den Grund für die weibliche Vorsicht hat die US-Psychologin Kathleen Gurney ermittelt: »Männer identifizieren Geld mit Macht und Kontrolle. Sie streben nach Gewinnmehrung. Für Frauen dagegen bedeutet Geld Sicherheit und Autonomie.« Das sieht Renate Schubert, die Nationalökonomie an der Universität Zürich lehrt, ähnlich: »Frauen haben meist weniger Geld zur Verfügung, das macht sie risikoscheuer. Zudem agieren Frauen vorsichtiger, wenn sie über wenige Informationen verfügen. Männer dagegen sind sehr von sich überzeugt. Sie glauben zu wissen, wie Finanzmärkte funktionieren, überschätzen sich oft und treffen falsche Anlageentscheidungen.«
Dennoch stand bis 1953 sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch: »Das Vermögen der Frau wird durch die Eheschließung der Verwaltung des Mannes unterworfen.« Die Zeiten sind zwar längst vorbei, aber in der Rangliste des Weltwirtschaftsforums, die die Gleichverteilung ökonomischer Güter zwischen den Geschlechtern beurteilt, liegt die Bundesrepublik auf Platz 20 hinter den meisten EU-Staaten, aber auch Ländern wie Thailand, Simbabwe und Russland.
Während Frauen hierzulande nur über magere 8500 Euro Geldvermögen pro Kopf verfügen, sind es bei Männern satte 26.000 Euro, also dreimal so viel. Und da Frauen Wert auf Sicherheit legen, selbst wenn das Rendite kostet, tragen drei Viertel der Sparerinnen ihr Geld aufs Sparbuch.
»Das ist eine Marktlücke für Wettbewerber, definitiv«, betont Kathrin Lumma von der Unternehmensberatung ZEB, die sich auf die Finanzbranche spezialisiert hat. Auch A.T. Kearney hat die Frau als spezielle Zielgruppe der angeschlagenen Bankenbranche entdeckt. Rund 18 Millionen weibliche Berufstätige, eine wachsende Zahl von derzeit einer Million Unternehmerinnen sowie künftiger Erbinnen haben deren Finanzexperten Heinrich Focke überzeugt: »Die Zielgruppe Frau gewinnt kontinuierlich an Bedeutung.« Würden alle über 30-jährigen Frauen monatlich 55 Euro mehr ansparen, um ihre Rentenlücke zu schließen, rechnet die ZEB vor, würde ein zusätzliches Sparvolumen von vier Milliarden Euro auf die Banken zurollen. Damit müssten sich ein paar Euro mehr Umsatz machen lassen.
Feminisierte Anlagen sind ein Flop
Doch wie lockt man Frau vom Sparbuch weg? Die Fondsgesellschaft VMR hat es mit einem »Women’s World«-Fonds versucht. Er investierte in Boss, Dior und Escada, kurzum: »In Firmen, die Frauen kennen«, und geriet zum Flop. Mangels Nachfrage stellte VMR den Fonds ein. Der Konkurrent DIT lehnt solche Spezialangebote ohnehin ab: »Hinter solchen Nischenprodukten sehen wir keinen Mehrwert. Wir suchen nach der besten Rendite aus, da unterscheidet sich das weibliche Produktbedürfnis nicht vom männlichen.«
Andere wie der Versicherer Gerling bewerben die »flexible Altersvorsorge für Frauen«, die aber streng genommen kein spezielles Frauenprodukt ist, sondern ein Normalprodukt mit neuem Namen. Und so flexibel ist das auch nicht: Bei Vertragsabschluss muss sich die Versicherte festlegen, dass sie fünf Jahre lang einzahlt und den Vertrag dann ruhen lässt, wenn sie schwanger wird. Aufstocken oder abbrechen – weil der Nachwuchs nicht so will wie der Vertrag – funktioniert nicht. Für solche weiblichen Sonderwünsche soll es vom nächsten Jahr an noch »einen ganz speziellen Frauentarif geben«, verspricht Gerling-Fachfrau Barbara Weihrauch, »es ist nur etwas schwierig, männliche Vorstände davon zu überzeugen.«
Weibliche Kunden auch. »Frauenfinanzprodukte sind der reinste Lady-Bluff. Anbieter tun so, als hätten sie ein feminines Produkt entwickelt, aber das einzig feminine ist die Verpackung«, regt sich Frauenfinanzberaterin Susanne Kazemieh auf. Aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch Pause macht, wenn ihre Einzahlerin in Babypause geht, habe bisher keiner entwickelt, kritisiert sie: »Die meisten wollen mit SIE-Finanzprodukten nur abzocken und bedienen üble Klischees. Was Frauen wirklich brauchen, ist Beratung.«
Stimmt, sagt auch Ökonomin Schubert: Denn Frauen legen umso mutiger an, je mehr sie von der Finanzmaterie wissen. Für Bankberater, die zu 80 Prozent männlich sind, kommt das überraschend. Bei Männern gilt laut Schubert kurioserweise genau das Gegenteil: »Aus einem Spieltrieb heraus investieren sie umso gewagter, je schlechter sie sich auskennen. Je mehr Fakten man ihnen aufzeigt, desto risikoscheuer werden sie.« Das bestätigt auch Susanne Kazemieh. »Männer kommen mit konkreten Produktwünschen, und man sollte sie nicht davon abbringen, sonst ziehen sie sich in die Schmollecke zurück«, sagt Kazemieh, »Frauen kommen mit einer Vorstellung zu Anlagesumme und Zeitraum und sammeln erst mal Informationen«, sind also für die Verkäufer ungleich zeitraubender und arbeitsintensiver. Um selbst auf ihre Kosten zu kommen, empfehlen Berater gerne provisionsträchtige Standardprodukte. Was wiederum dazu führt, dass vier von fünf Frauen beklagen, dass sie sich von Banken und Beratern hochnäsig behandelt und schlecht beraten fühlen.
Klientinnen rennen Fachfrauen die Tür ein
Nur wenige Institute haben das Beratungsdefizit bisher realisiert. Die Commerzbank etwa oder die Weberbank, die UBS und die Volksbanken Österreich. Spezielle Frauenprodukte bieten sie nicht oder nicht mehr an. Aber Seminare und Workshops, damit Frauen Zeit in ihren Vermögensaufbau investieren. Unabhängige Beratung aus weiblicher Sicht leisten mittlerweile 50 spezialisierte Anlaufpunkte von Finanzfachfrauen. Einer der größten, die Frauenfinanzgruppe von Susanne Kazemieh, frohlockt, dass ihr die Klientinnen regelrecht die Beratungsräume einrennen. 6000 Kundinnen mit über 100 Millionen Euro Anlagesumme zählt die Hamburgerin. Die Münchner Kolleginnen nehmen gerade den zweiten Anlauf, als Frauenbank zugelassen zu werden, und arbeiten bis dahin weiter als Frauenvermögensverwaltung.
»So viel machen wir gar nicht anders, wir nehmen unsere Kundinnen einfach nur ernst und versuchen, das passende Haus zu ihrem Leben zu finden«, beschreibt Chefin Astrid Hastreiter ihre Geschäftsstrategie. Eines haben gute Berater gemeinsam, egal ob männlich oder weiblich: Sie raten nicht zu Sparbriefen, Lebens- oder Rentenversicherungen, sondern meist zu Investmentfonds. Die können Frauen aussetzen, aufstocken und ruhen lassen wie sie wollen. Flexibler ist kein anderes Produkt. Warum sich diese Strategie noch nicht zu allen Banken herumgesprochen hat? »Die meisten beraten nicht wie wir auf Honorarbasis«, betonen Kazemieh und Hastreiter, sondern auf Provisionsbasis. Sie kassieren für Abschlüsse, die sich fürs Kreditinstitut rechnen, allerdings nicht immer für den Kunden.
http://www.zeit.de/2005/25/G-Frauenfinanzen

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

jens_(R)

05.02.2011, 21:39

@ Oberkellner
 

Danke fuer die Muehe! (kt)

 
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