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<title>Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land? - Liste Femanzen Prof. Dr. Andrea Schmidt</title>
<link>https://wgvdl.com/forum3/</link>
<description>Gleichberechtigung, Männerdiskriminierung, Männerbenachteiligung, Antifeminismus</description>
<language>de</language>
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<title>Liste Femanzen Prof. Dr. Andrea Schmidt</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>F320 <strong>Prof. Dr. Andrea Schmidt</strong> – geboren 1967 - Studium der Erziehungswissenschaften an der TU Berlin und der TU Kaiserslautern - 1992 bis 1994 Sozialarbeiterin mit dem Schwerpunkt Mädchenarbeit und politische Jugendarbeit im Bezirksamt Wilmersdorf/Berlin – 1995 – 2000 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Jugendschwerpunkt des Instituts für Sozialpädagogik an der TU Berlin mit den Schwerpunkten „Planungsprozesse in der Jugendarbeit“, „Drogenarbeit“ und „Feministische Theorie und Praxis“ - 2005 – 2006 Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Erziehungswissenschaft an der TU Berlin mit den Schwerpunkten „Lernen und Entwicklung von Organisationen“ und „Gender Studies“ - 2006 bis 2010 Professorin für Sozialarbeitswissenschaft, Prorektorin und Genderbeauftragte an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld – bietet Beratung und Begleitung von Prozessen an der Schnittstelle von Personalentwicklung und Sozialer Arbeit, Unterstützung bei der Entwicklung und Implementierung von Gender Mainstreaming-Konzepten, Genderkompetenztraings - Seit Oktober 2010 Professorin für sozialpädagogische Handlungskonzepte an der Fachhochschule Potsdam – Mitglied der DGS (Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit) - Forschungsschwerpunkte: Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit, gendersensible soziale Arbeit, Jugendarbeit - Buchveröffentlichungen: „Balanceakt Mädchenarbeit“ (iko-Verlag 2002), „Einmischungen“ mit Tamara Musfeld (iko-Verlag 2005) - a.schmidt@fh-potsdam.de – andrea.schmidt@fhdd.de - <a href="http://www.fh-diakonie.de/obj/Bilder_und_Dokumente/FH_der_Diakonie/Dozenten/Portrait_Schmidt_sw_web.jpg">http://www.fh-diakonie.de/obj/Bilder_und_Dokumente/FH_der_Diakonie/Dozenten/Portrait_Schmidt_sw_web.jpg</a></p>
<p>• …Ergebnisse und Denkanstöße aus dem InterFlex-Seminar „Mediale Inszenierungen von Weiblichkeit und pädagogische Implikationen“<br />
• TV-Castingshows wie „Germanys next Topmodel“ sind nicht unumstritten, ziehen aber regelmäßig große Zahlen an Zuschauer_innen in ihren Bann. Welches Bild ergibt sich, wenn einmal ganz genau hingeschaut wird? Auf welche Weise werden hier Schönheitsideale konstruiert und inszeniert? Was bedeutet das für die teilweise sehr jungen Zuschauer_innen?<br />
• In dem InterFlex-Seminar „Drama Baby – mediale Inszenierungen von Weiblichkeit und pädagogische Implikationen“ haben sich Studierende aus den Bereichen Soziale Arbeit, Europäische Medienwissenschaften und Kulturarbeit unter der Begleitung von Prof. Dr. Andrea Schmidt (Professorin für Sozialpädagogische Handlungskonzepte, FB1) gemeinsam auf die Suche nach Antworten auf diese und andere Fragen begeben.<br />
• Am Donnerstag, den 02.02.2012 werden Forschungsansätze und -ergebnisse des Seminars im Rahmen der Ringvorlesung „Let’s talk about Gender und Diversity“ präsentiert und zur Diskussion gestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.<br />
• Ort: Pappelallee, Hauptgebäude, Hörsaal (Raum 0.67)<br />
Beginn: 18 Uhr<br />
Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Andrea Schmidt, a.schmidt@fh-potsdam.de, 0331-580-1152<br />
• Beide Lehrveranstaltungen sind Teil eines InterFlex-Kooperationsprojektes mit dem Titel „Konstruktiv. Gender, Class, Race &amp; Bodies“ unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Distelmeyer (Europäische Medienwissenschaften), Prof. Dr. Gudrun Perko (Sozialwesen), Prof. Anne Quirynen (Design) und Prof. Dr. Andrea Schmidt (Sozialwesen).<br />
<a href="http://gleichstellungsbuerofhp.blogsport.de/1035384/728x90_default/page/5/">http://gleichstellungsbuerofhp.blogsport.de/1035384/728x90_default/page/5/</a><br />
Ein Vortrag von Prof. Dr. Andrea Schmidt am 3.5. 2012 an der FH Potsdam beschäf¬tigt sich mit diesem Thema.<br />
Frauen in den Medien und Castingshows<br />
In den Medien sind sie präsent, die Bilder von starken, autonomen, selbstbewussten Mädchen sowie jungen Frauen. Wenn man diesen (medialen) Geschlechterinszenierungen Glauben schenken darf, ist in puncto Gleichberechtigung alles erreicht. Die Lebensrealitäten von Mädchen und jungen Frauen sehen jedoch anders aus.<br />
Castingshows an der FH Potsdam näher betrachtet<br />
Vor dem Hintergrund von Individualisierungen von Problemlagen sowie einem Zwang zu Selbstoptimierung zum einen und dem sich Ausdifferenzieren klassischer Geschlechterbilder mit einem erweiterten Spektrum von Weiblichkeit und Männlichkeit zum anderen, zeichnet sich eine gleichzeitige Verfestigung, quasi ein Rollback zu konservativen Werten, Rollenvorstellungen und Selbstinszenierungen ab. Pointiert formuliert: Das Spannungsfeld bewegt sich zwischen erhitzten Debatten um die Einführung der Quote und den Role Models die Heidi Klum mit „Germany‘s next Topmodel“ anbietet. Inwieweit Castingshows wie „Germany‘s next Topmodel“ auf Lebensrealitäten und Selbstinszenierungen von Mädchen und jungen Frauen Einfluss nehmen, soll im Vortrag skizziert werden.<br />
Andrea Schmidt ist Professorin für Sozialpädagogik an der FH Potsdam. Einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte ist gendersensible Soziale Arbeit. Aktuell arbeitet sie im Rahmen eines InterFlex-Projektes zum Thema Castingshows.<br />
Ort/ Zeit<br />
Don¬nerstag, 3. 5. 2012, 18 bis 19.30 Uhr<br />
FH Potsdam, Friedrich-Ebert-Straße 4, 14467 Potsdam, Raum 4070/71<br />
„Let’s talk about Gender und Diversity“ an FH Potsdam<br />
Der Vortrag findet im Rahmen der Ringvorlesung „Let’s talk about Gender und Diversity als berufliche Schlüsselkompetenzen“ statt, die Teil eines Verbundes von drei Veranstaltungen ist. Zu diesem Verbund gehören die Vortrags– und Filmreihe „Das sieht man doch. Inszenierungen von Idetität und Alterität“ und das Seminar „Drama Baby – mediale Inszenierungen von Weiblichkeit und pädagogische Implikationen“. Verantwortlich dafür sind: Dr. Gudrun Perko (Fachbereich Sozialwesen), Prof. Dr. Andrea Schmidt (Fachbereich Sozialwesen), Prof. Anne Quirynen (Fachbereich Design / Europäische Medienwissenschaft) und Prof. Dr. Jan Distelmeyer, Fachbereich Design / Europäische Medienwissenschaft.<br />
InterFlex an FH Potsdam<br />
Das Projekt „InterFlex — Förderung von Interdisziplinarität und Flexibilität zur Integration von Forschung, Wissens– und Technologietransfer in die grundständige Lehre“ der FH Potsdam wurde im Rahmen des vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgeobten Wettbewerbs „Exzellente Lehre“ ausgezeichnet und wird mit Mitteln des Stifterverbandes und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg realisiert.</p>
<p><a href="http://www.stadtstudenten.de/2012/04/castingshows-fh-potsdam/">http://www.stadtstudenten.de/2012/04/castingshows-fh-potsdam/</a></p>
<p>E&amp;C-Konferenz: „Kontrakte, Verbünde, Verbände – die Organisation integrierter Bildungs- und Betreuungsangebote in E&amp;C-Gebieten“<br />
Dokumentation der Veranstaltung vom 15. und 16. Dezember 2004 in Kassel<br />
21<br />
Zur Zeit wird benachteiligten Jugendlichen aufgrund<br />
der schlechten Ergebnisse, die Deutschland<br />
in der aktuellen PISA-Studie erzielt hat,<br />
eine hohe Aufmerksamkeit zuteil. Zentrales<br />
Moment dabei ist die Reproduktion sozialer<br />
Ungleichheiten, die das Schulsystem hervorbringt.<br />
Bildung ist das Schlagwort, allerorten<br />
wird sich im „Schulbashing“ geübt und in diesem<br />
Kontext gleich auch noch die Jugendhilfe,<br />
insbesondere die Jugendarbeit, einer äußerst<br />
kritischen Revision unterzogen. Bezogen auf<br />
Schule geht die Kritik in die Richtung, dass<br />
das System zu stark versäult, zu wenig durchlässig<br />
sei. Es orientiere sich zu wenig an den<br />
Schülerinnen und Schülern, sortiere leitungsschwache<br />
Kinder und Jugendliche zu früh aus<br />
und die Didaktik orientiere sich am „Trichtermodell“,<br />
nach dem Motto: Oben kommt der<br />
Lernstoff hinein und landet dann verwertbar in<br />
den Köpfen der Schülerinnen und Schüler. Bezogen<br />
auf Jugendhilfe und Jugendarbeit geht<br />
die Kritik eher dahin, inwieweit sie überhaupt<br />
genügend „verwertbares“ Wissen bereitstellt<br />
und erzeugungsdidaktisch in die Jugendlichen<br />
implementiert.<br />
In den Diskussionen um die PISA-Ergebnisse<br />
geht es aber nicht nur um die Institutionen,<br />
die Strukturen und die zu vermittelnden Lerninhalte,<br />
sondern auch um die Jugendlichen<br />
selbst. Das Bild was dort von ihnen gezeichnet<br />
wird, ist wenig schmeichelhaft: Da ist von<br />
„faulen Schülern“ die Rede, die mal richtig<br />
„angepackt“ werden müssten (vgl. www.lehrerverband.<br />
de vom 01.12.2004), da wird Leistungsverfall<br />
bei Auszubildenden festgestellt<br />
und den angehenden Studierenden mangelnde<br />
Studierfähigkeit attestiert. Da in keinem anderen<br />
Land der schulische Erfolg so sehr an die<br />
Herkunftsfamilie geknüpft ist wie in Deutschland,<br />
kommen die als „faul“ stigmatisierten<br />
Kinder und Jugendlichen eher aus bildungsfernen<br />
Elternhäusern, sind benachteiligte Jugendliche,<br />
die wiederum eher in jenen sozialen<br />
Brennpunkten zu Hause sind, in denen E&amp;C<br />
tätig ist. Benachteiligte Jugendliche kommen<br />
oft aus schwierigen familiären Verhältnissen,<br />
haben Probleme mit den verschiedenen kulturellen<br />
Milieus, sprechen nur schlecht Deutsch<br />
und haben mit Armut und Ausgrenzung zu<br />
kämpfen. Die Art und Weise, wie Lernen in der<br />
Schule passiert, ist anscheinend nicht die richtige<br />
für diese Jungen und Mädchen. Aktuell<br />
zieht sich verstärkt auch wieder die Genderfrage<br />
durch die Diskussionen, denn Jungen mit<br />
Migrationshintergrund scheitern dramatisch<br />
häufiger als Mädchen in der Schule (Prenzel et<br />
al. 2004).<br />
Die Gescheiterten finden sich dann in den<br />
Statistiken zur Schulmüdigkeit und zur Schulverweigerung<br />
wieder und sie werden im<br />
schlimmsten Fall von den Institutionen aufgegeben<br />
und als unbeschulbar deklariert. Fatal<br />
wäre es nun die Konsequenz zu ziehen, die<br />
Jugendlichen selbst wären das Problem, sondern<br />
die Schlussfolgerung muss sein, dass das<br />
System selbst versagt hat und einer Revision<br />
unterzogen werden muss. Neben einer Auseinandersetzung<br />
damit, wie Schule funktioniert<br />
und was dort vermittelt wird, muss gleichzeitig<br />
diskutiert werden, was unter Bildung zu verstehen<br />
ist.<br />
Überlegungen zu einem erweiterten Bildungsbegriff<br />
In den Diskussionen um PISA spiegelt sich vielfach<br />
ein verkürzter Begriff von Bildung wider,<br />
indem der Grad und mithin die Güte von Bildung<br />
in erster Linie an Formalien festgemacht<br />
wird. Ein Beispiel hierfür ist der so genannte<br />
Bildungskanon. Bei PISA selbst geht es jedoch<br />
auch darum, Aussagen darüber zu treffen, wie<br />
gut Jugendliche vorbereitet sind den Herausforderungen<br />
der Zukunft zu begegnen (Prenzel<br />
et al. 2004, S. 3).<br />
Dieses Anliegen verweist auf einen erweiterten<br />
Bildungsbegriff, der Kinder und Jugendliche<br />
als Subjekte in den Mittelpunkt stellt. Vor<br />
dem Hintergrund eines solch weitgefassten Bildungsbegriffs,<br />
lässt sich die Folgerung ziehen,<br />
dass Bildungspotenziale von Kindern und Jugendlichen,<br />
von Mädchen und Jungen, in der<br />
Anregung zu Selbstbildung und zur Selbstreflexion<br />
liegen. Das bedeutet, dass Kindern und<br />
Jugendlichen Möglichkeiten eröffnet werden<br />
müssen, sich in tätiger Aneignung in ihrer Umwelt,<br />
in ihrem Sozialraum und – weiter gefasst<br />
– in ihrer Lebenswelt zu orientieren und zu lernen.<br />
Dieses Selbstlernen findet in der Regel in<br />
informellen Kontexten statt, in denen sich Kinder<br />
und Jugendliche Kompetenzen für die Bewältigung<br />
von Problemen aneignen. Tätige Aneignung<br />
ist so eine „aktive Erschließung“ der<br />
Lebenswelt, und beschreibt einen Prozess, der<br />
auch für den Erwerb von Schlüsselqualifikationen<br />
oder die Entwicklung personaler Kompetenzen<br />
wichtig ist (Deinet 2002, S. 33f.).<br />
Der Erwerb jener Schlüssel- und Sozialkompetenzen<br />
kommt in schulischen Lernsettings<br />
oftmals zu kurz, diese Kompetenzen sind jedoch<br />
für den schulischen, beruflichen und so-<br />
Andrea Schmidt, Institut für Sozialpädagogik an der Technischen Universität Berlin<br />
Genderorientierte Bildungskonzepte für benachteiligte<br />
Kinder und Jugendliche<br />
E&amp;C-Konferenz: „Kontrakte, Verbünde, Verbände – die Organisation integrierter Bildungs- und Betreuungsangebote in E&amp;C-Gebieten“<br />
Dokumentation der Veranstaltung vom 15. und 16. Dezember 2004 in Kassel<br />
22<br />
zialen Erfolg von Kindern und Jugendlichen<br />
unabdingbar. Informelles Lernen findet in<br />
den von Jungen und Mädchen angeeigneten<br />
Räumen und Orten ihrer Lebenswelt statt.<br />
Orte informellen Lernens können die Straße,<br />
die Bushaltestelle, der Bolzplatz aber auch<br />
Angebote der Jugendarbeit sein. Von großer<br />
Bedeutung ist deshalb die Beschaffenheit der<br />
Strukturen der Lebenswelten, die selbsttätige<br />
Lernprozesse befördern aber auch behindern<br />
können. Für das Praxisfeld der außerschulischen<br />
Jugendarbeit kristallisiert sich hier ein<br />
wichtiger Anknüpfungspunkt heraus, nämlich<br />
dafür Sorge zu tragen, dass die Lebenswelten,<br />
die informellen und halbformellen Orte der Jugendlichen<br />
so gestaltet und erhalten werden,<br />
dass sie Jugendlichen möglichst optimale Rahmenbedingungen<br />
für die Prozesse der tätigen<br />
Aneignung bieten (vgl. Deinet 2002). Hierzu bedarf<br />
es sozialräumlicher und lebensweltlicher<br />
Erkundungen, um zu einem tiefgreifenden Verstehen<br />
der Kinder- und Jugendlichen beizutragen<br />
und eine „sozialräumliche Kundigkeit“ zur<br />
erlangen, wie es Böhnisch und Münchmeier<br />
(1993) formulieren. Kern jener sozialräumlichen<br />
Kundigkeit ist das praktische Wissen<br />
der Professionellen im Sinne einer praktischen<br />
Einmischung im Sozialraum.<br />
Angesichts zunehmender gesellschaftlicher<br />
Pluralität gehört zu einer sozialräumlichen<br />
Kundigkeit der Pädagoginnen und Pädagogen<br />
zunehmend mehr die Wahrnehmung von Heterogenität,<br />
sowohl bezogen auf kulturelle und<br />
schichtspezifische Differenz, als auch bezogen<br />
auf geschlechtsdifferente Vielfalt.<br />
Zur geschlechtsspezifischen Arbeit mit Mädchen<br />
und Jungen<br />
Kinder und Jugendliche bedürfen offener anregender<br />
Lernsettings, sie bedürfen einer „Kultur<br />
des Aufwachsens“, die Mädchen und Jungen<br />
aufnimmt, sie einbindet und nicht ausgrenzt.<br />
Hierfür werden pädagogische Konzepte benötigt,<br />
die Mädchen und Jungen in ihrer Verschiedenheit<br />
wahrnehmen und auf sie eingehen<br />
können. Geschlecht ist noch immer die<br />
zentrale Strukturkategorie, so ist zum Beispiel<br />
die Bewältigung von Armut, Ausgrenzung und<br />
Benachteiligung bei Mädchen und Jungen verschieden.<br />
Mädchen ziehen sich eher zurück als<br />
Jungen, machen mehr mit sich aus, sind angepasster.<br />
Jungen agieren eher nach außen,<br />
sind aggressiver und oft zerstörerisch. Jungen<br />
kommt aus diesem Grunde in der Regel mehr<br />
Aufmerksamkeit seitens der Jugendarbeit zu<br />
als Mädchen. Gleichwohl gibt es auch eine<br />
andere Seite der Geschlechterdifferenz, die zunehmend<br />
mehr in den Blick genommen wird:<br />
Dass Mädchen immer öfter aggressives Verhalten<br />
an den Tag legen und Jungen schlechtere<br />
schulische Leistungen erbringen. Wer ist denn<br />
nun das benachteiligtere Geschlecht? So eindeutig,<br />
wie diese Frage noch vor einigen Jahren<br />
beantwortet wurde, ist dies heute nicht mehr<br />
möglich, denn Modernisierungsgewinner und<br />
-verlierer finden sich bei beiden Geschlechtern.<br />
Die Lebenslagen haben sich ausdifferenziert<br />
und oftmals sind größere Unterschiede unter<br />
Mädchen oder unter Jungen zu verzeichnen,<br />
als zwischen Mädchen und Jungen. Ist also<br />
die Erkenntnis, dass es (mindestens) zwei Geschlechter<br />
gibt für die Pädagogik obsolet? Nein<br />
- zwar haben Angleichungen auf individueller<br />
Ebene zwischen den Geschlechtern stattgefunden,<br />
die strukturellen Elemente und Mechanismen<br />
die zur Benachteiligung von Mädchen und<br />
Frauen führen, tangiert dies jedoch kaum (vgl.<br />
Schmidt 2002). Aus diesem Grund dürfen, trotz<br />
der desaströsen PISA-Ergebnisse bezogen auf<br />
Migrantenjungen, die Belange von Mädchen<br />
nicht ausgeblendet werden. So haben es Mädchen<br />
und junge Frauen trotz besserer Schulleistungen<br />
in der Regel schwerer, einen adäquaten<br />
Ausbildungsplatz zu bekommen bzw. ihre<br />
Qualifikationen in gleichem Maße in Karrierewege<br />
umzusetzen wie Jungen.<br />
Im Rahmen von Mädchenarbeit geht es<br />
deshalb darum, Mädchen und junge Frauen<br />
in ihrem Eingliederungsprozess in das hierarchische<br />
Geschlechterverhältnis zu unterstützen<br />
und gleichzeitig das Geschlechterverhältnis zu<br />
dekonstruieren. Dieses Anliegen ist stark verwoben<br />
mit der Verknüpfung von Mädchenarbeit<br />
mit Mädchenpolitik. Problemlagen von<br />
Mädchen sollen eben nicht nur individualisiert<br />
betrachtet werden, sondern strukturell. Das<br />
System der Zweigeschlechtlichkeit soll als<br />
Konstruktion transparent gemacht und Erfahrungs-<br />
und Bewegungsräume von Mädchen erweitert,<br />
beziehungsweise neu eröffnet werden.<br />
In der Jungenarbeit steht die Auseinandersetzung<br />
mit tradierten Bildern von Männlichkeit<br />
sowie die Erweiterung des Rollenspektrums<br />
im Mittelpunkt. Bei den Pädagoginnen und<br />
Pädagogen sind relativ klare Vorstellungen darüber<br />
existent, wie Mädchen und Jungen benachteiligt<br />
sind und was Mädchen und Jungen<br />
im Rahmen ihrer geschlechtlichen Entwicklung<br />
brauchen. Mädchenarbeit, mehr noch als<br />
Jungenarbeit, beschreibt mit ihren Standards<br />
sehr präzise Anforderungen an das pädagogische<br />
Feld, an die Pädagoginnen und an die<br />
Jugendlichen selbst, entwirft damit einen engen<br />
pädagogisierten Raum und transportiert<br />
ein relativ starres, lineares Bildungsparadigma<br />
(vgl. Schmidt 2002). Ein solches Ideal von Bildung<br />
wird den Ansprüchen von Selbstbildung,<br />
Selbstreflexion, Selbsttätigkeit und Selbstausdruck<br />
der Jugendlichen wenig gerecht. Eine<br />
solche Arbeit liegt gleichzeitig auch quer zu<br />
E&amp;C-Konferenz: „Kontrakte, Verbünde, Verbände – die Organisation integrierter Bildungs- und Betreuungsangebote in E&amp;C-Gebieten“<br />
Dokumentation der Veranstaltung vom 15. und 16. Dezember 2004 in Kassel<br />
23<br />
den Bestrebungen der Träger und Institutionen<br />
im Sozialraum sich zu öffnen (vgl. Rose 2002).<br />
Womöglich verstellt diese starke Konzeptionalisierung<br />
der geschlechterdifferenten Arbeit<br />
auch die erforderliche sozialräumliche Kundigkeit<br />
seitens der Pädagoginnen und Pädagogen.<br />
Der Spagat den Pädagoginnen und Pädagogen<br />
hier leisten müssen liegt in der Erkundung der<br />
Lebenswelt von Mädchen und Jungen, ohne<br />
sich den Blick durch vorhandene Wissensbestände<br />
über die Lebenslagen von Mädchen<br />
und Jungen zu verstellen (Rose 2002, S. 75).<br />
Diese Wissensbestände bzw. Vorannahmen<br />
über Mädchen und Jungen, lassen Befunde<br />
zu Mädchen- und Jungenwelten zu immer gültigen<br />
Wahrheiten gerinnen, „bei denen alles<br />
klar ist“ (Ebenda).<br />
Eine genderorientierte sozialräumliche<br />
Kundigkeit hingegen braucht die Öffnung<br />
des Blicks der im Sozialraum aktiven Pädagoginnen<br />
und Pädagogen, um die Mädchen<br />
und Jungen und ihre Lebensrealitäten sowie<br />
Lebensperspektiven wirklich wahrnehmen zu<br />
können. Ich möchte noch einmal klarstellen:<br />
Ich rede hier nicht gegen spezifische Angebote<br />
für Mädchen und Jungen, aber ich denke,<br />
Mädchen- und auch Jungenarbeit muss sich<br />
mehr öffnen hin zu geschlechtsheterogenen<br />
Angeboten der Jugendarbeit und Schule. Sie<br />
muss flexibler werden bezogen auf ihre Adressatinnen<br />
und Adressaten, um das Selbstlernen<br />
jener zu befördern und sie muss andere zentrale<br />
Kategorien wie Schicht und Ethnie einbeziehen.<br />
Es sollten deshalb weniger die besonderen<br />
Problemlagen von Mädchen und Jungen<br />
im Vordergrund stehen, sondern vielmehr der<br />
Bedarf an Unterstützung, den Mädchen und<br />
Jungen im Prozess der Herstellung ihrer Geschlechtsidentität<br />
selbst einfordern. Es geht<br />
um die Entdramatisierung von Geschlecht. Vor<br />
dem Hintergrund des zuvor skizzierten erweiterten<br />
Bildungsbegriffs, scheint ein Perspektivenwechsel<br />
von einem linearen Bildungsparadigma<br />
hin zu mehr Partizipation geboten:<br />
Partizipation sollte das Prinzip der Arbeit sein<br />
und sich in Beteiligungsprojekten umsetzen.<br />
Widerspiegeln sollte sich Partizipation auch in<br />
der selbstreflexiven Haltung der Pädagoginnen<br />
und Pädagogen gegenüber eigenen Mädchenund<br />
Jungenbildern.<br />
Anforderungen an Pädagoginnen und<br />
Pädagogen<br />
Sozialisationsinstanzen werden oftmals benachteiligten<br />
Kindern und Jugendlichen nicht<br />
gerecht. In der Schule funktionieren die Selektionsmechanismen<br />
durch Sitzenbleiben oder<br />
das Hinunterstufen auf den niedrigeren Schultyp.<br />
In der Jugendarbeit wird durch spezifische<br />
Konzeptionen oder Angebote selektiert. Um<br />
die potenziellen Folgen dieser Ausgrenzung<br />
zu kompensieren, werden dann Präventionsprogramme<br />
aufgelegt. Das bedeutet, dass die<br />
ausgegrenzten Jugendlichen als präventionsbedürftig<br />
stigmatisiert werden und nicht die in<br />
den Sozialisationsinstanzen beschäftigen Erwachsenen<br />
und ihr ausgrenzendes und mithin<br />
dysfunktionales Handeln reflektiert wird. Jene<br />
Reflexion könnte jedoch einen Paradigmenwechsel<br />
bewirken und den Fokus erweitern<br />
von einem Randphänomen (der benachteiligten<br />
Mädchen und Jungen) zu einem Problem<br />
der Mitte (der Erwachsenen).<br />
Das eben Ausgeführte ist ein Plädoyer für die<br />
Akzeptanz und Anerkennung von Mädchen und<br />
Jungen in ihrem „So sein“. Für Pädagoginnen<br />
und Pädagogen, insbesondere im Kontakt mit<br />
benachteiligten Jugendlichen, beschreibt dies<br />
eine große Herausforderung, denn gerade<br />
jene Kinder und Jugendlichen bewegen sich in<br />
einem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld,<br />
welches sich oftmals konträr zu den bürgerlich-<br />
mittelschichtsorientierten Lebenswelten<br />
von Pädagoginnen und Pädagogen verhält. Bezogen<br />
auf Gender kann festgehalten werden,<br />
dass gerade bei benachteiligten Kindern und<br />
Jugendlichen häufig stark tradiertes Rollenverhalten<br />
festzustellen ist, bieten diese Konstruktionen<br />
doch Sicherheit und Verlässlichkeit innerhalb<br />
eines ausgrenzenden gesellschaftlichen<br />
Umfelds. Für Pädagoginnen die zum Beispiel<br />
mit Mädchen in sozialen Brennpunkten arbeiten,<br />
bedeutet Partizipation, Akzeptanz und<br />
Annerkennung dann, das Verhalten von Mädchen<br />
auch dann nicht zu sanktionieren, wenn<br />
sie sich analog tradierter Geschlechterstereotypen<br />
verhalten und sich nun unter Umständen<br />
auf einer Reise für das Essenkochen zuständig<br />
fühlen, nie etwas ohne die Jungen machen<br />
wollen, wenn Mädchen mit Migrationshintergrund<br />
sehr stark angepasst sind oder – extrem<br />
akzeptanzstrapazierend – wenn Mädchen tragischerweise<br />
ganz jung schwanger werden.<br />
Gründe hierfür müssen ja nicht im Versagen<br />
der Pädagogin oder in einer Veränderungsresistenz<br />
der Mädchen liegen, sondern schlicht und<br />
einfach darin, dass Mädchen, insbesondere in<br />
der Pubertät und Adoleszenz, andere Dinge im<br />
Kopf haben als die Problematik der Geschlechtergerechtigkeit.<br />
Diese Erkenntnis kann für Pädagoginnen<br />
wirklich hart sein, denn die Arbeit<br />
mit Mädchen ist ein persönlich aufgeladenes<br />
Feld und immer sind Pädagoginnen mit ihren<br />
eigenen Lebensgeschichten und ihren eigenen<br />
Emanzipationsvorstellungen in die Arbeit mit<br />
Mädchen verstrickt.<br />
Akzeptanz und Partizipation als unabdingbare<br />
Anerkennung des Subjektstatus von Mädchen<br />
und Jungen zu definieren, birgt in der Praxis<br />
von Jugendarbeit, insbesondere im Umgang<br />
E&amp;C-Konferenz: „Kontrakte, Verbünde, Verbände – die Organisation integrierter Bildungs- und Betreuungsangebote in E&amp;C-Gebieten“<br />
Dokumentation der Veranstaltung vom 15. und 16. Dezember 2004 in Kassel<br />
24<br />
mit benachteiligten Jugendlichen die Chance,<br />
Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen zu<br />
entpathologisieren: Mädchen und Jungen sind<br />
aktiv Handelnde im Hier und Jetzt, Mädchen<br />
und Jungen sind nicht einfach Mädchen und<br />
Jungen, sondern sie sind es, weil sie es tun und<br />
weil Pädagoginnen und Pädagogen mittun. An<br />
Pädagoginnen und Pädagogen stellt dies die<br />
Anforderung, das eigene Handeln, die eigenen<br />
Identifizierungen, Abwehrmechanismen,<br />
Deutungsmuster und Verdeckungszusammenhänge<br />
immer wieder zu reflektieren. Dazu gehört<br />
auch sich einzugestehen, dass Mädchen<br />
und Jungen einen manchmal nerven, albern<br />
und zickig sind und scheinbar unverständlich<br />
handeln. Dazu gehört zu zugeben, dass man<br />
so manchen Jugendlichen manchmal am liebsten<br />
aus der Einrichtung werfen würden oder<br />
– was Streetwork anbelangt – den Kontakt am<br />
liebsten abbrechen würde. Dies ist vor dem<br />
Hintergrund der Arbeitsbelastung und dem<br />
Erfolgsdruck (hier sei als Stichwort die „Feuerwehrfunktion“<br />
benannt) nachvollziehbar.<br />
Dennoch: Die Professionalität gestattet es<br />
nicht, sich des Akzeptanzparadigmas sowie<br />
der Durchsetzung Forderung nach Selbsttätigkeit<br />
und Selbstreflexion zu entledigen und sich<br />
der Negativrethorik über „faule“ Jugendliche<br />
anzuschließen. Pädagoginnen und Pädagogen<br />
können nicht das ganze Lebensumfeld der<br />
Mädchen und Jungen ändern und gesellschaftliche<br />
Missstände wie fehlende Perspektiven,<br />
schlechte Bildungsmöglichkeiten, zu wenig<br />
Ausbildungsplätze etc. beheben, aber sie können<br />
und müssen dies immer wieder thematisieren.<br />
Dies ist das politische Mandat von Pädagoginnen<br />
und Pädagogen gerade wenn sie<br />
in sozialen Brennpunkten tätig sind.<br />
Zusammenfassung – Anknüpfungspunkte<br />
für ein Bildungskonzept für benachteiligte<br />
Jugendliche<br />
Zuvor wurde für einen offeneren Umgang mit<br />
Jugendlichen plädiert, sowohl konzeptionell als<br />
auch in der konkreten praktischen Arbeit. Von<br />
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, sich<br />
immer wieder zu vergegenwärtigen, welche<br />
Ziele, Zielgruppen und Rahmenbedingungen<br />
gesetzt sind, damit die pädagogische Arbeit<br />
nicht zum Selbstzweck wird.<br />
In der Arbeit mit benachteiligten Jungen und<br />
Mädchen sollte die Integration in die Gesellschaft,<br />
in die Schul- und Arbeitswelt Priorität<br />
haben. Von Bedeutung ist hierbei zunehmend<br />
die Vermittlung und Förderung sozialer Kompetenzen,<br />
denn diese sind wichtige Grundlagen,<br />
um überhaupt die Anforderungen einer<br />
Ausbildung bewältigen zu können. Hierfür ist<br />
Jugendarbeit ein zentraler Ort, denn es bedarf<br />
in der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen<br />
niedrigschwelliger Angebote bzw. Streetwork,<br />
um sie zu erreichen. Bezogen auf Genderorientierung<br />
bedeutet dies, dass es eben manchmal<br />
durchaus doch sinnvoll ist für Mädchen oder<br />
Jungen spezifische Angebote zu machen, und<br />
es bedeutet, geschlechtsdifferenzierte Arbeit<br />
in allen Bereichen der Jugendhilfe als Querschnittaufgabe<br />
zu begreifen. Da im Rahmen der<br />
außerschulischen Jugendarbeit nur ein kleiner<br />
Ausschnitt von Jugendlichen erreicht wird,<br />
muss auch in der Schule der geschlechtssensible<br />
Blick der Pädagoginnen und Pädagogen als<br />
Querschnittsanforderung installiert werden.<br />
Gerade benachteiligte Jugendliche brauchen<br />
die Erfahrung, dass sie ernst genommen werden<br />
und dass ihnen etwas zugetraut wird. Die<br />
Erfahrung, dass jemand wirklich was von ihnen<br />
will, dass jemand wirklich an ihnen interessiert<br />
ist, machen sie im Rahmen solcher Arbeit oftmals<br />
das erste Mal in ihrem Leben. Den Mädchen<br />
und Jungen muss klar gemacht werden,<br />
dass sie etwas können, dass sie Ressourcen<br />
haben. Vielfach können die Jugendlichen dies<br />
selbst gar nicht mehr wahrnehmen, da ihnen<br />
die Sicht auf diese Aspekte ihrer Persönlichkeit<br />
verstellt ist, angesichts der Ablehnung die ihnen<br />
in der Regel kalt ins Gesicht bläst. Dass<br />
die Unterstützung in diesem Lernprozess „etwas<br />
wert zu sein“ bzw. „jemand zu sein“ einen<br />
langen (pädagogischen) Atem braucht versteht<br />
sich von selbst.<br />
Was bisher formuliert wurde soll jetzt nicht in<br />
einem Plädoyer für mehr Offenheit in der pädagogischen<br />
Praxis münden, denn damit kann<br />
ja kaum jemand etwas anfangen. Vor dem Hintergrund<br />
dessen was bisher ausgeführt wurde,<br />
können für das Agieren von Pädagoginnen und<br />
Pädagogen folgende Konsequenzen gezogen<br />
werden:<br />
Pädagoginnen und Pädagogen müssen<br />
Mädchen und Jungen als Subjekte in ihrer<br />
Widersprüchlichkeit anerkennen. D.h.,<br />
wenn Mädchen und Jungen ihre Bedürfnisse<br />
nicht artikulieren können, müssen sie<br />
im täglichen Umgang mit ihnen in Erfahrung<br />
gebracht werden.<br />
Die Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen<br />
ist es, einen Rahmen zu schaffen, in<br />
dem diese Suchbewegungen ihren Raum<br />
und ihren Ort haben.<br />
Pädagoginnen und Pädagogen tragen die<br />
Verantwortung dafür, dass das Subjektsein<br />
von Mädchen und Jungen öffentlich gemacht<br />
wird und sie müssen sich für die Akzeptanz<br />
des Subjektseins der Jugendlichen<br />
einsetzen.<br />
Pädagoginnen und Pädagogen müssen sich<br />
immer und immer wieder die eigenen Konstruktionen<br />
über Mädchen und Jungen bewusst<br />
machen und sich mit ihren Wunsch-<br />
bildern konfrontieren.<br />
Daraus folgt, sich die heimlichen Messlatten,<br />
die an das Handeln und an die<br />
Selbstinszenierungen von Mädchen und<br />
Jungen gelegt werden, transparent zu machen.<br />
Pädagoginnen und Pädagogen müssen<br />
die Herausforderung annehmen, die sich<br />
ergibt, wenn Mädchen und Jungen so anders<br />
sind als es den eigenen Vorstellungen<br />
entspricht.<br />
Pädagoginnen und Pädagogen müssen in<br />
den unterschiedlichen Bereichen der Jugendhilfe<br />
und Schule paritätisch miteinander<br />
kooperieren.<br />
Pädagoginnen und Pädagogen müssen den Jugendlichen<br />
Stabilität und Sicherheit vermitteln,<br />
sie einbinden ohne sie zu würgen, möglichst<br />
große Offenheit bei der Ziehung der „pädagogischen<br />
Leitplanken“ walten lassen und in der<br />
Lage sein, Neugier bei Kindern und Jugendlichen<br />
zu wecken.<br />
Vor diesem Hintergrund ergeben sich zentrale<br />
Eckpunkte für ein Bildungskonzept sowohl<br />
bezogen auf Jugendarbeit als auch auf Schule<br />
für (benachteiligte) Mädchen und Jungen fast<br />
von selbst. So müssen Möglichkeiten bereitgestellt<br />
werden, die einen weitgehend selbstbestimmten<br />
Wissenserwerb erlauben. Das<br />
Handlungsspektrum der Jugendlichen muss<br />
durch die Weiterentwicklung von Sozial- und<br />
Alltagskompetenzen, dem Aufbrechen von Geschlechterstereotypen<br />
sowie der Übernahme<br />
von Verantwortung für sich und andere erweitert<br />
werden.<br />
Die konkrete strukturelle, inhaltliche und<br />
praktische Ausgestaltung dieser Aspekte müssen<br />
die Professionellen zusammen mit den Jugendlichen,<br />
mit denen sie arbeiten, selbst aushandeln,<br />
hier lässt sich pauschal kein Konzept<br />
entwickeln.<br />
Wenn jedoch diese Gesichtspunkte zur Ausgangsbasis<br />
des pädagogischen Denkens und<br />
Handelns gemacht werden und Kolleginnen<br />
und Kollegen sich in einen Austausch darüber<br />
begeben, was sie für Anforderungen an<br />
die (Bildungs)Arbeit mit Mädchen und Jungen<br />
haben, dann ist dies ein Schritt zu einer verbindlichen<br />
Ebene der Übereinkunft, die eine<br />
gegenseitige kritische Auseinandersetzung zur<br />
Weiterentwicklung der Arbeit befördern kann.<br />
Um dies alles zu gewährleisten müssen sich<br />
ebenfalls die Institutionen mit ihren Strukturen<br />
ändern. Hier seien nur als Stichworte Entsäulung<br />
der Ämter, die Zusammenarbeit von Jugendhilfe<br />
und Schule und die Organisation<br />
Schule selbst benannt. Erst wenn Jugendarbeit<br />
bzw. weiter gefasst Jugendhilfe insgesamt<br />
und Schule aufhören qua ihrer Strukturen Ungleichheiten<br />
zu reproduzieren, erst dann wird<br />
das was Mädchen und Jungen, was uns allen<br />
helfen würde, nämlich Gleichheit in der Differenz<br />
zum Mainstream zu machen, Wirklichkeit<br />
werden.<br />
Literatur:<br />
Böhnisch, L., Münchmeier, R. (1993): Pädagogik<br />
des Jugendraums. Weinheim/München<br />
Deinet, U. (2002): Der qualitative Blick auf Sozialräume<br />
als Lebenswelten. In: Deinet, U.,<br />
Krisch, R. (Hg.): Der sozialräumliche Blick<br />
der Jugendarbeit. Methoden und Bausteine<br />
zur Konzeptentwicklung und Qualifizierung.<br />
Opladen, S. 31-44<br />
Deutscher Lehrerverband: Pisa II: darum sind<br />
unsere Schüler so schlecht. www.lehrerverband.<br />
de (1.12.2004)<br />
Rose, L. (2002): Und wo bleibt die Geschlechterorientierung<br />
in einer sozialräumlichen<br />
Jugendarbeit? In: Deinet, U., Krisch, R. (Hg.):<br />
Der sozialräumliche Blick der Jugendarbeit.<br />
Methoden und Bausteine zur Konzeptentwicklung<br />
und Qualifizierung. Opladen, S.<br />
69-86<br />
Prenzel, M., Baumert, J., Blum, W., Lehmann,<br />
R., Leutner, D., Neubrandt, M., Pekrun, R.,<br />
Rolff, H-G., Rost, J., Schiefele, U. (Hg) 2004:<br />
PISA 2003. Ergebnisse des zweiten internationalen<br />
Vergleichs. <a href="http://www.Pisa.ipn.uni-kiel.de">www.Pisa.ipn.uni-kiel.de</a><br />
(1.12.2004)<br />
Schmidt, A. (2002): Balanceakt Mädchenarbeit.<br />
Beiträge zu dekonstruktiver Theorie und Praxis.<br />
Frankfurt/Main/London<br />
Schmidt, A. (2004): „Girls Day – Boys Day”.<br />
Überlegungen zur Berufsorientierung von<br />
Mädchen und jungen Frauen. In: PÄD Forum:<br />
unterrichten erziehen. Heft 5, 32./23. Jg., S.<br />
305-308<br />
Autorin:<br />
Dr. Andrea Schmidt, Diplompädagogin, MA in<br />
Personalentwicklung, Dozentin in der Fortund<br />
Weiterbildung<br />
Wissenschaftliche Assistentin am Jugendschwerpunkt<br />
des Instituts für Sozialpädagogik<br />
an der Technischen Universität Berlin<br />
Arbeitsschwerpunkte: außerschulische<br />
Jugendarbeit, Gender Studies, Lernende<br />
Organisationen.<br />
Kontakt:<br />
TU Berlin<br />
Institut für Sozialpädagogik<br />
Franklinstr. 28/29<br />
10587 Berlin<br />
phone (d): 030 31473275<br />
phone (p): 030 43407707<br />
email: andrea.schmidt@tu-berlin.de<br />
<a href="http://www.eundc.de/pdf/21005.pdf">http://www.eundc.de/pdf/21005.pdf</a></p>
<p><br />
<a href="http://sozialwesen.fh-potsdam.de/fb1schmidt.html">http://sozialwesen.fh-potsdam.de/fb1schmidt.html</a></p>
]]></content:encoded>
<link>https://wgvdl.com/forum3/index.php?id=49223</link>
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<pubDate>Sun, 28 Dec 2014 09:45:57 +0000</pubDate>
<category>Liste Femanzen</category><dc:creator>Oberkellner</dc:creator>
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