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Die Bedeutung der Mutterschaft in der Flickwerkfamilie (Familie)

Mus Lim ⌂, Sonntag, 19.08.2012, 12:11 (vor 2990 Tagen)

Die Bedeutung der Mutterschaft in der Flickwerkfamilie

Das Deutschlandradio umschrieb die Zersetzung der Familie in seinem Beitrag am 2. August 2012 euphemistisch mit "Pluralisierung der Familie". Schöner kann Neusprech nicht sein.
"Mutter, Vater, Kind ist eher die Ausnahme, es gibt immer mehr Patchworkfamilien. Eine neue Studie hat die Pluralisierung der Familie unter soziologischen und juristischen Aspekten genauer untersucht. Die Wissenschaftler wollten zum Beispiel wissen, ob das geltende Familienrecht der gelebten familiären Vielfalt überhaupt noch gerecht wird."

Für die Studie "Pluralisierung von Elternschaft und Kindschaft" hat Prof. Laszlo Vaskovics, Soziologe an der Universität Bamberg mit dem Schwerpunkt Familienforschung, unterschiedlichen Familientypen untersucht. Ein Ergebnis:
"Ich stellte fest, dass eine gewisse abnehmende Bedeutung der Blutsverwandtschaft bei parallel zunehmenden Kenntnissen der eigenen Abstammung gibt, sowie eine immer stärker werdende Dominanz der Mutter-Kind-Beziehung als eine Konstante bei all diesen Veränderungen." [6]

Im Klartext gesprochen bedeutet das ganzes Patchwork-Wirrwarr in der Praxis im Prinzip immer einen munteren Väteraustausch, während die Mutter kraft ihrer unangreifbaren Alleinherrschaft durchaus bleibt, die Blutsverwandtschaft also bei Müttern sogar noch wichtiger wird und ihre Bedeutung nur bei Vätern beständig abnimmt, weil man sie seitens Mutter und Staat schneller denn je entsorgen oder austauschen kann.[7]

Eine Anwältin kommentiert die Folgen für die Kinder so:
"Grundsätzlich kann man sagen, dass Kinder immer in einen Loyalitätskonflikt verwickelt werden. Wenn neben dem gesetzlichen Vater, wenn dann ein neuer Vater in das Leben eines Kindes tritt. Das Kind, je nachdem wie alt es ist, kann oft gar nicht unterscheiden: Was heißt denn mein biologischer Vater, was heißt mein gesetzlicher Vater? Und ich glaube, dass die Konflikte zunehmen, weil die Kinder die Unterscheidung nicht verstehen. Was ist gesetzlich, was ist der biologische Vater? Und weil natürlich oft der gesetzliche Vater sich aus seiner Rolle gedrängt fühlt." [6]

Offenbar unterschätzt man Kinder in ihrem Vermögen, auch komplexe Zusammenhänge intuitiv und emotional begreifen zu können. Kinder erkennen schon rein instinktiv, dass Väter austauschbar geworden sind. Was das besonders für Jungen in Bezug auf ihre spätere Vaterrolle und für Maiden in Bezug auf ihre spätere Partnerwahl bedeutet, mag man sich gar nicht ausmalen.

Soziale Einheit?

Es wird munter drauflos schwadroniert, das es für Kinder nicht so wichtig sei, welche offiziellen Funktionen ihre Eltern haben - für Kinder zähle vor allem, wer sich wirklich um sie kümmere. Im Soziologensprech hört sich das so an:
"In der gelebten Familie, auch in Patchworkfamilien, ist die soziale Elternschaft das Wichtigste. Sonst könnte diese soziale Einheit nicht funktionieren. Also hier wird die soziale Elternschaft sehr hoch bewertet durch die unmittelbar Betroffenen. Dies ist auch die Lösung, in Anführungszeichen gesagt für die unmittelbar Betroffenen." [6]

Es bleibt offen, woher Soziologe Vaskovics den Optimismus hernimmt, soziale Einheit ließe sich beliebig herstellen, so wie sich an jeder beliebigen Tankstellen sein Auto volltanken lässt. Die Behauptung, soziale Einheit könne funktionieren, wo man doch gerade der beliebigen Auflösbarkeit sozialer Einheiten das Wort redet, ist ausgemachter Unfug. Gerade die frühkindlich gemachte Erfahrung, dass soziale Einheiten beliebig aufgelöst werden können, dürfte dazu führen, sozialen Einheiten mit Missbrauen in Bezug auf ihre Verlässlichkeit und Beständigkeit zu begegnen und die Bereitschaft, in soziale Einheit zu investieren, dürfte eher abnehmen.

Vor diesem Hintergrund sind geschraubte Aussagen wie "In der gelebten Familie, auch in Patchworkfamilien, ist die soziale Elternschaft das Wichtigste." nichts als inhaltsleerer Zweckoptimismus.

Auszug aus WikiMANNia: Flickwerkfamilie

[6] Anja Arp: Von der Kleinstfamilie zum Patchwork. Eine Studie zur Pluralisierung der Familie., Deutschlandradio am 2. August 2012
[7] TrennungsFAQ-Forum: "Studie zur Pluralisierung der Familie", P am 17. August 2012 - 16:04 Uhr

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