Re: Da ises
Als Antwort auf: Da ises von Odin am 04. Mai 2004 17:57:08:
Hi, Ihrs,
na, diese Ausgabe ist ja voll von Demagogie und Polemik:
Der Schriftsteller Maxim Biller hat das gemacht, wovon er lebt. Er hat ein Buch geschrieben. Nun glauben einige ganz besonders wichtige Menschen, dieses Buch handele von ihnen. Und NUR von Ihnen! Mit Begünstigung durch die Münchner Justiz, von der ja immer wieder viel Aufschlussreiches zu berichten ist, haben diese Herrschaften Billers Buch Esra verbieten lassen. Der Roman verletze die Persönlichkeitsrechte von Billers Ex-Freundin und deren Mutter. ( ) In der jetzt vorliegenden Fassung werde das Recht der Frauen am eigenen Lebensbild verletzt. http://www.st.gallen.ch/news/detail.asp?ID=173854 Liberalitas bavariae nennt man das, und in der praktischen Realität könnte es einem Publikationsverbot recht nahe kommen. Mal sehen, ob es den beiden Tussis gelingt, noch ein paar Bücher Billers verbieten (oder verbrennen?) zu lassen. Die bayerische Justiz scheint jedenfalls bereit.
Das nenne ich auf jeden Fall polemisch, weil hier nicht gesagt wird, ob das Buch als Schlüsselroman zu verstehen ist oder nicht. Wenn ja, haben die Leute, wenn ihr Persönlichkeitsrecht nicht gewahrt wird, selbstverständlich ein Recht auf Klage! Das kann ihnen keine Rote Männerinfo absprechen.
Über wahre Mutterliebe berichtete am 22. April die taz: Für 30 Euro hat Sokha ihre 12-jährige Tochter an Schlepper verkauft. Leakana sollte Geld verdienen. In Bangkok hat sie Rosen verkauft. Und ihren Körper. Jetzt ist sie zurück bei der Mutter. Sie sagt: Ich habe ihr verziehen. Die Mutter fühlt sich betrogen. Die 30 Euro hat sie nie gesehen.
Hier wird suggeriert, dass alle Mütter so ihre Mutterliebe zeigen, ja, dass Mutterliebe sich vor allem in solchen Aktionen zeigt. Ich frage mich, wie der Autor wohl von seiner eigenen Mutter behandelt worden ist und ob er ihr wenigstens am 09.05. mehr Dankbarkeit zeigt als er es in diesem Text tut. Denn offensichtlich hat sie ihn so erzogen, dass er in der Lage war, Lesen und Schreiben zu lernen und ihn so gefüttert und gekleidet, dass er in der Lage ist, heute noch zu leben.
<>Dann war auch wieder Girls Day. (Reichsmädchentag hätte wohl unanständig geklungen, so erklärt sich der Anglizismus.) Nicht so in Brandenburg, wo wir einen erstaunlich unverblödeten Umgang mit diesem Tag feststellten: Brandenburg ist bislang das einzige Bundesland, das am Girls' Day auf Gleichberechtigung setzt. Wir sind davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist, sagt Günter Baaske, Brandenburgs Arbeits- und Gleichstellungsminister. Man sollte den Tag nicht auf Mädchen reduzieren, sondern Jungen und Mädchen die Augen öffnen für Berufsbilder, die bislang geschlechtstypisch besetzt sind. Bereits zum zweiten Mal sind nun auch die Jungs zum Praxis-Tag eingeladen. Bravo! <A
artikel/564/30534/[/link]
Der Ausdurck "Reichsmädchentag" setzt Feminismus mit Faschismus gleich. Das ist Demagogie pur!
Die Mutter aller Benachteiligungen: Große Männer erhalten höhere Einkommen als kleine, und zwar um 0,6 Prozent für jeden Zentimeter mehr. Bei Frauen ist eine vergleichbare Tendenz nicht feststellbar. Allerdings werden stark übergewichtige Frauen am Arbeitsmarkt schwer benachteiligt. Das Schlimmste was einem also passieren kann, ist dass man ein kleiner, stark übergewichtiger weiblicher Mann wird. Eine Horrorvorstellung! [link=http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/artikel/649/30619/"
Männer sind nicht weiblich. Per definitionem nicht. Und wenn Männer weniger Geld kriegen, wenn sie klein sind - wer ist dann dafür verantwortlich?Ihre Chefs. Wer sind die Chefs in der Mehrheit? Genau! Männer. Dennoch wird indirekt suggeriert, Frauen seien an dieser Benachteiligung in irgendeiner Weise schuld.
3. Claudia Pinl, Geronto-Emanze aus Alice Schwarzers Peergroup, beschwor eifernd den Geschlechterfaschismus. Männer gäben sich demnach selbst als Normmenschen aus. Die Analogie zu Über- und Untermenschen ist selbstverständlich gewollt. Damit fällt der Vorwurf aber auf Frau Pinl zurück!
Männer sind die Norm. Die Rente orientiert sich an der typisch männlichen Biographie: Ausbildung, Vollerwerbszeit, keine Kindererziehungszeiten, Rente. Die weibliche Biographie, Ausbildung, Kinder, teilweise Kindererziehungszeiten, Teilzeitarbeit kommt in der Rente sehr viel schlechter weg. Frauen bekommen nur gleiche Rente bei der gleichen Art von Biographie. Kinder haben kostet - und Frauen ganz besonders.
Eine Unterdrückung immerhin, die zur Folge hatt, dass diese kleinen Luder etliche Jahre länger leben. Denn sie arbeiten nicht nur im Schnitt sehr viel weniger. Sie erledigen auch die bei weitem leichteren Arbeiten. In den USA erleiden Männer 95 Prozent der tödlichen Berufsunfälle, weil sie fast zu 100 Prozent die sogenannten Todesberufe ausüben. (Die dann noch übrig bleiben, leben deswegen aber auch nicht annähernd so lange wie Frauen, wie ein simpler Blick in die Altersheime zeigt. Auch ein deutscher Mann, der das 60. Lebensjahr vollendet, hat danach im Schnitt noch immer vier Jahre weniger vor sich als eine gleichaltrige Frau!)
Frauen werden als Luder bezeichnet, weil sie länger leben. Einseitig wird die Ursache angenommen, dass sie weniger oft voll erwerbstätig seien. Wir wissen aber nicht wirklich, warum Frauen länger leben als Männer! Da können auch andere Sachen mit hineinspielen, wie etwa eine gesündere Lebenseweise (was wir nicht genau wissen) oder bessere Gesundheitsvorsorge (wobei wir da nicht wissen, ob aus eigenem Antrieb oder wegen Begünstigung). Das einseitige Reduzieren auf die weniger lange Erwerbstätigkeit ist hier auch polemisch zu verstehen. Die Frauen sollen sich nicht beschweren, wenn es für sie schwer ist ,Beruf und Familie zu vereinbaren - sie leben deswegen schliesslich länger. Was überigens gegen diese These spricht: Arbeitslose sterben früher als Leute mit Arbeit.
Aus dem arischen Übermenschen ist ein Normmensch geworden. Eine Art von Understatement, die uns gerade noch unterscheidet von der Rassenhybris vor 60 Jahren. Es ist das Subjekt jener immer kleiner werdenden Minderheit, von der im Vagen bleibt, ob es die weißen, heterosexuellen, europäischen Männer in toto sind oder eine patriarchalisch herrschende Männerkaste, die sich selbst als jene Sorte Normmensch darstellt. Pinl unterstellt hier eine aktive Ideologisierung, die im vollen Bewußtsein vorgenommen wird, was gleichermaßen soziologisch wie auch psychoanalytisch bemerkenswert ist. Allerdings auch dies eine Anlehnung an die Analyse eines hinterhältig konzipierten Kryptofaschismus, der seine Lügen am Reißbrett zum Behufe der allgemeinen Gleichschaltung entwirft. Selbst in Bezug auf den Nationalsozialismus wäre dies wahrscheinlich eine Verballhornung. Im Kampf gegen den Goliath Patriarchat dagegen ist diese im Furor entladene Verschwörungstheorie für Frau Pinl nichts weniger als gerade Recht.
Normen sind nicht identisch mit Über- und Unterordnung. Eine Norm sagt aus, was "norm -al", der Norm gemäss ist. Was das Mass aller Dinge ist. Woran sich alles orientiert. Und das hat nichts mit Faschismus zu tun. Hier wird demagogisch eine Logik aufgebaut, die nicht zutreffend ist.
Man hat den Eindruck, je weniger Resonanz solch ein Vulgärfeminismus noch bei den nachwachsenden Generationen hat, umso heftiger schlägt er verbal um sich. Man müsste den Feminismus eigentlich zum Thema bei zukünftigen Antisemitismus-Konferenzen machen, dürfte man inzwischen nicht hoffen, dass diese ihrerseits totalitäre Lehre ähnlich dem (verbal)radikalen Linkssektierertum an den Universitäten in den siebziger und achtziger Jahre längst im Begriff steht, sich in seine klaustrophilen Nischen zurückzuziehen. Altemanzen wie Schwarzer und Pinl pflegen den Ungeist, weil sie mehr oder weniger gut von ihm leben. Die neue Generation, insofern überhaupt noch frauenbewegt, scheint dagegen durchaus wieder gesprächsfähig und bereit. Damit leisten diese neuen, entspannteren und erheblich sympathischeren Emanzen bei allen Differenzen im Einzelnen nicht nur sich selbst einen guten Dienst. Auch DAS wird einem klar, wenn man solch eine journalistische Klokruste lesen muss, die Frau Pinl den taz-Lesern hier zumutete. Aber vielleicht liegt ja darin ein Verdienst!?
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Hier wird wieder suggeriert, dass es eine Identität zwischen Feminismus und Faschismus gäbe. Das ist demagogisch und unwahr. Feminismus hatte nie dieselben Ziele wie der Faschismus. Faschismus hatte nie dieselben Ziele wie der Feminismus.
Wer hier die Demagogie und die Polemik nicht sieht, muss blind sein.
Nun ja, vermutlich werde ich jetzt gesperrt. Aber vielleicht hat irgendwer auch Lust mal über das nachzudenken, was hier so geschrieben wird. Wenn es nur einen gibt, der das tut, hat sich mein heutiges Schreiben gelohnt.
Es grüsst
das Emmalein
gesamter Thread:
- Rote Männer Info Nr. 68 (n/t)
-
Odin,
04.05.2004, 20:56
- Da ises -
Odin,
04.05.2004, 20:57
- Re: Da ises -
Sam,
05.05.2004, 17:21
- Re: Da ises - Sam, 05.05.2004, 22:46
- Re: Da ises -
Emmalein,
05.05.2004, 19:35
- Re: Da ises -
Garfield,
05.05.2004, 21:02
- Re: Da ises -
Peter,
06.05.2004, 01:06
- Re: Da ises -
Jolanda,
06.05.2004, 13:52
- Re: Da ises -
Peter,
07.05.2004, 01:46
- Re: Da ises - Odin, 07.05.2004, 20:52
- Re: Da ises -
Peter,
07.05.2004, 01:46
- Re: Da ises -
Jolanda,
06.05.2004, 13:52
- Re: Da ises -
Emmalein,
06.05.2004, 12:20
- Re: Da ises - Andreas, 06.05.2004, 14:23
- Re: Da ises - Bruno, 06.05.2004, 15:22
- Re: Da ises -
Garfield,
06.05.2004, 16:43
- Re: Da ises -
Emmalein,
06.05.2004, 17:38
- Akademiker, nicht 'Akkademiker' (n/t) - Mic, 06.05.2004, 17:58
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Garfield,
06.05.2004, 20:30
- Re: Da ises -
Emmalein,
07.05.2004, 13:03
- Re: Da ises -
Garfield,
07.05.2004, 14:47
- Re: Da ises -
Emmalein,
07.05.2004, 15:12
- Re: Da ises -
Garfield,
07.05.2004, 16:35
- Re: Da ises -
Emmalein,
10.05.2004, 15:31
- Re: Da ises -
Garfield,
10.05.2004, 16:32
- Re: Da ises -
Sven74,
10.05.2004, 16:53
- Re: Da ises - Emmalein, 10.05.2004, 17:15
- Re: Da ises - Emmalein, 10.05.2004, 16:55
- Re: Da ises -
Sven74,
10.05.2004, 16:53
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Garfield,
10.05.2004, 16:32
- Re: Da ises -
Emmalein,
10.05.2004, 15:31
- Re: Da ises -
Garfield,
07.05.2004, 16:35
- Re: Da ises -
Emmalein,
07.05.2004, 15:12
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Garfield,
07.05.2004, 14:47
- Re: Da ises -
Emmalein,
07.05.2004, 13:03
- Re: Da ises -
Emmalein,
06.05.2004, 17:38
- Re: Da ises -
Peter,
06.05.2004, 01:06
- Re: Da ises - Bruno, 06.05.2004, 15:10
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Garfield,
05.05.2004, 21:02
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Sam,
05.05.2004, 17:21
- Da ises -
Odin,
04.05.2004, 20:57