Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr

Sven, Sunday, 16.05.2004, 11:17 (vor 7975 Tagen)

Die Männer leiden zurück
Ironisches Spiel mit Rollenklischees: Der TV-Film "Scheidungsopfer Mann"
Von Michael Link

Überall starke Frauen. Uma Thurman im Kino, Damen in den TV-Talk-Shows und Nachrichtensendungen, in der Musik sowieso: Die Männer sind in der Defensive. Höchste Zeit für einen Fernseh-Film über die Folgen des Rollenkonfliktes von Mann und Frau.

Die Teflonpfanne ist an allem schuld. So wie sie unbrauchbar wird, wenn die Beschichtung Risse bekommt, so zerplatzt an ihr die Beziehung von Benedikt (Christoph Waltz) und Inka (Nina Weniger). Der Arzt, im Hauptberuf Hausmann, hat sich nämlich das Recht herausgenommen, ohne Zustimmung seiner Ehefrau eine neue Pfanne anzuschaffen - eine volle Breitseite gegen die Geldgeberin Inka. Es droht die Trennung. Doch als Verlierer dieses Rosenkrieges erscheint in dem Fernsehfilm "Scheidungsopfer Mann" nicht die Frau, sondern der Ehemann - eine Umkehrung traditioneller Rollen. Während der berufliche Stern des Arztes in der Hausarbeit versinkt, steigt der seiner Frau immer höher. Hausmann Benedikt wird immer mürrischer, bis seine Frau die Scheidung einreicht. Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuch-Autor Daniel Nocke drehen die traditionellen Geschlechter-Rollen ironisch um. Benedikt wird schließlich klagen, dass ihn die Ehe arbeitsunfähig gemacht habe, während seine Frau auch im Beruf die Konkurrenz das Fürchten lehrt. Ein Film zur rechten Zeit: So klagte der Ehemann der Schlagersängerin Irene Sheer Anfang vergangene Woche, er habe seiner Frau "25 Jahre die Koffer hinterher getragen" und sei ihr jetzt nicht mehr fünf Euro wert. Und die ARD geht am 28. Mai dem "Männerleiden nach der Ehe" auf den Grund. "Scheidungsopfer Mann" versteht sich aber nicht als Forum einer geknechteten Spezies: "Der Film hat nicht den Anspruch, ein allgemein gültiges Gesellschaftsbild zu entwerfen. Es geht eher um einen speziellen Fall - und darum, das auch möglichst böse und nicht fern von Ironie hinzukriegen", sagt Regisseur Stefan Krohmer.

Krohmers weibliche Hauptfigur Inka ist eine coole junge, unmoralische Lady. Sie hat als Tochter einer 68er-Mutter, so dürfen wir vermuten, gelernt, wie man sich als Frau durchs Leben schlägt. Ihre wichtigsten Erfolgsrequisiten sind, nicht untypisch, Ehrgeiz und Ellbogen. Inkas Mann Benedikt ist dagegen ein nachdenklicher Typ, aber auch ein geschickter Ehekrieger: Seine horrende Unterhaltsforderung gibt dem Rosenkrieg erst den nötigen Zunder.

Der Film ist ernst und heiter zugleich. Das hebt ihn von konventionellen Rollentausch-Klamotten ab. Christoph Waltz spielt den larmoyanten Ehemann mit einem Hauch Selbstironie, so dass wir nie das Spiel im Film vergessen. Dadurch behält die Geschichte eine fiktionale Ebene bei und verleiht ihr generelle Bedeutung. Und Nina Weniger ist geradezu eine Entdeckung als resolute und direkte, kämpferische und doch auch verletzliche Yuppie-Unternehmerin. Darüber hinaus lebt der Film von den herausragenden Dialogen, die der Realität abgeschaut sind. Sie sind treffend, präzise, schnörkellos. Die Figuren reden zur Sache oder über ihre Gefühle, Widersprüchliches bleibt im Raum stehen. Wenn die Ehefrau im Streit etwa sagt: "Ich dachte, das hatten wir verabredet", und Benedikt antwortet: "Du hattest Deinen Wunsch geäußert, und ich habe zugehört", dann ist klar: Hier prallen zwei Welten aufeinander. Mehr ist da nicht zu sagen. Diese Dialoge verleihen dem Film eine ganz eigene Direktheit und Spontaneität.

Stefan Krohmer zählt derzeit zu den talentiertesten Jungregisseuren. 2002 erhielt er für den Spielfilm "Ende der Saison" den Grimme-Preis in Gold, 2003 für das Psychodrama "Familienkreise". Der Sohn einer Lehrerein und eines Fahrschulinhabers ist ein genauer Beobachter, gilt als Perfektionist und sehr überlegt. Er ließ sich die Freiheit vom ZDF zusichern, auch um 20.15 Uhr keine Mainstream-Ware abliefern zu müssen. Und er ist Freund guter Darsteller, denen er auch die Treue hält. So taucht in "Scheidungsopfer Mann" Hannelore Elsner auf, die schon in "Ende der Saison" mitspielte. Und wen spielt die Elsner? Sich selbst, mit ihren "Vagina-Monologen".

Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr

Re: Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr

AJM, Sunday, 16.05.2004, 12:11 (vor 7975 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr von Sven am 16. Mai 2004 08:17:48:

"Doch als Verlierer dieses Rosenkrieges erscheint in dem Fernsehfilm "Scheidungsopfer Mann" nicht die Frau, sondern der Ehemann - eine Umkehrung traditioneller Rollen."

LOL, lachkaputt, aufdieschenkelklopf, tränenlach, etc.

Re: Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr

Frank, Sunday, 16.05.2004, 14:42 (vor 7974 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Scheidungsopfer Mann. ZDF. Montag, 20.15 Uhr von Sven am 16. Mai 2004 08:17:48:

Ein Film zur rechten Zeit: So klagte der Ehemann der Schlagersängerin Irene Sheer Anfang vergangene Woche, er habe seiner Frau "25 Jahre die Koffer hinterher getragen" und sei ihr jetzt nicht mehr fünf Euro wert.

kein Kommentar...

Und die ARD geht am 28. Mai dem "Männerleiden nach der Ehe" auf den Grund.

Nicht in Form eines Fernsehspiels, sondern als Reportage in der Reihe "ARD exclusiv" (Freitag 28.5., 21:42 Uhr). Immerhin. Es tut sich etwas.

"Scheidungsopfer Mann" versteht sich aber nicht als Forum einer geknechteten Spezies: "Der Film hat nicht den Anspruch, ein allgemein gültiges Gesellschaftsbild zu entwerfen. Es geht eher um einen speziellen Fall - und darum, das auch möglichst böse und nicht fern von Ironie hinzukriegen", sagt Regisseur Stefan Krohmer.

Natürlich. Sind ja alles nur ganz wenige Einzelfälle. Und damit nur ja keiner Mitleid mit dem Mann bekommt, wird das Ganze mit Boshaftigkeit und Ironie verpackt.

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