Re: Anarchie + Dogma = Paradoxon
Als Antwort auf: Anarchie + Dogma = Paradoxon von Der Eman(n)ze am 21. Mai 2004 20:03:59:
Hallo Eman(n)ze
viele Deiner Texte habe ich genau durchgelesen, und ich habe den Eindruck, daß Du dem Nur-Umwelt-Dogma anhängst, ohne es Dir selbst eingestehen zu wollen. Die direkte Frage, ob Du diesem Dogma anhängst, hast Du ja mit "nein" beantwortet.
Wobei dies für mich bedeutet: Ich sehe mir Studien die biologische Determiniertheit sehen genau an. Und bislang gibt es keine die methodisch gut genug wäre, eine biologische Determiniertheit in Punkt X zu bestätigen. Ich halte es durchaus für möglich, daß es biologische Faktoren gibt, allerdings gibt es bis jetzt keine Möglichkeit eine Eigenschaft eindeutig als biologisch determiniert zu beschreiben. Es gibt allerdings Eigenschaften, bei denen eine biologische Determiniertheit ausgeschlossen werden kann. Dazu kommt, wie schon mehrfach erwähnt, daß der Begriff Geschlecht momentan in der Biologie einer Revision unterzogen wird. Je mehr wir wissen, desto weniger ist die grobe Abstraktion hilfreich. Wenn es biologische Determinanten gibt, werden sie auf Eigenschaften zurückzuführen sein, die dem, was umgangssprachlich als Geschlecht bezeichnet wird nicht ähneln.
In all Deinen Darlegungen bedientest Du Dich jedoch stets Beispielen, die die Allmacht der Umweltfaktoren belegen sollten. Relativierende Feststellungen habe ich etwas vermißt.
Die Frage ist, wie diese unter den Gegebenen Umständen aussehen könnten? Wie gesagt: Es gibt bislang weder belegbare biologische Determiniertheiten, noch eine einheitliche biologische Geschlechtsdefinition.
Laß Dir eines gesagt sein: Anarchie und Dogma (=Wunschdenken) passen nicht zusammen. Das funktioniert nicht.
In einer "anarchischen" Gesellschaft nach Deiner Wunschvorstellung würde es früher oder später wieder zu einer Diktatur kommen - zu einer Diktatur der verordneten Gleichheit. Genau mit der Subtilität, die Du heute (z.T. zu recht) bei gesellschaftlichen Rollenzuweisungen kritisierst, würde versucht, Gleichsein zu erzwingen.
Halte ich nicht für zwingend so. Als Beispiel sei hier wieder die Religion genannt. So schnell sehe ich die Freiheit der Weltanschauung nicht vergehen. Ich glaube nicht, daß auf Pluralismus zwingend eine Diktatur folgt. Die Tatsache, das nächsten Sonntag verschiedene Parteien ins EU-Parlament gewählt werden können ist kein Vorzeichen einer zukünftigen Diktatur.
Wie kann man Umweltfaktoren von genetischen Faktoren trennen?
Ein Dilemma, wie ich finde. Auf keinen Fall einfach zu lösen. Bei absoluten Aussagen, die sich durch ihre Einfachheit auszeichnen und den einen oder anderen Kontrahenten eindeutig bevorzugen, ist IMO höchstes Mißtrauen angesagt.
Richtig. Das Thema ist komplex. Allerdings gibt es eine soziobiologische Methodik, die darauf angelegt ist, Umweltfaktoren von biologischer Determination zu trennen. Die Soziobiologie hat durchaus Aussagekraft (ich habe ja schon einmal Beispiele genannt, z.B. das Lächeln, daß genetisch determiniert ist. Ein anderes wäre der Saugreflex beim Stillen). Allerdings gibt es keine mir bekannte Studie, die diese MEthodik einhalten würde, die hier geschlechtsabhängige Differenzen feststellen würde, die größer sind, als die Variation innerhalb der Geschlechtergruppen. (Im Spiegelartikel zum Lernverhalten wird eine Studie zum Verhalten von Säuglingen erwähnt, die ich mir besorgen werde - könnte die erste sein).
susu
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susu,
21.05.2004, 01:45
- Anarchie + Dogma = Paradoxon -
Der Eman(n)ze,
21.05.2004, 23:03
- Re: Anarchie + Dogma = Paradoxon - susu, 23.05.2004, 04:02
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Der Eman(n)ze,
21.05.2004, 23:03