Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Liste Femanzen Kategorie Journalie5 (Liste Femanzen)

verfasst von Oberkellner(R), 01.10.2011, 19:40

Anne Hund (Glamour)
"Mädchen1: Frauen haben Grips und basteln früher an ihrer beruflichen Karriere als Männer. Das hat die neue Shell-Studie jetzt bewiesen;

Mädchen2: Wer hat das Sagen? Im Beruf laut Shell-Studie künftig die Frauen"
"Die Shell-Studie 2006 legt die Fakten auf den Tisch: Junge Frauen denken erfolgsorientierter als gleichaltrige Männer!

So gaben unter 2500 befragten Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren
55 Prozent der Frauen an, dass sie unbedingt Abitur machen wollen. Nur 47 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen wollen das auch. Beim Besuch höherer Schulen verbuchten Mädchen im vergangenen Jahr prompt deutlich stärkere Zuwächse als Jungen
Ehrgeiz lohnt sich: Experten (darunter der Chef des Münchner Forschungsinstituts TNS Infratest Sozialforschung, Klaus Hurrelmann) mutmaßen schon jetzt, dass Frauen künftig die neue Bildungselite stellen. Weil Frauen laut Shell-Studie früher an ihrer Karriere basteln als Männer, hätten Sie im Berufleben künftig die besseren Chancen."
In Punkto Zukunfts-Angst stehen ihnen die Herren der Schöpfung in nichts nach: Viele fürchten, ebenso wie die Frauen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren - oder überhaupt keinen Job zu bekommen. 2006 teilten diese Sorge 69 Prozent aller Befragten, 2002 waren es noch 55 Prozent."
"Unser Fazit dieser Studie: Frauen schuften (obwohl sie vielleicht Angst haben), Männer jammern lieber... "
http://de.lifestyle.yahoo.com/15012007/378/maedchen-schlauer.html

Gaby Mayr (Deutschlandfunk)

Männer töten. Frauen morden
Über den großen Unterschied vor Gericht
Von Gaby Mayr
Am Frühstückstisch gerät das Paar in Streit. Der Mann will nicht, dass die Frau sich von ihm trennt. Er greift zum Küchenmesser, sticht mehrfach zu, die Frau stirbt. Das Gericht verurteilt ihn wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Haft.

Eine Krankenschwester tötet ihren Mann mit einer Überdosis Insulin nach 34jähriger Ehe, in der sie das Geld verdient, drei Kinder groß gezogen und all seine Launen ertragen hat, als er sich weigert, über seine angeblichen sexuellen Übergriffe an den gemeinsamen Kindern zu sprechen. Die Anklage lautet auf Mord, denn die Tötung erscheint geplant und heimtückisch. Das Gericht entscheidet, die Frau sei schuldunfähig und schickt sie in die Psychiatrie. Die Einweisung gilt unbegrenzt und muss jedes Jahr überprüft werden.

Männer und Frauen töten ihre Lebenspartner aus unterschiedlichen Gründen und auf verschiedene Art. Wie gehen Gerichte mit dem Unterschied um, der in den Paragraphen für Tötungsdelikte nicht vorgesehen ist? Das Feature stößt auf rechtliche Grauzonen, wo Gerechtigkeit sein sollte.
http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/dossier/571486/

Ileana Grabitz (Welt)

Deutschland ist kein Frauenland
Weibliche Führungskräfte bleiben selten. Daran haben alle Initiativen wenig geändert
Studie: Nur wenn sich der Chef selbst um mehr Gleichberechtigung kümmert, kommen Frauen in Führungspositionen

Einige Länder nutzen das Instrument der Quote - wie der Fall Norwegens zeigt, kann das erfolgreich sein
Als Peter Löscher im Sommer 2007 als Chef von Siemens antrat, lag ihm neben den notwendigen Aufräumarbeiten in dem von der Korruptionsaffäre geschüttelten Konzern noch ein ganz anderes Dilemma besonders am Herzen: Das Management des Unternehmens sei "zu weiß, zu deutsch, zu männlich", klagte der Österreicher in aller Öffentlichkeit - und räumte dem Thema Vielfalt fortan eine Topposition auf seiner strategischen Agenda ein. Es wurde eigens eine Chief Diversity Managerin berufen, um von höchster Ebene aus die Karrierechancen von Frauen und Ausländern innerhalb des Konzerns zu verbessern.
Der Konzernchef bewies mit seinem Ansatz, das Thema "Diversity" weit oben im Unternehmen aufzuhängen, ein gutes Gespür dafür, wie man dem Frauenmangel in der Wirtschaft wirklich sinnvoll begegnen kann. So entwickelt sich laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey der Frauenanteil besonders in den Unternehmen positiv, in denen sich die Konzernspitzen höchst persönlich des Themas annehmen und die Fortschritte von Diversity-Programmen überwachen. Bei 86 Prozent der untersuchten Unternehmen, die die Verbesserung der Geschlechtervielfalt als eins der drei wichtigsten strategischen Themen ansehen, beträgt der Frauenanteil im Topmanagement mehr als 15 Prozent - und damit mehr als allgemein üblich. Bei Unternehmen, die das Thema gar nicht auf der Agenda haben, erreicht nicht einmal jedes zweite (49 Prozent) einen vergleichbar hohen Anteil weiblicher Führungskräfte auf dem höchsten Hierarchielevel.
"Nur wenn die CEOs und Aufsichtsratschefs Diversity ganz oben auf ihre strategische Agenda setzen und dies aus Überzeugung tun, haben wir eine reelle Chance, den Frauenanteil in Toppositionen wirklich spürbar zu erhöhen", resümiert entsprechend Claudia Nemat, Direktorin bei McKinsey. Die Studie, für die weltweit 1500 Vorstände und andere Manager aus verschiedenen Branchen befragt wurden, liegt der "Welt" exklusiv vor.

Vor allem aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels diskutieren Vertreter aus Politik und Wirtschaft bereits seit einigen Jahren verstärkt darüber, wie man die ungenügend ausgeschöpfte Ressource weiblicher Fachkräfte besser nutzen und mehr Frauen in Führungsposten bringen kann. Viel getan hat sich bislang nicht, sodass selbst CDU-Politiker inzwischen laut über die Einführung einer gesetzlichen Quote nachdenken. Die Deutsche Telekom etwa schaffte im Frühjahr Fakten und erhöhte eigenhändig den öffentlichen Druck auf die eigene Personalpolitik: Bis 2015, so die Zielsetzung des Managements, soll der Anteil weiblicher Führungskräfte konzernweit auf 30 Prozent steigen.
Handlungsbedarf besteht zweifellos, denn auch im Jahr 2010 sind die Führungsetagen deutscher Unternehmen noch fast ausschließlich in Männerhand. Wie die McKinsey-Studie ergab, konnten Dax-Unternehmen ihren Frauenanteil in den Aufsichtsräten seit 2007 um gerade einmal zwei Prozentpunkte auf 13 Prozent steigern. Klassenprimus Norwegen führt das Ranking mit einem Frauenanteil von 32 Prozent an - was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Skandinavier vor zwei Jahren eine gesetzliche Frauenquote für die Kontrollgremien börsennotierter Konzerne einführten.
Überraschender ist dagegen, dass sogar das für seine ausgeprägte Machokultur berüchtigte Spanien mehr Dynamik bei der Frauenpräsenz an allerhöchster Stelle verzeichnet als Deutschland: Hier legte der Anteil an Damen in Aufsichtsräten der größten börsennotierten Konzerne immerhin um sechs Prozentpunkte auf zehn Prozent zu - was Experten auch damit erklären, dass das Thema Vielfalt dort schon früher als hier öffentlich diskutiert wurde und entsprechend der Druck auf die Unternehmen spürbar gestiegen ist. In Vorstandsetagen bringen es die 35 größten börsennotierten Unternehmen des südeuropäischen Landes heute immerhin auf einen Frauenanteil von sechs Prozent. Hierzulande sind es dagegen magere zwei Prozent.
Das Schneckentempo, mit dem sich der schon aus demografischen Gründen dringend erforderliche Vormarsch der Frauen vollzieht, ist umso erstaunlicher, weil sich die Mehrheit der Manager heutzutage durchaus der Wichtigkeit des Themas bewusst ist. De facto sind 62 Prozent der von McKinsey befragten Vorstände davon überzeugt, dass Unternehmen mit gemischtem Führungsteam bessere Betriebsergebnisse erwirtschaften als solche mit rein männlichen Vorstandsriegen. Dennoch haben nur acht Prozent der befragten Unternehmen eine Verbesserung der Geschlechtervielfalt als eins von drei Topthemen auf die strategische Agenda gesetzt. 20 Prozent sehen die stärkere Beteiligung von Frauen in den Führungsetagen immerhin als eines von zehn Managementprioritäten an. Jedes dritte Unternehmen dagegen hat das Thema überhaupt nicht im Blick.
McKinsey-Direktorin Nemat zufolge offenbart dieser Widerspruch sehr gut das Dilemma, in dem Teile der deutschen Wirtschaft derzeit stecken - noch. "Viele hochrangige Manager sind heute durchaus überzeugt davon, dass es wichtig ist, mehr Frauen an die zentralen Schaltstellen der Unternehmen zu bringen", so Nemat. Die Einsicht sei allerdings oft noch nicht so tief verankert, dass die Betroffenen wirklich alle Hebel bedienen würden, um das Problem zu beheben. Zudem seien Vorurteile, denen zufolge es einfach nicht genug qualifizierte Frauen gebe und zudem ein Großteil potenzieller weiblicher Kandidaten gar keine Karriere machen wolle, noch immer weitverbreitet.
Neben dem sichtbaren Commitment der Konzernspitzen sind der Untersuchung zufolge noch zwei weitere Instrumente besonders erfolgversprechend, um den Anteil weiblicher Topmanagerinnen zu erhöhen - speziell auf Frauen zugeschnittene Trainingsangebote sowie Mentorenprogramme von erfahrenen Managern für jüngere Frauen.
Der Softwarekonzern SAP etwa, in dem heute fast 30 Prozent Frauen arbeiten und wo jüngst mit Angelika Damman auch ein weibliches Vorstandsmitglied Einzug hielt, baut auf derlei Maßnahmen: Weibliche Mitarbeiter können dort beispielsweise über eine Internetplattform Mentoren suchen; sogenannte Gender Awareness Interaktionstrainings richten sich speziell an weibliche Führungskräfte. In verschiedenen Aufbauworkshops können diese darüber hinaus ihr Durchsetzungsvermögen und ihr eigenes Marketing verbessern.
Gerade bei der PR in eigener Sache haben Frauen offenbar auch in ihren eigenen Augen großen Nachholbedarf: 38 Prozent der von McKinsey befragten Managerinnen halten die im Vergleich zu den männlichen Kollegen oft miserable Selbstvermarktung für eines der größten Karrierehindernisse für Frauen - nach der Doppelbelastung durch familiäre und berufliche Verantwortungen und der auf Präsenz und Dauererreichbarkeit basierenden Arbeitsmodelle, die nach wie vor gang und gäbe sind.

http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article11517593/Deutschland-ist-kein-Frauenland.html

Maria von Welser (Ger)

München (ddp). TV-Journalistin Maria von Welser beklagt die geringe Zahl weiblicher Führungskräfte bei deutschen Fernsehsendern. Das Fernsehen sei inhaltlich immer noch eine Männerveranstaltung, auch wenn mehr Frauen auf dem Bildschirm zu sehen seien, sagte Welser der TV-Zeitschrift «Gong». «Aber wer entscheidet, was auf den Sender kommt? Überwiegend Männer», fügte sie hinzu.

Solange die Entscheidungspositionen nicht paritätisch besetzt seien und alle die gleichen Chancen hätten, müsse es Frauen-Magazine wie «Mona Lisa» geben, betonte sie. Welser leitete und moderierte von 1988 bis 1996 die ZDF-Sendung «ML - Mona Lisa». Seit August 2003 führt sie als Direktorin das NDR-Landesfunkhaus Hamburg
http://de.news.yahoo.com/16062006/336/maria-welser-haelt-fernsehen-maennerveranstaltung.html

Rafaela von Bredow (Spiegel)

Allein des Sexes wegen findet sich das Weib auf der Venus, der Mann auf dem Mars - ansonsten gleichen sich die Geschlechter frappierend. Dennoch stirbt der Mythos vom großen Unterschied nicht - er zementiert so hübsch die Rollenbilder.

Was will eine Frau?" Für Sigmund Freud war dies "die große Frage", die er trotz seines "30-jährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag".
Mysterium Frau - seit der Antike versuchen Denker, die eigenartig andere Welt des Weibes zu ergründen. Aristoteles vertrat noch die Überzeugung, die Frau sei "gleichsam ein verstümmeltes Männchen und der Monatsfluss Samen, der aber nicht rein ist; denn es fehlt ihm nur noch eines, das Prinzip der Seele".
So gesehen ist seit der Antike geistesgeschichtlich eine Menge passiert bei der Suche nach Erklärungen für die Exotik des Weibes. Die Prämisse allen Grübelns darüber hat sich allerdings bis heute nicht verändert: Die Frau sei von Natur aus ein fundamental anderes Geschöpf als der Mann. Dabei ist dies bis auf den heutigen Tag nicht bewiesen.
Im Gegenteil. Es liegen gute, wissenschaftlich belegte Gründe auf dem Tisch, die uralte Idee vom großen Unterschied zwischen Weib und Mann als das zu entlarven, was sie ist: ein Mythos.
Zwar haben Neuroforscher, Biologen und Psychologen jahrzehntelang nach den Differenzen der Geschlechter gefahndet. Doch je tiefer sie in die Gehirne blickten, je länger und exakter sie die kognitiven Leistungen von Männlein und Weiblein testeten, desto mehr verblassten die Kontraste. Die Wissenschaftler fanden vor allem - Ähnlichkeiten. Befund für Befund greift die Erkenntnis Raum: Mann und Frau unterscheiden sich kaum.
Weniger Hirn? Weniger Orientierungssinn? Höhere Geschwätzigkeit?
Und da, wo sich Verschiedenheit messen lässt, spielt sie entweder keine Rolle für den Lebensalltag oder ist unbedeutend klein. Vor allem aber scheint sie nicht das Ergebnis biologischer Bestimmung zu sein. "Es gibt kein Phänomen 'Geschlechterunterschied', das zu erklären wäre", sagt die Psychologieprofessorin Janet Hyde von der University of Wisconsin.
SPIEGEL SPECIAL 1/2008

TITEL
Das starke Geschlecht
Was Frauen erfolgreich macht

Beispiel Gehirnvolumen: Über die Jahrhunderte galt das verhältnismäßig kleine Denkorgan der Frauen als Beweis ihrer Schlichtheit im Geiste, umgekehrt sollte der große Brocken im Männerschädel dessen brillanten Intellekt belegen. Bis in die achtziger Jahre findet sich dieser Gedanke noch bei Wissenschaftlern. Tatsache ist aber, dass es in Tests allgemeiner Intelligenz Männern partout nicht gelingen will, besser abzuschneiden.
Oder der Orientierungssinn: Der soll legendär unterentwickelt sein bei Frauen und sie höchstens zum Auffinden von Schuhgeschäften befähigen. Und tatsächlich schneiden sie in Studien schlechter ab als Männer. Inzwischen aber ist bekannt, dass nicht etwa das Geschlecht, sondern die Orientierungsmethode darüber entscheidet, ob jemand ratlos durch die Gegend irrt: Ob Mann oder Weib, gute Pfadfinder schauen im Geiste von oben drauf aufs fremde Gebiet, denken in Himmelsrichtungen, merken sich ihren Ausgangspunkt. Es verfährt sich hingegen leicht, wer auf Landmarken achtet: rechts beim Bäcker, dann links an der Tanke. Der Effekt war lange verdeckt, weil es einfach mehr Frauen gibt, die sich der erfolgloseren Strategie bedienen.
Die Forscher wissen auch, warum das so ist: Kleine Mädchen dürfen meist nicht so frei herumstromern wie Jungs; daher fehlt ihnen das frühe, langjährige Training des Orientierungssinns.
Null Belege gibt es auch für die angeblich naturgegebene Geschwätzigkeit des Weibes: 20.000 Wörter täglich sollen demnach aus dem Frauenmunde perlen, der Mann begnüge sich mit gerade mal 7000. Tatsächlich lässt sich keine seriöse Studie finden, die dies je über Tage hinweg bei ausreichend vielen Probanden gezählt hätte. Dort, wo der Wortschwall im Alltag wenigstens ansatzweise gezählt wurde, deuten die Ergebnisse sogar eher auf den Mann als Quasselstrippe.
Janet Hyde fand in der bisher größten Übersichtsuntersuchung zur Differenz zwischen Mann und Frau heraus, dass sich die Geschlechter tatsächlich in nur einem Fünftel von 124 untersuchten Talenten, Schwächen oder Gelüsten tatsächlich deutlich unterscheiden - darunter fanden sich rein physische Fähigkeiten wie die Wurfweite. Was angesichts der unbestritten größeren Muskelmasse der Männer nicht wirklich überrascht.
Was genau unterscheidet die Frau dann im Kern überhaupt noch vom Manne? "Lange nicht so viel, wie alle immer denken", sagt Lutz Jäncke, Neuropsychologe an der Universität Zürich. Das klingt ziemlich lapidar angesichts der Tragweite dieses kleinen Halbsatzes.
Wenn nämlich in beiden Geschlechtern im Grunde die gleichen Talente schlummern, was genau führt dann dazu, dass Studentinnen immer noch eklatant unterrepräsentiert sind in Disziplinen wie Mathematik und Physik? Und das, wo Mädchen bei Schulabschlüssen und Pisa-Fragen besser abschneiden als die Jungen?
Geschlechterpolitik wird mit Biologie gerechtfertigt
Wie lässt sich dann noch erklären, warum Wirtschaft wie Wissenschaft ihre Top-Positionen nur aus der einen, der männlichen Hälfte von Deutschlands Allerbesten rekrutieren? Obwohl fast die Hälfte aller Beschäftigten dem weiblichen Geschlecht angehören, gibt es in den Vorständen aller Dax-Unternehmen nur eine Frau. Und Forscherinnen besetzen nur 15 Prozent der Professuren und gerade mal 9 Prozent der C4-Stellen - ewiger Old Boys' Club. Währenddessen verwendet daheim die Architektin, die Studienstiftlerin, die habilitierte Biologin ihre Intelligenz darauf, Gluten aus dem Babybrei herauszuhalten.
Trotz der neuen Erkenntnisse von der Ähnlichkeit der Geschlechter beharren selbst gebildete Menschen auf der These vom großen, naturgewollten Unterschied. Die angebliche Macht der Biologie lässt sich nämlich prima dazu nutzen, Geschlechterpolitik zu legitimieren. So verkündete vor drei Jahren Larry Summers, damals Präsident der amerikanischen Elite-Uni Harvard, dass es dem Weibe wohl von Natur aus an Talent mangele für die exakten Wissenschaften. Denn die Tatsache, dass es so wenige brillante Frauen in jenen Fächern gebe, lasse sich "nicht leicht der Sozialisation zuschreiben".
In die gleiche Richtung gehen, wenn auch um ein Vielfaches provinzieller, Versuche wie der von Eva Herman, ihre Geschlechtsgenossinnen mit dem Biologieargument wieder zurück in den Dauerdienst an der Wiege zu schicken. So erzählt die selbsternannte Expertin, dass eine komplette Hirnregion bei Müttern vergrößert sei. Daher würden sie ihren Babys "mit wachsender Begeisterung" stundenlang Silben vorsprechen: "Sag mal Ma - ma, ma - ma, bis das Kind 'Mama' sagt".
Solche pseudowissenschaftlichen Anekdoten sind umso schwerer zu glauben, wenn man weiß, dass nicht einmal die Schwangerschaft "ausschlaggebend für die Bindung an menschliche Säuglinge ist", wie Melissa Hines erklärt, Neuropsychologin an der University of Cambridge. "Sonst würden Adoptivmütter weniger sichere Bindungen knüpfen als biologische Mütter." Das ist aber nachweislich nicht der Fall. Überhaupt ist der "Mutterinstinkt" weder instinktiv noch allen Müttern eigen, bemerkt die große amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy in ihrem Monumentalwerk "Mutter Natur".
Spiegel Special

http://www.spiegel.de/spiegelspecial/0,1518,537794,00.html

Amber Sayah (Stuttgarter Zeitung)

Vor einem Vierteljahrhundert kam ein Film in die Kinos, der zum "Rendezvous unterm Nierentisch" einlud. In Werbespots der Fünfziger wurde da gewaschen und gebügelt, gekocht und geputzt, was das Zeug hielt. Das Publikum delektierte sich nicht nur an der biederen Ästhetik der Clips, sondern auch am steinzeitlichen Gesellschaftsbild, das nebenbei darin zum Ausdruck kam: Männer, die morgens in den Opel Kapitän stiegen und ins Büro brausten, Frauen, die ihnen andächtig nachwinkten und ansonsten auf Haushalt, Kinder, Küche abonniert waren. Die Vollkatastrophe trat in diesen Frauenleben ein, wenn das Essen anbrannte oder Vati kein sauberes Hemd mehr zum Anziehen hatte. Wie schön, dachte man in seinem Kinosessel, hin- und hergerissen zwischen Schaudern und Behagen, dass diese muffigen Nierentischtage hinter uns liegen, wie schön, dass wir inzwischen alle so rundum emanzipiert sind.

Längst hat der Feminismus nach allgemeiner Ansicht sein Ziel erreicht. Die Chancengleichheit von Mann und Frau ist Konsens - auf ganzer Linie hergestellt und so unverbrüchlicher Bestandteil unseres Gesellschaftsvertrags, dass man das Thema im Prinzip abhaken kann. Verkämpfen muss sich dafür niemand mehr, keine mehr öffentlich ihren BH verbrennen. Nur wenn eine Kopftuchlehrerin ihr Haupt erhebt oder Burkaverbot und Zwangsheirat diskutiert werden, hissen Politik und Medien die Fahne der schwarz-rot-goldenen Leitkultur, auf der in Großbuchstaben die Worte "Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmungsrecht der Frau" eingestickt sind.

Abseits der Integrationsdebatte ist die holde Weiblichkeit jedoch gebeten, von überzogenen Forderungen abzusehen. Die amtierende CDU-Familienministerin Kristina Schröder lehnte es kürzlich in einem "Spiegel"-Interview ab, Frauen im Berufsleben durch Quoten zu fördern. Ähnlich klang das, was in einer gefeierten Rede auf dem CSU-Parteitag im November die Vizechefin der Jungen Union in Bayern, Katrin Poleschner, von sich gab. Alice Schwarzer, die Mutter der Bewegung, schlug zurück, aber allein ihre Jugend schien den Politikerinnen in dieser Auseinandersetzung recht zu geben.

Wofür Schwarzer steht, gilt als der in die Jahre gekommene, unweibliche, männerfeindliche, verbiesterte Emanzen-Feminismus alter Schule, von dem sich Frauen der jüngeren Generation distanzieren, weil sie - nochmals Schröder - gemerkt haben, "dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden". Männer hatten aufgrund ihres scharfen Verstands sogar schon früher erkannt, dass der Feminismus eine Falle war: Frauen in ihrem Selbstverwirklichungswahn seien schuld, dass die Deutschen aussterben, diagnostizierte der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher vor zwei Jahren, vorher stünde aber noch der Sieg des Matriarchats zu befürchten, prophezeite Matthias Matussek vom "Spiegel". Etwa zur selben Zeit wurde der "neoliberale Alphamädchen-Feminismus" beziehungsweise "Girlie-Feminismus" gegen den Feminismus der alten Schlachtrösser in Stellung gebracht: Charlotte Roche gegen Alice Schwarzer. Die Heldin von Roches "Feuchtgebieten", mit denen die ehemalige "Queen of German Pop Television" (Harald Schmidt) Auflagenzahlen erreichte wie nach ihr nur der Deutschlandabschaffer Thilo Sarrazin, verweigert sich - welch gefährlicher Tabubruch! - der Achselhaarrasur. Eine Weile lieferte das Buch dem medialen Smalltalk Futter, dann war auch das Thema durch.

Inhaltlich und intellektuell gingen die Debattenbeiträge der letzten Zeit - sofern man die Äußerungen der Familienministerin oder die Horrorvisionen der Herren Meinungsführer so nennen will - fast immer an der Sache vorbei. Das politische Klima beeinflussen sie dennoch. Wiederholt wurde und wird klar, dass der Feminismus - per definitionem eine "Bewegung des Denkens und Handelns mit dem Ziel der Überwindung von Geschlechterhierarchien und Geschlechterstereotypen" (so die Politologin Ingrid Kurz-Scherf) - immer noch Gegner aus dem gesamten politischen Spektrum hat.

Darum schnell noch einmal ein paar Zahlen und Fakten zur Erinnerung: Frauen, so schrieb Meredith Haaf in der "Zeit" 2008, haben heutzutage die gleichen Bildungschancen wie Männer. Ihre Benachteiligung registrieren sie erst, wenn sie ihren ersten Gehaltsscheck in Empfang nehmen. Und das liegt nicht daran, dass die Dummerchen allesamt Germanistik studieren, womit man eben weniger Geld verdient als mit Elektrotechnik, wie Kristina Schröder im "Spiegel"-Interview meint. Bis zu 500 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen etwa Berufseinsteigerinnen mit einem BWL-Studium. Der durchschnittliche Gehaltsunterschied liegt bei zwanzig Prozent. Kinder bedeuten für Frauen nach wie vor einen Karriereknick. Mit dem dreißigsten Lebensjahr wechselt fast jede zweite in Teilzeitarbeit, häufig dem Nachwuchs zuliebe. Den wenigsten gelingt nach einem Wiedereinstieg der berufliche Aufstieg. Frauen in Führungspositionen oder Aufsichtsräten der großen Unternehmen kann man bekanntlich mit der Lupe suchen.

Kommt auf der Ebene der Rollenbilder die frauenverachtende Pornografisierung der Werbung und Medien hinzu. Kein Tag vergeht ohne nackte Frauen auf Seite eins der "Bild"-Zeitung, kein Musikclip ohne halb nackte Mädchen, die sich als Schlampen inszenieren und glauben, dass sie selbstbestimmt und subversiv über ihre Körperpräsentation entscheiden. Irrtum! "Die Katzenberger ist ein Tittenstar", empörte sich der "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner, nachdem der SPD-Chef Sigmar Gabriel die Frau des Verteidigungsministers und das von "Bild" sonst gern hergezeigte Sexsymbol bei Gelegenheit der Afghanistanreise der Guttenbergs in einem Atemzug genannt hatte. Sind wir jetzt wieder bei der Sortierung nach Huren und Heiligen wie anno dunnemals?

Und was ist aus der Befreiung von patriarchalen Weiblichkeitsklischees geworden, gegen die unsere Mütter in Latzhosen und Schlabberröcken aufbegehrten? Ein dämliches Schönheitsideal, das, so spottet die Journalistin Annett Gröschner, an die EU-Norm für Gurken erinnert: frisch, nicht zu krumm, bestimmtes Gewicht (Gurken wurden von der Vorschrift inzwischen befreit).

Blicken wir den Tatsachen ins Auge: Auf dem Papier sind Männer und Frauen gleichberechtigt, in der Realität nicht. Das Land braucht darum wieder mehr Feminismus. Denn mit der Gleichberechtigung verhält es sich wie mit der Demokratie: Man hat sie nie sicher in der Tasche. Sie ist ein kostbares, gefährdetes Gut, das leicht verloren geht, wenn man sich nicht immer wieder und gegen alle Rückschläge und Hindernisse dafür einsetzt. Hinter das Erreichte zurückzufallen, darf eine moderne, aufgeklärte Gesellschaft sich nicht leisten. Leitkulturell kann sie sonst einpacken.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2765795_0_9223_-die-schlampen-wirken-muede.html

Katharina Pauli (Spiegel)

Hamburg - Es ist der Tag der Entscheidungen: Wer darf Teil der Gemeinschaft werden? Wie WG-Bewohner besprechen die Mieterinnen die vier Bewerbungen, wiegen die Vor- und Nachteile der einzelnen Kandidatinnen ab - von ihrer Motivation über ihre Erfahrung bis zum persönlichen Eindruck. Schließlich geht es um etwas Großes, das Projekt, an dessen Erfolg die Zukunft aller Beteiligten hängt.



Die Kandidatinnen haben sich für einen Büroplatz im "Interkulturellen Frauenwirtschaftszentrum" im Hamburger Stadtteil St. Pauli beworben. Der Name klingt zwar ziemlich sperrig, dahinter verbirgt sich aber ein durchaus vielversprechendes Konzept. Denn hier bekommen Unternehmerinnen in der Gründungsphase neben Büroräumen auch Tipps und warme Worte von Gleichgesinnten.
Das Prinzip ähnelt den Coworkingspaces, die in immer mehr Großstädten boomen . Im Hamburger Frauenwirtschaftszentrum mieten Existenzgründerinnen Büros für rund 15 Euro pro Quadratmeter - Konferenzraum, Kopierer und Teeküche inklusive. Die Kündigungsfristen sind kurz, und eine Kita im Haus nimmt bevorzugt die Kinder der Mieterinnen auf. Drei Jahre wird das im Mai gestartete Projekt finanziell aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt, danach soll sich das Haus aus der Miete der Unternehmerinnen selbst tragen.
Kinderbetreuung wichtig
Studien zeigen, dass rund ein Drittel aller Gründer in Deutschland weiblich sind, statistisch gesehen aber mehr Frauen beim Schritt in die Selbständigkeit aufgeben als Männer. Das Modell des Frauenwirtschaftszentrums dockt deshalb genau an den Punkten an, an denen Gründerinnen besonders oft scheitern:
• Frauen brauchen in der Regel eine Kinderbetreuung, denn sie müssen sich oft um Beruf und Familie gleichzeitig kümmern.
• Gründerinnen wollen weg vom Prinzip "Küchentisch gleich Arbeitsplatz". Je weniger ihr Büro dem Zuhause ähnelt und je weniger Formalitäten zu erledigen sind, desto eher verspüren sie Antrieb.
• Frauen sind meistens kommunikativer als Männer, sie wollen sich untereinander (informell) beraten und nicht den großen Platzhirsch geben. Da sie in der Startphase meist vorsichtiger sind als Männer und viele Fragen haben, geben sie sich untereinander den Rückhalt, den der Partner nicht immer geben kann oder will.
Das Gemeinschaftsgefühl, die Gewissheit, dass die Frau im Nachbarbüro die gleichen Erfahrungen macht, nimmt dem Einstieg in den neuen beruflichen Lebensabschnitt das Brisante. Das Frauenwirtschaftszentrum ist eine Art Kokon, der Schutz gegen die Widrigkeiten der Selbständigkeit bietet. Zumindest so lange, bis das Geschäft der Gründerinnen so gut läuft, dass sie in größere Räume umziehen.
Der "Spirit" - so nennt Jessika Distelmeyer das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Frauen. Distelmeyer, die Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte organisiert, sitzt in einem gemütlichen Korbsessel, neben ihr köchelt ein Kännchen Tee, eine Steinlampe taucht den Raum in gemütliches Licht. Keine grelle Deckenlampe, kein brummender Kopierer beherrscht ihr Büro.
Migrationshintergrund bevorzugt
"Es geht hier um etwas Neues", sagt sie. "Räume, die von Frauen gestaltet und gefüllt werden, sind einfach anders." Viele Frauen, die hierhin kommen, sind in ihren Dreißigern oder Vierzigern, haben keine Lust mehr auf ihren bisherigen Job als Lehrerin oder Paketbotin und spüren den Wunsch nach Veränderung. Hier machen sie sich beispielsweise als Beraterin oder Heilpraktikerin selbständig.
"Wir sagen ganz bewusst: Jetzt machen wir das, was uns am Herzen liegt", sagt Distelmeyer. Die Gesellschaft ein klein wenig verändern und sich bei der Arbeit treu bleiben ist den Frauen wichtiger als das große Geld. "Identifikation" ist da ein Schlüsselbegriff, den die meisten als Antrieb nennen. Endlich das tun, was glücklich macht.
Doch die Gefahr, mit der Entscheidung zur Eigenständigkeit tief zu fallen, ist groß - finanziell, persönlich und auch psychisch. Das belegen Beispiele von Gründerinnen, die scheiterten: Sie gaben auf, weil sie die Sicherheit im Angestelltendasein zurücksehnten.
Um dem entgegenzuwirken, wollen sich die Frauen gegenseitig vom Ausstieg aus dem Ausstieg abhalten: Jede hilft jeder, das gilt bei fast allem. Hat eine der Mieterinnen Fragen zur Steuererklärung, weiß zwei Büros daneben eine Anwältin die Antwort. Bei der Suche nach geeigneten Seminarräumen für eine Veranstaltung hilft die Kollegin im Büro eine Etage tiefer. Auch sonst ist die Atmosphäre locker: Die Bürotüren sind meistens offen, draußen ist immer etwas los.
Das Hamburger Frauenwirtschaftszentrum hat zudem das Prädikat "Interkulturell". Bewerben sich zwei Frauen mit gleichen Voraussetzungen auf einen Büroraum, wird diejenige mit Migrationshintergrund bevorzugt. Denn diese Frauen haben es oft außergewöhnlich schwer bei der Jobsuche. Deshalb ist die Selbständigkeit für sie besonders attraktiv.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,781284,00.html

Dorothee Apel (BILD)

Ein Vorzeige-Papa, dieser K-Fed, bürgerlich Kevin Federline. Der Ex-Mann von Pop-Prinzessin Britney Spears tut derzeit alles, um das Image zu erfüllen. Und alles, um seine Ex als Rabenmutter dastehen zu lassen.

Denn K-Fed scheint etwas weit mehr zu lieben als seine Kinder: Geld. Und weil Sean Preston, sein fast zweijähriger Sohn, und Jayden James, der bald ein Jahr alt wird, ihm dazu verhelfen können, liebt er sie jetzt halt auch mal. Eine Zeitlang.

Der 29-Jährige gibt vor, das alleinige Sorgerecht für die Kinder haben zu wollen. Deshalb sein neues Image, das sich der bauernschlaue Möchtegern-Rapper vermutlich nicht selbst ausgedacht hat. Für so was hat er Anwalt Mark Vincent Kaplan. Und dieser umtriebige Geselle scheint sich auch für die Gegenseite gleich ein neues Bild ausgedacht zu haben: Britney Spears, die Rabenmutter.

(...)

Vermutlich wird sein Plan aufgehen. Vermutlich wird er das Geld bekommen. Und vermutlich wird das Interesse an seinen Söhnen dann wieder schwinden. Bis das Geld verbraucht ist und ein Vater wieder so tun muss, als ob er seine Söhne liebt.

http://www.bild.t-online.de/BTO/leute/2007/08/19/federline-kevin-geldgeil/liebe-kinder-britney.html

Therese Meitinger: (SZ)

Dass wir Mädels für unsere Loyalität Jungs bekommen, die ihre schlauen, witzigen und auch sonst toppen Freundinnen absägen, sobald sie ein bisschen schwerer geworden sind, ist ein mieser, unglaublicher Deal.

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/504109

Catrin Boldebuck (Stern)

Frauen in Deutschland erhalten im Schnitt 22 Prozent weniger Lohn als Männer - für die gleiche Arbeit. Dieses Gefälle verdammt viele Frauen dazu, zu Hause zu bleiben statt zu arbeiten. Ein erstes Mittel gegen diese Unverschämtheit ist ein größeres Selbstbewusstsein: Frauen müssen bei ihren Gehaltsverhandlungen die gleiche Härte an den Tag legen wie ihre männlichen Kollegen.

Da haben wir es wieder: Frauen verdienen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer. Zweiundzwanzig Prozent! Damit gehören wir in Europa zu den Schlusslichtern. Nur in Estland, der Slowakei und Zypern ist der Abstand noch größer. Fast ein Viertel weniger Bares auf dem Konto zu haben ist keine Bagatelle, sondern eine Riesen-Sauerei.

Aber leider nichts Neues. Seit Jahren kritisiert EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla die Situation der deutschen Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Zwar arbeiten bei uns 66 Prozent der Frauen - aber vor allem in Teilzeit. Rechnet man ihre Erwerbsbeteiligung auf volle Stellen um, sind nur noch 46 Prozent berufstätig.

Gerechte Bezahlung würde Frauen motivieren, mehr zu arbeiten

Die meisten Frauen arbeiten um die 20 Stunden pro Woche. Mehr ist für die meisten nicht möglich, weil gute und flexible Kinderbetreuung fehlt und sich bei Steuerklasse Fünf der zusätzliche Stress finanziell nicht lohnt. Eine gerechte Bezahlung könnte die Frauen motivieren, mehr zu arbeiten. Das würde nicht nur die Produktivität steigern, sondern auch die Sozial- und Steuerkassen füllen.

Was muss sich ändern? Zum einen das System: In Branchen, in denen viele Männer arbeiten, wie in der Chemieindustrie, werden höhere Löhne gezahlt als in der Pflege, wo vor allem Frauen die Alten und die Kranken waschen. Verantwortung für Maschinen zählt mehr als die für Menschen. Das dürfen wir nicht einfach mehr so klaglos hinnehmen.

Warum so schüchtern?

Zum anderen müssen die Frauen sich selbst um ihr Gehalt kümmern. Hand aufs Herz, wann haben Sie das letzte Mal verhandelt? Noch nie? Dann sind Sie in bester Gesellschaft: Für Frauen ist eine Gehaltsverhandlung ungefähr so verlockend wie ein Zahnarztbesuch, fand eine amerikanische Wissenschaftlerin heraus. Aua! Männer sehen die Verhandlung mit dem Chef eher als eine Art Boxkampf, ein Spiel, das sie gewinnen wollen. Dabei wissen Frauen doch auch sonst, wo es die besten Schnäppchen gibt und wie sie Männer dazu bringen, das zu tun, was sie wollen. Warum im Job so schüchtern?

Weil wir Erfüllung wollen statt Erfolg. Wenn Frauen gefragt werden, sagen die meisten, dass ihnen das Geld nicht so wichtig sei. Aber müssen wir so dumm sein, uns ausnutzen zu lassen? Nein. Vergessen Sie den Poesiealbenspruch "Sei freundlich und bescheiden, dann kann dich jeder leiden". Im Job gilt: sich so teuer wie möglich verkaufen! Kriegen Sie raus, was der Kollege im Büro gegenüber verdient, der haargenau die gleichen Aufgaben erledigt. Heben Sie den Finger, wenn es um neue Positionen geht. Und dann gehen Sie zum Chef und reden mit ihm über Ihr Gehalt. Bisher denken viele: "Der Boss wird schon merken, dass ich meine Sache gut und zuverlässig mache und mir mehr geben, wenn er es für richtig hält." Wird er aber nicht. Darum muss Frau verhandeln, feilschen und notfalls auch kämpfen.

Sonst wird der EU-Sozialminister noch in 50 Jahren den Deutschen ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/:Ungerechte-Bezahlung-Frauen-Gebt/623152.html

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

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