Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Liste Femanzen Kategorie Politik7 (Liste Femanzen)

verfasst von Oberkellner(R), 19.05.2012, 21:20

Barbara Unmüßig (Heinrich Boell Stiftung)

BERLIN | Am 20. Januar erscheint “Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung”, eine Expertise im Auftrag des Gunda-Werner-Instituts in der Heinrich-Böll-Stiftung und der Landesstiftungen der Heinrich-Böll-Stiftung in NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Erstellt wurde sie von Hinrich Rosenbrock, Lehrassistent an der Ruhr-Universität Bochum.
Im Mittelpunkt steht die antifeministische Männerrechtsbewegung, sogenannte Männerrechtler, die sich gegen Frauen- und Gleichstellungspolitik, Gender Mainstreaming und Feminismus auflehnen. In ihren Blogs und Online-Debatten werden Männer oftmals als Opfer von
Frauen- und Gleichstellungspolitik und des Feminismus dargestellt, über Frauenförderung wird geklagt.
Der Autor Hinrich Rosenbrock nennt als Ziele der antifeministischen Männerrechtsbewegung: “Es geht den Akteuren – und das sind nicht nur Männer – um die Stärkung oder zumindest den Erhalt männlicher Vorrechte und das Zurückdrängen feministischer Argumentationen bzw.
Institutionen. Dies gipfelt teilweise in Vernichtungsphantasien gegen den Feminismus und auch gegen einzelne feministische Personen.” Die Expertise stellt heraus, dass diese Bilder von Männlichkeit von den meisten Männern nicht geteilt werden. “Da die Antifeministen jedoch Männer, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen, ausgrenzen, sind sie zu großen Teilen nicht nur frauen- sondern auch männerfeindlich”, so Rosenbrock weiter.
Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, stellt die Expertise in den Zusammenhang mit der Ende 2011 veröffentlichten Langzeitstudie “Deutsche Zustände” des Soziologen W. Heitmeyer: “Wir müssen damit rechnen, dass sich rechtsextreme Haltungen und eine ‘Ideologie der Ungleichwertigkeit’ weiter ausbreiten. Das bedroht die demokratische Basis und spielt vor allem dem Rechtspopulismus in die Hände. Ein Grund ist eine wachsende sozioökonomische Verunsicherung, die auch traditionelle Männlichkeitsbilder reanimiert. Hier sind Aufklärung und Information unabdingbar. Unsere Expertise soll dazu beitragen.”

http://der-dienstag.de/2012/01/20/die-antifeministische-mannerrechtsbewegung-expertise-im-auftrag-der-heinrich-boll-stiftung/

Monika Kuppitz (Gleichstellungsbeauftragte Zweibrücken)

45 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, die sich hauptamtlich in der Region engagieren, sind ab sofort online zu erreichen. Darauf weist Monika Kuppitz, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Zweibrücken, hin.

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Rheinland-Pfalz ist jetzt online. "Unter www.frauenbeauftragte-rlp.de ist es ab sofort möglich, sich über die vielfältigen Angebote und Aktivitäten der in Rheinland-Pfalz tätigen Kolleginnen umfassend zu informieren", freut sich Monika Kuppitz (Foto: pm), Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Zweibrücken und zurzeit eine der sechs Sprecherinnen der LAG.
Die Landesarbeitsgemeinschaft, in der sich die derzeit 45 hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten aus den zwölf kreisfreien Städten, den 24 Landkreisen, dem Bezirksverband Pfalz und einigen kreisangehörigen Städten und Gemeinden zusammengeschlossen haben, war gegenwärtig noch nicht im Internet präsent. Die Landesarbeitsgemeinschaft nimmt zu aktuellen Fragen und Entwicklungen aus frauenpolitischer Sicht Stellung. Die 1988 gegründete LAG hält außerdem Kontakt zu den kommunalen Spitzenverbänden, den landesweiten Verbänden, Institutionen, Parteien und Organisationen, ebenso wie auch zu den Ministerien. Finanziell gefördert wurde das Projekt vom Mainzer Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen. red

http://www.pfaelzischer-merkur.de/region/lokales/art27906,3980520

Zweibrücken. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Zweibrücken, Monika Kuppitz, lädt zur nächsten "Frauen-Stunde" für Dienstag, 12. Januar, 19 bis 20.30 Uhr, ins Mehrgenerationenhaus am Schloss ein. Als Thema des Abends habe sie Runenyoga initiiert, schreibt Kuppitz in einer Pressemitteilung. "Runenyoga ist eine überlieferte Form der Energie- und Körperarbeit. Ab Februar ist dies zugleich ein neuer Gesundheitskurs im Angebot der Volkshochschule Zweibrücken, der dann wöchentlich stattfinden wird."

Am Dienstagabend im Mehrgenerationenhaus werde "Druida", die Referentin des künftigen VHS-Kurses, im Voraus für alle Interessierten die Praxis der Runengymnastik vorstellen. Kuppitz: "Sie zeigt, dass die einfachen Übungen des Runenyoga auch für ältere Menschen und zu Hause ohne großen Aufwand durchführbar sind. Zu den Hintergründen wird sie ebenso informieren und erklären warum die Übungen das Immunsystem stärken, Haltungsschäden verbessern und Konzentrationsfähigkeit steigern können sowie anderes mehr."

Ein Unkostenbeitrag für diesen Abend werde nicht erhoben, teilt Kuppitz weiter mit.

http://www.pfaelzischer-merkur.de/region/pfalz/zweibruecken-land/art27549,3153124

Kersten Artus (frauenpolitische Sprecherin DIE LINKE)

Das Zuhause, ein gefährlicher Ort für Frauen
Nicht im dunklen Park oder auf der einsamen Straße laufen Frauen die größte Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden – sondern im eigenen Zuhause, sagt die Linken-Politikerin Kerstin Artus . Wer Frauenhäuser abschaffen will, verweigert Tausenden Frauen das dringend notwendige Asyl vor gewalttätigen Partnern.

Unfälle im Haushalt geschehen täglich. Die Treppe runterfallen oder in der Badewanne ausrutschen. Die Folgen stehen den Betroffenen im Gesicht geschrieben: Ein blutunterlaufenes Auge, eine geschwollene Wange, eine aufgeplatzte Lippe. Aber: Versperrt ein Rollkragen eventuell den Blick auf Würgemale? Häufig haben Männer die Verletzungen verursacht und nicht die Tischkante oder der Türrahmen. 20.000 Frauen suchen jährlich den Schutz von Frauenhäusern auf. Jede vierte Frau wird in ihrem Leben Opfer von Gewalt.
Der gefährlichste Ort für eine Frau ist nicht der dunkle Park oder die einsame Straße, sondern ihr Zuhause. Viele Frauen ertragen zudem die Misshandlungen ihrer Partner und männlichen Verwandten über Jahre. Häusliche Gewalt kostet die Bundesrepublik Deutschland jährlich schätzungsweise 14,5 Milliarden Euro.

Der Bremer Soziologe Gerhard Amendt forderte am 16. Juni auf WELT ONLINE die Abschaffung von Frauenhäusern. Er unterstellte den Mitarbeiterinnen antipatriarchale Kampfrhetorik und Unprofessionalität. Er warf den Sozialpädagoginnen und Psychologinnen vor, sie seien unausgebildet und würden Scheidungskonflikte verschärfen. Er unterschlug, dass der Weg ins Frauenhaus ein verzweifelter Schritt nach oft jahrelangen Demütigungen und Misshandlungen ist, und redete verharmlosend von „Sprachstörungen unter den Partnern“ und „Familienkrisen“.
Amendt relativiert Männergewalt trivial und unwissenschaftlich: Es gäbe auch gewalttätige Partnerinnen. Doch auch damit greift seine Hatz zu kurz. Die Berliner Soziologin Barbara Kavemann hingegen benennt die Unterschiede: Frauen schlagen aus Notwehr zurück oder aber, um etwas zu erreichen. Nicht aber aufgrund von Macht- und Kontrollverlust.
Männer hätten auch selten Angst, dass ihnen ernsthaft etwas passieren könnte. Zwei Drittel würden bei Angriffen nicht einmal verletzt. Frauen würden dann schlagen, wenn sie nach jahrelangen traumatischen Gewalterfahrungen eine günstige Gelegenheit fänden. Das könne bis zur Tötung gehen. Die Konsequenz der Gepeinigten sei nämlich: Es ist leichter, einen Mann zu töten, als ihn zu verlassen.
Es geht im Kern um folgende Frage: Um welchen Preis müssen Partnerschaften und Familien erhalten bleiben? Wenn die Familie kein sicherer Ort mehr ist, hat sie kein Existenzrecht mehr. Asyle, zu denen Frauenhäuser gehören, haben in einer Zivilgesellschaft ein unbedingtes Existenzrecht.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article4226450/Das-Zuhause-ein-gefaehrlicher-Ort-fuer-Frauen.html

Kersten Artus, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert: „Nur die Durchsetzung fester Quoten kann die Karriere von Wissenschaftlerinnen in absehbarer Zeit voranbringen und den Anteil der Frauen in Forschung und Lehre nachhaltig steigern. Auch die Universität Hamburg sollte die Anfang Juli auf der Jahreshauptversammlung des DFG beschlossenen „forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ ernstnehmen und die Frauenförderung als zentrale Aufgabe der Hochschul- und Institutsleitungen festschreiben.“ Da sei die Abschaffung des Frauenreferats das falsche Signal: „Wir erleben derzeit in der Gesellschaft eine Rolle rückwärts, was Gleichberechtigung und echte Gleichstellung angeht. Frauenspezifische Forderungen nach beruflicher, familiärer, kultureller, gesundheitlicher und finanzieller Gleichstellung werden aufgeweicht, Teilen davon wird immer nur dann Rechnung getragen, wenn es der Wirtschaft oder der Publicity der Politik nutzt. Damit wird Frauenförderung zunehmend von politischen Mehrheiten abhängig – dies steht den gesamtgesellschaftlichen emanzipatorischen Bestrebungen diametral entgegen. Wer einen wirkungsvollen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten will, sollte auch bereit sein, den Frauen die Verantwortung für ihr Handeln zu überlassen. Frauen brauchen unabhängige Strukturen - auch an der Universität. Die Bürgerschaftsfraktion lehnt die Abschaffung des Frauenreferats daher entschieden ab.“

http://www.die-linke-hamburg.de/politik/diskussionen/detail/artikel/frauen-brauchen-unabhaengige-strukturen-auch-an-der-universitaet-hamburg.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=194&cHash=68e4a1e1ad

Gitta Bockwold, DIE LINKE

Frauen brauchen unabhängige Strukturen – auch an der Universität Hamburg

Der AStA an der Uni Hamburg hat das seit über 30 Jahren bestehende unabhängige Frauenreferat abgeschafft. Die Referentinnen wurden abberufen und den anderen drei teilautonomen Referaten benachteiligter Gruppen, trotz höherer Gesamteinnahmen, über ein Drittel der Gelder gestrichen. Das passt zu einem rechten AStA Vorstand, dessen Mitglieder nur männlich sind und der von Jura- und WiWi-Liste, sowie Jusos und der Liberalen Hochschulgruppe getragen wird. Benjamin Gildemeister (Jusos), begründet den reaktionären Schritt damit, dass „Frauen an der Uni keine Minderheit mehr sind” und der Zustand der Gebäude, aber nicht Geschlechtergerechtigkeit ein „wirkliches Problem“ darstellen. Schlichter kann Mann nicht mitteilen, wieviel er von der Emanzipation der Frau hält.
Tatsächlich ist die Unabhängigkeit der Referate vom AStA den konservativen Kräften schon länger lästig. Das Frauenreferat verfügte über einen individuellen Finanzetat und wählte auf Versammlungen eigene, auf AStA-Sitzungen stimmberechtigte, Referentinnen. Neben speziell auf Frauen ausgerichteten Fortbildungskursen und Veranstaltungen wie der FrauenHochschulWoche, die auf die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs abzielten, hatte das Referat auch ein anonymes Beratungsangebot in Fällen von sexueller Belästigung und offener wie verdeckter Diskriminierung.
In Zukunft soll eine vom AStA gestellte und entsprechend konformere „Gleichstellungsbeauftragte“ das Frauenreferat ersetzen - ein handfester Skandal. Gelder müssen nun für jede Einzelposition beantragt und vom AStA genehmigt werden. Damit verschwindet die nötige politische und auch finanzielle Unabhängigkeit der Frauen ihre Interessen wirksam gegen die Masse durchzusetzen, die erfahrungsgemäß strukturelle Geschlechterbenachteiligung immer wieder reproduziert. Ein Paradebeispiel für den Missbrauch der Strategie Gender Mainstreaming, der zu mehr Kontrolle und Bevormundung führt und Frauen die Möglichkeit nimmt, sich in einem diskriminierungsfreien, selbstbestimmten und möglichst macht- und herrschaftsfreien Raum zu bewegen.
Gitta Bockwold vom Studierendenverband DIE LINKE.SDS, Abgeordnete im Studierendenparlament und Mitglied der Fraktion DIE LINKE in der Bezirksversammlung Eimsbüttel, kennt den Konflikt: „Gleichstellungspolitik mit „Gender Mainstreaming“ ist nicht mit Frauenpolitik gleichzusetzen. Wir lehnen die Abschaffung einer unmittelbar und situativ bei Frauenbenachteiligungen ansetzenden Förderung unter dem pauschalen Deckmantel „Gleichstellungspolitik“ ab. Gender Mainstreaming wird häufig als Begründung für die Umverteilung hart erkämpfter Mittel und die Zerschlagung gewachsener Strukturen vorgeschoben.“
Zwar konnte in den vergangenen Jahrzehnten rein quantitativ ein höherer Anteil der Studentinnen erkämpft werden, doch die Frauen an den Universitäten sind strukturell noch immer benachteiligt: ihr Anteil an den Professuren liegt bundesweit unter 15 %. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Kleiner, empfindet den geringen Frauenanteil als „beschämend für das deutsche Wissenschaftssystem und zugleich eine Verschwendung intellektueller Ressourcen“. Der Jahresbericht des DFG, dessen Mitglieder Universitäten, Forschungsinstitute und Akademien sind, belegt die schwierige Situation von Wissenschaftlerinnen: im Jahr 2007 erhielten sie nur 14,5 % der DFG-Forschungsgelder - sogar auf diesem niedrigen Niveau noch ein Rückgang von 0,1% im Vergleich zum Vorjahr.
Kersten Artus, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert: „Nur die Durchsetzung fester Quoten kann die Karriere von Wissenschaftlerinnen in absehbarer Zeit voranbringen und den Anteil der Frauen in Forschung und Lehre nachhaltig steigern. Auch die Universität Hamburg sollte die Anfang Juli auf der Jahreshauptversammlung des DFG beschlossenen „forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ ernstnehmen und die Frauenförderung als zentrale Aufgabe der Hochschul- und Institutsleitungen festschreiben.“ Da sei die Abschaffung des Frauenreferats das falsche Signal: „Wir erleben derzeit in der Gesellschaft eine Rolle rückwärts, was Gleichberechtigung und echte Gleichstellung angeht. Frauenspezifische Forderungen nach beruflicher, familiärer, kultureller, gesundheitlicher und finanzieller Gleichstellung werden aufgeweicht, Teilen davon wird immer nur dann Rechnung getragen, wenn es der Wirtschaft oder der Publicity der Politik nutzt. Damit wird Frauenförderung zunehmend von politischen Mehrheiten abhängig – dies steht den gesamtgesellschaftlichen emanzipatorischen Bestrebungen diametral entgegen. Wer einen wirkungsvollen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten will, sollte auch bereit sein, den Frauen die Verantwortung für ihr Handeln zu überlassen. Frauen brauchen unabhängige Strukturen - auch an der Universität. Die Bürgerschaftsfraktion lehnt die Abschaffung des Frauenreferats daher entschieden ab.“
Die Hochschulgruppe DIE LINKE.SDS fordert den AStA auf, den Studentinnen die Möglichkeit zurück zugeben, ihre Interessen autonom artikulieren und durchsetzen zu können. Gitta Bockwold bringt es auf den Punkt. „Von einer geschlechtsneutralen Wirklichkeit sind wir weit entfernt: Frauen werden an der Uni vorrangig in der Verwaltung beschäftigt, je höher das Einkommen, desto niedriger Ihr Anteil. Auch und gerade an der Universität ist es daher dringend notwendig den Geschlechterwiderspruch aufzuarbeiten und zuzuspitzen. Solange nicht die Hälfte aller Professuren weiblich besetzt sind, brauchen wir für die Überwindung der patriarchalen Strukturen nicht weniger, sondern erheblich mehr Förderung weiblicher Selbstorganisation und Interessenvertretung. DIE LINKE.SDS steht für die Wiedereinführung und die Erhöhung der Finanzmittel für das Frauenreferat an der Uni Hamburg!“

http://www.die-linke-hamburg.de/politik/diskussionen/detail/artikel/frauen-brauchen-unabhaengige-strukturen-auch-an-der-universitaet-hamburg.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=194&cHash=68e4a1e1ad

Edith Sitzmann (Grüne)

Frauen sind selten in vielen Gemeinderäten. Die Grünen wollen das nun mit Frauenquoten auf den Wahllisten ändern. Die SPD ist skeptisch.

HENNING OTTE, DPA
Stuttgart Die Grünen im Landtag wollen mit einer bundesweit einmaligen Gesetzesänderung mehr Frauen den Weg in die Kommunalparlamente ebnen. Zur Kommunalwahl 2014 sollen Parteien Wahllisten mit gleichvielen Frauen und Männern aufstellen, forderte Grünen-Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann am Montag in Stuttgart. Ein Gutachten einer Berliner Kanzlei im Auftrag der Grünen habe ergeben, dass eine Frauenquote verfassungsrechtlich zulässig sei. "Damit steht einer Änderung des Kommunalwahlrechts nichts mehr im Wege." Bis Ende 2012 will die große Koalitionsfraktion gemeinsam mit der SPD einen Gesetzentwurf mit einem "Reißverschlussverfahren" vorlegen.
Grün-Rot kann das Kommunalwahlrecht mit einfacher Mehrheit im Landtag ändern, ist somit nicht auf die Zustimmung der Opposition angewiesen. Die SPD-Fraktion ist aber noch nicht überzeugt, dass der Weg rechtlich unproblematisch ist und will die Stellungnahme des Innenministeriums abwarten. Es müsse eine "völlig wasserdichte Lösung" sein, hatte Sabine Wölfle, frauenpolitische Sprecherin der Fraktion, erklärt. Ein Ministeriumssprecher sagte, selbstverständlich strebe man Verbesserungen für Frauen beim Wahlrecht an. Allerdings gebe es in so einer komplexen Rechtsfrage unterschiedliche Auffassungen, die überprüft werden müssten. Der Vize-Regierungschef und SPD-Vorsitzende Nils Schmid dringt aber wie die Grünen auf eine rasche Initiative, wie sie auch im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Sitzmann sagte, Baden-Württemberg sei bei der politischen Teilhabe von Frauen bundesweit Schlusslicht, obwohl 52 Prozent der Wahlberechtigten weiblich seien. In den Gemeinderäten seien im Schnitt 22 Prozent Frauen, in den Kreistagen 16 und im Landtag 18 Prozent.
Die Rechtsexperten sind in ihrem Gutachten der Frage nachgegangen, ob eine Quote die im Grundgesetz garantierte Freiheit politischer Parteien und die Wahlfreiheit der Bürger beeinträchtigt. Die Studie kommt laut Sitzmann zu dem Ergebnis, dass ein Eingriff in diese Grundrechte gerechtfertigt wäre, da er dazu beitrage, den Gleichstellungsauftrag der Verfassung umzusetzen.
Die Grünen wollen in ihrem Gesetzesvorschlag die Möglichkeit einbeziehen, dass in manchen Gemeinden nicht genügend Kandidatinnen gefunden werden. Im Text soll stehen: " Ausnahmsweise dürfen auch die den Frauen vorbehaltenen Listenplätze mit Männern besetzt werden, wenn sich nicht genügend Kandidatinnen zur Wahl stellen." Wenn sich eine Partei nicht an die Vorgaben hält, soll sie von den Wahlen ausgeschlossen werden.

http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/ueberregional/baden-wuerttemberg_artikel,-Gruene-wollen-Frauenquote-in-den-Kommunen-_arid,173297.html

Natalie Imboden (CH)

Das Grüne Bündnis rüttelt heftig an den Strassensignalen: Es will das Monopol der Berner Ampel-Männchen zu Fall bringen. Von Ampel-Damen hält die Stadt aber gar nichts.
Politikerinnen des Grünen Bündnisses wollen eine der letzten Männerbastionen stürzen: In einem Vorstoss fordern sie, dass künftig in Berner Verkehrsampeln neben Ampelmännchen auch deren weibliches Pendant aufleuchtet. «Die jetzige Signalisation repräsentiert die Realität kaum», so GB-Stadträtin Natalie Imboden. Denn obwohl die Frauen in Bern in der Mehrheit seien, dominierten bei Schildern und Piktogrammen noch immer die Männer. «Ich verlange, dass sich die Stadt hier endlich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt», so Imboden.
An den Verkehrstafeln und ...... Ampeln sollten auch Frauen aufleuchten. (meo)
Für ein ausgeglichenes Verhältnis kämpft auch Männerpartei-Präsident Peter Kunz. «Fraglich ist aber, ob das im Strassenbereich wirklich ein relevantes Thema ist.» Dieser Meinung ist offenbar auch der Gemeinderat: Er hat die GB-Forderung bachab geschickt. Wenig begeistert davon ist Imboden: «Einen Gegenvorschlag hätte ich schon erwartet.» Zudem würde in anderen Städten der Fussgängerverkehr bereits von Rock und Zopf tragenden Figuren geregelt – so im deutschen Zwickau.

http://www.20min.ch/news/bern/story/25033124

Serap Altinisik (terres des femmes)

Das Interview führte Lisa Sonnabend
"Oft ist den Unternehmen das Problem nicht bewusst"
Es ist ein unterschätztes Problem: Wenn Frauen sich bei der Arbeit krank melden, steckt oft häusliche Gewalt dahinter - doch nur wenige Unternehmen reagieren angemessen darauf. Serap Altinisik von Terre de Femmes erklärt im Interview, was Firmen tun können.

SPIEGEL ONLINE: Jede vierte bis fünfte Frau, die sich in der Arbeit krank meldet, tut dies nach Schätzungen des American Institute on Domestic Violence, weil ihr daheim Gewalt zugefügt wird. Wie gravierend ist das Problem in Deutschland?

Altinisik: Studien dafür gibt es leider noch nicht. Ich bin mir aber sicher, dass die Zahl in Deutschland ähnlich hoch ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann ein Unternehmen erkennen, dass eine Frau unter häuslicher Gewalt leidet?

Altinisik: Man sollte aufmerksam werden, wenn eine Frau häufig Rollkragenpullis trägt oder im Sommer immer lange Hemden und lange Hosen. Betroffene Frauen haben oft Schrammen im Gesicht und an den Händen. Andere Indikatoren sind häufige Krankheitsausfälle, häufiges Zuspätkommen, Konzentrationsschwächen, geringe Motivation, ineffektive Arbeitsweise. Meist traut sich dann keiner im Unternehmen, etwas zu tun - auch wenn alle fast sicher sind, was mit der Frau passiert.

SPIEGEL ONLINE: Sollte ein Arbeitgeber im Verdachtsfall die Frau direkt ansprechen?

Altinisik: Das Unternehmen sollte natürlich nicht wegschauen, aber auch nicht unbedingt von sich aus auf die Frau zugehen. Wichtiger ist es, dass die Firma eine Workplace Policy vereinbart - eine Selbstverpflichtung gegen häusliche Gewalt, die Frauen Mut machen und sie unterstützen soll. Die Mitarbeiterinnen in Unternehmen mit einer solchen Vereinbarung sind eher bereit, sich zu offenbaren. Das haben Erfahrungen aus Großbritannien gezeigt.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht eine solche Selbstverpflichtung von Unternehmen konkret aus?

Altinisik: Eine Workplace Policy sollte aus drei Grundpfeilern bestehen. Einer ist die innerbetriebliche und öffentliche Positionierung gegen häusliche Gewalt, damit jeder Mitarbeiter davon erfährt. Der zweite ist das Angebot von Informationsmaterialien - zum Beispiel Plakate, Informationsbroschüren oder eine Telefonnummer am Schwarzen Brett, die auf eine Beratungsstelle verweist. Der dritte Pfeiler ist das Vorhandensein einer Ansprechsperson, die qualifiziert ist und fortgebildet wird. Sie soll den Frauen helfen, geeignete Beratungsstellen zu finden oder mit ihnen gesetzliche Möglichkeiten durchgehen.

SPIEGEL ONLINE: Warum fällt es den Opfern von häuslicher Gewalt so schwer, das Schweigen zu brechen?

Altinisik: Oft trauen sich die Opfer nicht, den ersten Schritt zu machen. Sei es aus Scham und Angst oder weil häusliche Gewalt immer noch ein Tabuthema in der Gesellschaft ist, weil es als Privatangelegenheit gesehen wird. In Deutschland muss sich erst noch das Bewusstsein dafür entwickeln, dass Gewalt in den eigenen vier Wänden genauso zu ächten und zu verfolgen ist wie Gewalt außerhalb der vier Wände.

SPIEGEL ONLINE: Aus welchen Milieus stammen die betroffenen Frauen?

Altinisik: Eine repräsentative Studie, die vom Familienministerium 2004 herausgebracht wurde, zeigt, dass häusliche Gewalt in allen Schichten vorkommt. Egal ob eine Frau arm oder reich ist, egal ob sie Deutsche oder Ausländerin ist, egal ob sie eine Führungsposition inne hat oder eine einfache Angestellte ist.

SPIEGEL ONLINE: Was halten deutsche Unternehmen von der Selbstverpflichtung?

Altinisik: Bislang hat erst ein Unternehmen in Deutschland eine solche Workplace Policy - und zwar das Kosmetikunternehmen Body Shop, dessen Mutterkonzern in Großbritannien sitzt, wo Selbstverpflichtungen schon üblich sind. Am Freitag haben wir von einem zweiten deutschen Unternehmen eine feste Zusage bekommen, eine Workplace Policy einzurichten. Ich bin sehr optimistisch, dass dies irgendwann auch in Deutschland Normalität wird. Unternehmen reagieren meist positiv, wenn wir ihnen von der Idee erzählen. Oft ist ihnen das Problem gar nicht bewusst gewesen. Nun sind Pilotprojekte nötig, damit die anderen Unternehmen sehen, was eine Workplace Policy bewirken kann und sie sich daran ein Beispiel nehmen können. Unternehmen sind ein gesellschaftlicher Akteur und haben damit Verantwortung zu tragen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,519351,00.html

Vera Morgenstern (ver.di)

Die Frauen kommen
ver.dis Führungsgremien werden weiblich - mindestens zur Hälfte
VON CLAUDIA VON ZGLINICKI
"Das soll uns erstmal jemand nachmachen", sagt Vera Morgenstern, die Bundesfrauensekretärin von ver.di, ganz gelassen. "Wenn es jetzt klappt wie von Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat beschlossen, schreibt ver.di Geschichte in Sachen Frauenpolitik. Nichts weniger als das."
Frauen, das fordert die Bestimmung über die Quote seit der ver.di-Gründung, müssen nach einer Übergangszeit spätestens 2007, zum zweiten Bundeskongress der Gewerkschaft, entsprechend ihrem Anteil an der Mitgliedschaft in allen Leitungsgremien vertreten sein. Also mindestens zur Hälfte. Das steht in der Satzung, der Gewerkschaftsrat hat es 2004 beschlossen, es gilt für ehrenamtliche Gremien und hauptamtliche Führungskräfte, ob gewählt oder nicht.
Praktisch und rein rechnerisch bedeutet das: In absehbarer Zeit wird es mehr Frauen als Männer in Führungspositionen geben. In einer Landesleitung, die aus drei Menschen besteht, sind zwei davon weiblich. In jeder. Alle, die bis Anfang April neu gewählt wurden, sehen - bis auf die im Saarland - nun auch so aus. Auch im nächsten Bundesvorstand, der im Herbst gewählt wird, muss die Quote umgesetzt werden. Es wird Zeit, sagen manche. Der Weg bis zur angemessenen Mitwirkung an Entscheidungsprozessen war lang für die Frauen, und in den anderen Gewerkschaften sind sie noch weit davon entfernt.
Alle anderen Versuche waren untauglich
Andere kritische Stimmen hätten lieber keine Quote. Doch die Erfahrung der Frauenpolitikerinnen zeigt, dass es ohne nicht geht. "Die Quote ist nicht die Traumvorstellung", stellt Morgenstern fest, "sondern die Antwort auf unsere langwierigen Versuche, ohne auszukommen. Mit Appellen fing es an, damals, in den 70er Jahren: Bitte wählt Frauen in die Leitungen! Dann kam in den 80ern der Versuch mit Frauenförderplänen. Wieder nichts. Anfang der 90er habe ich in der ÖTV die Auseinandersetzung über die schlichten Worte ,sollen' und ,müssen' miterlebt: Es hieß, Frauen sollen in Leitungen vertreten sein. Vier Jahre später hatte sich nichts bewegt. In sieben von 16 Landesbezirksleitungen der ÖTV saß jeweils eine Frau, mehr nicht. Das ist der Grund für die Quote: Alle anderen Versuche waren untauglich. Auch überraschend viele Männer haben das bei der ver.di-Gründung gesagt."
Die Übergangsphase bis zur Umsetzung der Frauenquote bei ver.di geht zu Ende. Schwierig wird es, weil sich gleichzeitig drei Landesbezirke zu einem zusammengeschlossen haben und die ver.di-Führungsgremien generell verkleinert werden. Es sind weniger Positionen zu besetzen, mit mehr Frauen. Vor den vielen Männern, die jetzt bei ver.di in die zweite Reihe treten, habe sie Respekt und Hochachtung, erklärte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Sie fordert, das Beispiel solle Schule machen. Ein Frauenfördergesetz für die private Wirtschaft solle Unternehmen verpflichten, eine Frauenquote für Spitzenpositionen durchzusetzen.

http://publik.verdi.de/2007/ausgabe_04/gewerkschaft/inside_outside/seite_2/A2

Karin Yrvin (NOR)

«Mehr Frauen in den Führungsgremien bedeutet bessere strategische Entscheidungen und grössere Rentabilität», ist Karin Yrvin, Staatssekretärin im norwegischen Wirtschafts- und Handelsministerium, überzeugt.

http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/817056.html

Marianne Jönsson-Olm (Gleichstellungsbeauftragte Lüchow)

LÜCHOW (dpa). Um die angeblich frauenfeindlichen Urinale im "Rolling Stones Fan Museum" im niedersächsischen Lüchow im Wendland ist eine Debatte entbrannt.

Die Herrentoiletten namens "Kisses" sind geformt wie aufgerissene Münder, die Öffnungen eingerahmt von knallroten Lippen - die niederländische Künstlerin Meike van Schijndel hat sie an das Logo der britischen Kultband angelehnt.

Die Urinale halte sie für nicht zumutbar, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Marianne Jönsson-Olm von der Samtgemeinde Lüchow nach mehreren Beschwerden.

"Das ist Kunst", verteidigte Museumsbesitzer Ulrich Schröder die beiden Urinale. "Da wird nix abgebaut, die bleiben dran."

Die Becken stießen bereits in New York und Wien auf heftigen Widerstand von Feministinnen.

http://www.aerztezeitung.de/panorama/auch_das_noch/article/803032/oral-affaere-zoff-klo-stones-museum.html

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

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