Weibliche Führungskompetenz
Hallo Narrowitsch!
Denke ich an die Gründerzeit, der Deutschland und Europa so unendlich viel verdankt, wundert es mich , wie Weltkonzernen entstehen konnten, ohne dass die Gründer St. Gallen oder "Eliteschulen in den USA" je gesehen haben.
Ich frage mich da auch immer wieder, wie es eigentlich sein kann, daß es so große qualitative Unterschiede zwischen den Generationen gibt. Wieso es die Alten so oft nicht geschafft haben, ihre Nachfolger vernünftig einzuarbeiten.
In kleinem Maßstab habe ich das mal in einer Fahrradfabrik miterlebt. Da gab es einen Meister, der für die Halle verantwortlich war, in der Vormontage, Endmontage und Verpackung der Fahrräder stattfand. Als ich da anfing, hab ich miterlebt, wie dieser Meister, der da auch gerade neu angefangen hatte, dafür eingearbeitet wurde. Der hat da an jeder Arbeitsstation mal ein paar Tage gearbeitet. So wußte er, worum es überall geht, und so konnte er alles viel besser einschätzen und die Arbeit gut koordinieren. Er war sich auch nie zu fein, selbst mit anzupacken, wenn es mal irgendwo einen Engpaß gab.
Allerdings mußte er das immer vor den höheren Chefs verheimlichen. Wenn die sahen, daß er selbst am Fließband mit anpackte, bekam er von denen sofort einen Anschiß.
Er verließ die Fabrik aber schon bald wieder. Ein Nachfolger wurde eingestellt, und zur Einarbeitung dieses Nachfolgers wurde ein Meister aus einer anderen Fabrik rangeholt. Obendrein gab es mittlerweile noch einen dritten Meister in der Halle. Die Firma hatte nämlich in der Zwischenzeit eine andere Firma geschluckt, deren Fahrräder nun auch in dieser Fabrik gebaut wurden. Weil die Beschäftigten der geschluckten Firma anfangs noch hofften, daß die Produktion in ihrer Fabrik weiter laufen könnte, haben sie alles Mögliche an den in unserer Fabrik produzierten Rädern bemängelt. Letztendlich wurde dann als Kompromiß ein Meister aus dieser Firma in unsere Fabrik versetzt. Der sollte da die Qualität kontrollieren.
So gab es nun also gleich drei Meister in der Halle, und das brachte das totale Chaos. Auch wurde der neue Meister gar nicht richtig eingearbeitet. Der hat nie irgendwo mit angepackt. So lernte er die Arbeit nie kennen und wurde auch von den anderen Mitarbeitern gar nicht richtig akzeptiert. Der hatte von Anfang an gar keine Chance.
Ich hab dann bald da aufgehört, und etwa 1-2 Jahre später wurde die Fabrik dicht gemacht, was aber auch damit zusammen hing, daß zu der Zeit Fördermittel ausliefen.
Und genau so etwas geschieht heute oft auch in großem Maßstab in Familienunternehmen. Da werden die Nachfolger nicht mehr erst einmal in die Fabrikhalle gestellt, um da mitzuarbeiten. Nein, die besuchen Privatschulen und danach "Elite-Universitäten". Dann kommen sie irgendwann zurück und haben immer noch nichts von dem gelernt, was sie eigentlich können müßten.
Man könnte doch normalerweise annehmen, daß die Väter dafür sorgen, daß ihre Nachfolger richtig eingearbeitet werden. Manchmal geschieht das vermutlich auch. Aber offensichtlich nicht immer.
Ich vermute, daß das vor allem daran liegt, daß die Mütter in den Familien das Sagen haben. Und die wollen oft, daß die Kinder nicht irgendwelche unfeine Arbeit in einer Fabrikhalle machen. Das wäre ja peinlich. Nein, sie sollen studieren und der Arbeit möglichst fern bleiben. Die Väter machen wahrscheinlich dann oft den Fehler, das zu dulden und zu hoffen, daß die Kinder später schon noch alles lernen werden. Aber das klappt dann auch meist nicht, weil den Kindern dann schon ein riesengroßes Ego anerzogen wurde, was sie daran hindert, von "niederen" Beschäftigten der Firma zu lernen. Und so sitzen sie dann in ihren Chef-Büros, wissen nichts und können nichts und haben somit nur noch die Möglichkeit, irgendeinen Käse durchzuziehen, den sie in irgendeiner Manager-Zeitschrift oder an der Uni gelernt haben. Wenn das aber gerade überhaupt nicht paßt, dann rutscht die Firma eben in die roten Zahlen. Das übergroße Ego hindert sie dann auch noch daran, ihre eigenen Fehler zu erkennen. Stattdessen wird die Schuld Anderen zugeschoben. Und mit betont autoritärem Auftreten soll die eigene Inkompetenz getarnt werden. Bis dann irgendwann die Insolvenz erreicht ist.
Freundliche Grüße
von Garfield
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Melkor,
26.07.2010, 20:28
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Garfield,
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Narrowitsch,
27.07.2010, 02:01
- Weibliche Führungskompetenz - Garfield, 27.07.2010, 12:11
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Garfield,
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