Was trennt Mann und Frau wirklich voneinander?
23.02.2007 15:14 Uhr
Geschlechterrollen
Gene oder Gesellschaft?
Was trennt Mann und Frau wirklich voneinander? Ein Gespräch mit dem Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt.
Von Christina Berndt und Philip Wolff
SZ: Herr Eibl-Eibesfeldt, die unterschiedlichen Fähigkeiten der Geschlechter drängen zur Frage: Sind sie naturgegeben oder Erziehungssache? In der Dominikanischen Republik werden manche Jungen, die Guevedoces, als Mädchen erzogen. Wie kann das passieren - und mit welchen Folgen?
Bei den Guevedoces greift die frühe geschlechtliche Weichenstellung durch das männliche Hormon Testosteron im Mutterleib nicht, es wird nicht korrekt umgewandelt, und so entwickeln sich die äußeren Genitalien dieser Kinder zunächst in die weibliche Richtung. Sie sehen aus wie Mädchen, werden entsprechend erzogen und verhalten sich auch so. Aber wenn dann mit der Pubertät der zweite männliche Hormonschub einsetzt, werden die Jugendlichen auf Mann umgepolt, die Hoden entwickeln sich.
SZ: Guevedoces heißt ja auch nichts anderes als "Eier mit zwölf".
Richtig, und die Klitoris wächst sich plötzlich zum Penis aus. Dann verhalten sie sich eben wie Jungen. Sie schneiden sich die Haare, gehen körperlich harter Arbeit nach, und die meisten heiraten später Frauen.
SZ: Ist das nicht erstaunlich für jemanden, der als Mädchen erzogen wurde?
Warum erstaunlich? Die Idee, dass unterschiedliches Verhalten allein auf Erziehung und Übung zurückgeht, stimmt nun mal nicht. Die Geschlechter unterscheiden sich allein schon morphologisch stark - in der gesamten Menschheitsentwicklung. Der Mann hat 40 Prozent Muskelmasse, die Frau nur 30 Prozent, er ist größer, hat breitere Schultern, das Becken ist schmaler.
Deshalb kann er sich schneller im Gelände fortbewegen. Zwar können Frauen, wenn sie stark trainieren, eine gewisse Vermännlichung erleiden, ihr Hormonhaushalt gerät durcheinander. Aber dass die Geschlechter gleich seien, wie in den vergangenen Jahrzehnten oft behauptet, ist unsinnig.
Im übrigen sind auch die Leserkommentare recht interessant.
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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein
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