Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Die Zeit: Angela Merkel und die Frauenfrage

Christine ⌂, Wednesday, 07.03.2007, 12:43 (vor 6908 Tagen)

© ZEIT online 6.3.2007 - 20:25 Uhr

Angela Merkel und die Frauenfrage

Anlässlich des 20. Geburtstages des Familienministeriums diskutierte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren fünf Ministerinnen und sechs Jugendlichen über Frauen- und Familienpolitik und offenbarte einige kurze Einblicke in das Seelenleben einer Kanzlerin. Von Christoph Seils

Vor 20 Jahren war Angela Merkel eine fleißige Physikerin. Sie saß in ihrem kleinen Büro in der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. Sie war im Beruf erfolgreich, aber von Männern umstellt, die vermutlich vor ihr Karriere machen würden. Das war auch in der DDR so, trotz der flächendeckenden Versorgung mit Krippenplätzen. Über vieles hat sie sich die Nachwuchswissenschaftlerin Angela Merkel damals Gedanken gemacht, vor allem über Theoretische Physik. Aber vermutlich nicht darüber, dass sie einmal die mächtigste Frau Europas sein würde. Auch die Tatsache, dass die Frauenfrage "mal eine wichtige Rolle in meinem Leben einnimmt", das habe sie damals nicht erwartet, sagt die Bundeskanzlerin heute.

Für eine andere Politikerin war das Thema dagegen genau zu jener Zeit von herausragender Bedeutung: 1987 wurde die Christdemokratin Rita Süssmuth im Westen unter Kanzler Helmut Kohl die erste deutsche Frauenministerin. Der exakte Geburtstag des Frauenministeriums ist zwar erst am 5. Juni. Aber warum sollten die Frauen diese historische Wegmarke in der Geschichte der Bewegung nicht ein paar Monate lang feiern. Zumal wenn es gute Anlässe gibt, wie zum Beispiel den am 8. März anstehenden Internationalen Frauentag. Also hatte Frauenministerin Ursula von der Leyen am Dienstagvormittag die Bundeskanzlerin und alle ihre Kabinettskolleginnen in Berlin zu einer Diskussionsrunde geladen. Rita Süssmuth, die alte Dame der christdemokratischen Frauenpolitik, war auch dabei. Und damit die mächtigen Frauen auf dem Podium nicht unter sich blieben, hatte das Ministerium auch noch sechs Jugendliche beiderlei Geschlechts dazu gebeten, die allerdings eher als schmückendes Beiwerk dienten. Brav erklärten sie, wie aufgeschlossen sie für ein modernes Frauen- und Familienbild seien.

Viele Gratulanten für einen runden Geburtstag. Doch vor allem für die Bundeskanzlerin war die Veranstaltung auch eine Gelegenheit, jenseits der Tagespolitik mal ein paar klare Worte zu finden, um den Frauen den Rücken zu stärken und den Männern ins Gewissen zu reden. Einen "Skandal" nannte sie es, dass in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen keine einzige Frau arbeite, "unglaublich gering" fand sie die Zahl der C4-Professorinnen. Zugespitzte Worte für eine sonst so auf Ausgleich bedachte Bundeskanzlerin, aber sie erweckte den Eindruck, als müsse sie sich dies einmal von der Seele reden, so unter Frauen.

Die Politik wähnt sich schon ein paar Schritte weiter als Wirtschaft und Wissenschaft. Immerhin seien im Bundeskabinett "wichtige Kernbereiche der Politik" in die Verantwortung von Frauen übergegangen, sagte die Kanzlerin und damit sei das Kabinett "weit von dem entfernt, was man Frauen vor Jahrzehnten zugetraut hätte". Da nickten die fünf anwesenden Ministerinnen: Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul, Justizministerin Brigitte Zypries, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Forschungsministerin Annette Schavan sowie Frauen- und Familienministerin Ursula von der Leyen. Jede von ihnen könnte vermutlich alleine den ganzen Vormittag zum Thema Frauen in der Politik bestreiten. Doch in einer solch großen Runde müssen sich sogar Ministerinnen kurz fassen.

Weiter gehts hier

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7. Familienbericht http://dip.bundestag.de/btd/16/013/1601360.pdf
Seite 234, Familienarbeit: - Väter 70 Std. - Mütter 46 Std.
Siehe auch: http://www.wgvdl.com/forum/index.php?id=12360

--
Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

BPA: Mehr Chancen für Frauen und Männer

Christine ⌂, Wednesday, 07.03.2007, 12:48 (vor 6908 Tagen) @ Christine

http://www.bundesregierung.de

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

"REGIERUNGonline" - Wissen aus erster Hand

Gleichstellungspolitik
Mehr Chancen für Frauen und Männer
Veröffentlicht am: Di, 06.03.2007

Vor 20 Jahren hat die Bundesrepublik Deutschland ein Bundesfrauenministerium
erhalten. Wie kam es dazu? Welche Themen waren damals aktuell, welchen
Herausforderungen steht die Gleichstellungspolitik heute gegenüber? Welches
Verhältnis werden die Geschlechter in der Zukunft haben?

Zwei Tage vor dem Internationalen Frauentag diskutierten am 6. März drei
Familienministerinnen zu diesen Fragen: die amtierende Bundesministerin Ursula
von der Leyen und zwei ihrer Vorgängerinnen.

Die eine ist die heutige Bundeskanzlerin. Angela Merkel war von 1991 bis 1994
Bundesministerin für Frauen und Jugend. Die andere, Rita Süssmuth, wurde 1987
erste Frauenministerin.

Sie zogen mit den derzeitigen Ministerinnen der Bundesregierung Bilanz über
Erfolge und aktuelle Probleme der Gleichstellungspolitik.

Vereinbarkeit nicht mehr "ob" sondern "wie"

Merkel lobte die neue Familienpolitik, weil sie echte Wahlfreiheit anstrebe. Dazu
gehörten Bedingungen, die Familie und Beruf vereinbaren.

"Familienbelastung kann nicht nur Frauensache sein", sagte die Bundeskanzlerin.
"Ohne eine neue Aufteilung der Arbeit, der Verantwortlichkeiten in Familie und
Beruf ist Gleichstellung nicht durchsetzbar." Und sie hob hervor: "Erziehung ist
eine Mutprobe für Männer."

Elterngeld schafft neue Wege

Bundesfamilienministerin von der Leyen schuf bereits die ersten Voraussetzungen
für eine echte Gleichstellung von Mann und Frau: Elterngeld und Vätermonate.

"Eine Generation junger Frauen wächst heran, die Lust hat, Verantwortung zu
übernehmen und ihr Leben zu gestalten", sagte die Ministerin. Daher sei die
Beteiligung der Frauen an der Erwerbsarbeit eines der wichtigsten
gleichstellungspolitischen Ziele.

Außerdem gelte es, die alten Rollenbilder zwischen Männern und Frauen endgültig
zu überwinden. Männer seien wichtige Partner und Adressaten der
Gleichstellungspolitik. Auch Männer müssen sich für die Familie entscheiden
können, so von der Leyen. Heute müssten Frauen und Männer einseitige
Rollenbindungen aufgeben und ihren eigenen Lebensentwurf verwirklichen.

Familienpolitik in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Rita Süssmuth erinnerte daran, dass sich die Gesellschaft schwer täte mit
Veränderungen. Daher seien Quotenregelungen "wichtig wie Krückstöcke für die
Gesellschaft". Durch die Bundeskanzlerin hätte die Gleichstellungsproblematik
einen Schub bekommen. Aber gerade die jungen Frauen sollten das Erreichte nicht
als selbstverständlich ansehen. Nur ein Beispiel: Es gibt im Moment nicht eine
Ministerpräsidentin in Deutschland.

Keine Gesellschaft kann auf Frauen verzichten

Frauen von heute sind die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten.
Die Mädchen haben bessere Zensuren als ihre männlichen Klassenkameraden. 48
Prozent der Studierenden sind Frauen. Aber nur vier Prozent der höchst dotierten
Professuren sind von Frauen besetzt.

In Top-Positionen der Wirtschaft sieht es noch düsterer aus. In Deutschland gibt
es gerade einen weiblichen Vorstand.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan warnte davor, dass hochausgebildete
Frauen auf dem Weg in die Karriere verloren gingen. Daher müsse ganz konkret
Frauenförderung vorangebracht werden.

Etliche Unternehmen haben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon als
Standortvorteil begriffen. Bundesjustizministerin Zypries verwies darauf, dass
aber nur auf Basis von Selbstverpflichtungen der Unternehmen für mehr
Familienfreundlichkeit geworben werden könne. Auch im öffentlichen Bereich seien
nicht alle Probleme gelöst.

Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung
E-Mail: InternetPost@bundesregierung.de
Internet: http://www.bundesregierung.de/ Dorotheenstr. 84
D-10117 Berlin
Telefon: 01888 / 272 - 0
Telefax: 01888 / 272 - 2555

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7. Familienbericht http://dip.bundestag.de/btd/16/013/1601360.pdf
Seite 234, Familienarbeit: - Väter 70 Std. - Mütter 46 Std.
Siehe auch: http://www.wgvdl.com/forum/index.php?id=12360

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

BPA: Mehr Chancen für Frauen und Männer

Garfield, Wednesday, 07.03.2007, 15:29 (vor 6908 Tagen) @ Christine

Hallo Christine!

"Erziehung ist eine Mutprobe für Männer."

Korrekt wäre: "Kinderzeugen ist eine Mutprobe für Männer."

Freundliche Grüße
von Garfield

BPA: Mehr Chancen für Frauen und Männer

Conny, NRW, Wednesday, 07.03.2007, 16:38 (vor 6908 Tagen) @ Garfield

Hallo Christine!

"Erziehung ist eine Mutprobe für Männer."

Korrekt wäre: "Kinderzeugen ist eine Mutprobe für Männer."

Freundliche Grüße
von Garfield

Kinder zeugen ist eine Mutprobe und Vater sein dann die Krankheit.

BPA: Mehr Chancen für Frauen und Männer

Adam, Wednesday, 07.03.2007, 20:34 (vor 6908 Tagen) @ Garfield

"Erziehung ist eine Mutprobe für Männer."

Unfug. In der Erziehung sind eindeutig die Frauen die mutigeren. Denn wer keine Angst hat, braucht auch keinen Mut.

Gruß
Adam

BPA: Mehr Chancen für Frauen und Männer

Adam, Wednesday, 07.03.2007, 20:33 (vor 6908 Tagen) @ Christine

Keine Gesellschaft kann auf Frauen verzichten

Klar. Nicht mal ich kann das ;-)
Hat je schon einmal eine Gesellschaft auf Frauen verzichtet? Was sollen also solch blöde Schlagzeilen?

Wir können aber alle auf den Feminismus verzichten, denke ich, außer einigen wenigen Tanten, denen sonst nichts bliebe. Daß die bestimmen, wie wir alle zu sein haben, ist schon außerordentlich bescheuert.

Gruß
Adam

Bundeskanzlerin und Bundesministerinnen ziehen Bilanz

Christine ⌂, Wednesday, 07.03.2007, 12:52 (vor 6908 Tagen) @ Christine

BMFSFJ Internetredaktion

Pressemitteilung Nr. 174/2007
Veröffentlicht am 06.03.2007
Thema: Gleichstellung

20 Jahre Bundesfrauenministerium: Bundeskanzlerin und Bundesministerinnen ziehen
Bilanz

Angela Merkel und Ursula von der Leyen sprechen zum Internationalen Frauentag mit
Bundesministerinnen und Jugendlichen über Erfolge und Ziele der
Gleichstellungspolitik

20 Jahre Bundesfrauenministerium - was hat die Gleichstellungspolitik gebracht?
Darüber diskutieren heute Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Bundesministerinnen
Ursula von der Leyen, Annette Schavan, Ulla Schmidt, Heidemarie Wieczorek-Zeul
und Brigitte Zypries sowie die erste Bundesfrauenministerin Prof. Rita Süssmuth
und sechs Jugendliche anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März.

"Wir brauchen in unserem Land nicht nur gut ausgebildete Frauen, wir brauchen
auch Frauen, die ihre Qualifikationen tatsächlich beruflich umsetzen und
gemeinsam mit den Männern Beruf und Familie vereinbaren können. So können wir
einen wichtigen Beitrag dazu leisten, als innovative, leistungsfähige und
familienfreundliche Gesellschaft im globalisierten Wettbewerb mitzuhalten.
Deshalb setzen wir alles daran, gemeinsam die Gleichstellung weiter
voranzubringen. Das nutzt uns allen", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 20.
Geburtstag des von ihr selbst vor 13 Jahren geführten Ministeriums.

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der
Leyen, erklärt: "20 Jahre nach der Einrichtung des Bundesfrauenministeriums sehe
ich es heute als eine wesentliche Herausforderung an, auch die Männer als Partner
und Adressaten der Gleichstellung anzusprechen. Wir müssen erreichen, dass sich
die herkömmlichen Rollenbilder - für Männer wie für Frauen - öffnen. Dazu gehört,
dass Frauen die Wahlfreiheit haben, Familie und Beruf nach ihren Wünschen zu
vereinbaren. Dazu gehört auch, dass Männer Familienleben und Kindererziehung in
ihre Lebensplanung integrieren können und dies gesellschaftlich anerkannt wird."

Die Gleichstellungspolitik der Bundesregierung verfolgt drei Ziele:

* Chancengleichheit im Erwerbsleben: gleicher Lohn für gleiche Arbeit,
gleiche Karrierechancen und gleiche Perspektiven beruflicher und privater
Selbstverwirklichung für Frauen und Männer.
* Überwindung von Rollenstereotypen: Frauen und Männer sind gemeinsam
verantwortlich für die Familie, die Erziehung der Kinder und die Betreuung
alter oder pflegebedürftiger Familienmitglieder.
* Schutz von Frauen vor Gewalt und die Beratung von Frauen und ihren Partnern
bei Schwangerschaftskonflikten.

Links:
Ausgewählte Publikationen zum Thema
20 Jahre Bundesfrauenministerium: Rollen erweitern - Perspektiven gewinnen -
Gleichstellung verwirklichen
http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=96096.html

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
E-mail: poststelle@bmfsfj.de
Internet: http://www.bmfsfj.de

Servicetelefon: 01801 90 70 50
Wann können Sie anrufen?
montags bis donnerstags von 7.00 Uhr bis 19.00 Uhr

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7. Familienbericht http://dip.bundestag.de/btd/16/013/1601360.pdf
Seite 234, Familienarbeit: - Väter 70 Std. - Mütter 46 Std.
Siehe auch: http://www.wgvdl.com/forum/index.php?id=12360

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Bundeskanzlerin und Bundesministerinnen ziehen Bilanz

Garfield, Wednesday, 07.03.2007, 16:37 (vor 6908 Tagen) @ Christine

Hallo Christine!

Der wesentliche Punkt zwischen all dem Bla-Bla ist der:

"Wir brauchen in unserem Land nicht nur gut ausgebildete Frauen, wir brauchen auch Frauen, die ihre Qualifikationen tatsächlich beruflich umsetzen...

Nur darum geht es: Mehr Frauen ins Berufsleben zu drängen, um so die Löhne noch effektiver herunter drücken zu können.

Am Ende sieht das dann so aus, daß Männer wie Frauen - sofern sie überhaupt noch Arbeit finden - für Niedrigstlöhne arbeiten und obendrein am Wochenende und nach Feierabend noch legale oder illegale Nebenjobs haben müssen, weil das Geld vorn und hinten nicht reicht.

Ihre Kinder - sofern sie überhaupt noch welche haben - kriegen sie kaum noch zu sehen. Die sind dann in Kinderkrippe, Kindergarten oder Ganztagsschule, und wenn sie aus der Schule raus sind, kriegen sie ALG II und 1-Euro-Jobs und lungern ansonsten auf der Straße herum.

Das ist also die Traumvision der Frau Merkel.

Freundliche Grüße
von Garfield

Die Zeit: Angela Merkel und die Frauenfrage

Rainer ⌂, Wednesday, 07.03.2007, 23:06 (vor 6907 Tagen) @ Christine

Hallo

Angela Merkel und die Frauenfrage

Zu Angela Merkel fällt mir nur ein, das man den Frauen- und Behindertentag zu einem schlagkräftigen Benachteiligten-Tag zusammenlegen sollte.

Rainer

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