Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Eine kurze Anmerkung zum "Andere-Wange-Syndrom"

DvB, Thursday, 06.01.2011, 19:20 (vor 5545 Tagen) @ Chato

Das "Hinhalten der linken Wange" (die Reihenfolge ist hier für das
Verständnis wichtig) betrifft einen anderen Christen oder einen Nachbarn
z.B. (inimicus), nicht aber einen Feind (hostes) [dieselbe Unterscheidung
gilt übrigens auch für Begriffe wie "Feindesliebe" etc. pp]. Wer das
nicht weiß und folglich nicht mitbedenkt, der versteht den Text (hier z.B.
Mt 5,39) ganz verkehrt und kommt zu völlig bescheuerten Schlüssen.

Hmpf. Ich kann kein Aramäisch. Aber meines Erachtens ist der Sinn anhand des ganzen Kontexts klar genug. Da scheint mir Deine These mehr als gewagt. Ohne Zurkenntnisnahme der Bibelfälschung wird es schwierig, an einen aristokratischen Jesus zu glauben.

Wenn ein Rechtshänder einen anderen auf dessen rechte Wange
schlägt, dann macht er das aus anatomisch-geometrischen Gründen mit dem
Handrücken.

Schon möglich. Oder auch einfach mit der Faust.

So schlägt ein Herr seinen Sklaven, wenn er ihm
sozusagen eine Kopfnuß verpaßt. Wer eine Watschn auf die rechte Wange
erhielt und es dabei beläßt, beläßt dem anderen seine Anmaßung, ihn
wie ein Sklave gedemütigt zu haben. Jesus rät davon ab, sich so zu
verhalten und empfiehlt, den anderen in eine Zwickmühle zu setzen und sich
die geraubte Würde auf kluge und edle Art zurückzuholen.

Ach, das müßten ja alles wahre Feingeister gewesen sein, bei denen so etwas hätte funktionieren mögen. Sehr realistisch scheint mir das nicht. Und es geht fast im ganzen Matthäus 5 um Übererfüllung, Selbstdemütigung, Entselbstung und da sogar die direkte Aufforderung, dem Bösen nicht zu widerstehen.

Man muß sich hier genau in die Situation versetzen. Wer würde bei einem
Setting wie dem oben beschriebenen jetzt noch einmal ausholen und mit der
rechten Handfläche auf die linke Wange schlagen?

Hrr - hast Du das schonmal gemacht? Versucht, jemanden zu beschämen? Hats geklappt? Dann hattest Du aber Glück, jemanden erwischt zu haben, der noch ein Schamgefühl hatte. Für so jemanden ist es aber gerade ziemlich untypisch, sich überhaupt erst in der beschriebenen Weise zu überheben.

Will heißen, in so einer Situation ist das ein vollkommen untaugliches Konzept, wenn es auf sowas abzielen soll.

Was würde ihn das denn an Reputation kosten?

Als Schamloser unter Schamlosen? In einer Zeit, wo die Geldwechsler im Tempel rumschachern? Hm, garkeine?

Und als wen würde er den anerkennen, den er im Moment
zuvor noch zu demütigen meinte?

Als pazifistischen Deppen mit masochistischer Ader, der sich allein für so eine schmierige Impertinenz noch ein paar Tritte in die Fresse verdient hat?

Den Zuhörern damals war direkt klar, von was Jesus hier redete. Heute ist
das nicht mehr so, jedenfalls nicht, wenn nicht genau gelesen und genau
nachgedacht wird.

Mir scheint eher, daß heute klarer ist als je zuvor, was Opferadel ist.

Die heutigen Menschen sind sehr oberflächlich und seicht geworden.

In mancher Hinsicht schon. In mancher aber auch vollkommen überspitzt und überzüchtet. So daß sie gerne Bedeutungen instinktieren, wo keine sind.

Ihnen ist genaues Mitdenken eher fremd. Es ist wichtiger, einer subtilen
Situation eine Bedeutung zu "geben", die den eigenen Vorannahmen
entspricht, und sich damit selbst zu bestätigen, anstatt eine tiefere
Bedeutung zu begreifen.

Hm. DAS kenn ich eigentlich nur von Weibern. :o

Schade. Da rauscht eigentlich alles Wesentliche an ihnen vorbei. Man könnte
natürlich sagen, daß das nichts ausmacht, wenn sie es ja nicht einmal
merken. Aber zu was machte man einen, über den man so dächte? Wäre er
gekränkt, wenn er das wüßte? Oder wäre ihm das auch egal?

Es ist ihnen an sich bestimmt egal, aber zugeben würden sie das nie. Simulation über alles. Wobei ich eher bezweifle, daß es ein "an sich" bei ihnen überhaupt gibt. Diese lassen sich treiben, sie werden gelebt.

Du meinst ja, der Mensch sei frei. Das glaube ich nicht. Oder es stellt sich die Frage: wo beginnt der Mensch? Diese sind nicht frei. Denk doch an Dich, wie "frei" warst Du denn, als Du ein Kind warst, bevor Dein Bewußtsein einigermaßen erwachte?

Bei Jesus Christus geht es immer um souveräne menschliche Würde und um
Wahrheit. Liegt es vielleicht daran, daß nichts mehr davon übrig ist,
warum solches heute so unverständlich geworden ist?

Was Du beschreibst oder deutest, hat m.E. vor allem mit Ehre zu tun. Aber die hat wahrscheinlich weder Chritus gepredigt, noch spielt sie heute eine Rolle. Es wird eine mittelalterlich-aristokratische Deutung sein


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