Keiner zahlt Blutgeld für die Deutsche im Knast
17.03.07, 15:02
Irakisch-Kurdistan
Keiner zahlt Blutgeld für die Deutsche im Knast
Wegen Mordes an ihrem kurdischen Lebensgefährten wurde die Deutsche Barbara Ali-Gottschling zu 20 Jahren Haft verurteilt. Sie behauptet, sie sei unschuldig. Doch freikaufen will sie keiner.
Von FOCUS-Online-Autor Marc Petit
Die 48-Jährige sitzt seit fünf Jahren im Frauengefängnis von Sulaimanija. Für die Einwohner der kurdischen Hochburg im Nord-Osten des Iraks nahe der Grenze zum Iran ist sie eine eiskalte Mörderin. Für sie stand die Täterin schon vor dem Urteilsspruch fest. "Sie hat die Tat perfekt geplant, ihren Freund Mohamed Mahmud Diala eiskalt mit Schlafmitteln betäubt, dann in den Kopf geschossen und die Leiche in einzelne Teile zerlegt, um sie leichter beseitigen zu lassen, ist sich der Funktionär einer großen kurdischen Partei sicher. Auch ein Geschäftsmann aus Kalar hält die Deutsche für eine Mörderin, die ihren Freund loshaben wollte, weil sie sich in einen neuen Mann verliebt habe.
Eigentlich könnte der Häftling Barbara Ali-Gottschling längst frei sein, unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld. Alle Frauen, die hier wegen Mordes einsitzen, sind nach maximal zwei Jahren gegen die Zahlung eines entsprechenden Blutgeldes wieder in Freiheit", erklärt die Deutsche, die inzwischen gut Kurdisch gelernt hat. Auch sie hatte diese Chance, doch niemand war da, um das Blutgeld an Mohameds Familie zu zahlen. "Heute bleibt mir nur noch die Hoffnung auf Begnadigung auf höchster politischer Ebene, etwa durch den irakischen Präsidenten, Dschalal Talabani", meint die Gefangene traurig.
Zweifel am Urteil
Einige Ausländer, die sich mit dem Fall beschäftigten, kommen zu einem anderen Ergebnis. Zu vieles bei der Beweisführung sei widersprüchlich gewesen, es habe formale Unregelmäßigkeiten im Prozess gegeben, die deutsche Botschaft in Bagdad habe sich nicht genug gekümmert. Und selbst dem Richter, der Ali-Gottschling einst in erster Instanz zum Tode, in zweiter Instanz dann zu 20 Jahren Haft verurteilte, sollen inzwischen Zweifel am eigenen Urteil gekommen sein. Die Verurteilte selbst behauptet seit damals vehement: "Ich bin unschuldig."
Wer mit der heute 48-Jährigen spricht, ist geneigt, ihr das zu glauben. Die Verurteilte sitzt in ihrem himmelblauen Samtkleid, der Einheitskluft der Strafgefangenen, im kargen Besucherraum des Frauengefängnisses von Sulaimanija und schaut dem deutschen Besucher offen ins Gesicht. Mit rasender Geschwindigkeit, Resultat der jahrelangen Isolation, berichtet sie aus ihrem Leben, reiht, mal reflektiert und mal durcheinander, Fakten, Emotionen und Vermutungen aneinander. Sie berichtete von zwei gescheiterten Ehen. Mit dem ersten Ehemann, dem Deutschen Thomas Albert, flüchtete sie aus der ehemaligen DDR nach Bayern. Von ihm stammen der heute 27-jährige Sohn Mike und die 21-jährige Tochter Nadine.
Ehemann Nr. 2, Kurde Hakim Ali, von dem sie den heute neunjährigen Sohn Daniel hat, traf die gelernte Bank- und Versicherungskauffrau im Asylantenheim von Bayreuth. Nach der Hochzeit gingen die Probleme los. "Hakim nötigte meine damals minderjährige Tochter zum Sex, wanderte dafür schließlich ins Gefängnis", berichtet die Gefangene gerade heraus. Warum sie sich danach wieder in einen Kurden verliebte und für diesen selbst zur Betrügerin wurde, ist ihr heute selbst schleierhaft.
Aus Freundschaft wurde Hörigkeit
Wiederum im Asylantenheim lernte die damals 42-jährige Bank- und Versicherungskauffrau den damals 20-jährigen Mohamed Mahmud Diala, einen Kurden aus Kalar im Nord-Osten des Iraks kennen. Ehrenamtlich hatte sie dort Kurden und Iraker betreut. "Gut eineinhalb Jahre waren wir nur befreundet", sagt Barbara Ali-Gottschling. Doch die Freundschaft entwickelte sich zu einer leidenschaftlichen Liebe und Abhängigkeit. Die nutzte der jugendliche Liebhaber brutal aus und stiftete seine Freundin immer wieder zum Kreditbetrug an. Andernfalls drohte der Kurde, werde er sie verlassen. Sie folgte, bürgte für Kredite von gut 60 000 Euro, besorgte ebenfalls auf Kredit ein nagelneues Auto. Mit dem BMW sollte es zum Neuanfang in die kurdische Heimat gehen, versprach Mohamed.
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7. Familienbericht http://dip.bundestag.de/btd/16/013/1601360.pdf
Seite 234, Familienarbeit: - Väter 70 Std. - Mütter 46 Std.
Siehe auch: http://www.wgvdl.com/forum/index.php?id=12360
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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein
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