Spanische Revolution - European-Revolution ist der Tod des Feminismus
Indignaos! Empört euch! Die Spanier sind nicht zufällig durch einen Mann inspiriert, der mit seinem Pamphlet genau dies im Sinn gehabt haben dürfte: der Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel, ausgerechnet ein glühender Verfechter der europäischen Idee. Jetzt sind sie auf den Straßen, zehntausende Demonstranten, in Madrid, Barcelona, Granada und etlichen weiteren Städten; wie viele es genau sind, vermag momentan noch niemand zu sagen – ohnehin scheint noch vieles in Bewegung zu sein.
Die Demonstranten, die mit ihrer Democracia ya!-Bewegung in die Innenstädte und auf den Plaza Puerta del Sol maschieren, rekrutieren sich aus den gleichen Schichten wie auch in Griechenland, und protestieren auch aus den gleichen Gründen. Eine oft gut ausgebildete Jugend ohne Perspektive, alleine gelassen vom Staat und einer entfremdeten, korrupten politischen Klasse, bangt um ihre Zukunft. Doch es sind nicht nur Jugendliche, sondern auch Rentner, Bauarbeiter, Arbeitslose und Akademiker, die sich der Bewegung anschließen.
Die europaweiten Kürzungen im sozialen Bereich und der Abbau der öffentlichen Dienstes, ferner die einseitige Aufbürdung der Kosten der Bankenrettung zulasten der einfachen Bevölkerung, sind eine Kriegserklärung seitens der Regierungen an selbige. Durch eine schonungslose Austeritätspolitk, bis heute das Patentrezept des Internationalen Währungsfonds, wird die Wirtschaft stranguliert. Ein Ende der ökonomischen und finanziellen Krise ist weder in Spanien noch in Griechenland in Sicht. Und just zu diesem Zeitpunkt echauffierte sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in populistischen Tiraden über angebliche Annehmlichkeiten der südeuropäischen Länder. Man könnte zu Recht meinen, diese Generation hätte genug von Europa.
Wenn die Griechen, Franzosen und jetzt auch die Spanier gegen diese Politik aufbegehren, dann tun sie dies natürlich für ihre Zukunft auf einem Arbeitsmarkt, in dem es wie überall in Europa an Jobs fehlt. Im Grunde aber leisten sie damit der europäischen Sache einen größeren Gefallen als die Bürokraten in Brüssel, denen nichts besseres einfällt, als die Streichung von Arbeitslosengeldern gut zu heißen, den Finanzmärkten aber weiterhin freies Spiel zu gewähren. Dem europäischen Einigungsgedanken wird mit dieser Anmaßung ein Bärendienst erwiesen.
Wenn nun überall in Europa junge Menschen auf die Straße gehen, und sich nicht zuletzt über soziale Netzwerke untereinander inspirieren und miteinander solidarisieren, dann also, um sich den Abbau politischer Gestaltungsmöglichkeiten und europäischer Errungenschaften wie der sozialen Sicherungssysteme in den Weg zu stellen. Damit kämpfen sie nicht nur den zentralen politischen Kampf unseres Jahrzehnts, sondern letztendlich auch für die Zukunft Europas. Die Jugend in Madrid, Athen und Paris beweist sich womöglich als die wahre Heldin des Einigungsprozesses.
Denn nur ein Europa, das im Stande ist, seinen Bürgern die Aussicht auf eine bessere Zukunft zu gewähren, das Perspektiven und nicht neoliberale Restauration zu bieten hat, wird eine Identifikation mit der Sache erreichen. Brüssel und die nationalen Regierungen, die sich – für immer mehr Menschen offensichtlich – in einem Interessenskonglomerat mit den Finanzmärkten und Konzernen befinden, sind nicht mehr imstande, eine solche Vision anzubieten.
Die Proteste, die am 15. Mai in Madrid begannen, folgen einem Trend, der Ende des vergangenen Jahres in Tunesien begann, und wohl als „arabischer Frühling“ oder „Facebook-Revolution“ in die Geschichtsbücher eingehen könnte. Zum ersten Mal werden die neuen Informationstechnologien als politische Waffe benutzt, fernab von klassischer gewerkschaftlicher Organisation. Auch die Motive der Bewegung ähneln sich denen in Nordafrika. Letztendlich wird gegen eine abgehobene politische Elite und ein ökonomisches Machtkartell vorgegangen, der man jegliche Gestaltungskompetenz aberkennt. Die Idee überschreitet die Meerenge von Gibraltar.
Neu ist auch, dass die anscheinend perfekt organisierte Democracia ya! gezielt ein überschwappen der Proteste auf andere Länder forcieren will. Auch hier sieht man sich bewusst in der Tradition der arabischen Massenproteste. Insofern ist die Hoffnung auf einen „europäischen Frühling“ nicht nur legitim, sondern angesichts der demokratiefeindlichen Bewegungslosigkeit des Systems mittelfristig auch absehbar. Die brennenden Straßen und Krawalle in den europäischen Städten lieferten schon vor Monaten einen Vorgeschmack auf das, was kommen mag, wenn ein grundlegender Politikwechsel ausbleibt. Die Spanier sprachen in den letzten Tagen bereits von ihrem Tahir-Platz, in Anspielung auf das Zentrum der Revolution in Ägypten.
In letzter Zeit erregte Anonymous mehrfache Aufmerksamkeit. Anfangs als Verteidiger von Wikileaks, dann bei der Unterstützung der arabischen Revolutionen, im Zusammenhang mit Angriffen auf Sony und zuletzt aufgrund interner Querelen. le bohémien wartet mit einer zweiteiligen Tiefenanalyse auf und lüftet den Schleier, der das Kollektiv derzeit noch vernebelt.
http://le-bohemien.net/2011/05/16/anonymous-artike/
Die Beobachtung
Biologen können erklären, wie Organisation in einem scheinbar unorganisierten Vogelschwarm funktioniert: Die Tiere orientieren sich im Flug immer an ihren direkten Nachbarn und passen dabei Geschwindigkeit und Flugrichtung automatisch einander an. Auf diese Weise lässt sich flexibel reagieren und schnell die Richtung ändern – ganz ohne Führungstier im Schwarm.
Eine Frage, die Soziologen in diesem Zusammenhang unweigerlich beschäftigen muss: Kann dieses Prinzip auch beim Menschen funktionieren? Unorganisierte Organisation, Struktur ohne Rollen, zielgesteuertes Handeln ohne Führung? In letzter Zeit, so scheint es, schickt sich das Aktions-Kollektiv Anonymous an, diese Frage beantworten zu wollen. Bisher von den Leitmedien meist nur als Hacker-Clan, Cyber-Aktivisten oder Internet-Robin-Hoods etikettiert, offenbart sich hier Raum für tiefer gehende Fragen.
Weltweite Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum erregte Anonymous seit 2008 zunächst durch Demonstrationen. Bekleidet mit Guy-Fawkes-Masken, bekannt aus dem Film „V wie Vendetta“, mobilisierten die Anhänger der Bewegung gegen Scientology, aber auch für Meinungsfreiheit und sorgten dafür, dass bis zu 8.000 Menschen sonst wohl eher bürolastige Arbeitsplätze gegen Präsenz auf der Straße eintauschten.
http://le-bohemien.net/2011/05/16/anonymous-artike/
Weitere Infos:
http://www.facebook.com/pages/European-Revolution/103396813083042
gesamter Thread:
- Echte Demokratie Jetzt Off topic? -
sonnenlilie,
21.05.2011, 00:36
- Spanische Revolution - European-Revolution ist der Tod des Feminismus -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:10
- Empört Euch! – Erste Demo-Aufrufe in Deutschland -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:20
- Termin für Leipzig?
-
Sachsenpaule,
21.05.2011, 01:35
- Yes we camp -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:46
- Grünlich-Rotes Pack -
Verarschen,
21.05.2011, 04:33
- Wortspielerei o.T.
-
sonnenlilie,
21.05.2011, 09:46
- Wortspielerei o.T.
- Grünlich-Rotes Pack -
Verarschen,
21.05.2011, 04:33
- Yes we camp -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:46
- Termin für Leipzig?
- Empört Euch! – Erste Demo-Aufrufe in Deutschland -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:20
- Ist doch aber eher anzunehmen, dass mit diesen Protesten noch mehr Gleichstellung kommt (kT)
-
Müller,
21.05.2011, 02:52
- Ist doch aber eher anzunehmen, dass mit diesen Protesten noch mehr Gleichstellung kommt (kT) -
__V__,
21.05.2011, 04:47
- Es gibt Begriffe... - DvB, 21.05.2011, 05:45
- Schwarzmalerei - sonnenlilie, 21.05.2011, 09:13
- Ist doch aber eher anzunehmen, dass mit diesen Protesten noch mehr Gleichstellung kommt (kT) -
__V__,
21.05.2011, 04:47
- Spanische Revolution - European-Revolution ist der Tod des Feminismus -
sonnenlilie,
21.05.2011, 01:10