Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Arbeiterbewegung ist nicht Sozialismus, und Frauenbewegung nicht Feminismus (Politik)

MannPassAuf, Sonntag, 29.04.2012, 02:42 (vor 3068 Tagen) @ Mus Lim

Mein Großvater war auch in der Gewerkschaft und sozialdemokratisch
gesinnt.
Die linke Gesellschaft von heute hat damit nichts mehr zu tun.

Richtig! Alle - anfangs berechtigten - sozialen Anliegen werden irgendwann instrumentalisiert durch "Befreiungsbewegungen". Anders gesagt: Aus Idealen werden Ideologien. Das ist zumindest die Tendenz.

Es gab anfangs also eine Arbeiterbewegung, welche Arbeitsbedingungen anstrebten, die wir als berechtigt ansehen. Eigentlich hätte es nicht so weit kommen müssen, denn die Arbeitgeber (eigentlich: Arbeit-Nehmer), denen, wie allen Herrschaften, die Fürsorgepflicht obliegt, hatten ihre Fürsorgepflichten vernachlässigt. Das heißt, sie hatten den Boden verloren. Dieser Verlust der Bodenhaftung, das ist aber ein Merkmal der Linke!

Daraus folgt, daß auch Herrschende "links" sein können, allein dadurch, daß sie die Bodenhaftung verlieren. Es waren oft Söhne der Betriebsgründer, die nicht mehr "von der Pieke auf" Karriere machten, sondern den Betrieb nur vererbt bekamen.

Nach dem Aufkommen der (berechtigten) Arbeiterbewegung bildete sich auch in dieser bald eine linke Schicht aus, nämlich die Führer- oder Gewerkschafter-Schicht. Als dann die Arbeiterbewegung längst ihre Ziele (z.B. 35-Stundenwoche, Urlaub etc.) erreicht hatte, da lebte der Sozialismus systembildend weiter. Sozialisten haben die Arbeiter stets nur für ihre eigenen Macht-, d.h. Umsturzpläne instrumentalisiert. Ohne die angeblich ausgebeuteten Arbeiter hätten sie keine soziale Rechtfertigung.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Frauenbewegung und dem Feminismus. Die frühen Kämpferinnen waren zwar oft schon untypisch männlich auch in ihrer Erscheinung, aber doch konservativ in ihrem Weltbild. Sie wollten zunächst nichts weiter als Chancengleichheit (Beispiel: Mathilde Ludendorff).

Nachdem diese Ziele erreicht waren, begann erst der eigentliche Feminismus. Dieser wurde angeführt von intellektuellen, entwurzelten Frauen, die bereits soweit der Realität entfremdet waren, daß sie ernsthaft glaubten und glauben, sie verträten die Interessen der bodenständigen, natürlichen Frauen. Oder glaubten sie doch nicht daran? Jedenfalls brauchten sie diese Frauen, um ihre Interessen vor den Männern zu rechtfertigen. Um die Frauen zu gewinnen, redeten sie diesen ein, daß sie deren Interessen vertreten würden, und lockten sie mit Versprechungen: "Ihr werdet sein wie Männer" - biblisch: "Ihr werdet sein wie Gott."

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Zur Begriffsklärung noch dies: Meiner Ansicht nach lassen sich die Begriffe "rechts", "liberal", "links" sehr gut mit der Zuordnung zu den Lebensaltern begründen.

Rechts ist der Standpunkt der alten, lebens-erfahrenen Menschen. Sie sind Realisten, mißtrauisch gegenüber der Zukunft, vertrauensvoll gegenüber der Tradition.

Links ist der Standpunkt der jungen, idealistischen Menschen. Sie verstehen noch wenig, aber sie wollen viel. Sie glauben an die Zukunft, d.h., daß die Zukunft machbar sei gemäß ihren - naturgemäß unausgegorenen - Ideen. Wenn es dann nicht funktioniert, wird das Können durch Gewalt ersetzt; den Glauben an das Gute in ihnen selbst erschüttert das nicht.

Liberale werden vertreten von Menschen in der Lebensmitte. Diese haben die größte Tatkraft, den größten Selbstbehauptungswillen, aber auch den größten Egoismus.

Da die Jungen nach den Alten kommen, ist klar, daß tendenziell jede anfangs be-recht-igte Bewegung von den linken Idealisten, dann linken Ideologen übernommen wird.


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