Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Kultur, Verdrängung, Geschichtsbild

Emmalein, Wednesday, 11.02.2004, 11:19 (vor 8069 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Da ist allerdings jemand gänzlich anderer... von susu am 11. Februar 2004 02:41:32:

Hi, Ihrs,

dieser Text erscheint mir aber auch sehr fragwürdig. Er ignoriert die historischen Gegebenheiten völlig, unter denen die Fortpflanzung jahrhundertelang stattfand.

Vom Mittelalter bis zur Neuzeit war Heiraten und Fortpflanzen sehr oft nicht Sache von Mann und Frau. Heiraten wurden vor allem in den ein wenig höheren Einkommensschichten nach den Bedürfnissen der Familien entschieden. Da wurden durch Heiraten wirtschaftliche Bündnisse und Tauschgeschäfte (Tausche Adelstitel gegen viel Geld) gemacht. Die Individuen, also die betroffenen Frauen und Männer, hatten zu dem Thema wenig zu sagen.

Deswegen kann das mit der Selektion durch die betreffenden Frauen viele Jahrhunderte lang überhaupt nicht hinkommen. Ergo: Diese These ist falsifiziert.

Dann das Problem mit dem kulturellen Beitrag der Frauen: Viele Frauen mussten sich in der Männergesellschaft als Männer ausgeben, um Anerkennung zu finden. Oftmals machten sie Erfindungen, die sie unter dem Namen ihrer Männer an den Mann, den Fabrikanten nämlich, zu bringen suchten (so geschehen z. B. bei der Erfindung der Spülmaschine). Und Erfindungen von Frauen werden kulturell selten gewürdigt. Denkst Du vielleicht daran, dass Deine Kaffeefiltertüte ,die Du für Deinen Kaffee im Büro verwendest, von einer Frau, einer gewissen Melitta, den Hausnamen habe ich jetzt wieder vergessen, aber ich kann das noch mal nachsehen, entwickelt wurde? Frauenerfindungen werden verwendet, sind aber nicht explizit als Frauenerfindungen bekannt und werden kaum als solche wahrgenommen. (Nebenbei bemerkt: Ich möchte nicht gern auf eine Filtertüte verzichten).

Ähnliche Phänomene hat man überigens auch in der Literatur: Frauen haben sich für ihre Erstlingswerke oft erst als Männer ausgegeben, um überhaupt Verleger zu finden.

Es ist also nicht so einfach, zu sagen, wie gross der kulturelle Beitrag von Frauen war.

Es grüsst ernsthaft kritisierend ohne Polemik
das Emmalein


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