Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Abschaffung des Unterhalts

Garfield, Friday, 16.03.2007, 18:58 (vor 6899 Tagen) @ DervordemRechnerlebt

Hallo vor dem Rechner lebender!

Den Gedanken hatte ich auch. Aber ich denke, man möchte mehr 1-Euro-Jobber haben, die qualifiziert sind, denn die eignen sich eher zum Löhnedrücken.

Klar. Hartz IV hatte vor allem den Zweck, den Politikern den Spaghat zwischen drohenden steigenden Kosten für die Sozialkassen und den Wünschen seitens der Besitzer der Unternehmen nach einer höheren Erwerbslosenzahl zu ersparen. Vor Hartz IV bedeuteten mehr Erwerbslose immer höhere Kosten für die Arbeitslosenversicherung und gleichzeitig eine schlechte Arbeitslosenstatistik, was für Politiker bei Wahlen schlecht war.

Hartz IV hat die Kosten für die Arbeitslosenversicherung gesenkt, die 1-Euro-Jobber fallen schön aus der Arbeitslosenstatistik heraus und obendrein kann man auf ihre Kosten auch noch einen guten Reibach erwirtschaften.

So steigen die realen Erwerbslosenzahlen immer weiter an, und das wirkt grundsätzlich lohndrückend. Also sieht man sich nach weiteren potenziellen Real-Erwerbslosen um und macht dabei nun auch vor den Frauen nicht mehr halt.

Deren Politik beschränkt sich ja tatsächlich nur noch darauf, d.h. man bekommt z.B. keine Umschulungen und Ausbildungen mehr.

Nein, warum auch. Das kostet Geld und senkt die Zahl derjenigen, die man mit 1-Euro-Jobs maximal ausbeuten kann. Da hast du natürlich völlig Recht.

Ich denke, die Feministinnen sind auf deren Zustimmung nicht mehr angewiesen (und das werden sie ihnen auch zeigen).

Das glauben sie vielleicht. Aber sie können sich nur solange als Sprachrohr aller Frauen ausgeben, wie die Mehrheit der Frauen dies schweigend hinnimmt. Kritik von Frauen wird von nicht wenigen Berufsfeministinnen aber durchaus ernst genommen, wie die Angriffe gegen Eva Herrmann zeigen.

Ich sehe da interessante Zeiten auf uns zukommen.

Oh ja. Ich denke, Eva Herrmanns Buch ist erst der Anfang. Allerdings hat es immer schon Frauenverbände gegeben, die sich gegen etablierte Feministinnen gewandt haben, und leider hatten die Männer dann auch dabei meist das Nachsehen...

...denn deren Kinder kann man ja jetzt bequem in die Krippen abschieben, die ja so zahlreich geschafffen werden.

Ja, so kann Kinderbetreuung nicht mehr als Vorwand genommen werden, um Jobangebote oder 1-Euro-Ausbeutung abzulehnen. Das ist primärer Sinn und Zweck der Sache.

Allerdings sehe ich da auch wieder große Probleme. Die heutigen Kinderkrippen werden oft mit denen in der DDR verglichen. Tatsächlich kann man sie aber damit gar nicht vergleichen. In der DDR waren die Kinderkrippen nämlich voll auf Kleinstkinder ausgelegt. Weil kleine Kinder mehr Betreuung brauchen, gab es mehr Personal. In den Krippen gab es Wagen, mit denen die Kinder, die noch nicht lange Strecken gehen konnten, spazieren gefahren werden konnten.

Zufällig mußte eine Verwandte von mir ihre Tochter gerade in eine Kinderkrippe geben. Die Zustände dort sind ziemlich übel. Es ist eigentlich ein Kindergarten, der auf ältere Kinder ausgelegt ist und eben nicht auf Kleinkinder. Man verläßt sich dort oft darauf, daß die älteren Kinder schon auf die kleineren aufpassen - die älteren Kinder werden also quasi als Gratis-Betreuungskräfte eingespannt. Die kleinen Kinder machen den älteren natürlich alles nach. Weil die älteren allein auf die Toilette gehen, versuchen die kleinen Kinder das auch und verschmutzen dabei sich selbst, ihre Kleidung und die Toilettenräumlichkeiten. Es sind nicht genügend Betreuer vorhanden, und naürlich gibt es auch keine Wagen, um die kleinsten Kinder damit spazieren zu fahren. Wenn ein Spaziergang angesetzt wird, können die kleinsten Kinder zusehen, wie sie hinterher kommen.

Da wird also wild improvisiert, um möglichst ohne Mehrkosten auch kleinste Kinder mit aufnehmen zu können. Nur damit man behaupten kann, es gäbe genügend Betreuungsmöglichkeiten.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch die Fehlinformationen des Familienministeriums. Da wurde in einer Broschüre beispielsweise behauptet, daß Eltern Betreuungskosten für Kinder bis 6 Jahren von der Steuer absetzen können, obwohl das nur für Kinder bis 5 Jahren gilt. Es gab noch ähnliche Fehlinformationen, die ganz offensichtlich Mütter dazu animieren sollten, ihre Kinder irgendwo in Betreuung zu geben und möglichst schnell wieder auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren.

Auch die Meldung, daß Zypries angeblich zum Bundesverfassungsgericht wechselt, macht bezogen darauf durchaus Sinn. Gegen den geplanten Ganztagsschulen- und Kindergarten-Zwang muß man ja Klagen erwarten, die bis vor das Verfassungsgericht gehen können. Dann ist es gut, dort Leute sitzen zu haben, die man schon für dieses Projekt auf der inoffiziellen Gehaltsliste stehen hat.

Aber es wird sowieso nichts mehr ändern, da sich die Politik mittlerweile vom Wähler unabhängig gemacht hat.

Ja, leider ist der Wähler aber nach wie vor von der Politik abhängig. Ich hoffe, daß immer mehr Menschen dieser Widerspruch sauer aufstößt.

Freundliche Grüße
von Garfield


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