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"Wir Babyboomer sind das Problem" (Allgemein)

Pack, Wednesday, 03.06.2026, 20:21 (vor 8 Stunden, 4 Minuten)

Die Flüchtlinge werden das Rentensystem retten, also, keine Panik.
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Rentenexperte bei "Lanz"
"Wir Babyboomer sind das Problem"

Für den Ökonomen Bernd Raffelhüschen kommt eine mögliche weitere Anhebung des Rentenalters 20 Jahre zu spät. Gerechter sei es, die Rente mit 70 noch für die Generation greifen zu lassen, die die Misere verursacht hat.

Keine vier Wochen dauert es noch, bis Deutschlands Bürger ganz offiziell erfahren, was sich die Mitglieder der Alterssicherungskommission für ihre Rente ausgedacht haben. Inoffiziell war allerdings schon so manches zu hören. Über eine Rente mit 70 etwa wurde geraunt, beschlossen sei das aber noch nicht. Und wenn überhaupt, würde dieses Renteneintrittsalter auch nur all jene betreffen, die nach 1990 geboren sind.

Einer, der die Rente mit 70 gerne deutlich früher eingeführt hätte, ist der Freiburger Ökonom und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen. In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" sagte er am Dienstagabend, schon vor mehr als 20 Jahren hätten die richtigen Reformideen auf dem Tisch gelegen, man habe nur nicht den Mumm gehabt, sie konsequent umzusetzen.

Raffelhüschen gehörte Anfang der 2000er-Jahre der sogenannten Rürup-Kommission an. Die von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Expertenrunde sollte schon damals Vorschläge entwickeln, um die Sozialversicherungen angesichts der alternden Gesellschaft langfristig finanzierbar zu halten.

Was die Rürup-Kommission damals plante
Ein Teil der Empfehlungen wurde später auch umgesetzt. Dazu gehörten unter anderem die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, die erst im Jahr 2031 abgeschlossen sein wird, sowie der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenformel. Dieser sollte sicherstellen, dass die Belastungen des demografischen Wandels nicht ausschließlich von den Beitragszahlern getragen werden. Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung hat diesen Faktor derzeit ausgesetzt, damit das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinkt. Sinkt das Rentenniveau, bekommen künftige Rentner im Verhältnis zu den Löhnen weniger gesetzliche Rente.

Nach Darstellung Raffelhüschens waren die Rentenreformen der Agenda 2010 jedoch nur ein Zwischenschritt. Die Kommission habe ursprünglich gewollt, die steigende Lebenserwartung dauerhaft an das Renteneintrittsalter zu koppeln. Die Grundidee: Wenn die Menschen länger leben, sollen sie einen Teil dieser zusätzlichen Lebenszeit länger arbeiten und einen Teil länger Rente beziehen. "Wir wollten, dass die Lebenserwartung zum bestimmenden Faktor des Rentenzugangsalters wird", sagte Raffelhüschen.
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Das sagt sich leicht als ein Schwätzer der noch nie echte Arbeit geleistet hat.
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"Wir wären heute schon bei 69"
"Hätten wir uns damals durchgesetzt, wären wir heute schon bei einer Rente mit 69 und würden bis 2030 bei 70 sein." Gleichzeitig läge das Rentenniveau nicht mehr bei 48, sondern nur noch bei 42 Prozent. Für Raffelhüschen wäre das auch eine Frage der Fairness zwischen den Generationen gewesen: "Die geburtenstarken Jahrgänge wären noch fünf Jahre einbezogen gewesen in die Lösung des Problems, das die geburtenstarken Jahrgänge selber verursacht haben", sagte er.
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Jetzt wird er Frauenfeindlich
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Die Babyboomer, zu denen Raffelhüschen selbst gehört, hätten dadurch einen größeren Teil der Anpassungslasten selbst getragen, statt diese auf nachfolgende Generationen zu verlagern. "Wir sind die Verursacher des Problems", sagte er. "Wir sind die, die zu wenig Kinder in die Welt gesetzt haben."

Kritik an späteren Rentenreformen
Besonders kritisch sieht Raffelhüschen, dass zentrale Reformen aus der Agenda-2010-Zeit später wieder abgeschwächt worden seien. Der Nachhaltigkeitsfaktor sei von mehreren Bundesregierungen faktisch ausgebremst worden. Dadurch sei die ursprünglich angestrebte Lastenverteilung zwischen Beitragszahlern und Rentnern verwässert worden.

Nach seinen Vorstellungen hätte das Rentenniveau langfristig stärker sinken können, während ergänzend die private und die betriebliche Altersvorsorge ausgebaut worden wären. Als Vorbilder nannte er die skandinavischen Länder, die stärker auf kapitalgedeckte Systeme setzen. Zwar hatte auch Deutschland versucht, mit der Riester-Rente ein solches System aufzubauen, doch sie geriet zu kompliziert, zu teuer und zu renditeschwach. Erst kürzlich hat die Bundesregierung eine neue private Altersvorsorge auf den Weg gebracht, mit der ab 2027 auch ETF- und Fondssparpläne staatlich gefördert werden können.


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