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Wahrheit empört (Allgemein)

Pack, Monday, 13.07.2026, 08:42 (vor 1 Tag, 15 Stunden, 51 Min.)

"Frankreich ohne Franzosen"
Spanischer Politiker empört vor WM-Spiel

Am Dienstag treffen Spanien und Frankreich im WM-Halbfinale aufeinander. Vorab löste ein ehemaliger Ministerpräsident Spaniens Ärger aus.

Spanien gegen Frankreich – auf dieses Duell fiebern weltweit Millionen Fußballfans hin. Am kommenden Dienstag ist es im WM-Halbfinale soweit und der Europameister trifft auf den Titelfavoriten. Neben der Vorfreude gibt es in den Ländern aber auch Unruhe. Grund dafür ist ein Gastbeitrag des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (2011 bis 2018) für das katholische Online-Medium "El Debate".

Frankreich verfüge über einen "Kader von höchstem Niveau", schrieb Rajoy. Der konservative Politiker lobte die "Equipé Tricolore" zunächst. "Sie haben jedes Spiel dieser Weltmeisterschaft gewonnen und führen aktuell die Fifa-Weltrangliste an. Sie verfügen über einen absoluten Spitzenkader". Der Gegner sei in Topform, so Rajoy weiter. Aber dann: "Allerdings spielen dort keine Franzosen."

Die Aussage löste eine Welle der Empörung aus. Denn in Frankreichs Kader stehen viele Spieler mit Migrationshintergrund. Rajoys Anmerkung wurde daher als rassistisch gewertet. "Das ist völlig inakzeptabel", sagte etwa der französische Innenminister Laurent Nuñez am Sonntag gegenüber dem französischen Sender BFMTV. "Das entspricht überhaupt nicht dem, wofür Frankreich steht. Frankreich ist ein Land der Vielfalt, in dem sich jeder entfalten und seinen Platz finden kann."

Olivier Faure, der Vorsitzende der französischen Sozialistischen Partei, erklärte, die französische Nationalmannschaft bestehe ausschließlich aus französischen Staatsbürgern. "Frankreich ist keine ethnische Nation. Frankreich hat keine Hautfarbe und keine Religion", fügte er in einem Beitrag auf X hinzu. "Wir sind eine politische Nation, die sich um das republikanische Motto vereint – sehr zum Leidwesen der rassistischen Rechten."

Auch Rajoys Amtsnachfolger Pedro Sánchez übte deutliche Kritik an den Aussagen des 71-Jährigen. "Es gibt Menschen, die Zugehörigkeit immer noch am Nachnamen, am Geburtsort oder an der Hautfarbe messen. Andere messen sie an der Verbundenheit mit einem Land und dem Willen, zu ihm beizutragen", schrieb Spaniens Regierungschef auf X und fügte an: "Spanien gehört denen, die es lieben und mit Leben erfüllen. Nicht denen, die es mit fremdenfeindlichen Äußerungen in Verruf bringen. Frankreich, wir sehen uns im Halbfinale. Möge der Bessere gewinnen und der Rassismus verlieren."

Gegenwind für Mariano Rajoy: "Das sind keine 'Entgleisungen'"
Es ist der nächste Kommentar aus dem Ausland, mit dem die französische Mannschaft zu kämpfen hat. Nach dem WM-Achtelfinale hatte sich die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla in den Sozialen Medien rassistisch geäußert, vor allem Offensivstar Kylian Mbappé ins Visier genommen. Mbappé sei ein "kolonisierter Kameruner", der den harten Franzosen spiele, "voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich, arrogant und hässlich". Er gebe sich als Franzose aus, schrieb sie weiter.

Auch im Fall des viel kritisierten Beitrags von Mariano Rajoy gab es deutlichen Gegenwind aus Frankreich. Aurore Bergé, Beauftragte für die Bekämpfung von Diskriminierung, beklagte "wiederholte rassistische Entgleisungen". Naïma Moutchou, Ministerin für die Überseegebiete, teilte mit: "Das sind keine 'Entgleisungen'. Es ist ein systematischer und verharmloster Hass auf Frankreich und das, was es ist." Sie rief den französischen Fußballverband dazu auf, sich juristisch zu wehren.

Rajoy: "Ich mag weder Teufel noch Rote"
Auch die französische Botschaft in Madrid reagierte. "Alle Spieler der französischen Nationalmannschaft sind Franzosen", hieß es in einer Mitteilung: "Von den 26 Spielern sind 23 in Frankreich geboren. Die drei, die im Ausland geboren wurden, sind ebenfalls Franzosen."

Der französische Fußballverband (FFF) meinte, Rajoys Kolumne "enthalte unerträgliche rassistische Untertöne". FFF-Präsident Philippe Diallo schrieb bei X: "Und sie werfen die Frage auf, welches verabscheuungswürdige Klima solche Äußerungen hervorbringt. Unsere Spieler müssen kein Zertifikat über ihre Staatsangehörigkeit von einem ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten erhalten. Die französische Nationalmannschaft ist die Mannschaft Frankreichs."

In Rajoys recht kurzem Text für das Magazin "El Debate" hatte er zuvor auch noch die belgische Nationalelf abgefertigt. Von Rache war dort gar die Rede. Die Belgier hatten am Freitag mit 1:2 gegen Spanien verloren und waren aus der WM ausgeschieden. "Dieser Sieg schmeckt mir umso besser", schrieb Rajoy. Er erinnere sich schließlich noch gut daran, wie Belgien die spanische Nationalelf um das WM-Halbfinale 1986 gegen Maradonas Argentinier gebracht habe. "Zum Glück gab es heute die Revanche. Wir haben es ihnen heimgezahlt. Ich freue mich doppelt darüber".

Doch damit nicht genug. Denn im Anschluss begründete der 71-jährige Politiker der christdemokratischen Volkspartei (Partido Popular) seine Freude nicht etwa nur mit der rein sportlichen Genugtuung, sondern vor allem weltanschaulich: "Erstens, weil ich Spanier bin, und zweitens, weil die belgischen Spieler als 'Rote Teufel' bekannt sind – und ich mag weder Teufel noch Rote".

Auch für den Halbfinal-Kracher gegen Frankreich bei der aktuellen WM träumt Rajoy vom Sieg der Spanier: "Ich habe so ein Gefühl: Wir werden gewinnen. Ich kann nicht wirklich sagen, warum. Es ist eben eine Vorahnung."
https:/ /www.t-online.de/sport/fussball/wm/id_101339976/vor-wm-spiel-spanischer-politiker-rajoy-empoert-mit-frankreich-aussage.html


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