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Verkauf von Geschlechtsverkehr unter Affen? (Allgemein)

Wiki, Montag, 27.01.2014, 01:07 (vor 2124 Tagen) @ Rainer

Verkauf von Geschlechtsverkehr unter Affen?

Was haben Affen mit der Verdinglichung von Menschen zu tun? Im Rahmen wissenschaftlicher Experimente wurde gezeigt, dass die "Prostitution" auch bei einer mit uns evolutionär verwandten Spezies praktiziert wird: Bei den Affen. 

Seit einigen Jahren wird an US-Amerikanischen Universitäten das Benehmen von Affen beobachtet um daraus Erkenntnisse über menschliches Verhalten zu erreichen. Somit werden zur Zeit kontrollierte soziale und wirtschaftlich inspirierte Experimente an Affen durchgeführt, die mit menschlichen Teilnehmern nicht ethisch vertretbar wären oder schwierig zu kontrollieren wären, wegen der komplexeren Verhaltensweisen von Menschen. Bei der Betrachtung von Affen und ihrem Verhalten wurden schon öfters auf ihre menschlichen Züge und Verhaltensweisen hingewiesen. Rein genetisch steht der Affe dem Menschen sehr nahe - beide sind Primaten.

Dr. Chen und andere Wissenschaftler erforschen seit einiger Zeit das "wirtschaftliche Verhalten" von Affen. Chen's Ansatz verknüpft drei Forschungsrichtungen: Die Wirtschaft, die Psychologie und die Biologie. Dadurch möchte er die primitiven Triebe des Menschen besser verstehen. In diesem Experiment von 2010, das an der Yale University durchgeführt wurde, wurde das Verhalten der Kapuziner-Affen untersucht. Die Primaten-Forschung an der Yale University verfolgt jedoch auch das Ziel,  das über Affen gewonnene Wissen auf Menschen zu übertragen.

Die Kapuziner-Affen sind sehr schlau und lernfähig. Für dieses Experiment wurde einer Gruppe von sieben von ihnen unter kontrollierten Bedingungen beigebracht, wie Geld funktioniert. Mit dem Geld konnten die Affen einen "Snack-Automaten" bedienen und so wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Am Automaten konnten sie selbstständig Trauben, Götterspeise oder Nüsse kaufen. Sie wählten die Ware in einem getrennten Zimmer aus, wo die Affen alleine mit dem Geld umgehen sollten Nach einigen Monaten der Übung verstanden sie die Prinzipien sehr gut. Sie machten nur dieselben (kleinen) Rechenfehler bei Prioritätensetzungen, die Menschen auch machen.

Eines Tages ist aber etwas schief gelaufen und ein Affe hat einige Geldstücke geklaut und ist damit ins Gehege gerannt. Er zeigte das Geld einem Weibchen, welches ihm dafür Geschlechtsverkehr anbot. Nach der Vollendung des Tausches von Geld mit Geschlechtsverkehr lief sie mit dem Geld zum Automaten und kaufte eine Traube.

Für ein Experiment, das die Grundlagen wirtschaftlichen Handeln bei Menschen erkunden wollte, ist die Episode ein lustiger Zwischenfall. Es ist das erste Mal, dass ein Affe Geld benutzt, um Geschlechtsverkehr zu kaufen. Schon in den Arbeiten von Franz de Waal gibt es Belege für ähnliche  Geschäfte bei Affen. In seinen Buch (1997) über Bonobo-Affen in der freien Wildbahn (und in Gefangenschaft) berichtet er davon, wie Essbares gegen Geschlechtsverkehr getauscht wird. De Waal warnt aber davor die Verhaltensmuster der Bonobo als zu "menschlich" zu deuten. Vielleicht ist diese Warnung heute obsolet.

Ein weiteres Projekt der Forschungsgruppe von Dr. Chen untersucht die Wirkung von Werbung auf das Verhalten von Affen. Ihre Präferenzen sollen von Postern beeinflusst werden: "One billboard shows a graphic shot of a female monkey with her genitals exposed..."  Sex verkauft sich eben auch bei Affen?

Mit Blick auf unser Thema "Menschenhandel" und dessen verwandten Bereich "Prostitution" ist dieser Vorfall interessant. Mann kann das Thema sozialwissenschaftlich untersuchen, aber es kann es sich auch lohnen sich in andere Forschungsfelder und –bereiche hineinzuwagen, wie z.B. der Primatenforschung. Unsere evolutionären Verwandten  können uns einen kleinen Einblick in eine Welt, die jenseits der komplexen menschlichen Psyche liegt. Sie weist darauf hin, dass auch bei intelligenten Tieren der Fortpflanzungstrieb (nicht unbedingt die realisierte Fortpflanzung) durch Geld gefördert werden kann.

Die Bedingungen für Prostitution, die in der heutigen Debatte oft als entscheidend hervorgehoben werden, sind wirtschaftliche, juristische, soziale oder kulturelle Bedingungen. Diese sind von zentraler Bedeutung, aber ich finde ich, dass dieser Vorfall uns eine neue Perspektive liefert und wir Prostitution auch anders erklären könnten - möglicherweise sogar als genetisch angeboren. Prostitution muss nicht unbedingt als Manifestation eines "Patriarchats", als sittenwidrig oder als Armutszeichen gelten, sondern sie kann auch als eine Manifestation unserer chemischen und biologischen Mechanismen verstanden werden.

PS: Es gibt auch Gegenargumente aus der evolutionären Psychologie.
- Verkauf von Geschlechtsverkehr unter Affen?, Menschenhandel heute am 11. Juni 2012

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