Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Unterschiede Genitalverstümmelung Junge vs. Mädchen

Christine ⌂, Donnerstag, 18.02.2010, 15:13 (vor 4260 Tagen) @ Heckenschere (inkonsequent)

Lieber Heckenschere,

es freut mich, das Du inkonsequent geworden bist, denn ich mag Deine Beiträge :-)
Natürlich war Polemik von mir dabei und sollte ich Dich verletzt haben, dann bitte ich um Entschuldigung.
Ich möchte jetzt nicht auf einzelne Positionen eingehen, denn eines hast Du ja in der Tat klar herausgestellt: Gewalt gegen Jungen ist genauso grausam und deshalb in Deutschland zurecht strafbar.
Deshalb möchte ich auf Deine Position der kaum vorhandenen Männerbewegung und des damit evtl. verbundenen Imageschadens eingehen.
Weißt Du Heckenschere, ich habe vor vielen Jahren wie Du gedacht und die Beschneidung aus medizinischen Gründen mit denen der rituellen Beschneidung gleich gesetzt. Es wurde ja auch stets nur die grausame Beschneidung der Mädchen thematisiert. Was wäre aber gewesen, wenn man ständig Bilder von der ebenfalls grausamen Beschneidung der Jungen gezeigt hätten? Wieso ist diese Beschneidung aus Deiner Sicht nicht gleichzusetzen mit der Beschneidung der Mädchen? Jetzt muss ich trotz meiner Entschuldigung nochmals polemisch werden. Deine Meinung kommt bei mir so an wie die Sprüche von Eltern, die ihren Jungs immer gesagt haben, ein Indianer kennt keinen Schmerz. Glaubst Du allen Ernstes, das die Jungs in Afrika, die ebenfalls mit rostigen Messern oder Klingen beschnitten werden, weniger Schmerzen haben? Ich möchte jetzt von Dir wirklich wissen, wo der Unterschied zwischen diesen Beschneidungsarten liegt?
Du hast des weiteren geschrieben, das manche Genitalverstümmelung zum Verlust der Gebärfähigkeit führt, was ich mir durchaus vorstellen kann. Hast Du aber mal darüber nachgedacht, das Jungen, denen der Penis verstümmelt bzw. versehentlich ganz abgeschnitten wurde, ebenfalls keine Kinder mehr bekommen bzw. zeugen können? Es werden 12,5 mal so viele Jungen bzw. Männer beschnitten wie Frauen. Von daher ist es aus meiner Sicht logisch, das mehr Unfälle bei Jungen/Männern passieren als bei Mädchen, nur wird das kurioserweise nicht thematisiert. Selbst in den USA, wo die Beschneidungen ja überwiegend in Krankenhäusern stattfinden, passieren jede Menge "Unfälle" bei der Beschneidung. Früher wurden in den USA die Babys sogar ohne örtliche Betäubung beschnitten, weil man glaubte, das die Selbstbefriedigung dadurch unmöglich gemacht würde, Stichwort "Dr. med. Kellogg".
Der Fall David Reimer ist ja kein Einzelfall. Er wurde u.a. deshalb bekannt, weil der Umerziehungsversuch gescheitert ist und er sich als Erwachsener an die Öffentlichkeit wandte.
Die Männerbewegung mag sich in Deinen Augen lächerlich machen, ich sehe das anders, denn dafür sind wir ja da.
Auch mein Sohn wurde aus medizinischen Gründen beschnitten und heute schäme ich mich dafür, das ich den Ärzten blind geglaubt habe. Erst die Krebserkrankung (danach) meines Sohnes hat mir die Augen für den Umstand geöffnet, das auch Ärzte nur Menschen sind. Natürlich verstehe ich die Intension von Schlechtmensch, wenn er sagt, das er normalen Sex trotz Beschneidung hat. Auch mein Sohn hat mir die Behauptung von Schlechtmensch bestätigt, was soll er auch anderes sagen, da er ja nicht weiß, wie Sex ohne Beschneidung ist. Aber darum geht es einfach nicht bei dieser Thematik, die ich immer und immer wieder aufgreife(n werde). Jedes mal, wenn es um Genitalverstümmelung von Mädchen geht, kommt Schlechtmensch mit seiner Behauptung, die mit der Thematik nur nebenbei etwas zu tun hat, da es bei meinen Vorwürfen gegen Politiker gegen Grundgesetz Verstöße geht und da sind nun mal alle Menschen gleich (sollte zumindest laut Grundgesetz so sein). Wieso Schlechtmensch die medizinische und in westlichen Industrienationen durchgeführte Beschneidung mit der rituellen, grausamen Beschneidung bei Mädchen gleich setzt (sonst kämen ja nicht stets die gleichen Einwände seinerseits), kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Warum wird bei der Genitalverstümmelung die ebenso grausame und rituelle Beschneidung der Jungs - hauptsächlich in afrikanischen Ländern, also dort, wo auch die Mädchen grausam beschnitten werden - nicht zum Vergleich heran gezogen? Von diesem Umstand abgesehen, sterben sogar in Deutschland Jungs an einer Phimose-Operation.

Junge nach Phimose-Operation gestorben

Hamburg (pid). Das Urteil gegen die für den Tod des damals 4jährigen Franjo W. verantwortliche Ärztin Petra O. wurde am 15. Mai 2009 durch das Hamburger Landgericht aufgehoben und in eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten bei einer Bewährungszeit von 2 Jahren umgewandelt. Außerdem wurde das gegen die Angeklagte verhängte Berufsverbot aufgehoben.

[..]Nachdem sie ihre Schuld bis zuletzt leugnete bzw. auf andere Ärzte abzuschieben versuchte, hat Petra O. nunmehr die volle Verantwortung für den Tod des kleinen Jungen übernommen, was vom Gericht strafmildernd berücksichtigt wurde. Zu einer Entschuldigung der Angeklagten bei der Mutter von Franjo kam es allerdings auch nach fast 3 Jahren nicht.

[..]So soll u. a. die Phimose-Operation, wegen der Franjo ursprünglich im Wilhelmstift behandelt worden war, medizinisch nicht indiziert und die vorgeschriebene Patientenaufklärung zu möglichen Alternativbehandlungen nicht umfassend genug gewesen sein. [hier]

Es geht letztendlich darum, das ein Gesetz implementiert werden soll, welches die Körperliche Unversehrtheit von Mädchen garantieren und bei Zuwiderhandlung nur bei Mädchen bestraft werden soll. Deshalb bleibe ich bei meiner Aussage bzw. Frage: Sind Jungs Menschen (Kinder) 2. Klasse?

So, ich hoffe, ich habe meinen Standpunkt klar und deutlich rüber gebracht [image]

Herzlicher Gruß - Christine

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein


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