Wenn der Mensch zur MenschIn wird - oder:

Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

How much »equality« the country can stand?

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Liste Femanzen Anne Wizorek (Liste Femanzen)

Oberkellner @, Sonntag, 26.04.2015, 14:35 (vor 1455 Tagen)

F410 Anne Wizorek – geboren 1981 in Rüdersdorf (Brandenburg) – Studium der Germanistik, Skandinavistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der HU Berlin – Beraterin für digitale Medien und Online-Kommunikation - Anschrift: Anne Wizorek, Immanuelkirchstrasse 10, 10045 Berlin - www.annewizorek.de - anne.wizorek@gmail.com – anne@papergirl-berlin.de – info@werbrauchtfeminismus.de - http://www.wdr5.de/politik/aufschreibuch102_v-ARDFotogalerie.jpg

Vor einem Monat begann mit #Aufschrei eine längst überfällige Sexismus-Debatte. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Über Verbitterte, Abwiegler, Ablenker, Verunsicherte und Ermutigte. Ein Gastbeitrag von Anne Wizorek

Bei Günther Jauch beeindruckte #Aufschrei-Initiatorin Anne Wizorek Redaktion und Publikum mit ihrer Souveräntität. Die freie Beraterin für digitale Strategien und Online-Kommunikation lebt in Berlin.© Paul Zinken/DPA
Stellen Sie sich vor, Ihnen würde am Arbeitsplatz jemand sagen, dass Sie Ihren Job schlecht machen. Nicht, weil es stimmt, sondern: weil er oder sie es kann. Weil die kritisierende Person weiß, dass Sie dieser Kommentar nervt und sogar an sich selbst zweifeln lässt. Und weil er oder sie genau das erreichen möchte. Weil er oder sie weiß, dass Ihnen niemand glauben wird, sollten Sie sich beschweren. "Du bist schlecht." Jeden Tag, immer wieder. Bis Sie wahrscheinlich einfach nicht mehr zur Arbeit gehen können und wollen.

Die meisten von Ihnen würden eine solche Situation sicher als Mobbing identifizieren und verurteilen. Und das vollkommen zu Recht. Umso erstaunlicher ist es, im Fall der Sexismus-Debatte zu beobachten, wie die Herabwürdigungen von vielen Menschen plötzlich angeblich nicht mehr eindeutig als solche zu erkennen sind - nur weil der Faktor Geschlecht ins Spiel kommt.
Plötzlich geht es um missverstandene Signale, gescheiterte Flirts und fehlenden Humor, darum, übergriffige Situationen mit Fassung zu (er)tragen. Alle, die sich anfangs unter #aufschrei geäußert haben, sind hysterisch, übertreiben und schildern sowieso nur Einzelfälle. Es wird von Grauzonen gefaselt, wo gesetzlich genaue Definitionen bestehen und wo wissenschaftlich erwiesen ist, dass es - völlig unabhängig vom Geschlecht - ein eindeutiges Bewusstsein dafür gibt, was Grenzüberschreitungen und übergriffiges Verhalten sind.
Auch George Clooney darf keine Frauen belästigen
Und wie oft der arme George Clooney für einen an den Haaren herbeigezogenen Vergleich herhalten musste, habe ich am Ende nicht mehr zählen können. Deswegen aber auch an dieser Stelle noch einmal zum Mitschreiben, Ausdrucken und meinetwegen an die Wand hängen: Ein Übergriff ist ein Übergriff ist ein Übergriff. Er ist nicht mit einem Flirt gleichzusetzen. Flirten passiert auf Augenhöhe und hat eine ernsthafte Kontaktaufnahme mit dem Gegenüber als Menschen zum Ziel. Eine sexuelle Belästigung geschieht von oben herab und dient ausschließlich dazu, das Gegenüber wissentlich zum Objekt zu degradieren und zu signalisieren: Du hast hier nichts zu melden, denn ich habe Macht über dich. Insofern merken sich bitte ab sofort alle: Auch ein George Clooney darf keine Frauen belästigen und diese werden es ebensowenig als "irgendwie schöner" empfinden.
Innerhalb der Sexismus-Debatte in den Medien werden dieselben Ablenkungs- und Entschuldigungsmechanismen benutzt, die Betroffenen seit eh und je entgegenschlagen: "Habt euch nicht so, war doch nur ein Witz, das bildet ihr euch ein, wehrt euch halt besser." Unzählige, auf bloßen Geschlechterkampf und -krampf gebürstete Artikel, die den Kern des Problems ignorieren oder verdrehen. Sexismus wird als Problem in vielen Debattenbeiträgen erneut verharmlost oder gar unsichtbar gemacht, obwohl es unsere Gesellschaft durchdringt wie Wasser einen Schwamm.
Es passiert überall
Oft wird auf den Unterschied zwischen Sexismus und sexualisierten Übergriffen verwiesen. Es stimmt, sie sind nicht dasselbe. Doch stehen sie unmittelbar in Zusammenhang und müssen auch so diskutiert werden. Denn traurig, aber logisch: Eine Gesellschaft und Kultur, die allgemein das Wesen und Handeln von Frauen abwertet und Frauen wie Männer auf bestimmte Stereotype beschränkt (stark vereinfacht: Frau muss nur gut aussehen und nichts können, Mann ist der Jäger und Macher), sieht dann eben wenig bis keinen Anlass, übergriffiges Verhalten überhaupt zu bestrafen. Ein Verhalten, das mit herabwürdigenden Blicken und Bemerkungen beginnt, bis zum tätlichen Übergriff geht und eingesetzt wird, um Macht auszuüben. Es geht hier um gezielte Demütigungen.
Wie eingangs im Mobbing-Beispiel gezeigt, hat ein solches Verhalten reale Konsequenzen für die Betroffenen. Es perlt nicht ab, es nagt an ihnen, beeinträchtigt ihr Leben. In ihrer Vielzahl sind auch vermeintliche "Kleinigkeiten" weit davon entfernt, harmlos zu sein. Nicht selten sind Selbstekel, enorme Selbstzweifel und Essstörungen die Folgen sexueller Belästigungen. Viele Frauen versuchen den Belästigungen zu entgehen, indem sie bestimmte Orte, Kleidung oder ein gewisses Verhalten meiden. Nur um festzustellen, dass es diese angebliche Sicherheit gar nicht gibt. Laut einer repräsentativen Umfrage des BMFSFJ sind 60 Prozent aller Frauen in Deutschland sexuellen Belästigungen ausgesetzt. Die Orte des Geschehens: der Ausbildungs- und Arbeitsplatz, der öffentliche Raum, das soziale Umfeld. Es kann jederzeit und überall passieren. Es ist Sexismus mit System - es ist unsere derzeitige Realität. Als würden uns lauter Essensreste zwischen den Zähnen hängen. Doch bislang sind wir zu faul zum Putzen, weil wir uns bereits an den hässlichen Anblick gewöhnt haben (oder es mussten).
Die Verbitterten, die Abwiegelnden, die Ablenkenden, die Verunsicherten, die Ermutigten
Das macht auch #aufschrei sichtbar und ist in seiner Offenheit besonders - und erst dadurch so kraftvoll geworden. Was sich sonst hinter erschreckenden, aber eben doch abstrakten Statistiken verbirgt, hat plötzlich ein Gesicht bekommen. Das der eigenen Freundin, Tochter, Mutter, Lebenspartnerin, Kollegin.

Um die aktuelle Verworrenheit der Debatte etwas aufzudröseln und zu zeigen, wo wir stehen, möchte ich einmal die Haupttendenzen der Argumentationen zusammenfassen. Die daraus formulierten Gruppen bestehen jeweils aus Männern wie Frauen.
Die Verbitterten Sie zeichnen sich vor allem durch biologistische "Argumente" aus und würden sich vermutlich selbst als "Die Realistischen" bezeichnen. Laut ihrer Auffassung sind Männer willenlose, allein durch ihre Triebe gesteuerte Wesen, die statt Hirn und Herz nur ihren Penis einsetzen. Männer können also schlichtweg nicht anders, wenn sie Frauen belästigen und dürfen deshalb auch nicht für ihr Fehlverhalten belangt werden. Frauen sollen sich daher mal nicht so anstellen und müssen eben aushalten, was die Natur da verzapft hat.
Was die Verbitterten vergessen: Die Sache mit den Trieben mag vielleicht auf den ersten Blick als praktische Erklärung und damit Entschuldigung wirken. Doch schon auf den zweiten Blick stellen sich diverse Fragen: Wenn wir alle stets nur unseren Trieben gehorchen könnten, würden wir dann nicht immer noch auf sanitäre Einrichtungen verzichten und stattdessen unsere Geschäfte da verrichten, wo wir gehen und stehen? Würden wir dann nicht im Fall des akuten Hungergefühls direkt die Restaurantküche stürmen, anstatt uns gediegen an einen Tisch zu setzen und eine Bestellung aufzugeben? Und was ist mit all den tollen Männern, die es bereits problemlos schaffen, allgemeine wie individuelle Grenzen von Frauen nicht nur zu respektieren, sondern auch zu verstehen?
Die Abwiegelnden Sie sind diejenigen, die gerne mit Begriffen wie "hysterisch" und "überflüssig" um sich werfen und behaupten, dass durch #aufschrei alle Männer unter Generalverdacht gestellt würden. Hier paart sich Ignoranz mit Unwillen und wird zu einer gefährlichen Kombination. Ihre Erfahrungswelt (er)kennt keine Diskriminierung durch sexistisches Verhalten, und deswegen kann es schlicht nicht geben, was #aufschrei sichtbar machte. Sollte es doch mal Belästigungen geben - alles Einzelfälle, natürlich - müssten sich Betroffene einfach nur besser wehren und wären das Problem schnell los.
Ich frage mich, ob die Abwiegelnden auch Menschen in bombardierten Kriegsgebieten raten, sich doch einfach mal stabilere Häuser zu bauen? Die dahinter stehende Logik ist jedenfalls dieselbe: Nicht der Angriff wird verteufelt, sondern das Handeln der Betroffenen. Mit dieser Attitüde eines vorwurfsvollen "Selbst schuld!" lässt es sich für die Abwiegelnden bequem weiterleben, ohne Verantwortung übernehmen oder zugeben zu müssen, welchen perfiden Status Quo sie damit aktiv aufrecht erhalten. Einen Status Quo, der ihnen in der Regel nicht nur nicht weh tut, sondern oft sogar nützt.
Die Ablenkenden Ihr häufigster Konter: Aber Männer sind auch von sexuellen Übergriffen betroffen! Und ja, das stimmt. Das hat #aufschrei – entgegen der Behauptung der Ablenkenden - aber auch niemals verneint oder unsichtbar gemacht. Im Gegenteil: Auch Männer haben den Hashtag genutzt, um ihre Erfahrungen mit Übergriffen zu teilen.
Dass #aufschrei sich auf Frauen konzentriert, liegt schlicht daran, dass sie häufiger von sexuellen Belästigungen betroffen sind. Das zeigt die Anzahl der entsprechenden Tweets genau so wie Statistiken: Im Fall berufstätiger Menschen sind bis zu 50% Frauen von sexuellen Belästigungen betroffen, während es 10% bei den Männern sind. Den Fakt der Häufigkeit legen die Ablenkenden allerdings gern als Ungerechtigkeit in der Berichterstattung über Sexismus aus. Als ob betroffene Frauen stolz darauf wären, mehr Leidensgeschichten erzählen zu können. Ein reichlich fragwürdiger "Vorteil", den die Ablenkenden hier generieren. Und nein, auch eine Kanzlerin ist noch kein Zeichen dafür, dass in unserem Land Geschlechtergerechtigkeit herrscht.
Die Verunsicherten Sie sind vor allem durch die Fehlleitung der Debatte verunsichert worden, indem sexuelle Übergriffe fälschlicherweise mit Flirts gleichgesetzt wurden. Von ihnen gibt es allerdings zwei Sorten.
Die eine Sorte sieht als einzig mögliche Konsequenz, nicht mehr allein mit Frauen im Auto zu fahren oder im Aufzug stehen und macht jetzt ganz gern vor Witzigkeit strotzende "War das schon Sexismus? Höhöhö"-Bemerkungen. Sie versuchen, Betroffene und deren Wunsch nach Veränderung als Moralpolizei zu verleumden und sich selbst als Hüter und Hüterinnen des Spaßes zu inszenieren. Kurz gesagt: Ihre vermeintliche Unsicherheit ist lediglich der Unwille, das eigene Handeln zu reflektieren.
Der Begriff der Unsicherheit wurde darüber hinaus in der gesamten Debatte stets als etwas Schlimmes dargestellt. Dabei signalisiert er im Fall der zweiten Sorte der Verunsicherten, dass hier ein Erkenntnis- und Denkprozess eingesetzt hat. An ihrem Weltbild wurde durch #aufschrei kräftig gerüttelt, jetzt ordnet es sich neu, und das ist verdammt gut so. Wichtig ist nun, welche Konsequenzen sie daraus ziehen. Kleiner persönlicher Hinweis: Bitte macht es nicht wie Sorte eins. Nehmt das Problem ernst und handelt entsprechend.
Die Ermutigten Ich muss wohl nicht erwähnen, dass dies meine Lieblingsgruppe ist und ich mich selbst dazu zähle. Allein die zahlreichen Zuschriften und Kommentare, die ich bekomme, lassen erkennen, dass auch trotz so manch stumpfer Berichterstattung, sehr viele Menschen eben nicht in das verharmlosende Gelächter einstimmen oder ganz verstummen.
Es sind Frauen, die merken, dass sie mit ihrer Scham und Wut nicht allein sind, keine Schuld tragen und daraus neue Kraft schöpfen. Es sind ältere Frauen, die froh sind, dass die Debatte angestoßen wurde, da sie sich schon viel länger mit dem Status Quo quälen, als meine Generation es muss. Manche erzählen davon, wie sie #aufschrei mittlerweile als Codewort nutzen, um übergriffige Situationen als solche bezeichnen zu können. In den meisten Fällen sogar erfolgreich, so dass sich ihr Gegenüber entschuldigte und verstand, wo das Problem lag.
Unter den Ermutigten sind auch jede Menge Männer aller Altersgruppen, die sich bereits gegen das kranke Männlichkeitsbild wenden, das Frauen lediglich als verfügbare Objekte wahrnimmt. Sie schämen sich für das Verhalten ihrer Geschlechtsgenossen und entwickeln den Mut, sich nun auch offen dagegen auszusprechen. Exemplarisch dafür eine Mail, die ich erhalten habe:
"Ich habe die Diskussion um den alltäglichen Sexismus in den letzten Tagen übers Internet verfolgt. Ich bin geschockt von der Anzahl und dem Inhalt der Erzählungen. Diese Diskussion ist so was von überfällig gewesen. Ich habe in den letzten Tagen sehr viel darüber reflektiert. Zum einen mein eigenes Verhalten, zum anderen aber auch, wie mit Frauen in meinem Alltag umgegangen wird. Und es fällt mir jetzt leichter, gegen den alltäglichen Sexismus (vor allem in einer homogenen Gruppe von Männern) einzustehen. Unfassbar wie lange ich es vielen Freunden habe durchgehen lassen, wenn sie Frauen in meinem Umfeld beleidigt und abgewertet haben. Diese Diskussion ist das, was ich mir als Mann von einem modernen Feminismus erwartet habe."
Viel Arbeit
Mein derzeitiges Fazit zur Debatte lautet: Viele haben die Aufschreie zwar gehört, doch wirklich zugehört und angemessene Konsequenzen gezogen, haben immer noch nicht genug Leute. Dazu gehört ebenso, dass sich die Diskriminierungen in unserer Gesellschaft mitnichten auf weiße heterosexuelle Frauen beschränken. Doch die #aufschrei-Geschichten die unter #queeraufschrei oder den zusätzlichen Hashtags #rassismus, #ableism und #transphobie getwittert wurden, haben es noch schwerer, überhaupt wahrgenommen zu werden, obwohl sie durch Mehrfachdiskriminierung stärker betroffen sind. Wenn ich sie in Interviews erwähne, fallen sie meist als erstes der Redaktion zum Opfer. Umso wichtiger, dass sie weiterhin auf Alltagssexismus.de sichtbar gemacht werden und nicht aufhören, sich zu beteiligen.
Um uns von unserer sexistischen Gesellschaft endlich zu verabschieden, bedarf es einer verschränkten Verantwortungsübernahme in Politik, Medien, Bildungseinrichtungen und Privatem. Anhand der Art wie die Debatte bislang verlief, zeigt sich, wie sehr wir eigentlich noch am Anfang von etwas stehen, das ein wahrhaftiger Kulturwandel werden muss. Ist das viel Arbeit? Oh ja. Ist es unmöglich? Oh nein!
http://www.stern.de/panorama/sexismus-debatte-der-aufschrei-und-sein-echo-1977754.html

Anne Wizorek gab mit dem von ihr eingeführten Schlagwort „Aufschrei“ Tausenden Sexismus-Opfern über den Kurznachrichtendienst Twitter eine Diskussionsplattform. 60 000 Tweets liefen bislang über den Ticker, seit Tagen dominiert das Thema die Schlagwort-Hitlisten. Von der Lawine, die die bekennende Feministin auslöste, ist sie positiv überrascht. „Die meisten Männer sind ja jetzt geschockt von unserem Aufschrei“, sagte die Berlinerin "Spiegel online". Viele wüssten gar nicht, was „kleine, blöde Bemerkungen“ anrichten könnten. Wizorek ist freie Beraterin für Online-Kommunikation.
Seit Jahren engagiert sich die Projektmanagerin bei den Grünen, organisiert Veranstaltungen wie den Slut Walk, der mehr Respekt gegenüber Frauen fordert. Wizorek selbst sei bislang eher von alltäglichem Sexismus betroffenen gewesen - „wenn einem auf der Straße ‚Du geile Schnitte‘ hinterhergerufen wird“. Die Gesellschaft müsse sensibilisiert werden, vor allem deshalb ist Wizorek froh über die aktuelle Debatte. Auch die Politik müsse ihren Teil beitragen. Wizorek unterstützt eine verbindliche Frauenquote.
tz
http://www.merkur-online.de/aktuelles/politik/aufschrei-gegen-sexismus-anne-wizorek-stimme-frauen-mm-2722275.html

Das Gesicht des neuen Feminismus
Erstellt 31.01.2013

Anne Wizorek initiierte den Hashtag Aufschrei auf Twitter. Foto: dpa
Seit Tagen twittern tausende Betroffene unter #aufschrei über ihre Erfahrungen mit Sexismus. Initiiert hat die Kampagne Anne Wizorek. Die Berlinerin ist seitdem ein gern gesehener Talkshowgast zu dem Thema. Nicht jedem gefällt das allerdings. Von Sabine Rennefanz
Berlin.
Die Hilfe kam aus den USA. Die New Yorker Feministin Deanna Zandt schrieb am vergangenen Sonntag: „Helft @marthadear bei ihrem großen Sexismus-Interview“. Hinter @marthadear verbirgt sich Anne Wizorek, die Twitter-Aktivistin, die Tausende Frauen zum Aufschreien über Sexismus brachte. Am Sonntag hatte sie ihren ersten großen Auftritt bei Günther Jauch – und ließ sich vorher von amerikanischen Feministinnen coachen. Auch Jaclyn Friedman, Autorin des Bestsellers „Yes means Yes – Visions of Female Sexual Power“, gab Tipps. Nicht als unglückliches Opfer auftreten, lautete einer.
Zandt, Friedman und Jessica Valenti, vom Guardian als eine von hundert einflussreichsten Frauen gekürt – das sind die Vorbilder von Wizorek.
Theorielastiger Feminismus ist nichts für sie
Sie hat nie in den USA gelebt, hat aber viel auf wichtigen amerikanischen Blogs wie Feministing.com nachgelesen, inzwischen kennt sie Frauen wie Deanna Zandt auch persönlich, ist mit ihnen befreundet. Mit Alice Schwarzer und dem eher theorielastigen deutschen Feminismus kann sie hingegen nicht so viel anfangen. „Ich schätze, was sie für den Feminismus getan hat, aber sie ist nicht mehr auf dem neuesten Stand“, sagt Anne Wizorek in einem Café in Prenzlauer Berg.
Während der Jauch-Sendung behandelte Alice Schwarzer sie mit herablassendem Wohlwollen, sprach sie mit „Anne“ an, als würden sie sich ewig kennen. „Ich fand das komisch, aber wir haben uns nach der Sendung noch nett unterhalten“, sagt Wizorek. Zwei Tage sind seit der Jauch-Sendung vergangen. Sie trägt ein schwarzes enges Top, Jeans, Stiefel. Sie wirkt robuster, als in der Sendung, lächelt viel.
Sie kann sich herrlich über Rollenklischees aufregen, wie darüber, dass Frauen, wenn sie in Deutschland Macht haben wollen, Männer kopieren müssen, also Sakkos und Hosenanzüge tragen. Sie bezeichnet sich selbstbewusst als Feministin, organisierte 2011 den ersten Slutwalk in Berlin mit.
Sie ist 31, gehört zu einer Generation, von der man gar nicht dachte, dass sie Feminismus noch nötig hätte. „Uns wurde als Mädchen gesagt, dass wir alles erreichen können, aber dann erleben wir, dass wir doch in einer männerdominierten Gesellschaft leben, die antiquierte Vorstellungen von Gleichberechtigung hat“, sagt sie. Es gehe nicht mehr nur um die Diskriminierung von „Menschen mit Gebärmutter“, wie sie Frauen nennt, sondern auch um Homophobie und Rassismus. Das ist der Moment, in dem Anne Wizorek, die sonst so klar redet, etwas beliebig klingt.
Die Idee mit dem Hashtag Aufschrei kam ihr nachts, als sie im Schlafanzug am Computer saß, und hatte mit dem Brüderle-Artikel im Stern nur indirekt zu tun. Sie las einen Blog, der sich mit der Kampagne everydaysexism in Großbritannien beschäftigt. Dort werden seit Anfang Januar Erfahrungen von Frauen unter dem Hashtag shoutingback gesammelt. Sie schlug etwas Ähnliches für Deutschland vor. Über 60.000 Beiträge kamen zusammen, manches bewegend, manches banal. Wizorek schrieb über einen „Typ, der mich begrabschte und dem ich dann fast die Hand brach. Und mein damaliger Freund, der mich peinlich fand.“
Es ist wie ein Ausbruch, und die Fronten verlaufen weniger zwischen den Geschlechtern, sondern eher zwischen Jung und Alt.
Brüderle, der offenbar nie gelernt habe, Grenzüberschreitungen wahrzunehmen, sei nur ein Puzzleteil der Debatte, erläutert Wizorek. Hunderte Mails hat sie seit einer Woche bekommen, in denen Männer ihr sagen, sie müsste „nur mal wieder ordentlich durchgefickt“ werden. Sie wird in den Medien herumgereicht, die ersten werfen ihr auf Twitter Profilierungssucht vor. Doch sie nimmt den Rummel überwiegend mit Gelassenheit. „Bald wird auch noch Frauke Ludowig anrufen“, schreibt sie auf Twitter. Sonst arbeitet sie als Freiberuflerin, berät Kunden wie die Schweizer Bundesbahn oder die Deutsche Welle, wie sie die Sozialen Medien am besten nutzen können. In Neukölln teilt sie sich mit anderen Freiberuflerin ein Büro.
Sie genießt die Aufmerksamkeit, meistens jedenfalls. Einer Kollegin, die bei der Welt arbeitet, will sie kein Interview geben, weil die Welt einen für Wizorek inakzeptablen Kommentar druckte.
Aufgewachsen ist sie in Rüdersdorf bei Berlin – mit einer emanzipierten Ost-Mutter, einer Maschinenbau-Ingenieurin, die immer gearbeitet hat. „Wenn jemand nach dir pfeift, dann ignoriere das, man pfeift nur nach Vieh“, habe ihr die Mutter beigebracht. Sie studierte Literatur, brach das Studium aber ab, weil sie „etwas bewegen“ wolle.
Das ist ihr, zumindest im Kleinen, gelungen. Was sagt sie den Männern, die jetzt jammern, sie würden nicht mehr wissen, ob sie Frauen ein Kompliment machen dürften? „Ich finde es gut, dass Männer jetzt auch mal über sich selbst nachdenken.“

http://www.ksta.de/politik/anne-wizorek-das-gesicht-des-neuen-feminismus,15187246,21604250.html

Günther Jauch und seine Gäste befinden zur Sexismus-Debatte: Der „Herrenwitz“ ist weniger harmlos, als es scheint. Für alle, die nun unsicher sind, welche Witze sie noch machen dürfen, gibt es aber auch eine Hilfestellung.

Angekündigt war ein vermeintlich weiches Thema, pikant bis brisant vielleicht. Alles andere als Kriegseinsätze, Energiepreise, Arbeitslose. Die Ausgangsfrage der Talkshow von Günther Jauch am Sonntagabend (ARD) lautete: „Ein Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?“ Verschoben hatte die Redaktion dafür die Sendung „In Gottes Namen - wie gnadenlos ist der Konzern?“ Journalistisch bewiesen Jauch und Co Gespür – seit Tagen tobt im Internet die Diskussion um die Grenzen zwischen Flirt und Übergriff, Anzüglichkeit und Kompliment in der Kommunikation zwischen Mann und Frau in unserer spätindustriellen Gesellschaft.
Zehntausende bloggen und twittern zum Thema, in vielen privaten Runden tauschen Frauen einschlägige, teils haarsträubende Geschichten aus. Ganz so weich ist das Thema eben doch nicht.
Eingeladen zur Jauch-Runde war der Chefredakteur des „stern“, Thomas Osterkorn, denn sein Blatt hatte „die Lawine“, wie es hier oft hieß, ausgelöst. Eine stern-Reporterin hatte in einem Portrait des FDP-Politikers Brüderle von dessen anzüglichen Avancen zu später Stunde an einer Bar berichtet. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ soll der angeheiterte Politiker gestaunt haben. Osterkorn wehrte sich gegen die Unterstellung, die schlüpfrigen Szenen seien erst dann interessant für das Blatt geworden, als Brüderle zum Spitzenkandidaten seiner Partei erkoren wurde. Es sei an der Zeit, fand der Chefredakteur, dass Männer ihr Alltagsverhalten gegenüber Frauen besser reflektierten. Die Autorin selber hatte nicht bei Jauch erscheinen wollen, merkte dieser an.

Längst ist die Aufregung um Brüderle in den Hintergrund getreten, die Debatte hat sich vom Auslöser gelöst. Beweis dafür ist der Hashtag #Aufschrei auf Twitter der Kommunikationswissenschaftlerin Anne Wizorek, auf der bereits 60.000 Frauen von sexualisierten, paternalistischen oder frauenfeindlichen Belästigungen und Zumutungen am Arbeitsplatz, auf der Straße und an Schulen und Hochschulen Zeugnis abgelegt haben. Wizorek, die Jüngste im Sessel-Halbrund der Talkshow, war von der Explosion an Reaktionen so überrascht wie Osterkorn vom Echo des Artikels. Viele Männer, erklärte sie, „kennen einfach die Realität von Frauen nicht“. Es müsse sich radikal etwas ändern an der sexistischen Gesellschaft.
Günther Jauch und seine Gäste befinden zur Sexismus-Debatte: Der „Herrenwitz“ ist weniger harmlos, als es scheint. Für alle, die nun unsicher sind, welche Witze sie noch machen dürfen, gibt es aber auch eine Hilfestellung.

Wibke Bruhns spricht von Kühen und Stieren
Freimütig und mit gutwilligem Humor erzählte der Autor Hellmuth Karasek von aktuellen Auseinandersetzungen in seiner eigenen Familie über das Thema, er lerne in diesen Tagen viel dazu. Als Vorschlag zur Güte wandte er ein, bei einigen Flirtsprüchen käme es für Frauen doch sehr darauf an, von wem sie sie zu hören bekämen. Der Gedanke verursachte einen Anflug von Einigkeit. Wenig Zustimmung erhielt die frühere Moderatorin Wibke Bruhns, die sich vorübergehend in Biologismen verrannte, indem sie etwa erklärte, Männer und Frauen seien „zwei verschiedene Spezies“, so wie „Kühe und Stiere“, und auch Araber, die Frauen nicht die Hand reichen wollten, seien nun mal anders.
Ursprünglich angetreten, um das Anliegen von Anne Wizorek zu unterstützten, fiel es Silvana Koch-Mehrin (FDP) schwer, konkret zu werden. Loyal gegenüber der eigenen Partei ließ sie wissen, mit Brüderle sei sie, trotz dessen „salopper Ausdrucksweise“, stets „gut klargekommen“. Mit sachte lächelndem Verständnis begegnete ihr da die feministische Publizistin Alice Schwarzer, die selbstverständlich davon ausging, dass sich vieles eben nicht so leicht vor laufender Kamera sagen lasse.
Sicher traf Alice Schwarzer den Kern der scheinbar so plötzlich über uns hereingebrochenen Problematik. Sie gibt zu bedenken, dass die zunehmende Qualifikation von Frauen in der Arbeitswelt neue Verteilungskämpfe zwischen den Geschlechtern hervorruft. Sexistische Bemerkungen und anzügliche Gesten aber gehörten zum männlichen Versuch der Machtsicherung, womit junge, professionelle Frauen nicht gerechnet hatten. Umso größer nun deren Erwachen und Empörung.
Einig waren sich fast alle darin, dass unangebrachte Bemerkungen und unerwünschte Flirtversuche vor allem dann völlig fehl am Platz sind, wo Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnisse herrschen. Koch-Mehrin macht darauf aufmerksam, dass etwa Angela Merkel jahrelang den Spott der Presse für ihre Kleidung und Frisur hinnehmen musste, wie das nie einem Mann in ihrer Position passiert wäre. Fazit: Für sexualisierte oder indirekt auf das Geschlecht eines Gegenübers bezogene Bemerkungen taugt ein guter Test: Wie würde derselbe Satz, dieselbe Frage wirken, wenn eine Frau das zu einem Mann sagen würde?

http://www.tagesspiegel.de/medien/sexismus-talk-bei-jauch-es-geht-um-verteilungskaempfe/7695574.html

Manchmal kann ein einzelnes Wort etwas in Gang setzen, weil es bündelt, was an die Gefühle vieler Menschen rührt. Im Internet können sich solche Wörter schlagartig ausbreiten, immer wieder neu verlinkt in Blogs, sozialen Netzwerken und Online-Foren. Jede Zeile führt sofort zu weiteren Zeilen, jeder Satz zu einem Stoß weiterer Sätze.
So wie das Wort „Aufschrei“. Anne Wizorek zieht ihre Mütze vom Kopf und stellt die tomatenrote Ledertasche unter den Tisch, um den schon vier, fünf junge Männer sitzen. Der enge Besprechungsraum der Design-Agentur geht zu einer Seitenstraße in Berlin-Friedrichshain heraus. Apple-Symbole glimmen. Die Wintersonne wirft schwaches Licht. Es schneit.
Sie senkt den Blick auf ihren Mac, Chatleisten und Browserfenster blinken vor ihr auf. Neulich hat jemand sie gefragt: „Hättet ihr das alles nicht besser planen können?“ Sie lächelt dünn, amüsiert und noch etwas verwundert über das, was sie da losgetreten hat. „Wie denn? Das war doch eine ganz spontane Sache.“
Es begann an einem Donnerstag im Januar. Am Morgen erscheint auf dem Blog Kleinerdrei ein Beitrag über sexuelle Belästigung. Die Autorin weist auf eine Twitter-Kampagne in England hin, die solche Vorfälle zusammenträgt: „Was hält uns davon ab, da mitzumachen?“, fragt sie.
Als der Sturm ausbrach
Vielleicht wäre es dabei geblieben, wäre nicht an dem Tag der Stern mit einem Porträt Rainer Brüderles erschienen. Eine junge Reporterin beschrieb, wie der FDP-Politiker auf ihre Fragen mit anzüglichen Sprüchen reagierte. So kam eines zum anderen. Die Ersten fingen an, auf Twitter eigene Geschichten zu erzählen, stichwortartig, in 140 Zeichen. Es ist schon spät, kurz nach Mitternacht. Anne Wizorek alias @marthadear sitzt noch am Computer. Sie schreibt: „wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor.“
Dann brach der Sturm los.
Das ist jetzt drei Wochen her. Drei Wochen, in denen viel gesagt worden ist über sexuelle Diskriminierung, über Macht, Gewalt und Geschlecht. „Mir kommt es vor wie eine kleine Ewigkeit“, sagt Anne Wizorek, „es ist alles extrem intensiv gewesen.“ Sie sieht jünger aus als 31, mit feinen Gesichtszügen, zarten Schultern und Pferdeschwanz. In flachen Stiefeln läuft sie über das Parkett der Agentur, deren Inhaber Freunde von ihr sind. Im Gehen wendet sie den Kopf und erzählt, dass sie einen Internet-Radiosender gründen möchten, auf dem ihre Lieblingsmusik läuft.
Deswegen ist sie hier. Doch zuerst müssen sie Lizenzen beantragen. Sie seufzt leise, ihre Zeit ist knapp, gerade dieser Tage. Sie steigt die Treppe hoch in den ersten Stock, lässt sich auf einem olivgrünen Sofa nieder.
Anne Wizorek zählt zu denen, die schon länger versuchen, die Möglichkeiten des Internet auszuloten. Um sich Gehör zu verschaffen, Ideen zu verbreiten, Netzwerke zu knüpfen. „Twitter ist ein fester Bestandteil meines Tages“, sagt sie, „das ist das Erste, was ich nutze: Wenn ich wach bin, wird erst mal Twitter gecheckt.“ Als Beraterin für Online-Kommunikation erklärt sie ihren Kunden, darunter der Schweizer Bundesbahn, wie sie soziale Netzwerke wie Facebook für sich nutzen können. Das Studium brach sie ab. Literaturwissenschaft. Sie verließ die Uni, als es auf die Prüfungen zuging. Den Abschluss machen, das hätte bedeutet, dass sie erst mal nicht mehr arbeiten kann. Das konnte sie sich nicht leisten. Ohnehin liegt ihr das Praktische mehr.
Eine andere Debattenkultur
Zuletzt hat sie den Blog Kleinerdrei mitbegründet, daneben führt sie ihren Blog „An Apple a Day“. Dort stellt sie sich vor als „Nerdette mit Wohnsitz Internet & Berlin“. In dieser Reihenfolge.
Insgesamt gingen vom 25. bis zum 31. Januar 49.000 Tweets mit dem Hashtag #aufschrei ein, dazu 30.000 weitergeleitete Beiträge, Retweets. Damit war der #aufschrei die bis dahin größte Debatte, die es in Deutschland je auf Twitter gab. „Dass das so explodiert ist, zeigt, dass es Redebedarf gibt“, sagt Anne Wizorek.
Es zeigt aber auch noch etwas anderes: #aufschrei könnte ein Hinweis sein, dass sich die Debattenkultur in Deutschland verändert. Zum ersten Mal hat sich ein Thema im Internet verdichtet, bevor die etablierten Medien darauf eingestiegen sind. „Die alten Medien“, sagt Wizorek. Sie war manchmal enttäuscht, wie das Thema behandelt wurde. Sie stört, dass sich die Sicht oft auf eine Polarisierung verengte. Auf einen Kampf der Geschlechter.
Vor allem in Talkshows fehlte es ihr an Substanz. Die Blogger im Netz seien bereits viel weiter. „Da wird die Debatte auf dem richtigen Niveau geführt und mit der richtigen Differenzierung.“ Ihr geht es um einen feministischem Diskurs, der bewusst macht, welche Strukturen das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern aufrechterhalten.
„Ein zwangsweise dickes Fell“
Die Aktivistin ist eine zurückhaltende Frau, die in nüchternen Sätzen spricht. Sie fährt nicht hoch, sie eifert nicht. Keine Gesten, ruhige Mimik. Sie sitzt fast reglos da, die Beine überschlagen, die Arme überkreuzt, so als wollte sie all die Aufregung ein Stück von sich fernhalten.
Sie hat viele positive Rückmeldungen bekommen. Doch es gab auch allerhand Pöbeleien, sogar Drohungen. Anne Wizorek ist einiges gewohnt. „Sobald man als Frau zu bestimmten Themen schreibt, kommen solche Reaktionen“, sagt sie. „Man legt sich zwangsweise ein dickes Fell zu.“ Einer schrieb, sie solle auch nicht mit so einem tiefen Ausschnitt bei Günther Jauch sitzen. Tief? Sie lacht kurz auf und deutet auf den Kragen ihres Pullovers, der eine Handbreit unterm Schlüsselbein verläuft. „Der war so!“
Ab und an gibt es solche unsicheren Momente, in denen man spürt, dass sich manches doch nicht so leicht abstreifen lässt. Ihr setzte vor allem der Hohn mancher Frauen zu, die den #aufschrei als Hysterie abtaten und die Geschichten auf Twitter als Lappalien. „Wenn sie keine Erfahrungen damit haben, ist das ja toll. Aber dass sie anderen ihre Erfahrungen absprechen, das hat mir schon wehgetan.“ Sie stützt das Kinn auf ihrer Hand ab. Am Puls trägt sie eine Tätowierung, Pfeile wie auf den Tasten eines MP3-Players, mit denen man vor- und zurückschaltet.
Anne Wizorek trägt sich schon lange mit dem Gefühl, dass etwas falsch gelaufen ist in Deutschland, wo Frauen auch heute noch in der Arbeitswelt benachteiligt sind und sich auf der Straße oft nicht sicher fühlen. Sicher, meint sie, spielt es eine Rolle, dass sie in der DDR groß geworden ist, wo das Frauenbild anders war. Sie wuchs in Ostberlin auf, die Mutter war Maschinenbauingenieurin. Dass Mädchen bestimmte Fähigkeiten abgesprochen werden, wollte sie nie einsehen. Trotzdem tat sie sich mit dem Begriff „Feministin“ lange schwer, weil er so nach Frust und Männerhass klang.
Eher Valenti als Schwarzer
Erst im Internet fand sie einen Zugang zu ihrem Thema. Sie hatte während eines Semesters in Norwegen angefangen zu bloggen, „damit die Leute zu Hause wissen, wie es mir geht“. Dann stieg sie tiefer ein. Sie stieß auf Websites wie den US-Blog Feministing.com und begann, sich mit Aktivistinnen auszutauschen, die ihre Anliegen teilten.
Oft heißt es, dass die deutsche Frauenbewegung seit den 70ern ins Stocken geraten ist. Mit Alice Schwarzer, die das Thema seit 40 Jahren dominiert, können junge Frauen heute oft nicht mehr viel anfangen. Auch Anne Wizorek fühlte sich eher von US-Feministinnen wie Jessica Valenti angesprochen. Doch es ärgert sie, dass einige Medien getan haben, als gebe es einen Konflikt zwischen ihr und Schwarzer. Tatsächlich kann sie sich durchaus vorstellen, einmal mit der Emma-Chefin zusammenzuarbeiten.
Allerdings versteht sie sich als Teil einer neuen Generation von Frauen, die ihre eigenen Schwerpunkte setzen. „Der Feminismus hat sich weiterentwickelt seit Alice Schwarzers Zeit. Im Netz sind so viele Frauen aktiv. Doch das wird nicht sichtbar gemacht.“
Aufmerksamkeit haben sich die Aktivistinnen jetzt ertrotzt. Wenn es gut läuft, kann das Internet eine neue Chance für den Feminismus sein, meint Anne Wizorek. Doch wie dauerhaft der Aufbruch sein wird, muss sich noch zeigen, das weiß sie. „Mir war schnell klar: Wenn ich und die anderen Frauen diese Plattform nicht nutzen, schläft die Diskussion gleich wieder ein.“
„Ein Gefüge, das ineinandergreift“
Erste, zarte Veränderungen zeichnen sich bereits ab. Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind seit Januar deutlich mehr Fälle sexueller Belästigung gemeldet worden. Offenbar hat der #aufschrei manche Frauen ermutigt sich zu wehren. „Da ist ein Funke gezündet worden“, sagt Anne Wizorek.
Online geht der Protest ohnehin weiter. Die Bloggerin Nicole von Horst hat die Website „Aufschreien gegen Sexismus“ eingerichtet, auf der Frauen ihre Erlebnisse nun dauerhaft teilen können. Auch homophobe, klassistische und rassistische Vorfälle sollen dort öffentlich gemacht werden. Für die jungen Feministinnen gehört all das zusammen. „Es ist ja ein Gefüge, das ineinandergreift“, sagt sie. „Man kann nicht das eine bekämpfen und das andere ignorieren.“
Dann wird es allmählich Zeit. Anne Wizorek hat noch einiges vor sich. Sie springt die Treppe herunter, ihre Freunde warten im Besprechungszimmer. Der Schneefall hat nachgelassen. Wie es nun weitergeht, muss sie noch überlegen. Ihr wurden Buchverträge angeboten, auch aus der Politik kamen Anfragen.
Doch erst muss die Aufregung etwas abklingen. In ihrem Kopf hallen manche der Tweets noch nach. Bestürzt hat sie vor allem, wie früh manche Mädchen sexistische Erfahrungen machen. „Mir ist auch aufgefallen, wie wenig wir als Frauen über das Thema sprechen.“ Einen ersten Aufschrei haben jetzt viele gewagt, doch so, wie Anne Wizorek es sieht, ist das nur der Anfang. Es gibt noch viel zu besprechen.

http://www.taz.de/!110938/

Anne Wizorek entlarvt und zerlegt sich selbst
Was würde man wohl sagen, wenn Rainer Brüderle (FDP) oder Wolfgang Kubicki (FDP) hier mit vollem Ernst folgenden Text von sich gäben:
“Eigentlich haben wir Männerrechtler doch das bessere Frauenbild”, sagt der Berufszyniker, “wir reduzieren Frauen nicht auf ihre Vagina, sondern gestehen ihnen auch ein Gehirn zu.”
Vermutlich würde man sie als Macho / Chauvi und vielleicht auch noch als Arschloch bezeichnen. Zu Recht, denn dieser Satz ist weder witzig noch trägt er sonstwie zu einer inhaltlichen Diskussion bei. Grünen-Sympathisantin Anne Wizorek entblödete sich aber nicht, kürzlich genau folgendes von sich zu geben:
“Eigentlich haben wir Feministinnen doch das bessere Männerbild”, sagt Wizorek, “wir reduzieren Männer nicht auf ihren Penis, sondern gestehen ihnen auch ein Gehirn zu.”
Das ist ja äußerst großzügig von dem Fräulein Anne Wizorek, sie gesteht Männern im Jahr 2013 also sogar schon ein Gehirn zu – Potzblitz! Ein Gehirn für jeden oder eines für alle? Mann fragt sich hingegen, ob diese selbsternannte Netzfeministin die letzten 40 Jahre mit Augenbinde und Ohrenstöpseln herumgelaufen ist, dass sie heute ähnlich dümmlich, provokant, beleidigend und vollkommen respektlos gegenüber Männern auftritt wie es zuletzt Alice Schwarzer in den 70er Jahren tat. Allerdings ist Alice Schwarzer wirklich – vor allem im historischen Kontext – sinnvoll aktiv gewesen mit Aktionen, Protesten, ihrem Magazin, einigen Büchern und vielem mehr, während diese lächerlichen Netzfeministinnen gerade mal ein popeliges Hashtag bei Twitter hinpullern können und sich dabei vermutlich gerade gegenseitig händisch oder mit Silikon-Spielzeugen befriedigen. Denn weiße Hetero-Männer sind in dieser kruden Gedankenwelt ja das personifizierte Böse und somit muss Frau zwingend lesbisch sein oder sich zumindest irgendwas nicht-weißes Transsexuelles beschaffen, wenn es um Sex gehen soll. Und das dürfte selbst in Berlin eine nicht ganz einfache Aufgabe sein.
Aber kommen wir zum Kern der Sache. Ich bedanke mich untertänigst für das von Anne Wizorek in uns Männer gesetzte Vertrauen und das Gehirn, welches sie uns zugesteht. Ich spucke ihr allerdings virtuell mitten ins Gesicht für ihre im Rahmen der verlogenen #Aufschrei-Kampagne an den Tag gelegte Zickigkeit, HinterFlachigkeit, Einseitigkeit und Männerfeindlichkeit, womit sie weder Männern noch Frauen einen Gefallen getan, sondern lediglich Aufmerksamkeit für sich und ihre feministischen Kampflesbinnen im Geiste von Mädchenmannschaft & Co. beschafft hat.
Einen weiteren Verdienst von Anne Wizorek und Konsortinnen hat Dieter Nuhr kürzlich sehr gut zusammengefasst:
Noch nie wurde echter Sexismus dermaßen banalisiert wie durch diese lächerliche Debatte um diesen Pfälzer Opa. (…) Alles so ein oberflächlicher Scheissdreck, wirklich! (…) Komischerweise: bei Männern und Reichen sind Pauschalurteile politisch links, bei Frauen und Ausländern sind sie politisch rechts.
http://www.berufszyniker.com/2013/02/anne-wizorek-entlarvt-und-zerlegt-sich-selbst/

Vor wenigen Tagen war Anne Wizorek aus Berlin noch völlig unbekannt. Dann veröffentlichte der "Stern" den heiß diskutierten Artikel über FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle, und Anne Wizorek forderte unter dem Twitter-Stichwort #aufschrei Frauen auf, über ihre Erlebnisse mit Sexismus und sexueller Belästigung zu berichten.

Sie ist 31 Jahre alt, wohnt in Berlin und arbeitet als Beraterin für Online-Kommunikation – viel mehr ist über Anne Wizorek nicht bekannt. Außer, dass sie als ihren Wohnort das "Internet" angibt und sich selbst als "Nerdette" und "Feministin" bezeichnet. Seit einer Woche aber ist sie eine der auffälligsten und meist gefragten Personen in der aktuellen Sexismus-Debatte.
Anlass ist eine Twitter-Botschaft Ende der vergangenen Woche, verbunden mit der Aufforderung, Frauen sollten unter dem Hashtag #aufschrei über ihre Erfahrungen zu dem Thema berichten. Innerhalb weniger Tage sammelten sich zehntausende Kurznachrichten, die Twitter-Aktion erreichte ein vorher nie dagewesenes Ausmaß – und Anne Wizorek wurde über Nacht berühmt.

Wie sieht die Berlinerin diese Diskussion der vergangenen Woche? Was hat sich im Leben der Anne Wizorek verändert? Das ist ebenso Thema bei "hr-iNFO Im Gespräch" wie die Frage, was Sexismus eigentlich ist und wo sexuelle Belästigung beginnt.

http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=61163&key=standard_document_47410011

Grenzen zwischen Job und Privatleben verschwimmen. Immer mehr ArbeitnehmerInnen sind auch nach Feierabend durch Smartphones und Tablets erreichbar bzw. checken selbst noch mal eben schnell Mails. Für FreiberuflerInnen existiert diese Grenze oft gar nicht, denn zu schnell könnte man einen Auftrag verlieren.

Dass auch vielen Besucherinnen und Besuchern das Thema auf den Nägeln brennt, konnte man am Workshop sehen. Über 40 Leute kamen, um mit uns über die Folgen der ständigen Erreichbarkeit zu diskutieren. Besonders hat mich gefreut, dass sich fast jeder im Raum mal zu Wort gemeldet hat, das fand ich außergewöhnlich.

Viele Menschen sind mittlerweile daueronline: Als wir unsere erste Referentin, Anne Wizorek (vielen auch bekannt als @marthadear) kontaktierten, antwortete sie innerhalb von 20 Minuten. Wie sich bei ihrem Input herausstellte, war das eher langsam, da sie vorher noch schnell Fakten zum netzpolitischen Kongress recherchiert hatte. Als freiberufliche Online-Beraterin kennt sie Probleme und Vorteile der ständigen Erreichbarkeit aus eigener Erfahrung. Zwar könne man sich die Arbeitszeiten selbst einteilen, aber das hieße noch lange nicht, dass die Außenwelt diese Zeiten so respektiere. Man müsse lernen, zu priorisieren. Die "Inbox Zero" bleibe eine Mission, oft so unerreichbar wie der heilige Gral. Sie selbst nutze mittlerweile „Life Hacking Tools“, um sich selbst zu disziplinieren, aber auch an die Kunden ein Signal zu senden: Ich bin nicht 24 Stunden am Tag verfügbar.

Damit die Tarifangestellten der Volkswagen AG nicht abends erst in die Versuchung geraten, Ihre E-Mails auf den konzerneigenen Smartphones zu checken, hat der Betriebsrat von VW eine Betriebsvereinbarung durchgesetzt, die für viel Aufsehen gesorgt hat. Heinz-Joachim Thust, der diese Betriebsvereinbarung maßgeblich mit verhandelt hatte, berichtete von der Idee und der Ausführung: Die Betriebsvereinbarung gelte für die Tarifangestellten, die vom Konzern ein Smartphone zur Verfügung gestellt bekämen. Für diese wurde ein extra Mailserver eingerichtet, der sich eine halbe Stunde nach Ende der Arbeitszeit abschalte. Eine halbe Stunde vor Beginn des nächsten Arbeitstages beginnt der Server wieder, die Post abzuholen. Bei den außertariflich Angestellten, wie beispielsweise die Führungsebene, würde nichts abgeschaltet. Für die Mitarbeiter, die beispielsweise wegen einer Auslandsreise mit Zeitverschiebung andere Zeiten bräuchten, gäbe es eine Ausnahmegenehmigung. Für den entsprechenden Zeitraum müsse beim Betriebsrat ein Antrag gestellt werden, dass man auf den außertariflichen Server kommt. Aber es hätte auch schon Mitglieder vor allem aus dem mittleren Management gegeben, die das auch gewollt hätten. Manchmal, so Thust, müsse man die Menschen vor sich selbst schützen.

Eine kleine Abfrage bei allen WorkshopteilnehmerInnen zeigte: Das Problem ist weit bekannt. Auf die Frage „Wer ist immer erreichbar?“ meldeten sich bis auf drei TeilnehmerInnen alle. Kaum weniger Hände gab es auf die Frage, wer seine Mails auch nach Feierabend läse. Und die dritte Abfrage ergab, dass sich auch viele darüber ärgern, wenn sie nach Feierabend Mails bekommen, bzw. sich über sich selbst ärgern, wenn sie die Mails lesen. Zwei Drittel der TeilnehmerInnen empfanden die ständige Erreichbarkeit als Belastung.

Offenkundig war: Die Arbeitswelt ändert sich, es gibt ein neues Verständnis von Arbeit. Immer mehr Menschen arbeiten freiberuflich. Die ArbeitnehmerInnen mit Vertrag können nicht von gesicherten Arbeitsverhältnissen ausgehen, das baut neuen Druck auf. Aber auch die Art der Zusammenarbeit wandle sich. Ein Teilnehmer berichtete, dass sein Arbeitgeber und seine Kollegen in den USA säßen. International arbeitende Menschen müssten beispielsweise auf Faktoren wie Zeitverschiebung reagieren.

Eine Teilnehmerin stand der ständigen Erreichbarkeit ambivalent gegenüber: Gerade für Eltern sei es von Vorteil, wenn man durch Home Office seine Zeit freier einteilen könne. Aber es sei auch ein Nachteil, wenn alle Freunde und Bekannten ständig nur aufs Smartphone schauten. Schließlich ging es bei der Erreichbarkeit nicht nur um E-Mails. In sozialen Medien wie Twitter sei nie Feierabend, dort würden auch noch am Wochenende mitunter noch relevante Debatten geführt. Anne Wizorek bekräftigte dies und stellte auch klar, dass sie nicht nur via E-Mail erreichbar sei, oft ginge die Kontaktaufnahme auch über Twitter oder Facebook.

Auf meine Frage, ob die Initiative vom Chef kommen müsse, antworteten viele TeilnehmerInnen, dass dies sicherlich hilfreich sei. Aber nicht jede/r könne auf eine Betriebsvereinbarung wie bei VW hoffen. Heinz-Joachim Thust bekräftigte noch mal, dass sie bei VW den Vorteil hatten, mit einem starken Betriebsrat im Rücken agieren zu können. Es gäbe aber viele Organisationseinheiten, wo sie nicht agieren könnten. Auch seien oft die Betriebsgrößen zu klein für einen Betriebsrat.
Viele TeilnehmerInnen betonten, dass es zwischen Angestellten und Chefs an klaren Übereinkünften fehle, wann man erreichbar sei und wann nicht. Die Festlegung von Regeln könne hier ein erster Schritt sein.
Wie aber ein Teilnehmer zu recht darstellte, braucht es dafür auch von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein Selbstbewusstsein für den Wert der eigenen Arbeit. Dies, so die These, sei vielen abhanden gekommen. Wenn man selbst die eigene Arbeit wertschätze, falle es leichter, die Arbeitszeiten vor anderen zu verteidigen.

Oft, und dies betonten mehrere selbstkritisch, fehle es individuell an Selbstdisziplin. Gerade für Freiberufler könne dies zum Problem werden. Eine Freiberuflerin sagte, man müsse als Freelancer auch lernen, nein zu sage und sich selbst Grenzen zu setzen, auch in zeitlicher Hinsicht. Das führte zu den Fragen, wer den Menschen das Zeitmanagement beibringen soll? Soll dies erst im Erwachsenenalter geschehen, oder könne man hier schon bei Kindern in der Schule ansetzen? Dies, so der Workshop, könne eine Aufgabe der Politik sein.

Auch das Thema Vereinbarkeit wurde debattiert, es wurde schon angemerkt, dass durch die digitale Erreichbarkeit Tools wie Home Office erleichtert würde. So könne man sich auch mal kurzfristig um die Kinder kümmern. Aber es sei auch ein Nachteil, wenn man mit einer Hand das Kind füttert und mit der anderen mit dem Chef telefoniere.

Fazit des Workshops: Die digitale Erreichbarkeit empfinden viele als Belastung. Die Politik alleine kann sicherlich nicht die Probleme lösen. Aber sie kann unterstützen, beispielsweise mit Maßnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz. Ein Vorschlag sah vor, die Unternehmen dazu zu verpflichten, sich stärker an den Krankheitskosten der Angestellten zu beteiligen.
Aber es sei auch die Aufgabe jedes und jeder Einzelnen, für die eigenen Belange einzutreten und sie konsequent zu verfolgen. Selbstdisziplin kann man nicht vorschreiben, jede/r muss für sich die perfekte Arbeitsweise finden. Aber die Intensität und die Qualität der Diskussion zeigte, dass die Konsequenzen der digitalen Erreichbarkeit ein Themenfeld sind, das weiter bearbeitet werden

http://www.tabea-roessner.de/start/aktuelles/artikel/2d1af4096d/-e1524c932a.html

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