Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Liste Lila Pudel 131-140 (Projekte)

verfasst von Oberkellner(R), 24.06.2012, 20:27

LP 131 Michael Sommer, DGB, geboren 1952 in Büderich (NRW), Sohn einer Kriegs-witwe, Studium der Politikwissenschaften, Bundesvorsitzender der Vereinigten Dienstleis-tungsgewerkschaft ver.di

Der Chef des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) Michael Sommer fordert im Abend-blatt die Einführung der Frauenquote und einen Mindestlohn von 8,50 Euro, um die Situation der Frauen zu verbessern
In der Debatte um die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt hat der Vorsitzende des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), Michael Sommer, einen gesetzlich geregelten Frauenan-teil für Spitzenpositionen in der Wirtschaft gefordert. "Wir brauchen eine gesetzliche Frauenquote, denn die Selbstverpflichtung der Unternehmen hat in den vergangenen Jahren nichts gebracht“, sag-te Sommer dem Abendblatt.
Darüber hinaus forderte der FDGB-Chef, die soziale Situation der Frau in der Gesellschaft insge-samt zu stärken. Die größte Gruppe der Niedriglöhner seien Frauen, die größten sozialen Probleme hätten alleinerziehende Frauen, sagte Sommer. Er betonte: "Wirklich helfen würde den Frauen ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro.“

http://www.abendblatt.de/politik/article1866613/DGB-Chef-Sommer-fordert-gesetzliche-Frauenquote.html

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, hat seine Forderung nach einer Frauenquote in der Wirtschaft bekräftigt. "Wir brauchen eine gesetzliche Frauenquote, denn die Selbstverpflichtung der Unternehmen hat in den vergangenen Jahren nichts gebracht", sagte Sommer dem "Hamburger Abendblatt" vom Dienstag. Zudem müssten die Frauen aber auch durch einen allgemeinen Mindestlohn gestärkt werden. Frauen seien die größte Gruppe der Niedriglöhner, und die größten sozialen Probleme hätten alleinerziehende Mütter, sagte Sommer. "Wirklich helfen würde den Frauen ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro", wiederholte er eine Forderung des Gewerkschaftsbundes.

http://www.stern.de/news2/aktuell/dgb-chef-sommer-fordert-erneut-frauenquote-in-wirtschaft-1677758.html

DGB fordert Frauenquote für Firmen
Sommer: Freiwillige Vereinbarungen helfen nicht. Große Gehaltsunter-schiede Von Christoph B. Schiltz
Nach dem Willen der deutschen Gewerkschaften soll es künftig Frauenquoten in der Wirtschaft geben. "Der Gesetzgeber sollte Frauenquoten für die Unternehmen festlegen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, der WELT. Derartige Quoten würden sicherstellen, dass Frauen ausreichend in den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen und gerade auch in Führungspositionen vertreten seien.
Die Praxis der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass freiwillige Vereinbarungen zur Frauenförderung im Betrieb nicht weiterhelfen würden. Sommer: "Bisher sind Frauen kaum im Vorstand großer Unternehmen vertreten. Diese Entwicklung muss dringend korrigiert werden."
Zudem forderte der DGB-Chef eine bessere Kinderbetreuung. "Wichtig ist, dass die Ganztagsbetreuung von Kindern ausgebaut wird, insbesondere die Ganztagsschulen. Dies gibt Frauen mehr Zeitsouveränität und eröffnet ihnen die Möglichkeit, in das Berufsleben zurückzukehren."
Nach Angaben der Bundesregierung liegt der Frauenanteil in Management-Positionen lediglich bei elf Pro-zent. Zum Vergleich: In den USA sind 46 Prozent und in Kanada 42 Prozent in Führungspositionen vertreten.
Unterdessen hat die Unternehmensberatungsgesellschaft Kienbaum ermittelt, dass Frauen in Toppositionen in Deutschland weiterhin deutlich weniger verdienen als Männer. Kienbaum-Berater Christian Näser: "Generell kann man sagen, dass Frauen in der Informationstechnologie durchschnittlich zehn Prozent weniger verdienen als Männer - in allen anderen Bereichen sind es sogar 20 Prozent."
Die Bundesregierung wollte im vergangenen Jahr - entsprechend der Koalitionsvereinbarung von 1998 - ein Gesetz zur Frauenförderung in den Betrieben vorlegen. Nach heftigen Protesten aus der Wirtschaft verzich-tete die rot-grüne Koalition schließlich auf dieses Gesetzesvorhaben. Stattdessen vereinbarten die Spitzen-verbände der deutschen Wirtschaft mit der Bundesregierung, die Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft zu fördern.
In dieser Vereinbarung wird den Unternehmen empfohlen "Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit als Unternehmensphilosophie zu verankern und durch verbesserte Kommunikation nach innen und nach außen bekannt zu machen." Zudem sollten jungen Eltern flexible Arbeitszeiten angeboten werden.

http://www.welt.de/print-welt/article404676/DGB-fordert-Frauenquote-fuer-Firmen.html

LP 132 Christian Weber, Besuch der Deutschen Journalistenschule, dann Redaktionsleiter beim Magazin Süddeutsche Zeitung Wissen, zuletzt Redakteur im Wissen Teil der Süddeutschen - E-Mail: abp@a-b-p.de

Wer sein Unternehmen nicht ruinieren möchte, sollte keine männlichen Runden egomanischer Eierköpfe zusammenrufen, sondern die Zahl der Frauen im Team erhöhen. Das steigert die kollektive Intelligenz.

Wenn Frauen im Raum sind, steigt die kollektive Intelligenz. (© iStock)
Eine im Fachmagazin Science (online) veröffentlichte Studie bestätigt jedoch die Vermutung, dass die kollektive Intelligenz der Gruppe tatsächlich größer sein kann als die Summe der Einzelintelligenzen:
Das Forscherteam um die Psychologin Anita Williams Woolley von der Carnegie Mellon University teilte insgesamt 699 Versuchspersonen in zwei- bis fünfköpfige Gruppen ein. Diese sollten gemeinsam Lösungen für verschiedene kognitive Aufgaben erarbeiten. Dabei ergab sich, dass die Gruppen deutlich bessere Arbeit leisteten als Probanden, die sich einzeln mit den Tests beschäftigen.

Noch überraschender war, dass die Testergebnisse weder mit der Durchschnittsintelligenz der Gruppe anstiegen, noch mit den Intelligenzwerten des begabtesten Mitgliedes.
Die Analyse der Daten ergab jedoch, dass die Zahl der Frauen im Team die kollektive Denkleistung statistisch signifikant erhöhte. "Das war eine Überraschung", sagt Co-Autor Thomas Malone vom Massachusetts Institute of Technology. "Die Studie zielte gar nicht darauf ab, einen Geschlechter-Effekt zu erkennen."
Die Forscher glauben nicht, dass das Geschlecht die entscheidende Variable ist. Vielmehr habe die Studie gezeigt, dass das Arbeiten in Gruppen dann am produktivsten ist, wenn die Teilnehmer soziales Einfühlungsvermögen besitzen. Sie müssen also fähig sein, die Emotionen der anderen zu erkennen.

Umgekehrt schade es der kollektiven Intelligenz, wenn die Diskussion von einer Person dominiert werde, sei sie noch so intelligent. Die Autoren empfehlen deshalb, bei der Zusammensetzung von Arbeitsteams auf persönliche Qualitäten zu setzen. Wer also ein Unternehmen ruinieren möchte, ruft am besten regelmäßig männliche Runden egomanischer Eierköpfe zusammen.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/teamarbeit-mit-frauen-besser-denken-1.1006879

LP 133 Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, Strafverteidiger (spezialisiert auf Strafrecht) und Schriftsteller in 10719 Berlin, Meinekestrasse 7 - http://www.schirach.de http://www.welt.de/img/dc5-images/crop102093439/5420718629-ci3x2l-w580-aoriginal-h386-l0/bs-01-16-DW-Kultur-Frankfurt-am-Main.jpg

über Feminismus und Justiz
"Mad Men" ist eine Serie über eine amerikanische Werbeagentur. Sie wurde von Matthew Weiner erfunden, der auch Drehbücher für "Die Sopranos" verfasste. Die Filme sind phantastisch. Das ZDF-Programm Neo bewarb sie mit dem Trailer: "Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann, der ihr auf den Arsch glotzt." Das könnte man auch freundlicher sagen, aber der Satz trifft es. Die frühen sechziger Jahre werden - politisch völlig unkorrekt - in jedem Detail nachgezeichnet: Alle rauchen unglaublich viel und trinken zu jeder Tageszeit, die Frauen tragen spitze BH und enge Korsagen, sie werden von den Männern richtig schlecht behandelt.

In der ersten Folge sitzt eine Sekretärin bei einem Frauenarzt auf einer gynäkologischen Liege und liest. Der Arzt zündet sich eine Zigarette an und nimmt ihr das Buch aus der Hand. Sie legt sich hin. Der Arzt sitzt rauchend zwischen ihren Beinen. Er sagt: "Sie interessieren sich für die Antibabypille? Ich verurteile niemanden einfach so. Es ist nicht falsch, wenn eine Frau eine praktische Einstellung zu sexuellen Aktivitäten hat ... Spreizen Sie die Knie ... Obwohl ich sehr hoffe, dass die Frau, die man als Arzt so unterstützt, sich nicht in eine Art Wanderpokal verwandelt. Aber ich warne Sie: Ich setze das Präparat ab, wenn Sie es missbrauchen." Er schreibt ein Rezept aus, die Pille kostet elf Dollar pro Monat. Zur Verabschiedung sagt er: "Aber hüpfen Sie jetzt nicht durch alle Betten, um Ihr Geld wieder reinzukriegen."
In Deutschland gibt es zurzeit eine Art Feminismusdebatte. Ausgelöst haben sie die junge Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, 33, und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, 68. Vor vier Wochen gab Kristina Schröder dem SPIEGEL ein Interview. Über ihre Antworten konnte man, höflich gesagt, nur verwundert sein. Auf die Frage, ob der Feminismus die Frauen glücklicher gemacht habe, sagte sie: "Ich glaube, dass zumindest der frühe Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden." Der Arzt aus "Mad Men" hätte der Ministerin zugestimmt - das Buch, das er seiner Patientin aus der Hand nimmt, trägt den Titel: "Es ist Ihre Hochzeitsnacht. Wie man eine gute Ehefrau wird".
Als der Ministerin vorgehalten wird, dass von 185 Dax-Vorständen 181 männlich seien, kommt noch Erstaunlicheres: Eine Frauenquote in der Wirtschaft bedeute die Kapitulation der Politik, Wirtschaft sei für sie in erster Linie freies Handeln ohne staatliche Vorschriften. Sie sagt das tatsächlich im Jahr 2010. Die Finanzkrisen liegen noch nicht einmal hinter uns, fehlende staatliche Aufsicht hätte uns beinahe ruiniert.
Kristina Schröder konnte nur Ministerin werden, weil es Frauen wie Alice Schwarzer gibt Schlimmer aber ist, dass Kristina Schröder von sich aus nicht anerkennt, dass sie nur Ministerin werden konnte, weil es Frauen wie Alice Schwarzer gibt. Natürlich, nach einer Revolution mag niemand mehr die Revolutionäre, sie sind zu laut, sie scheinen nicht mehr in die Zeit zu passen. Und es ist auch wirklich nicht leicht, Alice Schwarzer zu mögen - zurzeit schreibt sie Grobheiten in der "Bild" über einen Vergewaltigungsprozess, sie liegen weit unter ihrem Niveau. Kristina Schröder muss sich kein Bild von Alice Schwarzer auf den Nachttisch stellen. Aber sie muss sich bewusst sein, dass sie nur wegen der anstrengenden Feministinnen der siebziger Jahre das werden konnte, was sie ist - das ist keine Schande, und sie sollte sich diese Erkenntnis nicht erst von Journalisten am Ende eines Interviews abnötigen lassen. Sie hat als Familienministerin die Interessen der Frauen zu vertreten. Was sie in dem Interview sagte, war nicht nur albern, vor allem war es falsch.
Am 2. Juli 2001 schlossen Bundesregierung und Wirtschaft eine Vereinbarung, sie sollte die Chancengleichheit von Frauen und Männern fördern. Die Bundesregierung hatte sich dabei verpflichtet, so lange nicht durch Gesetze einzugreifen, wie die Vereinbarung tatsächlich umgesetzt wird. Zunächst auf Freiwilligkeit zu setzen ist in einer Demokratie vernünftig. Das Problem ist nur: Die Vereinbarung wird nicht umgesetzt. Das Ministerium erklärt das sogar selbst. Auf der Internetseite dort heißt es: "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen bleibt in der Privatwirtschaft ebenso wie im öffentlichen Dienst deutlich hinter den Erwartungen zurück."
Die Betonung liegt auf "deutlich", die Zahlen sind erschreckend. Betrachtet man die Frauen in Führungspositionen, liegt Deutschland weit unter dem europäischen Durchschnitt (26,5 Prozent zu 32,3 Prozent). In Frankreich ist die Quote bei 37,8 Prozent, in Litauen sogar bei 44 Prozent. Unter den Vorständen der 200 größten Unternehmen in diesem Land gibt es nur 3 Prozent Frauen. Und eine McKinsey-Studie hat die Frauenquote in den Vorständen von 362 börsennotierten Unternehmen in den Industrie- und Schwellenländern untersucht. Das Ergebnis bestätigt den Trend: Deutschland und Indien teilen sich den letzten Platz. Das alles lässt sich nicht damit abtun, dass Frauen Konkurrenzkampf nicht mögen.
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,732882,00.html

LP 134 Holger Marcks, geboren 1981 in Berlin, Redakteur der Wochenzeitung „Junge World“ und Mitglied der Gewerkschaft FAU

Holger Marcks (Berlin, geb. 1981): studiert Geschichte, Soziologie und Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Mitglied des Bildungssyndikats der Freien ArbeiterInnen-Union Berlin, seit 2005 Redaktionsmitglied der FAU-Zeitung Direkte Aktion. Autor diverser Artikel zu Theorie und Geschichte des Syndikalismus sowie zu aktuellen Gewerkschaftsthemen. Seiffert, Matthias

Vergesst Kriege, Ausbeutung und Massenverarmung! Das große Problem unserer Zeit lautet: die Unterdrückung des Mannes. Das meinen zumindest die Maskulisten. Und deshalb sollte Ende Oktober in der Schweiz das 1. Antifeminismus-Treffen stattfinden. Mit von der Partie waren auch Vertreter aus der deutschen „Männerbewegung“. Ob das Treffen, das wegen einer linken Gegenkampagne an einen geheimen Veranstaltungsort verlegt werden musste, wirklich stattfand, war zum Redaktionsschluss noch nicht ausgemacht. So oder so – es wurde sicher viel gejammert.

Das beklagte Übel der Maskulisten ist der Feminismus, gegen den sie ihren „Kreuzzug“ ausfechten. Es ist vor allem ein virtueller Kampf. Zornig sitzen sie hinter Computern und kommentieren im Internet, was das Zeug hält. Wird im Netz ein relevantes Thema ausgemacht, schieben sie sich den Link zu und stürzen sich im Rudel auf den Kommentarbereich. Und wenn irgendwo die Kommentar-Funktion geschlossen wird, weil die SeitenbetreiberInnen das hysterische Gespamme und autistische Gebrabbel aus Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft leid sind, vermuten sie dahinter gleich die „Frauenlobby“. „Bloß nicht zulassen, dass die Wahrheit vom Bürger ausgesprochen wird“, weiß ein Maskulist derlei Maßnahmen zu bewerten.

In seinem verschwörungstheoretischen Wahn geht manch Jammerlappen so weit, von einer „Femokratie“ zu sprechen. Die Gesellschaft sei derart feminisiert, dass Männer mittlerweile benachteiligt seien. Lohngefälle zwischen Männern und Frauen? Unsinn! Frauen kassierten doch massenhaft Unterhalt. Dass knapp 90% der Alleinerziehenden nun mal Frauen sind, scheint keine Rolle zu spielen, ebenso wenig die Frage, was die einzelne Frau von solchen Transferleistungen hat, wenn ihr in der Arbeitswelt bestimmte Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt werden. Gleichzeitig weißt man anklagend darauf hin, dass der Löwenanteil der Steuerzahlungen von Männern aufgebracht werde. Ein Indiz für die ökonomische Ausgrenzung von Frauen mag man darin natürlich nicht sehen. Auch das Thema häusliche Gewalt hat es den Maskulisten angetan. Es seien heute mehrheitlich Frauen, die solche Gewalt ausübten, während Männer, die das öffentlich machten, verspottet würden.

Die Maskulisten sind empört: Jeder, der diese „Wahrheiten“ ausspreche, werde gleich mit „Denkverboten“ bestraft, so etwa, indem man sie mit dem Etikett „rechts“ belege. Vor allem gegen den Autor einer Expertise der Friedrich-Ebert-Stiftung erheben sie Vorwürfe. Pauschal würde er die Männerbewegung, der es doch nur um Gerechtigkeit gehe – und „das hat mit links und rechts doch gar nichts zu tun“ – in die Nazi-Ecke rücken. Das tut dieser zwar gar nicht, sondern verweist vielmehr auf Überschneidungen mit rechten Denkstrukturen, solch analytischer Weitblick scheint den Möchtegern-Al-Bundys aber zu hoch zu sein. „Ich habe den Eindruck, hier versuchen feministische IdeologInnen sich gegen Kritik zu immunisieren, indem sie alle ihre Kritiker einfach als "rechts" etikettieren“, mutmaßt ein aufgebrachter Maskulist.

Dabei ist die Expertise noch recht zurückhaltend. Denn dieselben, die sich über derlei Etikettierung beschweren, mischen gleich im nächsten Thread zum Thema Sarrazin munter mit. Auch der spreche natürlich nur die „Wahrheit“ aus. Man muss kein großer Diskursanalytiker sein, um die rechten Affinitäten zu erkennen: das Gejammer, der Minderwertigkeitskomplex, die Verschwörungstheorien, der Autismus in der sozialen Wahrnehmung, die biologistische Kategorisierungen, der Mangel an identitärer Reflexion… Es ist schon absurd, dass man heutigen Sexisten und Rassisten erklären muss, was Sexismus und Rassismus ist.

Eine Gefahr sind die Maskulisten dennoch nicht – auch wenn sie das gerne wären. Sprachlich und inhaltlich befinden sie sich ganz auf einem vorpubertären Igitt-Mädchen-Niveau. Sie vermitteln dabei weniger ein Bild von protzigen Machos als von gescheiterten und kläglichen Persönlichkeiten, die ihre Freizeit hinter einer Modelleisenbahn verbringen und ihre Wäsche bei Mutti waschen lassen. Sofern sie Beziehungen haben, landen sie sicher bei Partnerinnen, die ganz ihrer eigenen Kläglichkeit entsprechen – derlei ist nämlich geschlechtsunabhängig. Schlechte persönliche Erfahrungen und ihr sozialer Autismus treiben sie dann wohl dazu, ihre eigene Jämmerlichkeit in der Projektion auf alltagstaugliche Feindbilder zu kompensieren. Manchen dient dafür „der Ausländer“, anderen „der Sozialschmarotzer“ und den Maskulisten eben „die Frau“ – oder alle drei.

www.direkteaktion.org/202/maskulisten
News - 29.10.05 von faub26
Soziale Ungleichheit der Bildung – Bildung der sozialen Un-gleichheit
Vom berauschenden Klang der Chancengleichheit

Auf den ersten Blick erscheint vielen die Forderung nach Chancengleichheit in der bildungspoliti-schen Debatte als lobenswert und progressiv. Klassischerweise betonen die Verfechter gleicher Bil-dungschancen für alle Gesellschaftsmitglieder ihre Rolle als Anwälte sozialer Gerechtigkeit und tadeln die vorherrschende Ungleichheit bei der Bildungsbeteiligung der sozialen Schichten als un-verträglich mit dem gesellschaftlichen Demokratieanspruch. Jenseits aller demokratieidealistischen Rhetorik erweist sich der Anspruch auf Chancengleichheit jedoch als trügerische Fassade einer pervertierten Leistungs- und Konkurrenzideologie – mit einem verschrobenen Verständnis von so-zialer Gerechtigkeit.
Nette Versuche

Seit den 60er Jahren kam es periodisch wiederkehrend zu Phasen in der bildungspolitischen Debat-te, in denen das Thema Chancengleichheit den Achsnagel der Auseinandersetzungen bildete. Gera-de in den 60ern gerieten die bestehenden Ungleichheiten hinsichtlich sozialer Herkunft, Geschlecht und Region in die öffentliche Kritik. Dies ging einher mit der Diagnose eines ökonomisch unzu-reichenden Ausmaßes von Bildung; und so wurde ein angebliches Gerechtigkeitsinteresse mit dem Ziel der Ausschöpfung von „Begabungsreserven” im wirtschaftlichen Interesse verbunden.
Folge war eine intensivierte Bildungsexpansion, die über die Jahrzehnte zwar die geschlechtsspezi-fische Ungleichheit und das Gefälle zwischen Stadt und Land anzugleichen vermochte, der zahlen-mäßige Anstieg bei der Beteiligung von z.B. Arbeiterkindern in den höheren Bildungsinstanzen muss proportional dagegen als unwesentlich betrachtet werden. Ohne Zweifel stellte dies eine deut-liche Verbesserung individueller Lebensmöglichkeiten dar, doch da die Bildungsexpansion insge-samt die Beteiligung aller Schichten erhöhte – ein Ergebnis, das nicht zu unrecht als „Fahrstuhlef-fekt” bezeichnet wird – änderte dies nichts an der herkunftsbedingten Ungleichheit.
Alle Maßnahmen in den folgenden Jahrzehnten, um diese Differenzen zu beheben, wie bessere Be-zuschussungs- oder Betreuungsmodelle, blieben ebenfalls relativ fruchtlos und hatten lediglich pro-zentuale Mückenschisse in der Veränderung der Beteiligungsquoten zum Ergebnis.

Reproduktion der Ungleichheit

Ein häufig genanntes Motiv der Bildungspolitik war der Widerspruch zwischen offizieller Rhetorik und der sozialen Realität. Während der offizielle Anspruch besagt, die soziale Mobilität, also der Aufstieg aus den unteren sozialen Schichten in die höheren, müsse allein durch die Unterbeweisstel-lung seiner Fähigkeiten in den diversen Schulstufen gewährleistet werden, sprechen die tatsächli-chen Verhältnisse eine andere Sprache: nämlich dass die soziale Herkunft tatsächlich ein entschei-dender Faktor für die Möglichkeiten weiterführender Bildungsabschlüsse und damit des sozialen Aufstiegs ist. Wie bereits erwähnt, wurde versucht, dem mit verschiedenen Rezepten zu begegnen, ohne dass sich die Situation bis heute wesentlich geändert hätte. Die institutionalisierte Bildung stellt somit eine wesentliche Instanz bei der Reproduktion von Klassenverhältnissen und sozialen Milieus dar, was sich mit einem Blick auf die statistischen Realitäten bestätigen lässt.
Während im Elementarbereich noch keine Ausdifferenzierung nach sozialer Herkunft hinsichtlich der Beteiligung von 3- 8-jährigen festzustellen ist, entfaltet sich diese umso stärker zwischen dem Sekundarbereich I bis zur Hochschule. Obwohl die sogenannte „Oberschicht” noch nicht einmal 10 Prozent der Gesamtbevölkerung stellt, repräsentierte sie im Jahre 2003 37 Prozent der bundesdeut-schen Studierendenschaft in den Hochschulen. Die „untere soziale Schicht”, der je nach statisti-schen Kriterien zwischen 30 und 40 Prozent der Gesamtbevölkerung zuzuordnen sind, war im sel-ben Jahr mit nur 12 Prozent vertreten.
In anderen Zahlen ausgedrückt: 81 Prozent der Kinder aus der Herkunftsgruppe „hoch” erhielten im Jahre 2000 ihren Hochschulzugang, aus der Herkunftsgruppe „niedrig” dagegen nur 11 Prozent! (Siehe Bundesministerium für Bildung und Forschung [Hrsg.], Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der BRD 2003 [17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes], Berlin 2004.)
Diese Selektionsstatistiken zeigen nicht nur die Ausmaße von Schichtenrekrutierungen auf, sondern weisen auch auf die Gettoisierung von Schulzweigen hin, die wesentlich die Interaktion und Kom-munikation zwischen den Schichten unterbindet und damit verschiedene Milieus und Wahrneh-mungen der sozialen Realitäten schafft. Noch unbehandelt in dieser Darlegung sind die Bildungs-chancen von Migrantenkindern, die – das sollte erwähnt sein – eine eigene Kategorie bilden und sich ganz besonders drastisch darstellen.

Problem (v)erkannt

Lange Zeit waren diese Relationen nur eine Marginalie der öffentlichen Debatte, spätestens seit PISA und Agenda 2010 rappelt es aber wieder im Karton. Allerdings erhält das Ganze unter den Vorzeichen des Sozialabbaus, zu dem ebenfalls die selektiven Konsequenzen der neuen Bildungs-politik zählen, eine besondere Note: jetzt ist es weniger die energische Forderung nach Auflösung von Ungleichheiten, die den Kern der Debatte bildet, sondern das Bedenken, die sozialstaatlichen Umbaumaßnahmen könnten eine weitere Verschärfung der Verhältnisse herbeiführen. Und im Be-wusstsein über dieses Problem sei man schließlich, bei aller Rigorosität dieser „notwendigen” Poli-tik, darum bemüht, die „soziale Verträglichkeit” zu gewährleisten.
Die aktuellen Entwicklungen verweisen jedoch auf einen anderen Trend. In den 60ern und 70ern vollführte Reformen werden Zug um Zug zurückgenommen. Im Zusammenhang der allgemeinen Prekarisierung des Arbeitsmarktes können sich bereits jetzt viele trotz Jobbens kein Studium mehr leisten, während diejenigen, die auf den Nebenverdienst angewiesen sind, dank der Verschulung des Studiums immer seltener beides unter einen Hut bekommen. Die sich anbahnenden Studienge-bühren drohen somit, große Teile der Bevölkerung auszuschließen, wogegen auch die Einführung eines Kreditsystems wenig helfen wird – Verschuldung ist nun mal keine erstrebenswerte Perspek-tive. Bereits jetzt haben die verschärften NC-Regelungen, die neuen Studiengänge und angedrohte Studiengebühren zu einer Reduzierung der Studierendenzahlen geführt: So wurden z.B. in Berlin im Wintersemester 2004/05 ca. 16 Prozent der freien Plätze nicht vergeben. Auch die Einführung von Elite-Schulen, die als Reaktion auf die „inflationäre Vermehrung” von höheren Bildungsabschlüssen durch die Bildungsexpansion verstanden werden muss, wird deutlich zur neuerlichen Ausdiffe-renzierung der sozialen Ungleichheit beitragen, indem sie den oberen Statusgruppen wieder das Monopol auf die Sprungbretter zur Belle Etage sichern werden.
Dennoch halten Bildungspolitiker an ihrem Anspruch fest, Chancengleichheit zu schaffen, sei Be-dingung unserer Demokratie, wobei sie aber, sich hinter den politischen Notwendigkeiten verschan-zend, darauf hinweisen, dass die ökonomischen Verhältnisse zur Zeit eben nicht mehr zulassen. Was sich darin ausdrückt, ist nicht nur das Eingeständnis, dass Bildungsungleichheit kein Resultat einer falschen bildungspolitischen Konfiguration ist, sondern gerade – insofern dies eine soziale Frage ist – integraler Bestandteil der kapitalistischen Ordnung.
Interessanterweise gab es in den Sozialwissenschaften einige Auseinandersetzungen über Bildungs-ungleichheit, die fast alle eines gemeinsam haben: sie verorten das Problem niemals auf der bil-dungspolitischen Ebene, sondern sehen seine Ursachen in sozialen Regulierungsabläufen. Während z.B. Humankapital- oder Integrationstheorien diese lediglich diagnostizieren und im allgemeinen die herrschenden Zustände bejahen, so legen gerade sozialkritische Ansätze nahe, wie Lösungsper-spektiven aussehen: sie stellen die Systemfrage – Bildungsgleichheit, der Zustand gleicher Mög-lichkeiten zur Bildung, steht und fällt mit der sozialen Gleichheit.

Dilemma der Bildungspolitik

Im gesellschaftlichen Diskurs gilt die sozioökonomische Ordnung und damit die soziale Ungleich-heit jedoch als gegeben und wird nicht in Frage gestellt. Sie ist angeblich legitimer Ausdruck der Leistungsgesellschaft, in der denjenigen mehr zusteht, die – nach kapitalistischen Maßstäben – mehr geleistet haben und scheinbar von größerem Wert für die Gesellschaft sind. Als erste und ent-scheidende Instanz dieser sozialen Ausdifferenzierung ist das Bildungssystem vorgesehen, die Menschen für die entsprechenden Positionen in der sozialen Hierarchie – gemäß Fähigkeiten und Kenntnissen – zu sortieren.
Im Rahmen dieser Konkurrenz- und Leistungsideologie lässt sich die allseits beschworene soziale Gerechtigkeit nicht über einen gleichen Zugang zu Ressourcen definieren (soziale Gleichheit), son-dern lediglich über ein chancengleiches Leistungsprinzip, dem entsprechend die Selektion auf indi-viduellen Begabungen und nicht auf sozialen Vorteilen beruht. Da aber gerade die soziale Lage entscheidend ist für die Ausgangssituation (aufgrund von finanzieller Lage, kultureller Güter, Vor-bildung, Milieumentalität, häuslicher Lernbedingungen etc.), wird von der Bildungspolitik z.B. eine bessere Ausstattung des Elementarbereichs oder gezielte Förderung von ärmeren Kindern verlangt, um dadurch die „Defizite” schon frühzeitig auszugleichen. „Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt”, wie es eine Arbeitsanweisung für Pädagogen so betörend zu illustrieren weiß (so Reinhard Turre, zitiert in: Det-lef Träbert, Hausaufgaben sinnvoll gestalten. Hintergründe zum Thema und Tipps für Schule und Elternhaus, Köln 2002, S. 15).
Es benötigt keine große Sprungweite von Intellekt, um festzustellen, dass es sich hierbei niemals um mehr handeln kann als Augenwischerei. Die eine oder andere Maßnahme wird wohl dazu geführt haben, dass die Wirtschaft bisweilen ein wenig mehr Humankapital aus der gesellschaftlichen Menschenmasse verwerten konnte. Um jedoch nur tendenzielle Bildungsgleichheit zu schaffen, würde es annähernd gleicher sozialer Verhältnisse bedürfen. Und dies passt weder mit dem kapita-listischen Prinzip von Anreiz und Leistung zusammen, noch wäre es der Kapitalismus, der solche Zustände hervorbringt.

Zwei Seiten einer Medaille

Selbst am demokratieidealistischen Standpunkt und seinem Anspruch gemessen, haftet dem Chan-cengleichheitsprinzip ein bitterer Beigeschmack an. Die herkunftsbedingte Bildungsungleichheit zu attackieren und eine radikale Öffnung der höheren Bildungsinstanzen zu erzwingen, muss zwar Teil jedweden emanzipatorischen Prozesses sein, doch wer glaubt, mit Chancengleichheit würde soziale Gerechtigkeit einhergehen, orientiert sich an einem Gerechtigkeitsmodell, das sich auf das ebenbür-tige Konkurrieren um die strukturell bestimmten Rollenzuweisungen in Staats- und Wirtschaftorga-nen beschränkt.
In dieser Vision vollzieht sich soziale Mobilität unabhängig der sozialen Herkunft, die Klassen-struktur selbst bleibt aber bestehen und legitimiert sich über Rekrutierungsprozesse, die sich auf rein biologistische Leistungskriterien stützen (siehe hierzu Bildungssyndikat Leipzig, „Bildung von Gleichheit. Über den Standortfaktor Humankapital”, Direkte Aktion, Nr. 167, Jan./Feb. 2005). „Dumme” Menschen gehören demnach wie selbstverständlich in den Bereich der Handarbeit, wäh-rend „exzellente” Persönlichkeiten ein Anrecht auf Prestige, Macht und Wohlstand haben – eine legitime Elite zum Wohle der Gesellschaft und zur nationalen Effizienz (so in etwa Klaus K. Urban in: „Hochbegabtenförderung und Elitenbildung“, Aus Politik und Zeitgeschichte, B 10/2004, 1. März 2004).
Wie dem auch sei, in jeglicher Hinsicht ist die Debatte um Chancengleichheit eingebettet in die vorherrschenden Kategorien von sozialer Ungleichheit, aus denen heraus keine Chancengleichheit erwachsen kann. Sie kann deshalb nur als Scheindebatte verstanden werden, die der Artikulation gerechter Gesellschaftskonzepte im Wege steht, weil sie vorgaukelt, soziale Gerechtigkeit ließe sich im Kapitalismus herstellen.
Die Realisierung gleicher Bildungsbeteiligung und -chancen ist eine essentielle Frage der sozialen und wirtschaftlichen Ordnung. Bleiben die Maßnahmen auf die Ebene der Bildungspolitik verhaftet, handelt es sich allenfalls um kosmetische Handhaben, die zwar Ungleichheiten mehr oder minder gut zu kaschieren vermögen und der bestehenden Ordnung ein scheinbar höheres Maß an Legitimität verleihen, doch die generellen sozialen Ungleichheiten, in denen die unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten tatsächlich wurzeln, gelten als unverrückbar. Chancengleichheit im Kapitalis-mus ist und bleibt Illusion – ihre Huldigung rhetorische Besoffenheit.

Holger Marcks (Bildungssyndikat Berlin)
http://www.fau.org/syndikate/bsy2/art_070129-090731

LP 135 Michel Barnier, FRA, geboren 1951 in La Tronche (FRA), Politiker der UMP, seit 2010 EU Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen

Auch die EU-Kommission will großen Unternehmen in Europa verbindlich vorschreiben, wie hoch die Anzahl von Frauen in ihren Vorständen künftig sein soll. "Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen", sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier der Süddeutschen Zeitung.

Es sei "generell gut, Frauen an der Führung von Unternehmen oder auch Ländern zu beteiligen, nicht nur weil das gerechter ist, sondern auch weil es zu einer besseren Ausgewogenheit der Entscheidungen führt", erklärte der Franzose.

http://www.euractiv.de/unternehmen-und-arbeit-000315/artikel/eu-kommission-will-frauenquote-durchsetzen-004292

LP 136 Andreas Kemper, geboren 1963, wohnhaft in Münster, Soziologe und ewiger Student, bei Wikipedia benutzt er den alias „schwarze feder“ - andreas.erich.kemper@gmail.com

Der Feminismus ist mehr als der Feminismus

Manchmal erkennt man ja etwas erst durch seine Bekämpfung. So zielt die antifeministische Männerrechtsbewegung nicht nur gegen den Feminismus, sondern gegen den mit dem Feminismus einhergehenden Gleichstellungsgedanken.

Wenn - wie das Männerforum der Piratenpartei - im Namen des Antifeminismus generell gegen Affirmative Action und Positive Maßnahmen geschossen wird, so deutet dies darauf hin, dass der Feminismus auch mehr ist als die Positionierung für Frauen. Er ist eine neue Form der Politik.

Affirmative Action ist nun mal nur ein verschleiernd-anderes Wort für!"Positive Diskriminierung gegen Männer!" Dem kann ich halt nichts positives abgewinnen, das können nur totale pseudomännliche Feministinnen wie Andreas Kemper. Ist er sicher längst in der lilaPudel-Liste drin?

http://www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/der-feminismus-ist-mehr-als-der-feminismus

Männerrechtliche Gewaltverdrängung
Wir müssen nicht die hämischen Kommentare des männerrechtlichen WGvdL-Forums zurückgreifen, die sich über Massenvergewaltigungen im Kongo genauso lustig machen, wie über die Shoa (Zitat des WGvdL-Betreibers zur Forderung, Postings von Holocaust-Leugnern zu entfernen: "Alles Holo oder was" ). Auch die "seriösen" Vertreter antifeministischer Positionen scheinen Gewalt zu verdrängen. So greift Dr. Alexander Ulfig, Herausgeber eines dicken Wälzers mit den Schriften Machiavellis, auf den Militärhistoriker Martin van Creveld zurück, welcher davon ausgeht, dass Männer sich gegenüber Frauen schuldig fühlen und dass wir uns von diesen Schuldgefühlen befreien sollten. Martin van Creveld versuchte in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" den Beweis zu führen, dass Vergewaltigung sehr viel seltener vorkommen und sehr viel geringere Auswirkungen haben, als gemeinhin angenommen. Es se "eine große Leistung der Feministinnen, daß sie eine Situation geschaffen haben, in der viele Menschen heute glauben, daß es bei einer Vergewaltigung an sich um Gewalt statt um Sex geht; woraus man vielleicht ablesen kann, wie sehr manche dieser Damen letzteres hassen." (S. 257) Männern werde Schuld eingeredet und gegen diese Schuldgefühle gilt es sich zu schützen. Hier wird die Sozialpsychologie ausnahmsweise zugelassen. Hätte doch Alexander Ulfig sich auf eine sozialpsychologische Deutung Machiavellis bezogen, statt van Creveld heranzuziehen um damit gegen Quotenregelungen zu Feld zu ziehen. Alexander Ulfig fordert von männlichen Wissenschaftlern, dass sie "Männerräte" bilden: "Es ist daher höchste Zeit, dass sich männliche Wissenschaftler organisieren, gegenseitig unterstützen und gemeinsam politische Forderungen stellen." (Dr. Alexander Ulfig: Qualifikation statt Gleichstellung. Schritte zu einer gerechteren Praxis der Stellenvergabe, URL:http://www.streitbar.eu/aufsatz_ulfig.html) Man möchte meinen, Ulfig habe das Machwerk "Der Campus" von Dietrich Schwanitz gelesen und für voll genommen. Die Forderung, dass ausgerechnet männliche Wissenschaftler sich zu organisieren haben, um sich gegen ihre Benachteiligung ist so absurd, dass sie nur noch getoppt werden könnte durch die Forderung, dass männliche Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen, männliche Kardinäle und männliche Generäle sich zusammenzuschließen haben, um sich gegen die Benachteiligung durch Frauen zu schützen. Hier zeigt sich, dass Maskulismus nichts anderes ist, als Maskulinismus, offen auftretende männliche Hegemonialität. Dies alles ist nicht neu, bereits Heinrich Berl forderte, dass die Männerbewegung die Bewegung gegen alle Bewegungen zu sein habe. Oder um den schwersttraumatisierten Machiavelli zu zitieren: "Fortuna ist ein Weib, und wer sie bezwingen will, muss sie schlagen und stoßen". In diesem Sinne ist die Männerrechtsbewegung eine Bewegung gegen alle emanzipatorischen Bewegungen und ergo nicht emanzipatorisch.

http://www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/machiavellis-trauma-warum-der-maskulismus-nicht-emanzipatorisch-ist

Lieber Jörg Rupp,
bitte berücksichtige, dass du zu den wenigen gehörst, die seit Jahren diese Szene intensiv beobachten.
Es handelt sich bei “(R)echte Kerle” um eine Übersicht der Männerrechtsbewegung in Deutschland. Die Vorgabe des Verlags war, dass ich 80 Seiten nicht überschreite und das Buch als Einleitung gestalte. Daraus folgt zwangsläufig, dass ich bestimmte Auseinander-setzungen außen vor lassen musste. Beispielsweise habe ich die Auseinandersetzung in Wi-kipedia gestrichen und auch die Väterrechtsbewegung kommt kaum vor. Auch für die Dar-legung der kritischen Männerforschung war kein Platz.
Nur kurz zu meiner Kompetenz, die du in Frage stellst: Ich habe Ende der 1990er Jahre bis Anfang 2000 den profeministischen Männerrundbrief mitherausgegeben und wir hatten da-mals Auseinandersetzungen mit den Organen der “bürgerlichen Männerbewegung” wie Mo-ritz und Switchboard über deren Veröffentlichungspraxis. Die Geschichte der Männergrup-penszene habe ich ab Mitte der 1980er Jahre miterlebt.
Was du zum Usenet schreibst und zum parsimony ist sicherlich richtig. Aber dies ist nur für die Genese der Männerrechtsbewegung wichtig. Es ist ein Unterschied, ob heute Maskulis-tenforen Wikipedia-Artikel bestimmen oder ob vor zehn Jahren Männerrechtsgruppen im Unsenet diskutierten.
Natürlich kenne ich die Blaue Burg und unerwuenschter.link. Ideologisch geht es in die gleiche Richtung, es gab da auch schon mal eine Diskussion über eine vermeintliche Bombendro-hung gegen WGvdL.com, weil dieses Religionsdikussionen unterbunden hat. Innerhalb der Neonazi-Szene finden sich weitere Blogs zur Geschlechterthematik. Ich habe nicht über die-se marginalen Blogs berichtet, sondern systematisch WGvdL.de einen Monat lang unter-sucht. Das erschien mir wichtiger, als auf “Sons of Perseus”, “Der Maskulist”, die Blogs von T.R.Lenze usw. zu verweisen.
In dem Büchlein fehlt noch viel. Uns erschien es wichtig, dass überhaupt einmal in Buch-form über diese Szene berichtet wird. Die Aufklärung darüber ist wichtig. Noch wichtiger ist aber, dass gehandelt wird. Die Bloggerin und Feministin Isis hat dafür gesorgt, dass ein Maskulist “Captain Dino” seine Blogs gelöscht hat. WGvdL hat seine Adresse nach Costa Rica verlegt. Ich wurde von den Maskulisten massiv beleidigt, nachdem in Wikipedia ihr zentraler Propaganda-Artikel gelöscht wurde. Immerhin hatten sie soviel Respekt vor mir, dass WikiMANNia gegründet wurde – ein eigenes Wiki mit maskulistischem statt neutralen Standpunkt.
Deine zusätzlichen Informationen sind wichtig. Es werden demnächst weitere Publikationen erscheinen, die allerdings auch nur bestimmte Aspekte dieses Phänomens Maskulismus be-leuchten. Ich denke schon, dass ich einen guten Überblick über die Szene gegeben habe, die Trias von Femokratie-Blog, WGvdL und WikiMANNia ist der agilste Teil der Männe-rechtsbewegung, mit dem ein Dutzend anderer Blogs im Austausch steht.
Hier noch eine Kritik an dich, Jörg. Du hast einen guten Überblick über die Maskulisten-Szene. Aber mit diesem Wissen solltest du etwas machen. In Wikipedia war ich die letzten Jahre, nachdem Barb keine Lust mehr hatte, sich mobben zu lassen, alleine gegen zahlreiche Maskulisten. Bitte lese dir den inzwischen wieder eingestellten Artikel Maskulismus auf Wikipedia durch oder die Artikel zur Männerbewegung. Das ist alles haaresträubend und es wäre wichtig, dass sich dort jemand mit Sachkenntnis einmischt. Ebenso sah sich Piraten-weib innerhalb der Piratenpartei einer Gruppe von Maskulisten gegenüber. Warum behälst du dein Wissen für dich und bringst es nicht konstruktiv ein? Bzw. erst dann, wenn jemand versucht, über diese Szene zu informieren?
Ich würde gerne deinen Kommentar in meinem Blog Rechte Kerle http://rechtekerle.blogspot.com/ spiegeln.
Solidarische Grüße
Andreas

http://rechtekerle.blogspot.com (am 12.08.2011)

LP 137 Thorsten Denkler, geboren 1971 in Rheine (Westfalen), Volontariat bei der taz, schrieb auch für Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland- derzeit politischer Korrespondent für den Onlinedienst der Süddeutschen Zeitung www.thorsten-denkler.de - http://graph.facebook.com/1545271402/picture?type=large

Die Steinzeit-Partei

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Rostock
Die FDP bleibt ein Männerverein, in dem Frauen eben so geduldet werden und die Herren unter sich bleiben wollen. Auf ihrem Parteitag haben die Liberalen die Frauenquote nicht nur abgelehnt - sie haben sie abgeschmettert. Den Frauen kann nur empfohlen werden, diese Partei zu meiden.

Die FDP bleibt ein Männerverein. Frauen werden darin so gerade eben geduldet. Nur eines sollen sie nicht machen: Karriere. So hat es der Parteitag am späten Freitagabend entscheiden. Er hat den Antrag eine Frauenquote einzuführen abgelehnt. Nein, nicht einfach abgelehnt. Die Liberalen haben ihn abgeschmettert. 80 Prozent der Delegierten stimmten dagegen. Der Skandal daran ist: 80 Prozent der Delegierten sind Männer.
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Die Männer bleiben in der FDP lieber unter sich und lehnen eine Frauenquote ab. Hier diskutieren der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (Mitte) und der neue Fraktionschef Rainer Brüderle mit anderen Liberalen. (© REUTERS)
Die Quote wäre eine große Chance gewesen für die FDP. Die Partei muss sich ändern, sie muss weiblicher werden. Der Frauenanteil von 23 Prozent ist der niedrigste aller im Bundestag vertretenen Parteien. Und selbst diese wenigen Frauen können sich kaum gegen die Männerrunden und Klüngel durchsetzen.
Zwar sind mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Birgit Homburger zwei Frauen unter den drei Stellvertretern des neuen FDP-Chefs Philipp Rösler. Doch Homburger landete nur auf diesem Posten, weil nach den umfassenden Personalrochaden eine Lösung nötig war, mit der die bisherige Fraktionschefin nicht völlig demontiert wurde.

Bei den Listenaufstellungen zu wichtigen Wahlen tauchen Frauen in der Regel erst auf den hinteren Rängen auf. Frauen fühlen sich von der FDP immer weniger angesprochen. Hätten in Rheinland-Pfalz genauso viele Männer wie Frauen die FDP gewählt, die Liberalen wären nicht aus dem Landtag geflogen.
Die Kerle scheint es nicht zu interessieren. Mit der Ablehnung der Quote sichern sie nur eines: ihre Macht.

Statt das offen zu sagen, argumentieren die Männer, die Quote sei nicht liberal und leistungsfeindlich. Ebenso gut könnten die Frauen sagen, gegen die Quote zu sein, sei frauenfeindlich. Das käme der Wahrheit wenigstens ein Stück näher.

http://www.sueddeutsche.de/politik/parteitag-in-rostock-fdp-lehnt-frauenquote-ab-die-steinzeit-partei-1.1097356

In Union und FDP regt sich zart, aber wahrnehmbar Widerstand gegen das ständige Nein ihrer Parteien und Fraktionen zu Frauenquoten. Sollten sich die Frauen eines Tages durchsetzen, könnte spätestens dann auch das Kapitel Kristina Schröder abgeschlossen werden. Das hat die Frauenministerin angedeutet, als sie sagte: "So lange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben."
Kristina Schröders Interview am Wochenende las sich so, als würde die Frauenministerin ihr politisches Schicksal mit der Frauenquote verknüpfen. "Es ist ganz klar: So lange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben", sagte sie der Bild am Sonntag. In den Oppositionsparteien, aber auch unter den Frauen in der CDU dürfte das manche weniger als Drohung, denn als Versprechen sehen. Kommt die Quote, sind sie die erklärte Antifeministin los. Für einige Frauen wohl ein Grund mehr, für die Quote zu kämpfen.
Familienministerin Kristina Schröder (CDU): "Es ist ganz klar: So lange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben." (© dpa)
Vielleicht auch deshalb prescht jetzt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast mit dem Vorschlag vor, die Frauenquote in der Wirtschaft per Gruppenantrag im Bundestag Gesetz werden zu lassen. Hinter so einen Antrag kann sich jeder und jede Abgeordnete frei von Fraktionszwängen stellen. Mit Gruppenanträgen wurde in jüngster Vergangenheit auch schon die Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) entschieden.
Künasts Antrag ist so etwas wie eine Einladung an alle jene Frauen und Männer bei Union und FDP, die regelmäßig gegen ihre Überzeugung stimmen müssen, wenn mal wieder die Frauenquote von ihren Fraktio-nen abgelehnt werden soll.
Vor allem die "Gruppe der Frauen" in der Unionsfraktion unter ihrer Sprecherin Rita Pawelski wird von Künast damit unter Druck gesetzt. Etwa 40 Parlamentarierinnen haben sich der Gruppe angeschlossen. Mehrheitlich sind sie so dezidiert für eine Frauenquote in der Wirtschaft wie gegen das von der CSU geforderte Betreuungsgeld.
Pawelski wollte sich zur Idee von Künast auf Nachfrage nicht äußern. Aber das darf nicht wundern. Der Fraktionszwang gilt solange, bis die Fraktionsspitze ihn aufhebt. In der PID-Debatte hat sie das getan. Un-wahrscheinlich, dass dies auch geschieht, wenn es um die Frauenquote geht.
Auch mangelnder Mut kann Pawelski und ihren Mitstreiterinnen kaum unterstellt werden. Kürzlich stimmten sie im Bundestag gegen das Betreuungsgeld und lösten damit eine mittelschwere Koalitionskrise aus.
Künast wiederum kommt mit ihrem Vorstoß ausgerechnet vor zwei wichtigen Landtagswahlen - in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein - um die Ecke. Nicht mal die ihr inhaltlich wohlgesonnenen Unionsfrauen werden umhinkommen, Künast da eine gewisse Wahlkampftaktik zu unterstellen.
So dürfte der Gruppenantrag mehr oder minder chancenlos bleiben, auch wenn manche Unionsfrauen einen Gruppenantrag nur mit der Faust in der Tasche ablehnen würden.
Und bei der FDP ist da - im Moment zumindest - ohnehin kaum etwas zu holen. Die frauenpolitische Spre-cherin der Fraktion, Nicole Bracht-Bendt, hat schon klargestellt, dass ihre Partei wie Ministerin Schröder "auf eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft" setze.
Doch auch bei den Liberalen regt sich langsam Widerstand.
Die FDP ist nämlich derzeit nicht mal in der Lage, intern die von der Wirtschaft geforderte Selbstverpflichtung einzuhalten. Eine Quote, wie sie inzwischen alle im Bundestag vertretenen Parteien haben, hat der FDP-Parteitag in Rostock im vergangenen Mai bekanntlich mit 80 Prozent abgeschmettert - auch mit dem Verweis, dass freiwillige Selbstverpflichtungen besser seien. Von den Delegierten waren übrigens 80 Prozent Männer.
Die Männer haben sich jetzt auch auf den Wahllisten zu den Landtagswahlen schön breitgemacht. Für den Fall, dass die FDP in NRW knapp über die Fünf-Prozent-Hürde kommt, kann sich nur eine Frau sicher freu-en, in den Landtag einzuziehen. Die anderen so genannten sicheren ersten zehn Listenplätze sind Männern vorbehalten. In Schleswig-Holstein sind gerade mal sieben der 27 Kandidaten auf der Landesliste Frauen.
Das bringt auch FDP-Frauen zunehmend auf die Palme. Die Partei sei an ihren eigenen Maßstäben "ge-scheitert", erklärt die Bundestagsabgeordnete und NRW-Landeschefin der Liberalen Frauen, Petra Müller. Die "Tatsachen widersprechen der Behauptung, die freiwillige Lösung würde funktionieren", sagt sie und fordert, die Verteilung der Listenplätze künftig "paritätisch zu gestalten".
Eine Frauenquote in der FDP also? Das wäre dann wohl eine noch größere Sensation als ein Rücktritt von Kristina Schröder wegen der Frauenquote für die Wirtschaft.

http://www.sueddeutsche.de/politik/kristina-schroeder-und-der-streit-um-die-frauenquote-frauenpower-im-wartestand-1.1335664

LP 138 Axel Petermann, geboren 1952 in Bremen, deutscher Kriminalist, Profiler und Autor

War Eifersucht im Spiel? Oder hatten sich die Eheleute aus anderen Gründen gestritten? Was die Rentnerin nach den vielen gemeinsamen Jahren dazu trieb, den 71-Jährigen zu töten, war am Mittwoch noch völlig unklar. Eine Verwandte hatte am Dienstagabend die Polizei gerufen, nachdem sich die Frau ihr anvertraut hatte. Fahnder fanden die Leichenteile später im Keller und nahmen die Verdächtige fest. Am Mittwoch erließ das Amtsgericht Stade Haftbefehl wegen Totschlags.

Dass die Frau zu so einer schrecklichen Tat fähig ist, damit hatte niemand gerechnet. Nach Angaben des Kriminalexperten Axel Petermann sind Gewaltexzesse bei Frauen auch eher selten. «Neun von zehn Tötungsdelikten begehen Männer», erläutert der Fallanalytiker bei der Bremer Mordkommission. «Wenn Frauen ihren Partner töten, dann wollen sie Klarheit schaffen - für eine neue Beziehung oder um sich eines Tyrannen zu entledigen.

http://www.arcor.de/content/aktuell/news_panorama/81770205,1,artikel,Frau+erschl%C3%A4gt+und+zerst%C3%BCckelt+Ehemann.html

LP 139 Stefan Beier, Dipl. Soziologe bei Genderwerk, Berlin, wohnhaft in Michendorf – beier@genderwerk.de http://www.dissens.de/de/press/spiegel070114.php - auch im Vorstand des Bundesforums für Maenner vertreten

Leserbrief zu: Der neue Mensch, Spiegel 1/2007.
Das Verblüffende an Pfisters Beitrag ist, dass er vermutlich nicht als Karnevalsscherz, sondern ernst gemeint ist. Das macht ihn zum Peinlichsten, was ich seit langem gelesen habe. Er bedient sich in bester Boulevard-Manier aller Techniken marodierenden Sensationsjournalismus': emotionale catch-words, schlechte Recherche, sinnentstellende, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, Tatsachenverdrehungen und -verkürzungen, Falschbehauptungen und, vor allem, persönliche Diffamierung. Das Menschenverachtende, was er Dissens-Mitarbeitern vorwirft, zelebriert Pfister selbst: Fertigmachen ist die Losung, mit sportlichem Ehrgeiz verfolgt. Als Männerarbeiter und Gendertrainer kenne ich das Feld und die Akteure gut. Der Artikel ist Lichtjahre von der Realität jener geschlechtersensiblen Bildungsarbeit entfernt, die er zu beschreiben vorgibt. Seit vielen Jahren werden mit persönlichkeitsstärkenden Ansätzen Jungen und Mädchen betreut, Frauen und Männer unterstützt in genderrelevanten Prozessen.
Die emanzipatorischen Erfolge der Strategie Gender Mainstreaming - für beide Geschlechter - sind unbestritten und fern jeder Indoktrination.
Falls Herr Pfister sich damit einmal wirklich beschäftigen will anstatt reflexartig um sich zu schlagen, kann ich ihn gerne in eine der hundertfach in Deutschland existieren Männergruppen vermitteln.
Stefan Beier, Genderwerk, Berlin

http://www.dissens.de/de/press/spiegel070114.php
http://www.genderconsultings.de/public/switchboard0902_martini_gendermain.pdf
http://www.gender-diversity.de/assets/documents/gendernews2.pdf

LP 140 Thomas Kielinger, geboren 1940 in Danzig, deutscher Journalist und Publizist, Chefredakteur des Rheinischen Merkur von 1985 bis 1994, Bundesverdienstkreuz erster Klasse, berichtet seit 1998 für „die Welt“ aus London, beobachtet die Royals

Die Grenzen der Männer
Die Kultur des Verführers, dem a priori alles nachgesehen wird, neigt sich dem Ende - wie auch das Denken in Hierarchien, wonach der Mann als das absolut dominierende Geschlecht sich seine Regeln und Normen schafft

Es gab einmal eine Zeit, in manchen Köpfen gibt es sie noch heute, da fühlte ein Mann sich geschmeichelt, wenn man ihn als Verführer bezeichnete. Ein Begriff, in dem viel schillerte, von Charmeur bis Frauenheld, von Bohemien bis Do-it-yourself-Don-Juan. Noch in den Nachrufen auf Gunther Sachs klang hier und da etwas von diesem alten Stereotyp an - Liebling der Frauen, unwiderstehlich. Die männliche Libido, wenn sie sich mit Macht und Geld ausstattet oder auch nur mit der Macht des Geldes, weckt in der Tat oft Antworten, die auf Kapitulation hinauslaufen. Dann gibt es nur noch eine Frage: Einverständnis zwischen dem Verführer und der Verführten oder erzwungene Eroberung, Einsatz von Gewalt. Im letzteren Fall hört bekanntlich der Charme auf, und die Kriminalität beginnt. Sind die Frauen dabei, den Verführer in seiner sich selbst ermächtigenden Art zu verabschieden? Die Anzeichen, die darauf hindeuten, mehren sich. Wir huldigen dem Verführer schon viel zu lange, seit Faust sich an Gretchen vergriff und Goethe das arme Mädchen in der Schlusszeile seines Dramas "gerettet" sein ließ. Von wegen gerettet - die Zahl der Frauen, die den Weg männlichen Omnipotenzwahns als reine Verfügungsmasse säumen, ist nicht nur Legende, sie ist auch eine mächtige Anklage gegen das "Anything goes" im sexuellen Gefechtsfeld.

Dabei müssen wir den aktuellen Fall Strauss-Kahn nicht einmal von seiner letzten Drehung her betrachten, dem Vorwurf der Vergewaltigung. In schwebende Gerichtverfahren einzugreifen steht niemandem zu, die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils ist ein heiliger Grundsatz des Rechtsstaates. Aber Dominique Strauss-Kahn war auch ohne den angeblichen Übertritt in die absolute Tabuzone der Gewalt eine Mine, die jeden Moment hochgehen konnte. Die nackte Suggestion, dass jemand, der an die Spitze des IWF rückt, ganz zu schweigen von noch größeren Ambitionen, sich vor seinem eigenen Ruf als Frauenheld in Acht nehmen solle, spricht Bände. Im Normalfall, wenn es um Aufstieg und Karriere geht, herrschen andere Regeln: Eine Strauss-Kahn-Fama wäre das Ende einer Bewerbung um höhere Weihen. Welcher Kultur frönen unsere lieben Nachbarn, die Franzosen, die sexuelle Gefräßigkeit berühmter Männer mit einem Augenzwinkern abzutun? Man muss ja nicht prüde sein, es reicht schon die Überlegung, welches Sicherheitsrisiko von einem Mann ausgeht, der sich solchermaßen serienweise exponiert. "Kein Verbrechen, eine Dummheit", hätte Talleyrand geantwortet.
Gegenüber solcher Dummheit erweisen sich die Frauen als Heldinnen unserer Zeit. Auch als tragische Heldinnen zuweilen. Was für Opfer haben nicht eine Anne Sinclair, Dominique Strauss-Kahns dritte Ehefrau, oder eine Maria Shriver, die Ehefrau von Arnold Schwarzenegger, dem Ex-Gouverneur von Kalifornien, gebracht, um die Karriere ihrer Männer zu befördern. Beide waren sie anerkannte Journalistinnen mit einem Alpha-Image, das nicht gestützt werden musste mit dem Augenzwinkern falscher Nachsicht, eines falsch verstandenen Laissez-faire. Warum wird auf männlicher Seite erlaubt und geduldet, was aufseiten ähnlich begabter Power-Frauen dem Scherbengericht überantwortet würde?
Anne Sinclair wird sich ihr letztes Urteil vorbehalten. Sie kann und möchte nicht ausgerechnet in dem Moment, in dem ihr Mann im Gefängnis auf seinen Prozess wartet, davonlaufen. Eine Frage des Comment, der sie im Gegensatz zu ihrem Mann auszeichnet. Comment hat auch Maria Shriver gezeigt, indem sie die entgegengesetzte Entscheidung traf - die Ehe mit ihrem Mann zu verlassen. Denn an Schwarzenegger fällt nicht der Seitensprung, dem ein Kind folgte, als Erstes ins Gewicht als vielmehr das Verhalten, seine Frau doppelt betrogen zu haben: mit der Affäre und dem Wissen um die Affäre. Er entlieh sich die Ausstrahlung der Kennedy-Nichte, Maria Shriver, seiner Frau, um den Sprung ins Gouverneursamt zweimal in Folge zu schaffen. Und die Shriver gehört auch noch zum Lager der Demokraten, dem anderen politischen Gebetbuch Amerikas. Sie muss sich ausgenutzt, instrumentalisiert, missbraucht vorgekommen sein. Verfügungsmasse eben. Das Schweigen des Mannes ist ein tödlicher Schlag gegen das eheliche Vertrauen, das sich nur durch Ehrlichkeit - wenn überhaupt - wieder herstellen lässt.
Auch Hillary Clinton hatte ihrem Mann zuliebe ihre Rechtsanwaltslaufbahn zurückgestellt, als das Weiße Haus winkte. Sie hat sich als die überlegtere Politikerin erwiesen, indem sie den Mann in seinen Verstrickungen schmoren ließ, nicht davonlief und damit ihrer Laufbahn einen Schub gab, der nur durch Haltung in harten Lebenslagen zu erwerben ist. Ihr Blick im Situation Room des Weißen Hauses, während Osama Bin Laden in Pakistan gestellt wurde, verriet gesammelte Macht, verantwortlich ausgeübt. Alles Fälle von Charakterstärke, die die Männer an der Seite dieser Frauen geradezu deklassieren.

Die Kultur des Verführers, dem a priori alles nachgesehen wird, neigt sich dem Ende. Das ist eine Frage der Emanzipation, aber nicht nur. Auch zwei Generationen lösen sich hier ab. Wir sprechen von einer alten Zeit, in der Charme und Chuzpe des Verführers fast als liebenswürdig durchgehen konnten, während sie maskierten, was eigentlich dahinterstand: ein Denken in Hierarchie, wonach der Mann als das absolut dominierende Geschlecht sich seine Regeln und Normen fast beliebig zurechtschneiden konnte. Sind nicht Macht und Libido Zwillinge, so ging das Urteil, steigert der Eros von Herrschaft nicht notgedrungen den sexuellen Appetit? Wer wollte sich erkühnen, dies völlig zu negieren? Es geht um etwas anderes: um Verantwortung, um eine Beziehung von Mann und Frau, in der nicht Macht mit Recht verwechselt wird und der Stärkere sich ad libitum selbst bedienen kann. Ein Blick in die Statistik von Sexualverbrechen oder auch auf die Verführungskraft moderner Werbung genügt, um zu sehen, warum sich die Frau nicht mehr zur Verfügungsmasse degradieren lassen möchte. Dem Charmeur eine breite Gasse - der Registerarie eines Don Giovanni das verdiente Ende.
http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article13383044/Die-Grenzen-der-Maenner.html

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

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