Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Was für ein Stuss!!!

Nurmalebenso, Friday, 02.03.2007, 19:45 (vor 6913 Tagen) @ susu

Hi,

Ist dem so? Dann erkläre mir folgendes: Warum gibt es Begriffe, über deren
Inhalt man streiten kann?

Weil Sprache nicht so homogen ist, wie man glauben könnte?

Warum gibt es Dinge, bei denen es keinen Begriff
gibt (z.B. gibt es keinen allgemein benutzten Begriff für die Dinger, die
man an der Kasse im Supermarkt zwischen die Waren einzelner Kunden legt.
Existent sind sie sicher, aber die Sprache bildet das nicht ab.) Warum
gibt es in jeder Sprache "blinde Flecken", teilweise elementare.

Weil es keine Notwendigkeit oder funktionellen Bedarf gibt, sie sprachlich zu erfassen? Sprache dient schließlich primär der Übermittlung von relevanten Informationen, die wir mit ANDEREN Menschen austauschen. Wenn etwas keinen sinnvollen oder relevanten Informationsgehalt besitzt, wird es dementsprechend auch sprachlich nicht erfasst - als Beispiel sei das Gegenteil von "durstig" genannt. Welche Notwendigkeit besteht darin anderen mitzuteilen, dass ich nicht-durstig bin? Die heutige Suche nach einem dafür passenden Begriff hat letztendlich nur deshalb Bedeutung, weil wir heutzutage eben nicht nur aus Notwendigkeit, sondern auch zum Genuss trinken. Die Frage nach der Nicht-Durstigkeit wäre also vielmehr eine Frage nach der Befriedigung des Genuss-Bedürfnisses! Könnte es also sein, dass unsere Sprache einfach nicht "Up-to-date" ist?

Ein anderes Beispiel wäre die Frage nach dem Gegeteil von "müde". Die Antwort "wach" wäre eigentlich falsch, denn "wach" ist das Gegenteil von "schlafend". Erst in Zusammenhang mit einer praktischen Funktion, der "Wache", bekommt die "Wachheit" - im Sinne des Grades einer Ermüdung - diese differentielle Bedeutung. Nebenbei bemerkt, gibt es ja nun auch keine "Schlafheit".

Gerade die deutsche Sprache ist ein "übles" Konstrukt aus widersprüchlicher Wort- und Wortsinnbildung. Erkläre dem berühmten Afrikaner, der noch nie mit der "Zivilisation" in Berührung gekommen ist, zum Beispiel mal die Wörter "Windstille", "Rolltreppe" oder "Personennahverkehr".

Das Teil, was man im Supermarkt aufs Band legt, nennt man in meiner Region übrigens überwiegend "Warentrenner" - abgeleitet von der Funktion.

So gibt
es im Englischen kein Wort für ein im Deutschen ganz leicht zu
beschreibendes Gefühl: Schadenfreude.

Und wie würdest Du z.B. "Pullover" ins Deutsche übersetzen? ;-)

Final: Es gibt einige
Bücher aus der Matriarchats-Ecke, die großes Bohei darüber machen, daß der
Mond in allen Sprachen ein weibliches Geschlecht habe (der Mond! Wir
differieren da vom Englischen und den romanischen Sprachen).

Und in wievielen Ländern wird statt der "Muttersprache" eine "Sprache der Väter" gesprochen?

In diesem Zusammenhang schon mal aufgefallen, dass männliche Namen in der deutschen Sprache fast alle mit einem Konsonanten enden, weibliche aber mit einen "weichen" Vokal? Auch das unterscheidet uns von anderen Kulturen. Und wo wir schon mal in der Astronomie sind: Die Planeten Mars und Venus, stellvertretend für die Geschlechter, unterscheiden sich vor allem dadurch, dass DIE Venus eine absolut lebensfeindliche Atmosphäre besitzt, während DER Mars theoretisch zukünftiges Leben ermöglicht? Dieses "biologistische" Paradoxon muss den Matriarchatsjüngerinnen ja mächtig auf die Gebärmutti schlagen!

Hast Du dich darüberhinaus auch schon mal mit sinologischen Sprachen befasst? Da haut nämlich keines der feministischen Erklärungsmodelle hin ;-)

Aber das, nur mal eben so
Grüßchen


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