Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Stinkwut... @ Odin

Garfield, Tuesday, 11.05.2004, 19:26 (vor 7979 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Stinkwut... @ Odin von Odin am 11. Mai 2004 15:55:25:

Hallo Odin!

"Nichts desto trotz ist die Stellung der Frau in moslemischen Ländern in der Regel sicher sehr schlecht."

Da bin ich mir gar nicht so sicher. In Ägypten beispielsweise sind Frauen ebenfalls in vieler Hinsicht besser dran als Männer. Für sie gilt auch dort die Wehrpflicht nicht. Das hat dort noch weitergehende Konsequenzen als in Deutschland. Es ist nämlich so, daß in Ägypten für Jobs im öffentlichen Dienst und auch in staatlichen Unternehmen üblicherweise eine bestimmte Wehrdienstzeit vorausgesetzt wird. (Man kann dort zwischen verschiedenen Wehrdienstzeiten wählen, und für die besten Jobs muß man dann entsprechend den längsten Wehrdienst geleistet haben.) Für Frauen gilt das so nicht - sie können gute Jobs also auch ohne Wehrdienst kriegen.

Bei einer Heirat wird dort vom Bräutigam erwartet, daß er bereits ein Haus oder eine Eigentumswohnung besitzt. Wenn er nur zur Miete wohnt, braucht er gar nicht erst an Heirat zu denken - das läuft dann üblicherweise nicht, weil die Eltern der Braut dann nicht zustimmen. Auf dem Land und teilweise auch in Städten wird oft eine Etage auf das Haus der Eltern draufgesetzt (deshalb sieht man dort soviele unfertige Häuser). Wenn die Eltern aber kein Haus haben und auch nicht genug Geld, dann wird's schwierig. Viele Männer in der Situation können erst mit 30/40 heiraten, weil sie erst dann ein Haus erarbeitet haben.

Ein Vater ist in Ägypten verpflichtet, seine unverheirateten Töchter zu ernähren, und wenn ich mich recht erinnere, können die sogar seine Rente weiter kassieren, wenn er stirbt und sie immer noch unverheiratet sind und kein eigenes Einkommen haben. Für Söhne gilt das so selbstverständlich nicht. Die müssen selbst zusehen, wie sie über die Runden kommen.

Junge, unverheiratete Frauen, die noch bei ihren Eltern wohnen, dürfen nachts ohne Erlaubnis der Eltern (die dafür üblicherweise auch nicht gegeben wird) nicht anderswo übernachten - das ist der einzige Nachteil für ägyptische Frauen, der mir spontan einfällt.

Selbst in streng islamischen Ländern wie Iran ist die Situation der Frauen keineswegs so schlecht, wie das hierzulande gern dargestellt wird. Es gibt dort sehr wohl auch Frauen, die auf Vollzeit arbeiten, und mittlerweile ist die Mehrheit der Studenten im Iran weiblich.

Auch da werden also viele Märchen verbreitet, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Freundliche Grüße
von Garfield


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