Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Konservativer Feminismus

Freddy, Tuesday, 20.03.2007, 16:31 (vor 6895 Tagen) @ Adam

1. Postmoderne = Beliebigkeit ist mir eine zu undifferenzierte Gleichung.
2. Beliebigkeit zumindest läßt sich nicht einfach "integrieren". Wie denn?
Wo hinein denn? Zwangsläufig in Nicht-Beliebiges? Wie aber soll Integration
bei kontradiktorisch Entgegengesetztem möglich sein?
3. Inwiefern hätte das Konservative, Traditionelle (was für mich übrigens
NICHT dasgleiche ist) das Beliebige hervorgebracht?

Bitte mal erläutern, wenn obiger Passus denn verständlich sein soll.

Auf http://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics steht einiges zur Bewußtseinsentwicklung der Menschheit.

Der Bewußtseinszustand der 68er (aus dem ja der Feminismus erwachsen ist) ist je nach Individuum, das ihn aufweist, ziemlich "abgedreht" (vielleicht waren damals die meisten 68er-Vertreter "abgedreht"); allerdings ist er immer noch typisch menschlich. Den Konservativen, damals wie heute, ist dieser Bewußtseinszustand dennoch sehr suspekt, da sie sich auf einer niedrigeren Stufe befinden und die Entwicklung nicht mitmachen möchten. Genau das wäre aber nötig um die 68er verstehen zu können! Analog dazu blieb die Kirche in der Renaissance in ihrem alten Weltbild verhaftet und wollte von den aufstrebende Naturwissenschaften (z.B. Galilei) nichts wissen.

(Vielleicht ist "hervorbringen" nicht das richtige Wort; aus obiger Webseite wird jedoch deutlich, daß eine höhere Entwicklungsstufe ohne eine niedrigere Entwicklungsstufe nicht existieren kann: Wir mußten sozusagen mal Höhlenmenschen gewesen sein, damit wir zu dem werden konnten, was wir heute sind (das ist die einzige Art von "Biologismus", die ich akzeptiere!). Ebenso mußte es die Konservativen geben, damit die 68er entstehen konnten.)

Natürlich waren auch die 68er nicht im Besitz der absoluten Wahrheit oder der Lösung aller Probleme. Dies sollte man aber nicht als das Scheitern des gesamten Bewußtseinszustandes (bzw. der gesamten 68er-Bewegung) auffassen, sondern nur als schlichte menschliche Unzulänglichkeit! Ich selbst bin ja auch nicht im Besitz der absoluten Wahrheit oder der Lösung aller Probleme...

Wer sich jedoch angesichts der aktuellen Probleme auf eine Bewußtseinsstufe *vor* '68 zurückzieht (Neokonservatismus, "Neue Bürgerlichkeit"), der drückt sich absichtlich vor einer Entwicklung, die die gesamte Gesellschaft schon lange nötig hat, nämlich die Entwicklung hin zu mehr Bewußtsein, nicht hin zu weniger! Robert Bly schrieb im "Eisenhans", daß Männer und Frauen sich ihres Geschlechtes bewußt sein sollen; und ich füge hinzu "möglichst umfassend"! Wenn jetzt alle wieder in die prä-68er-Rollenbilder zurückfallen sollten, sind wir von diesem Ziel weiter entfernt als vorher.

Gruß,
Freddy


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