Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Der Gogolin mal wieder

Chato, Saturday, 16.04.2011, 10:33 (vor 5448 Tagen) @ DvB

Guten Morgen DvB!

Du machst dir zu schematische Vorstellungen über die Begriffe.

Mag sein. Trotzdem bringst Du da etwas m.E. ziemlich Gegenläufiges zusammen.

Der Grund etwa dafür, daß Diskussionsforen wie dieses existieren, ist die Tatsache, daß hienieden ständig und überall Gegenläufiges unentwirrbar ineinander verwoben ist. Freilich läßt sich dieses Gewebe durch Diskussionen nicht auflösen, sondern höchstens weiterweben, was natürlich vollkommen sinnlos ist. Eine Auflösung findet nur in der Seele selbst statt – oder sie findet überhaupt nicht statt. Und kein Mensch kann's selbst hervorbringen, denn morgen ist er ja schon tot.

Es könnte z.B. sein, daß alle ZKler Soziopathen waren. Dann konnten sie sich
natürlich untereinander prima verstehen. Oder er hat die nicht verstanden, aber
seine Logik war machttechnisch ausreichend. Oder er hatte seine Leute, die das
für ihn verstanden haben. Ich meine, diese ganze Selbstanklagerei und sonstige
bolschewistische Psychoscheiße ist ja nun kein Stalin-spezifisches Ding. Das haben
die Bolschewiken kollektiv ausgeheckt und hatten da Fachleute für sowas.

Meine Deutung solcher Phänomene ist die, daß die Fachleute aus der Hölle kommen und daß jeder, der sich das zueigen macht, ebenfalls dort hinkommt (resp. längst drinsitzt und dort bleiben will).

In gewissem Sinne und oberflächlich betrachtet mag das stimmen. Aber das Gegenteil davon ist wahrer.

Ich weiß nicht, auf welcher Ebene Du das meinst. Einem Introvertiertem folgt
einfach keiner freiwillig. Deswegen kommt der einfach nicht an die Spitze oder
aber er wird von anderen gezielt dahin gehoben. Das müßten aber auch Soziopathen
sein, sonst würden die das nicht tun. Wenn sie aber welche wären, wieso folgt denen
irgendwer? Irgendwie beißt sich die Katze in den Schwanz. Da kann was nicht stimmen.

Ich meine das alles auf der Ebene, daß sich das menschliche Leben nicht an selbsterdachte Kategorien hält, sondern eigenen Gesetzen folgt, die höchst komplex und deshalb nicht ausdenkbar sind. Unsere kleine CPU reicht dafür in keiner Weise hin. Ich gebe dir ein weiteres Beispiel: Mao Tse Tung war fraglos einer der "erfolgreichsten" Soziopathen der Weltgeschichte, wenn man die Anzahl und Höhe der von ihm produzierten Leichengebirge zum Maß nimmt. Der war sehr introvertiert, ein insichgekehrter Poet und Kalligraph. Aber stand der etwa nicht bis zu seinem Tod im September 1978 gottgleich an der Spitze von ganz Rotchina? Hatte der nicht eine unvorstellbar suggestive Macht über die gesamte Jugend, die er in der "proletarischen Kulturrevolution" zum Morden über Land schickte? Oder nimm Pol Pot, der in Frankreich studiert hatte und abends am Rande seiner Killing Fields ganz versonnen französische Gedichte gelesen hat. Und das sind keineswegs die einzigen Katzen, die sich da in ihre Schwänze beißen. Das bleibt natürlich für einen, der meint, ein Schicksal aus der Biographie des Betreffenden herleiten zu können, ein unlösbares Rätsel. Aber so ist es eben nicht, im Guten nicht, wie im Bösen. Wir sind keineswegs das, was wir uns vorstellen zu sein. Wir "gestalten" unser Leben auch nicht "autonom", sondern wir treffen eine Wahl, eine Entscheidung, von der wir dann ein Leben lang "gelebt werden", wenn es dabei bleibt. Eine Freiheit besitzen wir Menschen einzig und allein in dieser Wahl und ihren Konsequenzen - solange wir leben und bis zum letzten Atemzug - und sonst überhaupt keine.

Seit wann schließt eine Gefühlsstörung eine Denkstörung aus?

Tut es wohl nicht. Aber das heißt ja nun nicht, daß das eine mit
dem anderen zu verwechseln oder gar zu identifizieren wäre.

Die Phänomene trennen sich eben nicht feinsäuberlich nach dem Maß deines Willens und deiner Vorstellungen. Das alles sind bloß Zwangsvorstellungen aus tiefster und für uns Menschen unentrinnbarer Unwissenheit.

Das paßt zwar nicht ins gepflegte Vorurteil, ist aber die Wahrheit.

Ja. Aber jedenfalls nicht etwa nur jetzt und in unseren Tagen.

... sondern schon eh und je seit Adam und Eva. Raus aus diesem Loch!
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Nick

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Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.


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