Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Frauenaengste und Opferkultur

Maesi, Dienstag, 22.10.2002, 22:05 (vor 6083 Tagen)

Hallo zusammen

Oftmals habe ich den Eindruck, unter Frauen herrscht latent eine Angst vor Maennern bzw. vor dem Wettbewerb mit Maennern. Diese Angst scheint sich laengst nicht nur auf Feministinnen zu beschraenken, sondern weite Kreise der weiblichen Bevoelkerung erfasst zu haben. Das ist durchaus verstaendlich, denn der Durchschnittsmann wird heutzutage dauernd als gefaehrlich hingestellt. Nicht der pathologische Schwerverbrecher wird als Gefahr fuer die Gesellschaft deklariert, sondern der freundliche Herr Nachbar, der angeblich Frau und Kinder schlaegt, der Lehrer oder der liebe Onkel, der womoeglich Kinder sexuell ausbeutet, der nette Bursche, der eine Frau nur so lange umwirbt, bis er ihrer sicher ist, um sich dann als Ehemann oder Lebensabschnittspartner als umso schlimmerer Macho zu entpuppen, die Jungs, die bereits in der Schule Maedchen quaelen und mit ihren Raufereien und Cowboy-und-Indianer-Spielen ihre Gewaltneigung ausleben und trainieren. Kein Wunder, dass bereits Maedchen Angst und Misstrauen vor den Vertretern des maennlichen Geschlechts hegen. Dieser kuenstlich geschuerten Angst muss dann mittels Selbstverteidigungskursen und Ausbildung zu mehr weiblichem Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein begegnet werden. Aber das dabei erworbene Selbstvertrauen ist dann oftmals nur aufgepfropft, das die tiefer liegenden Aengste nur kaschieren sollen; viele Frauen (und auch Maenner) merken noch nicht einmal mehr, wie sehr sie von frauenbewegten politischen Kreisen verschaukelt werden.
Natuerlich traegt fast jeder Aengste in sich: z.B. vor Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall mit nachfolgender Invaliditaet, Gewalt, Verbrechen, Vereinsamung, Armut, Scheidung/Trennung, ungewisser Zukunft, u.v.m. Ich habe gelesen, dass Psychologen die heutige Zeit als eine Epoche der Angst bezeichnen, da sie eine besorgniserregende Zunahme von Aengsten bei Menschen registrieren. Die Frage ist, haben die objektiv feststellbaren Gruende fuer Angst zugenommen, oder handelt es sich dabei nur um eine Art Hysterie ohne jegliche sachliche Grundlage. Ich neige eher zu letzterem. Was nicht heissen soll, dass Aengste grundsaetzlich unberechtigt sind (z.B. Arbeitslosigkeit, Vereinsamung, Scheidung/Trennung). Die Gefahr einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, in Armut zu versinken oder Gewalt zu erleiden wird IMHO aber weit ueberschaetzt bzw. die eigenen Handlungsmoeglichkeiten, gegen solche Gefahren anzugehen, weit unterschaetzt. Die Menschen (nicht nur Frauen, aber v.a. diese) werden heute viel zu sehr als unmuendige Opfer ohne eigene Handlungsoptionen betrachtet. Diese Opferkultur wird in der feministischen Ideologie wie ein religioeser Ritus geradezu zelebriert.
Ich halte das fuer eine sehr ungesunde Entwicklung, denn durch diese absolute Opferhaltung wird gleichzeitig auch jegliche Verantwortung negiert (das Opfer hat ja nach feministischer Doktrin keinerlei Einfluss auf seinen Status und braucht deshalb auch keine Verantwortung an seiner Situation zu uebernehmen), was wiederum bedeutet, dass jegliche Verbesserung der Situation ausschliesslich ueber (feministisch beherrschte) Opferhelfer erreicht werden kann; die Parallele zur einzigen und alleinseligmachenden Kirche ist unuebersehbar. Analog beansprucht eben auch die Helferindustrie sowohl die Deutungshoheit fuer die Opfer als auch die exklusive Betreuung derselben fuer sich. Sie fordert immer groessere Geldmittel von der oeffentlichen Hand exklusiv fuer sich, sie reisst die Ausbildung von Polizisten, Richtern, Jugendaemtern, etc. an sich und sie beherrscht den pseudowissenschaftlichen Diskurs in bestimmten Themenbereichen (z.B. Gewalt) nahezu vollstaendig. Dieses Abgeben von Verantwortung an die feministische Helferorganisationen steht allerdings dem Bild des selbstbewussten Menschen diametral entgegen, was jedoch kaum jemandem aufzufallen scheint. Frauen sollten deshalb sehr vorsichtig bei all den Schalmeienklaengen von feministischer Seite sein; zu oft nehmen feministische Gewalt-, Geschlechter-, Sozial- und andere Expertinnen in Anspruch, fuer alle Frauen zu sprechen, ohne dass ihr Anspruch in irgendeiner Weise legitimiert worden waere. Solange Frauen von solchen feministischen Organisationen mehrheitlich profitieren, uebersehen die meisten gefliessentlich die sich im Windschatten des Feminismus breitmachende, inzwischen bereits alltaegliche Maennerfeindlichkeit; wie die drei Affen wollen sie nichts sehen, hoeren oder sagen. Wer sich jedoch nur mit dem frauenfeindlichen Sexismus beschaeftigt und sich dem maennerfeindlichen Sexismus feministischer Praegung nicht widersetzt, diesen ignoriert oder gar billigt, wird sich dies zu Recht eines Tages vorwerfen lassen muessen.
An dieser Stelle sei auch die sich erst formierende Maennerrechtsbewegung gewarnt. Lasst Euch nie derart blenden, wie viele Feministinnen es taten. Verliert nie Recht und Unrecht aus den Augen, orientiert Euch stets an der Realitaet, anstatt diese zu verzerren und haltet Euch immer an wissenschaftliche Erkenntnisse, anstatt Fakten durch maennerzentrierte Intuition zu ersetzen oder systematisch Aengste zu schueren, um hernach davon zu profitieren. Wertet den politischen Gegner nie ab, daemonisiert ihn nicht und macht ihn auch nicht laecherlich, sondern behaltet immer den Respekt vor der Person des Andersdenkenden; ueberprueft genauso kritisch Eure eigenen Aeusserungen, wie die der anderen. Die Geschichte wird eines Tages ueber die Frauenbewegung urteilen, und das Urteil ueber den real existierenden Feminismus spaetestens seit den 80er Jahren wird IMHO wenig schmeichelhaft ausfallen. Genauso wird sie aber dereinst auch ueber die Maennerbewegung urteilen, und ich hoffe und wuensche, dass die Maennerbewegung dann besser abschneiden wird.

Gruss

Maesi


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