Re: Ungleichbehandlung vor Gericht
Als Antwort auf: Re: Ungleichbehandlung vor Gericht von Garfield am 18. März 2005 16:44:31:
Hallo Garfield,
Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch eine Untersuchung aus Israel, über die mal im Rote-Männer-Info berichtet wurde, wenn ich mich recht erinnere. Dabei kam heraus, daß sowohl männliche als auch weibliche Lehrer dazu neigen, Mädchen in der Schule besser zu bewerten als sie es eigentlich verdienen. Das ist in Israel aufgefallen, weil da wichtige Prüfungsarbeiten doppelt bewertet werden: Einmal von den Fachlehrern und dann noch einmal anonym von Lehrern, die die Namen der Schüler nicht erfahren und somit auch nicht wissen, ob eine Arbeit von einem Jungen oder von einem Mädchen stammt. Und dabei stellte sich eben heraus, daß die Mädchen bei dieser anonymen Bewertung im Durchschnitt schlechter abschnitten als bei der Bewertung durch die Fachlehrer, während es bei Jungen keinen nachweisbaren Unterschied gab.
Es scheint also so zu sein, daß die meisten Menschen unabhängig vom Geschlecht dazu tendieren, Frauen immer mehr Verständnis und Unterstützung zuteil werden zu lassen als Männern.<
Genau diese Hypothese vertrete ich. Das ist zwar nicht neu, aber ich will ja keine Staubsauger verkaufen. Und wenn es um strafrechtliche Beurteilungen geht, erhält die Thamatik einiges an Brisanz. Deshalb recherchiere ich auch nach Verurteilungen nach gleichem Straftatbestand, also beispielsweise "fahrlässige Tötung", ob ein signifikanter geschlechtsspezifischer Unterschied im Strafmass besteht.
Zwar müssen die Richter sich nach den Gesetzen richten und können eine weibliche Angeklagte nicht grundsätzlich frei sprechen. Aber sie setzen dann den Spielraum, der ihnen in der Auslegung der Gesetze bleibt, eben gern zugunsten der weiblichen Angeklagten ein, was männlichen Angeklagten so nicht zuteil wird. Sie können natürlich auch durch die berühmte schlechte Kindheit schon mal eine Strafmilderung erhalten, aber eben nicht allein durch ihr Geschlecht.<
Genau darum geht es, deshalb der Vergleich gleicher Straftatbestände, womit eine statistische Erfassung einige Aussagekraft erhielte.
Ich weiß nicht, ob man das mit Umfragen so einfach belegen kann. Viele Menschen werden über die Fragen gut nachdenken und dann mehr rational als emotional antworten. Da wird dann vermutlich kein großer Unterschied zutage treten. Dieser Unterschied in der Bewertung von weiblichem und männlichem Verhalten macht sich bei vielen Menschen erst bemerkbar, wenn sie unbewußt reagieren.<
Die Konzeption sollte verborgen bleiben, richtig. Allerdings sind es zwei Gruppen, die an der Umfrage teilnehmen, und keine der Gruppen kennt die Konzeption als ganzes.
Da beging zunächst ein Vater Selbstmord, und vorher brachte er seine Kinder um. In den Medien wurde er als egoistisches Monster dargestellt, das noch die armen Kinder mit in den Tod gerissen hat. Die Mutter der Kinder wurde bemitleidet.
Nur wenige Wochen danach beging eine Mutter Selbstmord und brachte vorher ihre Kinder um. Die Berichterstattung der Medien sah nun ganz anders aus. Da wurde darüber spekuliert, was die arme Frau wohl zu diesem tragischen Schritt getrieben hätte. Schnell war auch ein natürlich männlicher Schuldiger ausgemacht: Der Vater der Kinder. Er hatte wohl damit gedroht, das Sorgerecht für die Kinder einzuklagen. Das warf man ihm nun vor und gab ihm die Schuld am Tod seiner Ex-Frau und seiner Kinder. Von Mitleid für den Vater war nichts zu spüren.
Das trifft den Kern der Sache. Wird bei Männern genauso wie bei Frauen auf die sozialen Umstände fokussiert und strafmildernd im Urteil berücksichtigt ? Ich glaube nicht. Die Gründe sind allerdings sehr komplex, du hast einge Erklärungsansätze geboten. Danke für dein Interesse.
Freundliche Grüße
von scipio
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Naismith,
18.03.2005, 10:02
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- US-Untersuchung zu fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr - Daddeldu, 18.03.2005, 21:08
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- Sind Männer oder Frauen krimineller? - Berthold, 18.03.2005, 15:54
- Einfach UNGLAUBLICH ! Und ich wette, die Richter waren Männer. (nt) - Sven, 18.03.2005, 20:57
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AJM,
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