Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Geschlechter-Dichotomie im Prinzip nicht veränderbar

Bonaventura, Sunday, 14.05.2006, 15:29 (vor 6579 Tagen) @ Flint

Als Antwort auf: Re: Sehr schlechter Beitrag ! Pfui ! von Flint am 14. Mai 2006 06:49:43:

Hallo Flint !

Du schreibst:

Es gibt Dinge, die keiner Evolution unterworfen sind, ihrer nicht bedürfen, sie nicht benötigen (im Gegenteil!) und mit Sicherheit zeitlos/ewig existieren.

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Richtig. Wahrscheinlich hattest du meinen neueren Beitrag noch nicht gelesen: "Nicht Geschlechter-Differenz mit Geschlechterrollen verwechseln", als Antwort auf Klausz: "Nicht(...)verwechseln"

Ich zitiere aus meiner Antwort:

1. Technische Veränderungen vollziehen sich sozusagen von heut auf morgen.

2. Gesellschaftliche Veränderungen brauchen Jahre bis Jahrzehnte.

3. Angleichung von Hautfarben (um das Wort "Rassen" zu vermeiden) braucht Generationen, oder Jahrhunderte.

4. Veränderungen im Wesen der Geschlechter gibt es nicht - und wenn, dann nur in Richtung einer inneren Desintegration, "Degeneration", die uns mit katastrophalen, überlebensrelevanten Umwälzungen konfrontiert. Aber soweit ist es gegenwärtig nicht. Ob Homosexualität, SM usw. heute öfter vorkommt als früher, und nicht nur auf staatlich verordnete "neue Lebensformen" (Homoehe etc.) beruht, kann diskutiert werden.

Das Problem ist also nicht die Wandlung von Kulturen oder deren Leugnung, sondern die Leugnung der Geschlechter-Differenz überhaupt. (Zitat-Ende.Fettdruck nachträglich eingefügt.)

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Philosophisch gesehen, gibt es jedenfalls ewige Wahrheiten: das sind die Platonischen Ideen, darunter z.B. die mathematischen Gesetze. Daß z.B. 2+2=4 oder die Winkelsumme im Dreieck 180 Grad beträgt, daran vermag keine Ideologie etwas zu ändern. Höchstens gibt es Relatvierungen. Z.B. kann man sagen: ein Dreieck, auf einer Kugel gezeichnet, hat natürlich eine andere Winkelsumme. Auch gibt es Automaten, wo du z.B. 2 Euro reinsteckst und nochmal 2 Euro, aber nur 3 statt 4 Euro kommen wieder raus. Das ändert aber nichts an den (mathematischen, nicht juristischen) Gesetzen. Denn auch wenn nur 3 Euro in deine Hand fallen, so verschwindet der 4. Euro nicht in den Orkus.

Auch die Werte - als Thema der Ethik - sind, als apriorische Gebilde, ewig. Freilich, ihre geschichtliche Akzeptanz kann sich ändern. Aber das ändert nichts an ihrer ewigen Geltung.

Was die Geschlechter-Dichotomie betrifft, so liegt die Sache relativ schwierig. Das ist ein Thema, das einmal gesondert behandelt werden müßte. In ihrem "realen Sein" ist diese Dichotomie irgendwann in die Evolution des Lebendigen eingetreten. Folglich wird sie auch wieder austreten, ohne daß deswegen notwendigerweise (aber wahrscheinlich) das Lebendige mit aus der Welt verschwinden wird. - In ihrem "idealen Sein" jedoch ist sie ewig. Es sind Prinzipien, von denen Materialisten sagen, sie seien in den Kosmos hinausprojiziert worden, wo sie "jetzt" als Mars & Venus, Yin & Yang, Weltgeist & Weltseele usw. erscheinen. Einer anderen Weltanschauung zufolge war es umgekehrt: Die Geschlechterdichotomie konnte nur deshalb materielle Gestalt annehmen (und damit zum Gegenstand der Biologie, Psychologie, Kulturwissenschaft werden), weil sie als schaffende Idee schon immer subsistiert hat. So wie ein Auto nur gebaut werden kann, wenn die Idee eines solchen zuvor "im Kopf" des Ingenieurs vorgelegen hat, und nicht umgekehrt.

Was dann die Geschlechter-Rollen betrifft, so tun sich weitere Fragen auf. Sind sie lediglich Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, d.h. mehr oder minder beliebig formbar ? Sollen bzw. müssen sie dem Geschlechter-Verhalten entsprechen, und wenn ja, wie weit ? Gibt es überhaupt eine geschlechterspezifische Ausformung der körperlich (morphologisch und biochemisch) bestimmten Geschlechterdichtomie in die seelische Schicht hinein ? M.W.: ja. Ein Junge entwickelt männliche Verhaltensweisen, auch wenn er als Mädchen erzogen und in Röcke gesteckt wird. Eher aufzwingen läßt sich die gesellschaftliche Rolle, aber auch das auf Dauer nicht straflos.

Fazit: Die Natur läßt sich (über)formen, aber nicht verändern. Man tut gut, in Harmonie mit ihr zu leben. Das ist mit dem Feminismus nicht gegeben. Die Natur wird daran nicht oder kaum verderben, wohl aber unsere Kultur.

Grüße, Bonaventura


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