Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Talkshowgerede und Realität

Bella, Wednesday, 31.05.2006, 00:09 (vor 5923 Tagen) @ Beelzebub

Tach, und danke für deine freundliche Begrüßung.

Also, ich finde den Begriff Femifaschismus unabgebracht. Für eine weitreichende Erläuterung fehlt mir momentan die Zeit, dazu ergänze ich aber, dass das nicht zwingend mein letztes Wort ist wegen der nicht allzu gründlichen Erforschung deines Vorschlags und meiner Meinung dazu. Nur ein paar Gedanken dazu: Wo bleiben bspw. die Massenbewegungen? Es gibt nicht mal eine besonders herausragende, prägende Ideologie noch eine politische Partei oder eine sonstige Gründung, die parteiähnlich wäre. Wo ist der Führer bzw. die Führerin, meinetwegen auch mehrere Führerinnen? Alice Schwarzer? Nicht wirklich, denn ich behaupte, dass es nur einen begrenzten Kreis von Leuten gibt, die sie als eine solche ansieht. Gehört es nicht eher zur political correctness, dass Frau Schwarzer geehrt und eingeladen wird? Wobei ich gestehen muss, dass political correctness häufig geschmacklos und unangebracht ist. Wahrscheinlich sollte es eine Art Repräsentantin des Feminismus geben, doch ist Frau Schwarzer scheints nicht die richtige Person dafür. Andererseits sind die meisten politisch Agierenden Schweine, vor allem die, die so was wie Macht innehaben. Aber hat die die Alice?

Auf welche Erscheinung genau willst du eine Art ?Gegenbewegung? bilden? Oder verstehe ich dich da falsch?
Mary Daly lebt doch gar nicht mehr, und die Frage wäre, ob ihre Theorien/ ihre Studien, was auch immer so genau betrieben hat, heute noch prägend sind. Ich habe bei Wikipedia nachgeschlagen (sicher nicht das nonplusultra, dennoch eine gute Infoquelle), und da taucht sie nicht mal als Vertreterin der Frauenbewegung auf. ?Dalys feministische Gesellschaftsanalyse wird kontrovers diskutiert: während die einen ihr begeistert zustimmen, werfen andere ihr Sexismus sowie Männerdiskriminierung vor und klagen sie an, zum "Genderzid" aufzurufen.? Und hier kann ich mir vorstellen, dass die Gruppe derjenigen, die Kritik äußerten, weitaus größer war/ ist als die Gruppe ihrer Fans. Und dennoch kann man doch davon ausgehen, dass einzelne Teile der Gesellschaftsanalyse durchaus Bestand hatten ? zu unterscheiden wären, wo sie genau wie ihren eigenen Geschmack hinterlassen hat. D.h. wenn sie typische Unterdrückungsmenchanismen analysiert hat und diese der Gesellschaft verbal zugänglich machte, so ist wenigstens denkbar, dass die zu dieser Zeit gestimmt haben. Nur mit einer Analyse allein kommt man ja nicht weiter, fehlt es an der Umsetzung, wenn man etwas verändern will ? was macht man mit dem Wissen, und wie filtert man Bereiche aus, die subjektiv interpretiert worden sind? D.h. wenn man sich ein Wissen davon herausfiltert und dabei in der Lage ist, kritisch zu betrachten, kann man evtl. auf eine Theorie aufbauen.

Und deine Parallele zu Radabfems (ich weiß nicht, wen du darunter verstehst, ich denke an diejenigen im Internet) ? diese Frauen nimmst du doch nicht ernst, oder woher sonst die Bezeichnung? Ich meine, eine unterhaltsame, blühende Phantasie haben sie ja, und wenn man sich für mögliche Auswüchse von Kollektivpsychosen und Schizophrenien interessiert, ist es umso interessanter, auch erschreckend, vor allem die Dynamik, die sie entwickelt. Aber wer ihre Theorien ernst nimmt, ist genauso verrückt.

?Was glaubt Ihr, ob es wohl ein deutscher Autor oder Verleger wagen würde, ein Buch mit dem Titel "Nur ein toter Jude ist ein guter Jude" zu veröffentlichen??

Das greift doch nicht wirklich. Männer wurden nicht hingerichtet und werden es nicht ? den Juden ist es hingegen ganz anders ergangen. Und Gaby Hauptmann ist nun wirklich eine grottenschlechte Autorin, zugegeben, dennoch viel gelesen. Daran kann man aber sehen,
Männer müssen in dieser Hinsicht mehr vertragen (können).
Ich neige eher zu Femischismus ? so als eine Art Ausschiss des Feminismus. Dieser Begriff hat noch Humor, und wenn man ihn mit Inhalt zu füllen weiß, kann die Ernsthaftigkeit des Themas dennoch klar werden. Du solltest schon genauer sagen, um wen es dir geht, und du kannst ja, wenn?s dir Spaß macht, eine Art Gegenbuch zu jedem verfassen, dass du als femifaschistisch einordnest.

Woanders schriebst du (Antwort auf Magnus): ?Das läuft, wie ich gerade sagte, Gefahr, zu pauschal zu werden - wegen Begriffsungenauigkeit. Vor allem aber geht es mir nicht darum, den Feminismus in toto anzugreifen, sondern seine Auswüchse in Gestalt des - Femifaschismus. Mir fällt einfach nix passenderes prägnantes ein.?

Wenn wir davon ausgehen, es hätte im Raum Deutschland 2 Frauenbewegungen gegeben, dann fragt sich, wer die Begründerinnen waren, welchen Anstoß sie gaben und worum es ihnen ging. Und als nächstes, was andere daraus machten bzw. weiterentwickelten. Auch hier, denke ich, hast du das Problem der begrifflichen Ungenauigkeit, da es immer ?gesunde?/ gute/ positive und ?ungesunde?/ negative Aspekte hast ? und die würde es rauszufiltern gelten ? und dabei verschwimmen die Grenzen ja durchaus hier und da. Der Punkt, an dem ein positiver und zu unterstützender Aspekt umkippt in eine Benachteiligung für jemand anderen, wäre zu benennen.

Was mich persönlich anwidert, ist der Umgang mit Prostituierten und die Meinung einiger Frauen, mit wem Frau Kinder kriegen sollte und mit wem nicht, das ist zutiefst elitäres Denken und läuft auf fiese Selektion raus. Zu häufig geht es nach meinem Geschmack um die Zerstörung von etwas Bestehendem und dem Traum, etwas Neues zu schaffen. Diese Zerstörungswut und der Glaube, Frauen seien bessere Menschen, sind mir zuwider. Des Weiteren sind feministische Forderungen, die das Leben von Prostituierten betreffen, lächerlich, da die Huren selber nichts mit Feministinnen anfangen können und auch rein gar nichts von ihnen haben. Zwar haben u.a. feministische Gesellschaftsanalysen dazu beigetragen, die Mechanismen rund um Prostitution verstehbar und erklärbar zu machen, und das mit einigen wichtigen Erkenntnissen, nur in der Umsetzung sind Feministinnen genauso verachtenswert Huren gegenüber wie es davon Männer gibt, die Recht und Gesetz über sie walten lassen und denen es fast ausschließlich darum geht, Huren kontrolliert zu halten. Das war mir grad noch wichtig zu sagen.

Chau und Gruß, B.


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