Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Verrat: nur gefühlt oder Tatsache ?

Bonaventura, Sunday, 14.05.2006, 21:03 (vor 6581 Tagen) @ Scipio Africanus

Als Antwort auf: Re: Zwischen den Extremen von Scipio Africanus am 14. Mai 2006 12:12:

Hallo Scipio A.!

Ich bin zwar nicht angesprochen, aber ich möchte dennoch mitteilen, daß ich deine geäußerten Auffassungen uneingeschränkt teile, mit Ausnahme, was den Verrat betrifft.

Flint trägt Verrat vor als eine objektive Gegebenheit:

Verrat ist etwas, was vermutlich seit Anfang der Menschheitsgeschichte nicht geduldet wurde und seit jeher durch Regeln von Menschen verhindert und/oder geahndet wurde und selbst durch die Natur bestraft wird.
Es ist mittlerweile etwas, was nach p.c. heutzutage ideologisch in den Himmel gehoben-, salonfähig gemacht- und favorisiert wird, und zwar in einem Ausmaß wie es dies vermutlich niemals zuvor in der Geschichte gegeben hat (Es sei denn, vermutlich in den untergegangenen Zivilisationen).

Darauf antwortest du:

Männer fühlen sich tatsächlich teilweise verraten. Aber warum ist das so ? Weil sie nach wie vor gemäss den traditionellen Rollenverständnissen agieren. Sie fühlen sich verpflichtet, Frauen zu versorgen und zu schützen. Doch wo Frauen als Konkurrentinnen der Männer auftreten, muss dieser altruistische Ansatz scheitern, denn er ist für den Mann nachteilig. Er wird sich deshalb verraten fühlen, denn er gibt, aber ihm erwachsen daraus weder Anerkennung noch sonstige Vorteile, sondern im Gegenteil, er schadet sich selbst. Auch wenn sich der Mann dessen nicht bewusst ist, so spürt er doch die ausbeuterische Asymetrie der Beziehung, die zu seinen Lasten wirkt.

Nun gut, was intersubjektiv existiert, kann und darf auch gefühlt werden. Dadurch wird es nicht falsch. Falsch ist, wenn etwas nur gefühlt wird, ohne einen korrelierenden Tatbestand. - Darauf:

Solange Männer wie KlausZ und viele andere dies nicht begreifen, wird diese ausbeuterische Asymetrie bestehen bleiben.

Was begreift Klausz nicht ? Daß der Mann ohne Gegenleistung gibt, ohne sich dessen bewußt zu sein ? Aber wenn der Mann sich dessen nicht bewußt ist, so spürt er doch die ausbeuterische Asymmetrie der Beziehung, die zu seinen Lasten geht. Also spürt auch Klausz sie, denn Klausz ist ein Mann.- Oder du willst umgekehrt sagen: Klausz ist sich der Ausbeutung durch die Frau nicht nur nicht bewußt, nein, er ist ein Sonderfall, er spürt sie noch nicht einmal, fühlt sich also auch nicht verraten. - Ja, dann könnte er doch mit dem Ist-Zustand zufrieden sein ! Ist er aber nicht.

Es ist doch wohl so, wie Esther Vilar es in ihrem Buch "Das polygame Geschlecht" sehr klar und knapp auf den Punkt gebracht hat: Frauen haben begonnen, die Ansprüche zweier Daseinsformen in sich zu vereinen, nämlich die der Partnerin und die des (hilfs-, unterstütungungsbedürftigen) Kindes. Das ist ein Verrat. Der Mann fällt darauf herein. Eine Zeitlang hat er den Verrat nicht gefühlt (1). - Dann begann er, ihn zu fühlen, wurde sich seiner aber noch nicht bewußt (2). - Zuletzt begann er, den Verrat nicht nur zu fühlen, sondern sich dessen auch bewußt zu werden (3), und ist nun in der Lage, die Konsequenzen zu ziehen. Die sehen deiner (und meiner) Meinung nach so aus:

Der Mann muss sich gegenüber den Frauen entsolidarisieren.Auf dieser Grundlage könnte dann ein neuer "Geschlechtervertrag" entstehen.

Völlig richtig. Du meinst offenbar aber, Klausz ist noch auf der Stufe (2) stehengeblieben. Da müßten wir ihn fragen.

Es geht aber in dem Beitrag von Flint noch um mehr als Verrat, nämlich um nachfolgende, zunächst unterbewußte Schuldgefühle in der Frau, die in einer bestimmten Weise (nicht) verarbeitet werden. Da die Schuldgefühle unerträglich sind, werden sie "rationalisiert", d.h. zu rechtfertigen gesucht: Die Schuld liegt nun beim Geschädigten. Damit ist jetzt aber auch kein Dialog mehr möglich, ja dieser wird heftig abgewehrt. Fände er statt, dann würde der Gewissenskonflikt auf unerträgliche Weise ins Bewußtsein treten.

Ich kenne dieses Phänomen aus eigener Anschauung bei meiner Mutter, aber auch bei meiner Ex. Letztere hatte Ehebruch begangen, mich bestohlen und jedenfalls Dinge getan, die sie in dem Milieu, dem sie entstammt, schwer belasten. Das alles leugnet sie konsequent. Obwohl ich ihr ihre Taten verzeihe, hat sie seit unserer Trennung die totale Berührungsangst, grüßt mich auch nicht, wenn wir uns in der Schule begegnen - obwohl gerade das natürlich sehr auffällt. Darin wird sie noch von ihrer militant feministischen Anwältin unterstützt, natürlich aus ganz anderen Motiven. Vor Gericht hat die Anwältin eine paradoxe Argumentation: einerseits sagt sie, eine Kooperation zwischen den Eltern sei völlig unmöglich; anderseits hat sie über mißbräuchlich erwirkte Anwendung des Gewaltschutzgesetzes gegen mich das - jetzt gegenseitige - Mißtrauen noch vertieft.

In diesem Sinne hat der Feminismus einen sekundären Grund, Männer als geborene Gewalttäter u.a. schlechtzumachen: zu der Angst vor dem Privilegienverlust kommt noch die Angst vor der Konfrontation mit der eigenen Schuld.

Das ist aber ein Phänomen, das auch in anderen Zusammenhängen eine große Rolle gespielt hat und immer wieder spielt. Ich muß da wohl keine Beispiele bringen.

Grüße, Bonaventura


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