Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Bitte lest Euch den Link durch - mMn mehr als suspekt

Christine ⌂, Tuesday, 09.01.2007, 15:37 (vor 6102 Tagen) @ Gismatis

[8. Januar 2007] Der Text der Respect-Projektwoche wurde nach einer
äußerst mißverständlichen Interpretation in einem Spiegelbericht
vorübergehend von der Homepage genommen, kann aber bei Dissens über

Andrea

v. Marschall oder Dr. Ralf Puchert bezogen werden.[/b]

Oder man kann den Google-Cache bemühen:

http://209.85.129.104/search?q=cache:EBi8b8SpXc8J:www.dissens.de/de/jugendarbeit/projektwoche01.php

Gruß, Gismatis

Danke für den Link Gismatis.

Folgend zunächst einmal die Passage, um die es bei dem Spiegel Artikel ging:

Wir haben dann einem Jungen (der in der Gruppe eine hegemoniale Stellung hatte und sich daher gut verteidigen konnte) in der Auseinandersetzung über Männlichkeitsvorstellungen nach der Quiz-Show vorgeworfen, uns zu verheimlichen, dass er eine Scheide habe und daher ständig nur so tue, als sei er ein Junge. Die Empörung war wie zu erwarten bei allen groß und eine heftige und kontroverse Diskussion entstand. Ziel unsererseits war die Vermittlung der simplen Tatsache, dass jede Geschlechtsidentität als sich permanent wiederholende Konstituierung begriffen werden muss gewissermaßen als eine Imitation, zu der es kein Original gibt. Kritisiert werden sollte ein Denken, welches von äußerlichkeiten und Verhalten auf biologische Tatsachen schließt, diese aber als ursächlichen Grund für eben diese äußerlichkeiten und ein bestimmtes Verhalten annimmt (sieht aus wie ein Junge, hat also einen Penis, verhält sich also wie ein Junge). Diese (irrationale) gedankliche Konstruktion wurde in der Diskussion aufgegriffen und kritisiert. Mit Erfolg wie wir sagen würden, da von einem der Jungen irgendwann der Satz fiel, dass wir somit eigentlich alle ständig Schauspieler seien. Und ständig zu schauspielern und sich nicht so geben zu können, wie man(n) gerade gerne möchte, ist ohne Zweifel anstrengend.

-> Ich weiß fast nicht, wie ich es richtig ausdrücken soll, aber mMn stellt allein das Wort "irrational" die Identität zum eigenen Geschlecht nicht nur in Zweifel, es muß mMn zwangsläufig bei Pubertierenden zu der Erkenntnis kommen, anschließend gar nicht mehr zu wissen, wer man eigentlich ist. <-

Wir hatten noch ein Buch über (bewusst lebende) Transgender mit, wo Anfangs immer wieder von den Jungen stereotyp gefragt wurde, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau sei. Irgendwann merkten sie, dass diese Frage einfach nicht in der Lage ist, die Menschen, die sie sahen, zu beschreiben. Es kam zu einer Irritation des für sie gewohnten geschlechtsdualistischen Blicks.

Schwierig war hierbei, dass die bewusst als Transgender lebenden Menschen so teilweise als "Freaks", die von einem selbst ganz weit entfernt sind, rüberkamen. Dies wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass in dem Buch überwiegend Frau-zu-Mann-Transgender abgebildet waren, diese für die Jungs noch weiter weg waren und sie sich so ihrer eigenen Männlichkeit versichern konnten. Andererseits diente es uns als Aufhänger für oben beschriebene Diskussion und für eine Ausweitung auf jeden Geschlechtshabitus [5], der immer Travestie ist und ein Geschlecht darstellt. Angegriffen wurde so der bipolare männlich-weiblich-Blick, nach dem alles sortiert, kategorisiert und bewertet wird.

Und von diesem Punkt aus sind wir dann auf den Vorurteilswettbewerb zurückgekommen, der aufzeigte, welche (unnötige) Bedeutung den verschiedentlich übrigbleibenden Unterschieden bleibt. Da nur biologische Unterschiede übrig blieben und das waren mit der Anzahl der ursprünglich aufgeschriebenen Begriffe vergleichsweise wenige , stellt dies einen Bedeutungsverlust der klassischen Symbole zweigeschlechtlicher Ordnungen und das meint soziale Ordnungen dar. Der Vorurteilswettbewerb eignet sich hierfür besonders gut, da die Jungs regelrecht darum konkurrieren, dem anderen Team aufzuzeigen, dass Jungen/Männer bzw. Frauen/Mädchen alles können/sind und die Vorannahmen, Klischees, Bilder und Stereotypen von sich aus widerlegen - was im übrigen sehr nett zum Zusehen und Zuhören ist.

Und hier kommt der nächste Hammer:

4.2 Mein schwules Kaninchen

Der Kurzfilm (17 Min.) Mein schwules Kaninchen handelt von Caroline, ein Mädchen, dessen Kaninchen sich nach einer Operation für das eigene Geschlecht interessiert. Die Eltern sind sauer auf Caroline, machen ihr verschiedenartige Vorwürfe (z.B. "es ist schwul, weil dein Zimmer zu dreckig ist") und es kommt zu einem großen Familienkrach. Die Eltern töten das Kaninchen letztendlich. Caroline wird depressiv, bis sie von ihren Eltern zu einer Psychologin geschickt wird, die ihr hilft. Der Film endet damit, dass es Caroline besser geht, die Psychologin aber gerne mit den Eltern sprechen möchte.
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Hinzu kommt noch, das in dem Projekt: Liebe - Freundschaft - Sexualität geschrieben steht, das alle Kinder einer 10. Schulklasse, die auserwählt worden war, daran teilnehmen mußten, es durfte sich kein Kind diesem Projekt entziehen.

Ehrlich gesagt, ich weiß immer noch nicht, was ich von all dem halten soll.

Gruß - Christine

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein


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