Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Strafanzeige gegen Dissens e.V.

susu, Sunday, 14.01.2007, 07:37 (vor 6364 Tagen) @ Nihilator

Hallo Nihi

Sehe ich natürlich anders. Ein Höhepunkt dürfte erreicht gewesen sein, als
sich unser Frauenministerium entschloß, solche Konzepte zu verwirklichen
und mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten.

Das BMFSFJ hat Dissens ausschließlich für die Erstellung der Pilotstudie "Gewalt gegen Männer" Mittel überlassen, soweit ich informiert bin. Der Spiegel schreibt: "Aufträge kamen schon von der Stadt Berlin, der Bundesregierung, der EU-Kommission."
Der Spiegel bezieht sich ausschließlich auf die Website von Dissens, und dort wird von Förderung durch das BMFSFJ ausschließlich im Zusammenahng mit der Studie gesprochen. Die EU fördert diverse Forschungsprojekte, die Stadt Berlin die Aktion "Unser Platz". Die Projekttage an Schulen werden von den Schulen getragen.

Rührender Versuch, aber den guten Herrn Money kannst Du gern auf Deiner
Seite behalten, wo er hingehört. Dieser Mengele für Arme vertrat die
Meinung, daß geschlechtliche und sexuelle Identität anerzogen sein und
somit auch beliebig anders anerzogen werden können. So wie Alice Schwarzer
und ihre Radabfems, Judith Butler und -wenn ich mich nicht sehr täusche-
auch Du.

Toller Zusammenwurf. Money selbst rühmt sich in seiner Arbeit
"Money, John (1994): Zur Geschichte des Konzepts Gender Identity Disorder. In: Zeitschrift für Sexualforschung. Stuttgart. 20-34."
den Begriff der Geschlechtsidentitätsstörung eingeführt zu haben und die Geschlechtsidentität als zu schützendes Gut in der Psychotherapie begründet zu haben. Wenn du dir seine Begründung der "Behandlungsmethoden" im Fall Reimer und den Fällen von Intersexualität, die er vorher "Behandelt" hatte (mit gleicher Methodik, nur das in diesen Fällen die Genitalien mit voller Absicht verstümmelt wurde) ansiehst, dann ist das genau dieser Punkt: Abwehr von Zweifeln an der Geschlechtsidentität um jeden - aber auch wirklich jeden - Preis.

Die "Krankheit" Geschlechtsidentitätsstörung hat Money quasi erfunden und ihre Therapie am Beipiel von Reimer beschrieben. Als jemand den diese "Behandlung" nach der Diagnose GID innerhalb kurzer Zeit von einem vieleicht etwas eigensinnigen Jugendlichen zu einem Suizidalen Wrack verwandelt hat, weiß ich sehr genau, wem ich das zu verdanken habe. Da kommt mein Einsatz für die Rechte von IS her, weil es da Parallelen gibt. Und mein Kontakt zu David, bevor er starb. Und weil nur auf der Basis von Moneys Lehrmeinung Geschlechtsidentität als zu erhaltendes etwas eingeführt wurde, zur Rechtfertigung einer Methode, die man tatsächlich und ohne Abstriche als Folter und Umerziehung bezeichnen muß, sollte man sich darüber Gedanken machen, wozu diese Identität denn gut sein soll. An dem Begrif klebt Blut. Und mich in eine Reihe mit dem Wichser zu stellen, dessen wirre "Forschungsarbeit" neben den Leben, die sie gekostet hat, auch meins fast frühzeitig beendete, kotzt mich an. Ich habe nicht, aber auch gar nichts mit Money gemein. Meine zwei wichtigsten politischen Anliegen sind das Verbot von IGM und die Streichung von GID aus den Diagnostischen Listen. Man kann auch sagen: Die Zerstörung seines Lebenswerks.

Es gibt übrigens sehr wohl Grund zu der Annahme, daß eine
Nichtübereinstimmung zwischen biologischem Geschlecht und geschlechtlicher
Identität als quälend empfunden wird. Und zwar sind das die Transsexuellen,
die -Dir muß ich es sicher nicht erzählen, Du kennst da mehr Literatur- das
Gefangensein im falschen Körper doch sehr oft als ausgesprochen belastend
empfinden, bis hin zu einer außerordentlich hohen Selbstmordrate. Sehr
viele lassen sich auch umoperieren, und wie hier erst zu lesen stand, sind
sie mehrheitlich nach diesem Eingriff wesentlich zufriedener.

Ich kenne da nicht nur mehr Literatur, ich kenne auch die Leute. Und Transsexualität allein auf "Geschlechtsidentität" zu reduzieren ist eine ziemlich unvollständige Beschreibung. Es geht auch um die Nichtübereinstimmung zwischen empfundener Identität und Betrachtung durch andere. Und es geht um das Körpergefühl im Ganzen. Dazu gibt es eine vielzahl individueller Lebensformen. Es gibt eine erhöhte Selbstmordrate, was u.a. an der erhöhten Rate an Gewalterfahrungen liegen könnte. Oder an Leuten die ständig betonen, daß man krank ist. Aber es ist keineswegs so, als ob Transen ein Haufen Depressiver wären.

Und solche desorientierten armen Schweine wollen wir mit Dissens-Methoden
aus ganz normalen Jungs auch noch künstlich züchten? Nein.

Das ist Quark. Nichts an der Dissens-Projektwoche ist dazu geeignet Transsexuelle zu züchten.

Es dürfte eine Unmöglichkeit sein, an den Jungen heranzukommen. Zumindest
mit enormem Aufwand verbunden. Wozu? Die Schilderung solcher Methoden
reicht mir vollkommen als Grundlage für eine Anzeige, so weit traue ich
dem SPIEGEL. Es ist ja eben keine Klage. Wird sich zeigen, was da
ermittelt wird.

Ich würde dem SPIEGEL da nicht trauen, weil in dem Absatz über Dissens so viele Fehler und (gewollte?) Mißverständlichkeiten drin sind, das es nicht mehr feierlich ist. Das fängt an bei dem Satz, den du ja auch mißverstanden hast: "Aufträge kamen schon von der Stadt Berlin, der Bundesregierung, der EU-Kommission." - der sich eben nicht auf das nachfolgende bezieht. und dann kommt ein Satz, der nun wirklich daneben ist:
"Am Ende warfen die beiden Dissens-Leute einem besonders selbstbewussten Jungen vor, "dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge", so steht es im Protokoll."

1. "Am Ende" ist falsch. Nachdem das Protokoll ja noch einsehbar war, konnte man feststellen, daß sich aus diesem Satz eine Diskussion entwickelte. Die damit begann das der Satz von der gesammten Gruppe zurückgewiesen wurde und auch von den Dissens Mitarbeitern zurückgenommen wurde.
2. "einem besonders selbstbewusten Jungen". Ist mißverständlich. Armendt interpretiert das als ein Versuch dem Jungen das Selbstvertrauen zu nehmen und ihn zu brechen. In dem Kontext, daß man einen provokativen Satz einsetzt macht es aber pädagogisch Sinn ihn gegenüber einem selbstbewusten Jungen (Das Protokoll macht diesen Punkt deutlicher: Ein Junge der sich gegen diesen Satz wehren kann, wenn man eine Diskussion anfangen will schüchtert man sinnvollerweise sein Gegenüber nicht ein) auszusprechen. Wenn man die Aussage gegenüber einem Jungen gebracht hätte, der ein angeknackstes Ego und Durchsetzungsprobleme hat, dann würde man Schaden anrichten.

BTW, findest Du es auch seltsam, daß Dissens prompt die Informationen zu
ihren fortschrittlichen Methoden vom Netz nahm? Warum, wenn man sich
keiner Schuld bewußt ist?

Weil das Protokoll augenscheinlich fehlinterpretierbar ist. Du kannst es dir immer noch zuschicken lassen. Und vermutlich wird es in überarbeiteter Form wieder online gehen. Ich erwarte außerdem das Dissens eine Stellungnahme zum Spiegel-Artikel abgibt. Wäre tatsächlich ein komisches Zeichen, wenn nicht.

Wenn es teilweise Dinge in der Arbeit von Dissens geben sollte, die
Männern und Jungen nützlich sind, soll mir das recht sein.
Im übrigen hat dieser Verein aber die feministische Sichtweise voll
verinnerlicht: das Übel sind die Männer, ist die Männlichkeit, also weg
damit. Das ist nicht weniger faschistisch und rassistisch als zu sagen,
die Juden seien unser Unglück, nur wird es nicht ganz so wahrgenommen. Das
funktioniert in dieser Gesellschaft nur mit anerkannten Opfergruppen, und
dazu zählen Männer nicht.

Das Übel sind nicht die Männer, das findest du bei Dissens nicht. Das Männlichkeit ein Problem ist, ja absolut. Und zwar dann, wenn sich Männlichkeit als (Auto-)agression äußert. Es gibt da Indizien, wie die höhere Suchtgefährdung von Männern. Oder die höhere Suizidrate.
Das Problem, das Männer als Opfer nicht wahrgenommen werden ist eines der zentralen Punkte bei Dissens, nur mal
http://www.gewalt-gegen-maenner.de/
anklicken. Und z.B. die Texte aus "Mann oder Opfer?". Kompiliert u.a. von klaus Schwerma von Dissens:
"Die Tagung ?Mann oder Opfer?? hatte das Ziel, die Zuschreibung "Täter sind männlich, Opfersind weiblich", in Frage zu stellen und männliche Opferperspektiven in verschiedenen Bereichen zugänglich zu machen. Wir gehen davon aus, daß eine Veränderung der Genderverhältnisse nur geschehen kann, wenn solche polaren Sichtweisen aufgelöst werden."

"Ich möchte eine Anekdote von Peter Gieße zitieren, der das letzten November auf einer ähnlichen Tagung vorgestellt hat. Er arbeitet bei einer Opferhilfeberatungsstelle und hat erzählt, wie er dem zuständigen Referenten seine Arbeit der Opferhilfe geschildert hat. Diesem zuständigen Referenten
bei der Justizbehörde, der ja auch die Arbeit der Opferhilfe kennt, hat er voller Stolz erzählt, daß sie den Anteil der Männer, die nachfragen, steigern konnten. Dann hat der Justizbeamte ganz irritiert zurückgefragt: Ich dachte immer, Sie arbeiten nur mit Opfern; arbeiten Sie jetzt auch mit Tätern? ? Ich finde das ein schönes Beispiel dafür, daß im Denken Opfer weiblich, Täter männlich sind."

Ich weise hier auch noch einmal auf die Grundsätze der "kritischen
Männerforschung" nach Jeff Hearn hin:

http://www.wgvdl.com/forum/board_entry.php?id=4950#p4975
Ich kann nicht die ganze Nacht damit verbringen nochmal zu formulieren, was ich schon mal geschrieben habe. Hearn hat das vorgeschlagen, wurde von so ziemlich allen kritischen Männerforschern und gar nicht mal so wenigen Frauenforscherinnen für den Stuß kritisiert und legte diesen Ansatz selbst schleunigst ad acta. Das ein Idiot aus der Schweiz ihn noch mal rausgekramt hat. Man kann eben locker 20 Jahre einer Disziplin ignorieren, dann wird man nur von niemandem ernst genommen...

Es ist keineswegs erwiesen, daß die zugrundeliegenden Thesen richtig sind.
Im Gegenteil scheinen wissenschaftliche Erkenntnisse solche Theorien zu
widerlegen (ich meine jetzt richtige Wissenschaft, keine feministische
oder queere, wo vorn das Ergebnis steht und hinten nach Bestätigung
gesucht wird).

Welche Wissenschaftlichen Erkenntnisse meinst du?

susu


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