Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Strafanzeige gegen Dissens e.V.

susu, Saturday, 13.01.2007, 18:49 (vor 6373 Tagen) @ Mitleser

Finde ich nicht. Wäre die Veranstaltung anders herum gelaufen, die Jungen
hätten sich in ihrer Sexualität offenbaren müssen und Homosexualität wäre
als Konstruktion enttarnt und die Schwulen als Irrgläubige dargestellt
worden, wäre dir die Gewalt aufgefallen.

Ich halte Homosexualität für genau so konstruiert wie Heterosexualität (zur Konstruktion sich gegenseitig Konstituierender Binärer Strukturen ist das das Lehrbeispiel - Sexualität und Wahrheit I). Aber so weit ich das sehen kann, ging es im beschribenen Fall um Geschlechtsidentität, nicht sexuelle Orientierung. Da besteht ein deutlicher Unterschied, wie insgesammt in dieser Debatte die Begriffe völlig unscharf durcheinandergeworfen werden.

Hältst du für unwahrscheinlich. Kann sein. Scheint in diesem Fall aber
anders zu sein. Dass der Junge gegen diese Unterstellungen protestierte
und daraufhin in seiner Ansicht gebrochen werden sollte, zeigt eigentlich,
dass es hier um Frage Macht der Pädagogen gegen Macht des Schülers geht.

Der Junge sollte seiner ansicht nach gebrochen werden? Wo hast du das jetzt her? Er protestierte gegen die Unterstellung, was so weit ich das sehen kann auch der Sinn dieser Unterstellung war. Provokativer Satz -> Diskussion. Es ist ja nicht so, daß diese Prinzip nicht auch die Grundlage von z.B. diesem Forum hier ist.

Das Argument der Pädagogen hätte man wie Diogenes in einer Sekunde
widerlegen können.

Welches?

Erinnerung an den Sexualaufklärungsunterricht bei uns an der Schule. Der
Pädagoge: Ob man homosexuell ist, kann man erst wissen, wenn man es
probiert hat. Deswegen müsse man viel ausprobieren. Auf meine Erwiderung,
ich sei nicht schwul. Die Antwort: wir sind alle bisexuell, die einen mehr
hetero, die anderen mehr homo, und manche beides. Ich sagte, ich sei nicht
bisexuell. Er meinte, es könnten sich eben nicht alle eingestehen, aber
die Wissenschaft weiß dasa.

Halte ich für so richtig wie falsch. Richtig ist vermutlich das es kein Angeborenen präferenzen gibt. Genausowenig gibt es vermutlich ein Gen das entscheidet, ob jemand lieber Erdbeerjoghurt oder Kirschjoghurt ißt. Trotzdem gibt es Leute die keinen Kirschjoghurt essen und Leute die Erdbeerjoghurt verschmähen. Vermutlich könnte man eine Versuchsreihe machen, bei der man Leuten die Wahl zwischen den Joghurts läßt und zählt wieviele welchen Joghurt essen. Auf jeden Fall halte ich die Aussage mit dem eingestehen für grundfalsch, genauso wie ich die Aussage, man solle ruhig experimentieren, wenn man sich nicht sicher sei, für richtig halte.

Vor den anderen Jungen über Masturbation usw.
sprechen zu müssen macht vielleicht an, wenn man so orientiert ist, aber
ich fand es zum kotzen, auch das von anderen anören zu müssen. Bin dort
nicht ausgetickt, hab am Abend aber die Wut an meiner Mutter ausgelassen.
Verschiebung?!

Interessante Frage: Warum fandest du es zum kotzen? Hast du bei deinen Amazon-Empfehlungen auch das Buch "Onanieren für Profis" dabei und wenn ja, wie hast du reagiert als du das gesehen hast (Amazon packt in die Empfehlungen ja Bücher von Autoren, von denen man schon ein Buch bestellt hat und zumindest eines der Bücher des Autors gehört zur Pflichtlektüre).

Die Türen wurden übrigens abgeschlossen, damit niemand von
draußen hereinkommen könne und uns stören. Und falls uns das peinlich
wäre. Im Kreis der Freunde und Arschlöcher der Klasse sich zu öffnen
sollte aber dagegen nicht peinlich sein.

Ich frage mich, warum dir deine Sexualität peinlich ist. So unrecht scheint Dissens gar nicht zu haben, mit der Aussage, daß Männer ein von Distanz und Scham geprägtes verhältnis zum eigenen Körper entwickeln.

Übrigens haben die Mädchen
gesondert ihren eigenen Kurs gehabt, in dem sie z.b. lernten, daß AIDS
eine Schwulenkrankheit sei und mit ihnen kaum was zu tun habe. Dämlichkeit
gepaart mit Indiskretion sind ideale Voraussetzungen, um das eigene
Intimste preiszugeben. Wenn ich Kinder hätte, würde ich sie jedenfalls
nicht daran teilnehmen lassen.

Sehe ich auch so. Die Frage wäre jetzt, ob das zwingend so laufen muß.

Und was soll uns dieser Punkt jetzt sagen? Erstens rechtfertigt ein
Unrecht kein anderes, zweitens verwechselst du hier die Personen: Unrecht
1 Zwang zum Wehrdienst + Unrecht 2 Identitäten zerstörende Pädagogik gehen
beide vom Staat aus. Daß Männerrechtler gegen das eine im Moment stärker
vorgehen, heißt nicht, daß sie das andere gut finden oder rechtfertigen.

Sorry, aber ich habe eine solche Welle von Aktivität auf diesem Forum noch nicht erlebt. Und es gibt deutlich wichtigere Themen. Vieleicht besteht auch Unwissen über den Identitätsbegriff, der da relevant ist.

Ja, sie erklären pubertierenden Jungen, dass es so etwas wie Männlichkeit
gar nicht gebe. Problem gelöst.

Beeindruckend wie du Pädagogische Konzepte über die es mehrere hundert Seiten starke Dissertationen gibt und die auf einem theoretischen Ansatz zur Beschreibung von Geschlecht, über den es Regalfüllende Literaturmengen gibt in einem Halbsatz zusammenfasst...

Diese Studie war vom BMFSJS in Auftrag gegeben worden und verschiedene
Organisationen wie Dissens haben daran mitgearbeitet. Was willst du damit
sagen? Dass sie nicht kritisiert werden sollten? Dann dürfte man am
Bundesministerium für Frauen wohl auch keine Kritik üben, schließlich
waren die an der Studie ja noch mehr beteiligt.

Kritisieren? Es besteht ein Unterschied zwischen Kritik üben und ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts Anzeige erstatten...

Definiere mal "gleichwertig". Die Jobs, die man bei Mädchen als
Mechanismen ihrer Unterdrückung wertet für Jungen als Zukunftchance
darzustellen heißt für mich noch nicht gleichwertig.

Eine Aktion, die Jungen eine größere Auswahl an Berufen ins Blickfeld bringt und insbesondere sogenannte "Frauenberufe" ist, wenn sie einen ähnlichen Maßstab erreicht wie der Girlsday gleichwertig. Und wenn du dir den Arbeitsmarkt mal ansiehst, dann wirst du erkennen warum. Plegeberufe mögen schlechter bezahlt sein, als andere Berufsfelder, aber Pleger mit Arbeit ist besser als Maurer mit ALG II. Welche Bereiche im Arbeitsmarkt werden auf absehbare Zeit wachsen? Pflegerische Tätigkeiten, Kinderbetreung... An den Schulen herrscht Lehrermangel - gerade an Grundschulen (an der Schule an der Meine Mutter lehrt sind 1,5 Planstellen unbesetzt!). Im September ging ein Jahrgang von einer Altenpflegeschule ab. ~100 frisch Examinierte Kräfte. 3 Tage nach der zeugnisvergabe ohne Anstellung: Einer. Der hatte noch zwei Wochen Resturlaub in einem Heim in dem er während der Ausbildung gejobbt hatte und flog erstmal ein paar Tage nach Malle - und unterschrieb am Tag seiner Rückkehr den Arbeitsvertrag. Es gibt Branchen da sieht es nicht so aus (so ziemlich alle anderen).

Okay, aber ursprünglich ging es mit der Anzeige darum, zu kritisieren,
dass Jungen im Unterricht der Schniedel verbal entwendet wird. Es ist kein
Angriff auf Schwule, wie du da hineininterpretierst, sondern Forderung nach
Schutz derjenigen, die diese Ansicht nicht teilen wollen. Lustigerweise
hast du das vertauscht, und nun sind es die Pädagogen mit dem Anspruch,
die männliche Identität zu zerstören, die bedroht sind.

Zum einen habe ich hier Homosexualität überhaupt nicht ins Feld geführt. Um noch mal darzustellen, was die Dissens Leute damit bezwecken wollten:
Leute laufen herum und "spielen" Geschlecht (oder genauer gesagt: stellen Geschlecht performativ her). Der Grund dafür, ist, daß sie daran zweifeln, daß ein Gegenüber ihr Geschlecht ohne diese Performanz erkennen würde. Prinzipiell sollte man meinen, ob jemand einen Schwanz hat oder nicht sei eine einfache Tatsache, aber dem ist nicht so und Leute tun allen möglichen (z.T. selbstzerstörerischen) Kram um anderen zu vermitteln: Ich habe einen Schwanz. Wenn man aber einen Schwanz hat, wäre es doch eigentlich völlig unnötig ständig zu beteuern, man habe einen. Der einzige triftige Grund, warum jemand ständig und immer wieder darauf hinweisen muß, einen Schwanz zu haben ist eigentlich, daß er in Wirklichkeit keinen hat und nur nicht will, das das jemand merkt. Jemandem, der glaubt keinen Schwanz zu haben, kann dieser auch nicht verbal entwendet werden.

susu


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