Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Strafanzeige gegen Dissens e.V.

Mitleser, Burgwald, Sunday, 14.01.2007, 08:32 (vor 6364 Tagen) @ susu

Aber so weit ich das sehen kann, ging es im beschribenen Fall um Geschlechtsidentität, nicht sexuelle Orientierung.

Interessant. Denn an anderer Stelle werden genau diese Begriffe immer wieder miteinander verwoben. Zum Infragestellen der Geschlechtsidentität wird auf die sexuelle Orientierung geschossen.

Der Junge sollte seiner ansicht nach gebrochen werden? Wo hast du das jetzt her?

Aus dem mittlerweile nicht mehr aufzurufenden Bericht?!! Seine eigene Ansicht ist für die Pädagogen nicht akzeptabel, und Ziel des Verfahrens soll "gar kein Junge" sein. Würde ich als "brechen" bezeichnen.

Das Argument der Pädagogen hätte man wie Diogenes in einer Sekunde
widerlegen können.


Welches?

Diogenes ist kein Philosoph im klassischen Sinne, sondern in seiner Methode eher etwas anarchisch. Als Platon sich über die ideelle, geistige Natur der Liebe in Verzückung redet und die intellektuelle Elite der Stadt sich darin, ihm zuzustimmen, ganz wunderbar findet, kontert Diogenes mit einer Masturbation auf dem öffentlichen Marktplatz und setzt, ganz ohne Worte, gegen die geistigen Höhenflüge die materielle Realität des Körpers. Im Falle des Jungen bei Dissens hätte ein kurzes "Hose runter" die Fronten geklärt.

Interessante Frage: Warum fandest du es zum kotzen? Hast du bei deinen
Amazon-Empfehlungen auch das Buch "Onanieren für Profis" dabei und wenn
ja, wie hast du reagiert als du das gesehen hast (Amazon packt in die
Empfehlungen ja Bücher von Autoren, von denen man schon ein Buch bestellt
hat und zumindest eines der Bücher des Autors gehört zur Pflichtlektüre).

Ich würde mir das Recht herausnehmen, es nicht zu lesen. Es interessiert mich nicht, was Herr Hoffmann für professionelles Onanieren hält. Wer es bestellen will, soll er es machen. Wenn ich von meinem Betrieb aber dazu gezwungen würden, im intimen Kreis der Mitarbeiter damit vollgelabert zu werden und über meine eigene Ansicht Rechenschaft abzulegen, würde ich ausrasten. Als Schüler hätte ich mich das wohl nicht getraut.

Ich frage mich, warum dir deine Sexualität peinlich ist. So unrecht
scheint Dissens gar nicht zu haben, mit der Aussage, daß Männer ein von
Distanz und Scham geprägtes verhältnis zum eigenen Körper entwickeln.

Aaaaaarrrrrgghh! Hast du irgendwas verstanden von dem was ich geschrieben habe? Was Christine geschrieben hat, was andere geschrieben haben? In deiner Unfähigkeit, andere Standpunkte außerhalb deines vorgegebenen ideologischen Denkschemas zu erfassen, bist du tatsächlich sowas wie das Spiegelbild von Nick (natürlich geschlechtslos). Da Leute wie du das offenbar nicht kapieren wollen, macht es kaum Sinn, das weiter auszuführen. Deshalb hier zum letzten Mal: Meine Sexualität ist mir nicht peinlich. Aber sie ist privat. Und weil sie niemanden außer meiner Frau etwas angeht, breite ich sie auch nicht in der Öffentlichkeit aus. Erst recht nicht vor Leuten, die mich in meinen Ansichte korrigieren wollen. Werde ich dazu gezwungen, dann reagiere ich darauf wie auf alle Grenzverletzungen: mit Aggression! Es gab mal Zeiten, da unterschied man, wem man etwas sagte und mit wem man das Intimste teilte. Heute soll jeder, selbst der wildfremdeste Mensch in der Bahn oder der anonyme Zuschauer einer Talkshow ebenso geeignet sein, sich das alles anzuhören. Es ist für Leute wie dich unvorstellbar, dass man Geheimnisse haben kann, ohne dass sie durch Scham bestimmt sind, und daß man etwas, für das man sich nicht schämt, trotzdem nicht ausplaudert.

Sorry, aber ich habe eine solche Welle von Aktivität auf diesem Forum noch nicht erlebt. Und es gibt deutlich wichtigere Themen. Vieleicht besteht auch Unwissen über den Identitätsbegriff, der da relevant ist.

Du verstehst es immer noch nicht, oder? Das Programm von Dissenz braucht man nicht zu suchen, es steht auf ihrer Hauptseite: Sie richten sich gegen männliche Herrschaft. Wobei - wie die Papiere zu den Veranstaltungen zeigen - zur Bekämpfung der Herrschaft die Männlichkeit bekämpft bzw. wie es jetzt vornehm verschleiernd heißt: dekonstruiert werden soll. Es ist immer das gleiche: In Amerika kämpfen die Atheisten gegen die Religion, denn ohne Religion gibt es keine Kriege; in Europa kämpfen die Feministinnen gegen die Männlichkeit, denn ohne Geschlechtsidentität keine Macht, keine Herrschaft. Präzise wird es nicht: Die Ziele werden durch den Gegner bestimmt. Wie die atheistische Gesellschaft mit ihren Konflikten umgeht, bleibt unklar. Wie die Machtverhältnisse in der Gesellschaft, in der Geschlecht als Illusion "erkannt" ist, aussehen, wird nicht gedacht. Es bleibt das Erlösungsversprechen, das anzunehmen durch nichts gerechtfertigt wird, und darüber hinaus eine Methode, die konsequent weiter gedacht, in einen Teufelskreis führt, der nur deshalb nicht offensichtlich ist, weil sich von politischer Seite so am Geschlecht festgebissen wird. Letzten Endes ist aber jede Identität als "konstruiert" angreifbar, ist das Geschlecht eliminiert, dann werden die Welt- und Menschenverbesserer je nach persönlicher Präferenz ein anderes Merkmal finden, dass den Eingriff in die Persönlichkeit anderer rechtfertigt.

Fakt ist: Dissens Arbeit ist der Versuch einer Umerziehung von Jungen gemäß den eigenen ideologischen Interessen, die diese Umerziehung rechtfertigen sollen. Sie ist zudem sexistisch motiviert, weil sie per se Männlichkeit als Problem definiert, ohne näher zu bestimmen, was denn das eigentliche Problem daran sein soll. Geschlecht selbst wird also zum Problem, vorgeblich weil es unentwirrbar mit Herrschaft verbunden sei. Nun weiß jeder, der hier mehr als drei Beiträge gelesen hat, daß die Sache keineswegs so klar und eindeutig ist. Aber nur du vertrittst, trotz dieses Wissens, die Auffassung, dass die Zerstörung eines Geschlechterbildes, dass nirgendwo in der behaupteten eindeutigen Klarheit existiert, zu bekämpfen als politisches Programm notwendig und wünschenswert ist.

Kritisieren? Es besteht ein Unterschied zwischen Kritik üben und ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts Anzeige erstatten...

Schon wieder: Es geht hier nicht um den Gewaltbericht an Männern. Eigentlich geht es genau darum: Gewalt an Männern. Wenn die Ehefrau im Streit schreit: Du bist doch kein Mann! - darf das der Schlussfolgerung des Berichts nach als psychische häusliche Gewalt gewertet werden; wenn die genderbewegten Dissensleute den Jungen vor seinen Mitschülern angreifen, in Verlegenheit bringen, lächerlich machen, indem sie ihm seine Männlichkeit absprechen, ist das pädagogisch wertvolle Arbeit mit wünschenswerter Zielsetzung. Hallo, merkt mal jemand was?!!

Eine Aktion, die Jungen eine größere Auswahl an Berufen ins Blickfeld
bringt und insbesondere sogenannte "Frauenberufe" ist, wenn sie einen
ähnlichen Maßstab erreicht wie der Girlsday gleichwertig. Und wenn du dir
den Arbeitsmarkt mal ansiehst, dann wirst du erkennen warum. Plegeberufe
mögen schlechter bezahlt sein, als andere Berufsfelder, aber Pleger mit
Arbeit ist besser als Maurer mit ALG II. Welche Bereiche im Arbeitsmarkt
werden auf absehbare Zeit wachsen? Pflegerische Tätigkeiten,
Kinderbetreung... An den Schulen herrscht Lehrermangel - gerade an
Grundschulen (an der Schule an der Meine Mutter lehrt sind 1,5 Planstellen
unbesetzt!). Im September ging ein Jahrgang von einer Altenpflegeschule ab.
~100 frisch Examinierte Kräfte. 3 Tage nach der zeugnisvergabe ohne
Anstellung: Einer. Der hatte noch zwei Wochen Resturlaub in einem Heim in
dem er während der Ausbildung gejobbt hatte und flog erstmal ein paar Tage
nach Malle - und unterschrieb am Tag seiner Rückkehr den Arbeitsvertrag. Es
gibt Branchen da sieht es nicht so aus (so ziemlich alle anderen).

Blablabla - has du nicht zugehört? Ich habe nichts dagegen, wenn Männer als Pfleger, Lehrer oder sonstwo im sozialen Bereich arbeiten. Das Problem, dass ich mit diesen Veranstaltungen habe, ist daß sie eben keine neutralen Informationsveranstaltungen zur Berufsorientierung sind, sondern ebenfalls wieder ideologisch motivierte Umerziehungsversuche. Die gleichstellungspolitische Rechtfertigungsindustrie führt nämlich in tausenden Schriften, webseiten, Begründungen usw. aus, warum es für Mädchen dringend notwendig ist, in andere Berufe einzusteigen, die bisherigen "Frauenberufe" werden abgewertet oder gar als Teil eines Unterdrückungsapparats bezeichnet (als ob es hier eine Berufspflicht gäbe), dazu besondere Vergünstigungen geschaffen, um Frauen in andere Berufe zu fördern. Im selben Atemzug kommt dann ein Projekt wie "Neue Wege für Jungs", von den selben Leuten, dass eben genau diese Berufe als für Jungen wünschenswert darstellen sollen. Und wieder muss man sich fragen: Hallo, merkt hier jemand noch was? Verarschung hoch zehn. Glücklicherweise halte ich die Masse der Abiturienten bereits für clever genug, das zu durchschauen. Die Politiker wohl auch. deswegen gibt es neben den speziellen Infoangeboten für Mädchen auch eine spezielle Frauenförderung und -bevorzugungspolitik. Allein die Information führt nämlich noch nicht zum ideologisch gewünschten Ergebnis, also muss man ein bisschen diskriminieren.

Zum einen habe ich hier Homosexualität überhaupt nicht ins Feld geführt.

Okay, Trans*wasauchimmerderpcbegriffist.

Um noch mal darzustellen, was die Dissens Leute damit bezwecken wollten:
Leute laufen herum und "spielen" Geschlecht (oder genauer gesagt: stellen
Geschlecht performativ her). Der Grund dafür, ist, daß sie daran zweifeln,
daß ein Gegenüber ihr Geschlecht ohne diese Performanz erkennen würde.
Prinzipiell sollte man meinen, ob jemand einen Schwanz hat oder nicht sei
eine einfache Tatsache, aber dem ist nicht so und Leute tun allen
möglichen (z.T. selbstzerstörerischen) Kram um anderen zu vermitteln: Ich
habe einen Schwanz. Wenn man aber einen Schwanz hat, wäre es doch
eigentlich völlig unnötig ständig zu beteuern, man habe einen. Der einzige
triftige Grund, warum jemand ständig und immer wieder darauf hinweisen muß,
einen Schwanz zu haben ist eigentlich, daß er in Wirklichkeit keinen hat
und nur nicht will, das das jemand merkt. Jemandem, der glaubt keinen
Schwanz zu haben, kann dieser auch nicht verbal entwendet werden.

Das eben ist Theorie. Genau genommen wirst du bei den Männern im Forum hier keine allgemeine Gemeinsamkeit finden, außer daß sie eben einen Schwanz haben und von sie als Geschlecht diskriminierenden Gesetzen betroffen sind. Auf die Gesellschaft ausdehnbar. Ein "Hose runter" wie oben gesagt würde es beweisen, die Gedanken kreisen deshalb weit weniger darum, als du oder Genderideologinnen es sich vorstellen, und ich habe noch nie jemanden darauf hinweisen müssen. Kann sein, dass manche geschminkt, verkleidet, rasiert als Frau durchgehen würde, bar der Bekleidung wäre die Sache wieder klar. Statt Kritik an einzelnen (selbstzerstörerischen) Praktiken zu üben (die eben keineswegs für alle Männer gleich gültig und typisch sind), wird hier verallgemeinernd das Geschlecht als problematisch angesehen. Das Geschlecht hat man aber ob man will oder nicht (der Griff in den Schritt reicht hier um sich zu identifizieren, wenn Männer verächtlich gemacht werden), so sehr die Ansichten darüber auseinandergehen. Was auch immer man schließlich damit verbindet, ob kritisierte Eigenschaften auf einen zutreffen oder nicht, verflüchtigt sich mit einer generalisierenden Kritik am Begriff "Mann", der eben nicht auf bestimmte Verhaltensweisen zielt (dafür würdest du immer auch Unterstützung von Männern finden, sei es für "ein Mann darf weinen" bis "ein Mann muss nicht alleine die ganze Erwerbsarbeit leisten", "zum kriegsdienst" oder was auch immer), sondern auf das Geschlecht. Aus diesem Grund ist diese Identitäten zerstörende Politik in ihrem Objektverständnis und ihrer Zielsetzung totalitär, und eine Anzeige mehr als gerechtfertigt.

M.


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