Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Vaterschaftstests und verstossen

Jörg Rupp, Friday, 17.12.2004, 14:46 (vor 7447 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Vaterschaftstests und verstossen von Garfield am 17. Dezember 2004 12:11:45:

Tach Garfield,

Aber wäre das anders verlaufen, wenn private DNA-Tests schon verboten wären?

Man könnte sich vorstellen, dass im Falle dass so ein Test ohne Einverständnis des Partners möglich ist, auch die Genmaterialprobe nicht sicher ist.
2 Fälle dazu:
Der Vater will nachweisen, dass er nciht der Vater ist. Also nimmt er ne Haarprobe seines Kumpels, schickt die mit ein, nimmt das Ergebnis und sagt: so, ich bin nicht der Vater, tschüß, das wars.
Oder die Mutter nimmt eine Probe des biologischen Vaters, schickt die ein und präsentiert dem gehörnten Ehegatten das Ergebnis als: schua, du bist es...
Alles denkbar.

"Und bislang musste eben ein konkreter Verdachtsmoment her."
[quote]Genau das ist doch das Problem. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es schon Präzedenzfälle, in denen Gerichte die Aussage von Bekannten, daß eine Frau ein sexuelles Verhältnis mit einem anderen Mann hatte, nicht als konkreten Verdachtsmoment anerkannt haben.
[/quote]

Muss eine Einzelfallbetrachtung bleiben. Aber selbst da gibt es Revivionsmöglichkeiten.

Diese Möglichkeit will man den Männern jetzt nehmen.

Man will nur, dass beide einverstanden sind mit dem Test. Ich teile das in Bezug auf die datenschutzrechtlichen Gründe.

Da zeigt sich doch deutlich das Bestreben der Justiz, die Unterhaltszahlungen für Kuckuckskinder von unbekannten oder mittellosen Vätern auf die von den Müttern genannten Väter abzuwälzen.

Das Bestreben kann ich so nicht sehen. Ich denke, es geht tatsächlich drum, so einen Test nicht inflationär werden zu lassen. Ich befürchte, dass bspw. mit dieser konkreten Angst auch versucht wird, Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen und von interessierter Seite auch immer wieder deshalb Medienpolitik betrieben wird.

Datenschutz halte ich gerade bei DNA-Daten auch für wichtig. Mißbrauch mit Daten kann aber nur betrieben werden, wenn man diesen Daten sicher eine konkrete Person zuordnen kann. Bei vielen Testlabors sind anonyme Tests möglich. Ein Mann könnte da beispielsweise einen Bekannten hinschicken, der den Test für ihn in Auftrag gibt.

Und dann? Kauf die den Ökotest vom November, dann weisst Du, warum das keine adäquate Lösung ist. Ich möchte in diesem Bereich keine Pfuscher haben.

Wie sollte das Unternehmen dann herausfinden, zu welchen Personen die Daten gehören? Und was soll irgendjemand mit DNA-Daten anfangen, deren Herkunft man nicht kennt? Wozu sollte jemand solche Daten illegal speichern?

Och, Daten speichern, einfach mal so, ist ein ausreichender Grund. Vielleicht kann man sie ja in 10 Jahren verkaufen?

Bei den offiziellen Tests sehe ich da eher Probleme. Da die vor Gericht verwertet werden, muß natürlich sichergestellt sein, daß die Proben von den richtigen Personen stammen. Zwar muß das Labor die Personen-Daten nicht bekommen und bekommt sie ja auch üblicherweise nicht. Aber auf Ebene der Justiz müssen die Personendaten gespeichert werden, und dabei müssen sie zwangsläufig auch mit den Proben und den daraus gewonnenen DNA-Daten klar in Verbindung gebracht werden können. Da ist durch Korruption oder Schlamperei sehr wohl Mißbrauch möglich. Denn DNA- mit den dazugehörigen Personen-Daten sind ja erst wirklich interessant.

Und hier lässt sich über Zertifizierung und Kontrolle alles erreichen, was zu erreichen ist.

"Ich glaube auch nicht, dass sich tatsächlich eine Frau sperren wird, wenn der Verdacht konkret ist - und auch belegbar."
[quote]Wenn der Verdacht belegbar ist, dann kriegt man eventuell auch einen offiziellen Test durch. Wieso aber die hohen Kosten dafür aufwenden, wenn man dasselbe mit einem privaten Test viel billiger haben kann?
[/quote]

Weil es eine erhebliche Bedeutung hat und somit der gem. verantwortung beider Eltern. Und weil die Wahrscheinlichkeit bei einem billigen, privaten Labor viel höher ist, dass das Testergebnis falsch ist. Zumal pribate Labors auf Gewinnerzielung aus sind und wer weiß, was daraus resultieren mag. Nee, da bin ich echt empfindlich.

"Ich glaube, die hohe Zahl der Kuckuckskinder heutzutage kommt auch daher, dass es manche (beide) gar nicht wissen wollen."
[quote]Ja ja, ich kann mir vorstellen, daß so mancher Mann in der Situation das gar nicht so genau wissen möchte - solange es in der Beziehung oder Ehe ansonsten gut läuft.
[/quote]

Beide, Garfield, beide wollen das nicht wissen.

Die echten Probleme beginnen dann erst, wenn es zur Trennung oder Scheidung kommt. Dann darf er Unterhalt noch und nöcher zahlen, und das alles für ein Kind, das eventuell gar nicht von ihm ist.

Richtig, und wenn er konkrete Verdachtsmomente schon länger als 2 Jahre hat - und die blöderweise auch nachweisbar geäußert hat - dann bleibt er auch der Vater. Halte ich auch für Unfug.

Super. Zumal man unberechtigt kassierten Unterhalt ja auch praktisch nicht zurück bekommt.

Korrekt, zuviel bezahlter Unterhalt ist nicht rückholbar. Auch Unfug.

"Wenn er nicht der Vater ist, hat er keine Pflichten..."
[quote]Nein? Erzähle das mal den Männern, die für Kinder Unterhalt zahlen müssen, obwohl erwiesen ist, daß sie nicht die biologischen Väter sind. Oder die wzar keinen Unterhalt mehr zahlen müssen, aber vorher jahrelang gezahlt haben und davon nun keinen Cent wieder sehen.
[/quote]

Hier wären biologischer Vater und Mutter in Regreß zu nehmen, völlig richtig.

"Ich sehe Probleme im Bereich der privaten Insititute. Im letzten Ökotest kommen die ziemlich schlecht weg - bis hin zu spekultiven Ergebnissen."
[quote]Na ja, deshalb kann man ja mehrere Tests machen, um sicher zu gehen.
[/quote]

UNd dann hat man vielleicht 3 Ergebnisse....

Sogar bei den Laboren, die für die Justiz tätig sind, werden immer wieder Test-Proben verschickt, weil man nur so sicher sein kann, daß die korrekt arbeiten.

Korrekt. Aber warum das dann teurer machen, in dem man den Markt öffnet?

Wenn das von Frau Zypries geplante Gesetz Realität wird, dann bleibt Vätern tatsächlich nur eine Wahl, um 100%ig sicher zu gehen, daß sie wirklich die biologischen Väter sind: Nach einer Geburt die Vaterschaft grundsätzlich zu bestreiten. Dann nämlich wird auf jeden Fall ein Vaterschaftstest gerichtlich angeordnet.

Das macht keiner. Oder fast keiner.

Aber würdest du das deiner Partnerin oder Ehefrau antun?

Eben. Zudem kann ich keinen der 4 verleugnen....interessante Redewendung übrigens.

Wenn es standardmäßig DNA-Tests bei der Geburt gäbe, wäre das natürlich eine Lösung für das Problem mit Unterhalt und dem Recht der Kinder, ihre biologischen Väter zu kennen. Aber auch da sehe ich Probleme mit dem Datenschutz. Dafür müßte man ja wieder Personen-Daten mit erfassen, und so könnte man theoretisch nach und nach illegal die gesamte Bevölkerung in einer DNA-Datenbank erfassen. Zuerst Väter und ihre Kinder, und wenn die Kinder selbst alt sind, wären fast alle drin.

Die Löschung kann man via Datenschutzbeauftragte kontrollieren lassen, bei privaten Labors im Ausland geht das nicht.

Auch freundliche Grüße

Jörg


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